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TEST Weiße Wandfarben für Allergiker: Reines Weiß


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 14.05.2020

„Ohne Konservierungsmittel“, „für Allergiker“ – wir haben Wandfarben mit diesen Auslobungen geprüft. Neun von zehn sind „sehr gut“.


WEISSE WANDFARBEN

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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen, Ausgabe 5/2020

RATGEBER

1

Die als „frei von Konservierungsmitteln“ ausgelobten Wandfarben sind eine gute Wahl für alle Heimwerker, besonders für Allergiker.

2

Je besser die Deckkraft, umso wahrscheinlicher ist es, dass einmal streichen genügt. Dabei sind manche Farben bei gleicher Deckkraft ergiebiger als andere.

Was für eine Wandlung. Noch im Dezember 2017 hatte das Umweltbundesamt (UBA) ein Papier veröffentlicht mit dem Titel „Konservierungsmittel in wasserbasierten ...

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... Wandfarben notwendig“.

Das UBA gibt die Marschrichtung für das Umweltzeichen Blauer Engel vor. Mit dem 2017er-Papier hatte es bekräftigt, dass Wandfarben das Umweltzeichen auch tragen dürfen, wenn sie Konservierungsmittel enthalten. Doch immer mehr kritische Stimmen wurden laut. Viele der eingesetzten Konservierungsmittel können nämlich Allergien auslösen. Schon wenige Monate nach dem Papier folgte die Kehrtwende.

Der Blaue Engel sollte strenger werden. Seit Januar 2019 gelten die neuen Kriterien. In „emissionsfreien Innenwandfarben“, die das Umweltzeichen tragen wollen, dürfen Hersteller künftig keine Konservierungsmittel mehr einsetzen.

Bislang verwendeten Farbenhersteller als Konservierungsmittel häufig Isothiazolinone. Das Problem: Die Zahl der Menschen, die auf diese Verbindungen allergisch reagieren, nahm dramatisch zu – auch weil die Industrie die Stoffe häufig als Konservierer in Kosmetika nutzte und viele Verbraucher so in Kontakt mit ihnen kamen. Für Isothiazolinone in Kosmetika gelten mittlerweile Grenzwerte.

Auch für andere Anwendungen verschärfte der Gesetzgeber die Regeln. Das betrifft auch Gemische wie Farben und Lacke. So müssen zum Beispiel Rezepturen mit mehr als 50 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Benzisothiazolinon den Hinweis tragen: „Kann allergische Reaktionen hervorrufen.“ Von Mai 2020 an müssen Produkte, die mehr als 1,5 mg/kg des noch potenteren Allergens Methylisothiazolinon enthalten, mit diesem Satz gekennzeichnet werden.

Angesichts dieser Entwicklungen handelte auch die Jury Umweltzeichen, die den Blauen Engel vergibt. Bislang ließ er beide Verbindungen in einer Konzentration bis 100 mg/kg zu. Künftig müssen Farben, die das Zeichen tragen sollen, ganz ohne Konservierungsmittel auskommen. Der Satz „Konservierungsmittel in wasserbasierten Wandfarben notwendig“ ist Geschichte. Denn die Industrie ist längst in der Lage, Dispersionsfarben ohne Konservierungsmittel herzustellen. Das ist denn auch der neue Standard für den Blauen Engel. Im Test: Neun als „konservierungsmittelfrei“ ausgelobte weiße Wandfarben aus Bau- und Fachmärkten sowie die Farbe eines Naturfarbenanbieters, die ebenfalls „für Allergiker“ ausgelobt ist.

Ohne umstrittene Konservierungsmittel

Sehr gut schnitten die neun als „konservierungsmittelfrei“ ausgelobten Farben ab. Die von uns beauftragten Labore haben bestätigt: Die Farben enthalten keine der umstrittenen Konservierungsmittel – weder allergene Isothiazolinone noch krebsverdächtiges Formaldehyd, nicht einmal in Spuren.

Bor und Silber in Naturfarbe

Ungenügend fiel dagegen das Urteil für die Livos Dubron Natur-Dispersionsfarbe Nr. 413 aus, die der Anbieter inzwischen aus dem Sortiment genomemn hat. Sie enthielt Bor – das ergab unsere Analyse. Laut Technischem Merkblatt auf der Homepage des Anbieters steckten in der Farbe die Borverbindungen Borsäure und Borax. Sie gelten als besonders gefährlich, weil sie vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen können. Wir haben bereits in früheren Tests Livos-Produkte wegen schädlicher Borverbindungen kritisiert. Besonders pikant: Die Biozid-Verordnung erlaubt es nicht, diese Stoffe als Konservierungsmittel in Farben zuzugeben. Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme hat Anbieter Livos nicht geantwortet. Ob zur Konservierung oder in anderer Funktion: Aus unserer Sicht haben schädliche Borverbindungen in Wandfarben nichts zu suchen.

Außerdem enthält die Farbe Silber. Silberionen sind antibakteriell wirksam und in medizinischen Anwendungen wie Wundauflagen wichtig. Kommen sie auch außerhalb der Medizin in vielen alltäglichen Produkten zum Einsatz, kann das zur Folge haben, dass Bakterien resistent gegen Silberionen werden und Silber seine medizinische Wirkung verliert. Silber ist nicht als Konservierungsmittel in Farben zugelassen, auch wenn derzeit noch eine Übergangsregelung greift. Wir werten Silber grundsätzlich in Alltagsprodukten ab; es sollte der Medizin vorbehalten bleiben.

Lausige Deklaration

Dürftig war die Verbraucherinformation bei Hersteller Livos. In der als „Volldeklaration“ bezeichneten Inhaltsstoffangabe auf der Verpackung fehlten die Borverbindungen und auch Silber. Auf dem Technischen Merkblatt im Internet war eine Volldeklaration mit Borsäure und Borax zu finden. Von Silber war auch hier nicht die Rede. Auf der Verpackung erwähnte der Hersteller stattdessen Parmetol. Das ist der Handelsname für ein Konservierungsmittel mit Isothiazolinonen. Die hat das Labor nun aber nicht nachgewiesen. Einerseits gut. Andererseits schlecht: Wenn auf der Verpackung etwas steht, was gar nicht drin ist, dann ist das ein Zeichen für eine chaotische Deklaration.

Das Gute zum Schluss

Keine der Farben werten wir wegen flüchtiger organischer Verbindungen ab, das heißt, keine der Rezepturen belastet beim Trocknen die Raumluft durch ausgasende Stoffe.

Bei Farben mit hoher Deckkraft reicht oft schon ein einmaliger Anstrich.


INFO

Wie gut deckt die Farbe?

Nach Norm lässt sich die Deckkraft in vier Klassen einteilen. In der Fachsprache bezeichnet man die Deckkraft als Kontrastverhältnis, weil Experten sie auf schwarz-weißen Kontrastkarten bestimmen.
Klasse 1: mindestens 99,5 % = hochdeckend
Klasse 2: mindestens 98,0 % = gut deckend
Klasse 3: mindestens 95,0 % = noch ordentlich deckend
Klasse 4: unter 95,0 %
Die Deckkraft hängt von der Menge der aufgetragenen Farbe ab. Der Hersteller muss zur Klasse auch die Farbmenge angeben, mit der sich diese Deckkraft erreichen lässt.

Was bedeutet der Nassabrieb?

Beim Nassabrieb geht es darum, wie viel Farbe beim Scheuern abgeht, etwa beim feuchten Abwischen der Wände. Es gibt fünf Abriebklassen.
Klasse 1: qualitativ die höchste Stufe, die Farbe haftet fest
Klasse 2: scheuerbeständig, auch für stärker beanspruchte Bereiche wie Kinderzimmer, Flur und Küche
Klasse 3: waschbeständig, für normale Anwendungszwecke
Klasse 4: höherer Abrieb, für gering beanspruchte Räume wie Gästezimmer oder für Decken
Klasse 5: deutlicher Abrieb, nicht empfehlenswert für Wohnräume


Foto: Michael H/getty images

Fotos: Dougal Waters/getty images; Vesnaandjic/getty images

WEISSE WANDFARBEN

Die komplett überarbeiteten Vergabekriterien für emissionsarme Innenwandfarben gelten seit Januar 2019. Die Hersteller dürfen für gelabelte Farben keine Konservierungsmittel mehr einsetzen. Lediglich geringe Rückstände an Isothiazolinonen und Formaldehyd toleriert die Jury, sofern sie mit den Rohstoffen in die Farbe gelangen. In unserem Test hat das Labor in den konservierungsmittelfreien Farben auch solch kleine Restmengen nicht nachgewiesen. Die Jury Umweltzeichen gewährt den Herstellern für die Umstellung der Rezepturen eine lange Übergangszeit bis Ende 2020. Solange darf der Blaue Engel nach alten oder schon neuen Kriterien auf den Eimern prangen. Der Verbraucher kann leider nicht erkennen, mit welchem Label er es zu tun hat. Hersteller von konservierungsmittelfreien Farben werben aber sicherlich deutlich mit dieser Eigenschaft.

WISSEN: Ohne Konservierungsmittel – wie machen die Hersteller das?

Statt mit Konservierungsmitteln rücken die Hersteller Bakterien und Schimmelpilzen mit einem hohen pH-Wert auf den Leib. Die pH-Werte der als konservierungsmittelfrei ausgelobten Rezepturen im Test sind so hoch, dass dauerhaft keine Mikroben wachsen können. Sie liegen zwischen 11,1 und 11,4 auf der Skala von 0 bis 14. Sie sind also hoch alkalisch. Damit die Farbe sauber bleibt, müssen die Hersteller auch sorgfältig, besonders sauber und mit ausgewählten Rohstoffen produzieren. Denn nicht alle Rohstoffe vertragen einen hohen pH-Wert. Durch den höheren Aufwand sind die Farben im Schnitt etwas teurer als Farben mit Konservierungsmitteln. Farbreste im Eimer können Sie nach dem Streichen noch eine gewisse Zeit aufbewahren – sofern sie sauber sind. Der hohe pH-Wert schützt sie weiterhin gegen Schimmel.