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TEST Weiße Wandfarbe: Erhellend


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2011 vom 06.05.2011

Ist es mal wieder Zeit zum Weißeln? Kein Problem! Die meisten untersuchten Wandfarben kann man bedenkenlos verstreichen. Es gibt nur wenige Ausreißer, die wegen der enthaltenen Konservierungsmittel Abzüge bekommen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Weiße Wandfarbe: Erhellend" aus der Ausgabe 5/2011 von ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: irisblende.de

Monatelang konnte man ihn ignorieren, aber irgendwann geht es beim besten Willen nicht mehr: Der graue Schleier am Übergang zwischen Wand und Decke muss weg. Die Wand war ja schon länger nicht mehr strahlend weiß. Jetzt hilft nur ein neuer Anstrich.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund eine halbe Million Tonnen Innenwandfarbe verpinselt. Der Klassiker ist noch immer Weiß. ...

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... Meist handelt es sich dabei um Dispersionsfarbe auf Wasserbasis. Sie besteht aus Pigmenten, die für die Deckkraft sorgen, hinzu kommen Bindemittel und Wasser. Und natürlich eine ganze Reihe von Hilfsstoffen, mit denen die Hersteller ihren Farben das gewisse Etwas verleihen wollen: Sie sollen besonders tropfarm sein, es soll sich keine Haut bilden und sich leicht verstreichen lassen.

Den eigentlichen Anstrich bilden Bindemittel und Pigmente, nachdem das Wasser, in dem sie fein verteilt sind, verdunstet ist. Für eine gute Bindung sorgen bei den meisten Farben Kunstharze auf Mineralölbasis – etwa Polyvinylacetat oder Acrylate. Es gibt aber auch Hersteller, die mit natürlichen Ölen oder Harzen arbeiten.

Neben Wasser können die Farben weitere Lösemittel enthalten. Bei Naturfarben werden beispielsweise Zitrusschalenöle eingesetzt. Die enthaltenen natürlichen Terpene können sich beim Ausdünsten allerdings in der Nase bemerkbar machen. So kommt es, dass bei ÖKO-TESTs in der Vergangenheit vor allem bei Naturfarben die Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) vergleichsweise hoch war.

Das Thema ist nicht neu. Die „Decopaint“- Richtlinie des Europäischen Parlaments über die Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen macht inzwischen recht strenge Vorgaben. Die Grenzwerte wurden kontinuierlich reduziert, seit 2010 gilt nun die letzte Stufe.

Wasserbasierte Farben brauchen in der Regel ein Konservierungsmittel, damit es zu keinem Befall durch Mikroorganismen kommt. Hier werden etwa Formaldehyd/-abspalter eingesetzt, die alles andere als unbedenklich sind, oder Isothiazolinone, die allergisierend wirken können. Besser greift man zu Produkten, die ohne diese Stoffe auskommen oder zumindest nur geringe Konzentra tionen enthalten.

Wir haben 19 weiße Wandfarben in die Labore geschickt, um herauszufinden, welche man für den neuen Anstrich empfehlen kann.

Das Testergebnis

■ … macht Lust auf Renovieren. 14 Wandfarben bekommen ein „sehr gut“, im schlechtesten Fall gab es ein „ausreichendes“ Gesamturteil. Zum Teil gab es Abzüge wegen aggressiver Konservierungsmittel, recht häufig bemängeln wir lückenhafte Deklarationen.
■ In den meisten Produkten im Test werden Isothiazolinone eingesetzt. Chlorisothiazolinone, die besonders problematisch sind, konnte das Labor aber bei keiner Farbe nachweisen. Auf den letzten Rängen landen vier Wandfarben, die neben Isothiazolinonen auch Formaldyhd/-abspalter enthalten. Formaldehyd ist krebsverdächtig. Flüchtige organische Verbindungen, die beim Streichen und Austrocknen ausgasen können, sind maximal in Spuren vorhanden.
■ Was pinselt man sich denn eigentlich an die Wand? Als Verbraucher ist man darauf angewiesen, dass die Hersteller darüber informieren – und zwar direkt auf dem Etikett. Für empfindliche Menschen spielen vor allem die Konservierungsmittel eine Rolle. Bei den Produkten aus dem Fachhandel ist eine vernünftige Deklaration keine Selbstverständlichkeit. Der Naturfarbenhersteller Livos machte auf uns, was die Deklaration der Inhaltsstoffe angeht, zunächst einen guten Eindruck, doch bei den Laborprüfungen zeigte sich: Er setzt Isothiazolinone ein, verschweigt dies aber auf dem Etikett.
■ Abgesehen von den Inhaltsstoffen zählt für den Verbraucher, wie gut die Farbe deckt und wie widerstandsfähig sie ist, wenn man mal mit einem feuchten Lappen drüberwischt. Die Deckkraftklasse sowie die Nassabriebbeständigkeit geben darüber Auskunft. Maximal ist jeweils die Klasse 1 zu erreichen; Klasse 4 steht für die niedrigste Deckkraftklasse, Klasse 5 für die niedrigste Nassabriebbeständigkeit. Während die Farben aus Baumarkt und Fachhandel meist vorbildlich deklariert sind, gab es bei den Produkten aus dem Naturbaumarkt Punktabzüge. Livos gibt gar keine Auskunft, was die Leistungsfähigkeit seiner Farbe angeht. Vielleicht, weil die erreichten Klassen nicht allzu hoch sind? Zumindest ergaben das unsere Laborprüfungen. Leinos lässt nicht erkennen, welche Deckfähigkeit seine Farbe besitzt, obwohl sich Klasse 2 durchaus sehen lassen kann. Und Auro klärt nicht darüber auf, bei welchem Materialeinsatz die deklarierte Deckkraftklasse erreicht wird.

Fett gedruckt sind Mangel.
Abkürzungen: BIT = Benzisothiazolinon, MIT = Methylisothiazolinon. MCI = Chlormethylisothiazolinon (auch CIT abgekurzt).
Glossar: siehe Seite 152.
Anmerkungen: 1) Der Hersteller macht keine Angaben zur Deckkraftklasse, der Preis pro Quadratmeter bezieht sich deshalb auf die Ergiebigkeit laut Hersteller. 2) Preis pro Quadratmeter berechnet fur Materialeinsatz zur Erreichung der Deckkraftklasse 1. 3) Laut Etikett wurden auch chlorierte Isothiazolinone (MCI) als Konservierungsmittel eingesetzt; das beauftragte Labor konnte sie jedoch nicht nachweisen. 4) Weitere Mangel: enthalt mehr als ein Prozent Erdolprodukte (Isoaliphate). 5) Laut Anbieter wurde inzwischen der Lieferant gewechselt. Die neuen Produkte seien erkennbar an dem EAN-Code, der mit den Ziffern 4006559 beginnt. Restbestande des von uns getesteten Produkts seien noch erhaltlich. 6) Preisberechnung auf Basis der Ergiebigkeit, die im Technischen Merkblatt angegeben ist (Klasse 3 bei 0,12 l/m2 ). 7) Im Fruhjahr soll die Farbe unter dem neuen NamenRelius Volldecker 4xff als formaldehydfreies Produkt auf den Markt kommen. Ende Marz war derRelius Volldecker 3xff noch erhaltlich. 8) Das Produkt ist nach einem Layoutrelaunch mit neuer Aufmachung erhaltlich. Laut Anbieter hat sich die Rezeptur nicht geandert. 9) Weitere Deklarationsmangel: widerspruchliche Auskunft bei Anruf der Hotline (Angaben zu den eingesetzten Verbindungen weichen von Angabe auf dem Etikett ab). 10) Weitere Deklarationsmangel: keine Angabe einer Hotline fur Isothiazolinon-Allergiker, obwohl Isothiazolinone enthalten sind. 11) Weitere Deklarationsmangel: unprazise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Isothiazolinon-Derivat“. 12) Weitere Deklarationsmangel: unvollstandige Angabe des Konservierungsmittels, MIT/BIT fehlt. 13) Weitere Deklarationsmangel: lediglich Deklaration von „Konservierungsmitteln“, obwohl Isothiazolinone enthalten sind. 14) Weitere Deklarationsmangel: keine Angabe zu Inhaltsstoffen. 15) Weitere Deklarationsmangel: keine Angabe zu Konservierungsstoffen. 16) Mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. 17) Weitere Deklarationsmangel: keine Nennung des Konservierungsstoffs, aber Angabe einer Hotline fur Isothiazolinon-Allergiker.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Unter dem Testergebnis Deklaration fuhren zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angabe zu Inhaltsstoffen; b) keine Angabe zu Konservierungsstoffen bzw. lediglich der Begriff „Konservierungsmittel“, wenn Isothiazolinone enthalten sind; c) unvollstandige Angabe des Konservierungsmittels, MIT/BIT fehlt. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) eine unprazise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Isothiazolinon-Derivat“; b) keine Nennung des Konservierungsstoffs, aber Angabe einer Hotline fur Isothiazolinon-Allergiker; c) keine Angabe einer Hotline fur Isothiazolinon-Allergiker, falls Isothiazolinone enthalten; d) eine widerspruchliche Auskunft bei Anruf der Hotline (Angaben zu den eingesetzten Verbindungen weichen von Angabe auf dem Etikett ab); e) Angabe der Deckkraft ohne zugehorige Ergiebigkeit; f) keine Angabe der Deckkraftklasse und/oder Nassabriebbestandigkeit auf dem Gebinde. Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhrt zur Abwertung um eine Note: mehr als ein Prozent Erdolprodukte (Isoaliphate) in einer sogenannten Naturfarbe. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Deklaration oder Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden: Isothiazolinone: Homogenisieren des Probenmaterials; Extraktion einer Originalprobe und einer mit MIT, MCI und BIT aufgestockten Probe mit Acetonitril im Ultraschallbad; Filtration des Extrakts durch Membranfilter; Trennung, Identifizierung und Quantifizierung mittels HPLC/DAD bei unterschiedlichen Wellenlangen. Halogenorganische Verbindungen: a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Fluchtige organische Verbindungen (VOC): GC/ MS nach Extraktion mit Dichlormethan; alle nicht naher identifizierbaren Verbindungen wurden als Toluol-Aquivalent berechnet. Dichte (falls nicht deklariert): Wagung eines auf 20 Grad Celsius temperierten definierten Volumens. Formaldehyd/-abspalter: in Anlehnung an VdL-RL 03. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Rontgenfluoreszenzanalyse. Deckkraft/Nassabriebbestandigkeit (falls nicht deklariert): Nassabriebbestandigkeit: Deklaration oder DIN EN ISO 11998. Deckkraftklasse: Deklaration oder Bestimmung des Kontrastverhaltnisses in Anlehnung an DIN EN ISO 6504-3. Klassifizierung jeweils nach DIN EN 13300.
Bereits veröffentlicht: OKO-TEST-Magazin 3/2011. Aktualisierung der Angaben, sofern die Anbieter Produktanderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mangeln geandert oder OKO-TEST neue/ zusatzliche Untersuchungen durchgefuhrt hat.
Preisberechnung basiert auf 10-Liter-Gebinden beziehungsweise, falls nicht erhaltlich, dem nachstkleineren oder nachstgroseren Gebinde, Stand: Februar 2011. Bei Angabe der Deckkraftklasse gilt die dafur angegebene Ergiebigkeit; fehlt diese, so gilt die vom Hersteller angegebene durchschnittliche Reichweite. Die Produktfotos zeigen in den meisten Fallen kleinere Gebinde.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 154.