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TEST Wolle: Wollala!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2011 vom 30.09.2011

Stricken ist wieder in. Wir haben Sockenwolle und reine Schur -und Merinowolle getestet. Für die Sockenstricker gibt es jede Menge guter Produkte. Aber: In Merinowolle steckte Mottenmittel und einige Schurwollmarken machten im Praxistest schlapp.


Artikelbild für den Artikel "TEST Wolle: Wollala!" aus der Ausgabe 10/2011 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 10/2011

Die abrissreife Stadtvilla in Hamburg-Altona ist ein Treffpunkt fur Leute, die ein Faible fur Mode und Design und vor allem fur Handgemachtes haben. „Wir wollen zeigen, dass Konsum anders geht“, sagt Projektleiterin Anne Meyer. Der Verein Lokal organisiert Designmarkte, ladt ein zum Klamottentausch oder zu Bastelnachten, in denen alle ausprobieren, was man so ...

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... alles selber machen kann. Einmal im Monat trifft sich der Strickklub.


Foto: Eric Isselee/Fotolia.com

Nach und nach trudeln vor allem junge Frauen ein, kramen ihr Strickzeug hervor und legen los. „Stricken ist meditativ. Es ist eine Art, sich mit sich selber zu beschaftigen“, sagt Anna Nimmo.

„In einer Zeit, in der alles schnell lauft, kommt man dabei runter.“ Sie selbst strickt Mutzen und verkauft sie, sie engagiert sich als Vorstand im Verein Lokal und hat den Strickklub gegrundet. Denn Stricken hat noch einen weiteren Vorteil: Wer nicht gerade Maschen zahlt oder aufnimmt, kann dabei auch wunderbar klonen. Statt allein zu Hause im Internet unterwegs zu sein, lassen sich die jungen Strickerinnen im Lokal ein Bier oder einen Milchcafe einschenken und plaudern nadelklappernd drauflos. „Schon in den Zwanzigerjahren gab es Stricktreffs“, sagt Anna. Fruher aber war es anders: „Da mussten die Madchen stricken, sie durften nicht untatig sein.“ Heute tun sie es, weil es Spa. macht und weil sie lieber originelle, handgemachte Einzelstucke tragen als die H&M-Billigmode, die fur Hungerlohne in asiatischen Sweat-Shops genaht wird.

Originelle Einzelstucke statt Billigmode

Es ist sc1ergro.e Pullis.

Die trugen sie klaglos. Wer es etwas schicker haben wollte, brauchte nur die nachste Frauenzeitschrift voller Anleitungen zu kaufen oder konnte die Strickmuster in den Schaufenstern der Modegeschafte abgucken. Anfang der Achtziger strickten rund 80 Prozent aller Madchen und Frauen, bundesweit gab es etwa 6.000 Handarbeitsgeschafte, schatzt die Initiative Handarbeit, ein Zusammenschluss von Firmen, die Handarbeitsgarne und Zubehor herstellen. Anfang der Neunziger war alles vorbei. Laden verschwanden, Verlage nahmen Handarbei-itel vom Markt. Ein Jahrzehnt lang war Stricken und Hakeln out.

Heute nennen es die Hersteller Needle Work Design. Seit 2003 steigern sie ihre Umsatze jahrlich um mehr als zehn Prozent. „Angefangen hat es damit, dass die Leute, die wahrend der Boomphase jung waren, die Nadel wiederentdeckt haben. Das sind die heute 40- bis 50-Jahrigen“, sagt Angela Probs-ajak, Sprecherin der Initiative Handarbeit.

Wahrend die 40-Jahrigen die zeitweilig verponten Stricknadeln aus den Nahkastchen kramen, lernen viele junge Frauen erst, wie man Maschen aufnimmt, Stabchen hakelt oder Zickzack naht. Bei ihren ersten Schals und selbst genahten Tasche greifen sie auf Vertrautes zuruck: auf das In ternet. In unzahligen Blogs, Communitys und Youtub-ilmen erklaren passionierte Selbermacherinnen, wie es geht. „Durch die Handmad-zene und die Events wie den Stricktreff hat das Handarbeiten sein verstaubtes Image verloren“, sagt Sophie Pester, Stammgast im Lokal.

Wir haben elf Mal Sockenwolle und elf Mal reine Schur- und Merinowolle fur Pullover und Co. auf den Prufstand gestellt. Dabei lie.en wir die Wolle nicht nur auf bedenkliche Inhaltsstoffe testen. Wir wollten auch wissen, wie es um die Alltagstauglichkeit der verstrickten Wolle bestellt ist. Bilden sich viele Knotchen und wie sieht das Strickteil nach der Wasche aus?

Das Testergebnis

■ Sockenwolle hat besser abgeschnitten als Schur- und Merinowolle. Fast alle Sockenwollmarken bestehen unseren Test mit der Note „gut“. Bei der Schur- und Merinowolle gibt es vier Mal ein „gut“, sieben Marken erreichen allerdings nur ein „befriedigend“. Nervengift Permethrin im Wollknäuel. Mit dem Pestizid Permethrin werden etwa Wollteppiche zum Schutz vor Motten und Kafern ausgestattet.

Die Lang Yarns Merino Superwash enthielt eine erhohte Menge des Schadlingsgiftes und in der Lana Grossa Cool Wool Melange Merino wurden noch leicht erhohte Gehalte des Pestizides gemessen. Die Ausrustung von Wolle oder Wollbekleidung ist allerdings nicht ublich, wie die Ergebnisse der anderen Wollmarken zeigen. Bei der Beurteilung haben wir uns an den strengen Grenzwert fur Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft orientiert: hochstens 0,5 Milligramm pro Kilogramm an Pestiziden werden insgesamt toleriert. Vermutlich kommen die Ruckstande aus dem Lager- und Transportschutz der Rohwolle. Spurengehalte stecken auch in der Wolle der Schafereigenossenschaft Finkhof, die im eigenen Betrieb ganzlich auf Mittel gegen Wollschadlinge verzichtet. „Bestimmte Verarbeitungsschritte, wie das Waschen der Wolle lassen wir in Betrieben durchfuhren, die auch konventionelle Wolle verarbeiten“, erklart Gunter Mohrle vom Finkhof, „daher konnen wir geringe Kontaminationen nicht ganz ausschlie.en“.
■ Umstrittene halogenorganische Verbindungen sind in fast jeder Wolle enthalten. Nur in der Finkhof-Wolle stecken keine halogenorganischen Verbindungen. Diese kommen wahrscheinlich mit der „maschinenwaschbar“- oder „Superwash“-Ausrustung in die Wolle.
■ Vier Wollmarken sind besonders anfällig für Knötchen. Fur diesen Praxistest strickte das beauftragte Labor mit der Strickmaschine Probestucke und rubbelte sie aneinander. Dabei bildeten vier Schur- und Merinowollmarken viele Knotchen. Die Strumpfwolle schnitt hierbei insgesamt besser ab, die schlechtesten Marken erhielten bei der sogenannten Pillingprufung die Note drei bis vier, wobei die Note funf hier die Bestnote darstellt.
■ Elf Wollmarken leierten aus und verzogen sich nach der Wäsche. Auch fur diese Prufung fertigten unsere Praxistester ein Probestuck an, das nach Empfehlung der Hersteller gewaschen wurde. Bei zehn Marken stellten die Tester nach dem Waschen und Trocknen eine Ma.anderung von mehr als zwei Prozent fest, haufig leierten die Probestucke in der Breite aus. Zwei Wollmarken hatten sich um mehr als drei Prozent verzogen.

Fett gedruckt sind Mangel.
Abkurzungen: kbT=kontrolliert biologische Tierhaltung.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140.
Anmerkungen: 1) Das Produkt in der Farbe Kirschrot hat als 100-g-Knauel die Farbe 2003 und als 50-g-Knauel die Farbe 1003. 2) Laut Anbieter wurde das Produkt (Color 4, Partie 20306) im April 2009 gefarbt. Seit 2010 arbeite man mit einer anderen Farberei, die komplett andere Farben einsetzt. 3) Laut Anbieter wurde das Produkt(Partie 8861) 2009 hergestellt. Im Jahr 2010 habe man den Lieferanten der Qualitat Merino 120 gewechselt.
Legende: Produkte mit dem gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgefuhrt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: ein erhohter Gehalt von mehr als 1 mg/kg an Pestiziden. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) ein leicht erhohter Gehalt von mehr als 0,5 mg/kg bis 1 mg/kg an Pestiziden; b) halogenorganische Verbindungen, falls hier der Chlorgehalt deutlich uber dem der abgewerteten chlorhaltigen Pestizide liegt. Unter dem Testergebnis Materialeigenschaften fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: „viele“ Knotchen in der Pillingprufung. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) eine Ma.anderung von mehr als -6 Prozent oder/und mehr als +2 Prozent langs und/oder quer; b) ein Verzug von mehr als 3 Prozent; c) ein Ergebnis „mittel“ in der Pillingprufung. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe und das Testergebnis Materialeigenschaften zu jeweils 50 Prozent ein. Das Gesamturteil wird kaufmannisch gerundet und kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen→ „M1110“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Juni 2011.
Anbieterverzeichnis: siehe unter www.oekotest.de
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschutzt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages durfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• Sie können unter vielen guten Produkten wählen. Die nur geringen Rückstände aus der Produktion lassen sich durch Waschen reduzieren.
• Einige Wollmarken leierten in unserem Test nach dem Waschen etwas aus. Dies sollte man beim Stricken von Pullover und Co. berücksichtigen, eventuell die Maschenprobe einmal waschen.
• Nach Herstellerempfehlung oder im Wollwaschgang bis 30 Grad waschen anstatt mit der Hand, um Beanspruchungen wie Reiben und Wringen zu vermeiden.

Kompakt

Der neue ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik & Wellness

Stricken, häkeln, nähen – handgemachte Kleidung ist in. Im neuen ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik & Wellness geben wir Tipps zum Selbermachen und zu vielen anderen Themen rund ums gute Aussehen.

Aus dem Inhalt

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■ Naturkosmetik
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Die Tests

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Der neue ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik & Wellness ist am 16. September erschienen. Er kostet 5,90 Euro, mit CD ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik & Wellness, 6,90 Euro. Sie bekommen ihn am Kiosk, per Telefon: 0 69 / 3 65 06 26 26 oder unter http://shop.oekotest.de

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben in Kaufhäusern und Wollshops vor Ort und im Internet elf Marken Sockenwolle, die meistens zu drei Viertel aus Schurwolle und einem Viertel aus Polyamid besteht, eingekauft. Zudem wählten wir elf Marken Schurund Merinowolle aus 100 Prozent reiner Wolle.

Inhaltsstoffe

Alle Marken wurden in verschiedenen Laboren auf Rückstände aus der Ausrüstung, die Wolle beispielsweise filzfrei und maschinenwaschbar macht, und problematische Farben, wie krebserzeugende aromatische Amine aus Azo-Farben oder Dispersionsfarbstoffen, die allergisierend sind, analysiert. Zudem wollten wir wissen, ob Permethrin oder andere Pestizide, die vor dem Befall mit Motten oder Käfern schützen sollen, in der Wolle stecken.

Maßnehmen: Laufen die Probestücke mit der Wäsche ein oder leiern sie aus?


Foto: Labor

Praxisprüfung

Kommen die Klamotten und Socken mit der Wolle im Test nach dem Waschen tadellos aus der Waschmaschine? Oder laufen die Sachen übermäßig ein, leiern aus oder verziehen sie sich? Wie ist es um die Knötchenbildung, also das Pilling, bestellt? Um dies zu prüfen, strickte das Labor mit einer Strickmaschine Probestücke im Links-rechts-Muster. Diese Stücke wurden nach Waschempfehlung des Anbieters gewaschen und vermessen. Für die Pillingprüfung wurden die Wollstücke etliche Male aneinandergerieben, anschließend wurde die Knötchenbildung beurteilt.

Bewertung

Das Testergebnis Inhaltsstoffe und das Testergebnis Materialeigenschaften haben wir im Testurteil gleich gewichtet, denn eine Wolle, die frei von problematischen oder umstrittenen Stoffen ist, sollte auch noch im Alltag bestehen, nachdem sie zu einem kuscheligen Schal oder einem Paar warmer Socken geworden ist. Allerdings konnte das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe, denn ist die Wolle zu stark mit Problemstoffen belastet, lohnt unserer Ansicht nach das Verstricken erst gar nicht.

Wie wird Wolle maschinenwaschbar?

Antifilzausrüstungen machen die Wolle maschinenwaschbar und verhindern das Einlaufen. Häufig wird dazu das Hercoset-erfahren verwendet: Mit Chlorverbindungen werden die Schuppen von der Wolle gelöst, sodass die Fasern nicht mehr verhaken können. Die Wolle wird dann mit einem Kunstharz umhüllt und geglättet. Die Technik belastet die Abwässer mit halogenorganischen Stoffen und verbraucht viel Wasser. Eine andere Möglichkeit, die Wolle zu glätten, nachdem die Schuppen chemisch weggeätzt wurden, ist die Behandlung mit einem Silikonelastomer.

Welche Wolle?

Schurwolle stammt vom Schaf und Merinowolle von der Feinwollschafrasse Merinoschafe. Mohair ist dagegen das Haar der Angoraziege, das Haar der Jungtiere nennt sich Kidmohair. Das Angora-Kaninchen liefert die Angorawolle. Alpaka kommt vom Alpaka, einer Kamelform, und Kaschmir von der Kaschmirziege.

Wollwaschmittel?

Ja, denn sie enthalten keine Bleichmittel, optischen Aufheller und sind pH-neutral. Auch stecken darin keine Proteasen. Diese Waschenzyme gegen eiweißhaltigen Schmutz greifen nämlich die Keratinstruktur der Wollhaare an. Zudem können Wollwaschmittel mit einer hohen Schaumentwicklung die Reibungen in der Waschtrommel reduzieren, was ebenfalls etwas vor Verfilzung schützt.

Weichspüler?

Lieber nicht. Denn sie enthalten sogenannte kationische Tenside, die sich auf die Fasern heften und sie glatt und weich machen. Große Teile können dadurch aber ausleiern. Weiterer Nachteil der Weichspüler ist ihre starke Beduftung sowie die Belastung der Abwässer mit Tensiden. Eine Überdosis macht die Wäsche weniger saugfähig.