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TEST: Wundschutzcremes: Kein Wunder!


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 14.09.2017

Viel zu meckern gibt es nicht: Die meisten Wundschutzcremes in unserem Test können wir empfehlen. Weshalb einige Produkte immer noch Parfüm enthalten, bleibt uns aber schleierhaft.


Artikelbild für den Artikel "TEST: Wundschutzcremes: Kein Wunder!" aus der Ausgabe 9/2017 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Boumen Japet/Shutterstock

Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen …” Dieser Satz aus der Weihnachtsgeschichte ist nicht die erste, aber vermutlich die bekannteste überlieferte Erwähnung des praktischen Auslaufschutzes für die Allerkleinsten. Wie es bei dem Neugeborenen aus Bethlehem unter der Windel ausgesehen hat, ist freilich nicht überliefert. Man darf allerdings vermuten, dass es ...

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... diesem nicht viel besser ergangen ist als heutigen Säuglingen: Viele von ihnen leiden an einem geröteten und wunden Po. „Bei vielen Wochenbettbetreuungen, also in den ersten sechs bis acht Lebenswochen des Kindes, ist der wunde Po ein Thema”, sagt Andrea Röttger, Hebamme im Geburtshaus in Wuppertal. „Beim einen Kind tritt er früher auf, beim anderen später.” Häufig dehnen die gereizten Hautstellen sich bis in den Genitalbereich oder auf die Oberschenkel aus, entzünden sich und können nässen. Geschätzt haben etwa zwei von drei Kindern an einer Windeldermatitis – so lautet der Fachbegriff – zu leiden.


In der Windel entsteht aus dem Harnstoff Ammoniak, das die Haut angreift


Der Name kommt nicht von ungefähr: Viele Windeln halten so dicht, dass sie zwar die flüssigen oder festeren Hinterlassenschaften des Nachwuchses – Kot und Urin –, drinnen behalten, aber umgekehrt zu wenig Frischluft an die empfindliche Babyhaut lassen. Die braucht die strapazierte und gerötete Haut aber dringend zur Regeneration. Hebammen und Kinderärzte raten deshalb, Kinder so oft es geht ohne Windeln strampeln zu lassen. So fern es die Temperaturen zulassen.

Stauen Wärme und Feuchtigkeit sich in der Windel, kann die im Vergleich zu Erwachsenen bis zu fünfmal dünnere Babyhaut aufweichen und so durchlässiger für Reizstoffe werden. Schnell entwickeln sich in diesem feucht-warmen Klima ideale Bedingungen für Bakterien. Damit nicht genug: Durch den Abbau des im Urin enthaltenen Harnstoffs entsteht scharf riechendes Ammoniak, der pH-Wert in der Windel steigt und greift die aufgequollene Babyhaut zusätzlich an. Unter Umständen kann es dann zu Infektionen kommen, etwa dem sogenannten Windelsoor, der durch Hefepilze ausgelöst wird. Erste Anzeichen eines Befalls sind rote, scharf begrenzte Punkte mit kleinen, bläschenartigen Herden.

Gute Laune geht am besten mit intakter Haut im Windelbereich.


Foto: Sergiy Bykhunenko/Shutterstock

Ist der Popo hingegen nur wund und gerötet, können Wundschutzcremes helfen. In 18 von 20 der von uns getesteten steckt als maßgeblicher Inhaltsstoff Zinkoxid, das entzündungshemmend wirkt und der Haut beim Regenerieren helfen kann. Besonders wichtig: Zinkoxid, auf der Verpackung als Zinc Oxide deklariert, bindet auf den Wundflächen die Flüssigkeit und trocknet so die windelfeuchte Babyhaut.

Zusätzlich können Extrakte aus Ringelblume (Calendula Officinalis Extract), Kamille (Chamomilla Recutita Flower Extract) oder Nachtkerzenöl (Oenothera Biennis Oil) der Haut beim Heilen helfen. Das häufig eingesetzte Panthenol, auch Dexpanthenol genannt, kommt im Körper natürlich vor, kann für Pflegeprodukte aber nur chemisch-synthetisch hergestellt werden. Es hemmt Entzündungen, wirkt antimikrobiell und wundheilend. Von der Anwendungsmethode „viel hilft viel” rät Hebamme Röttger ab: „Es reicht völlig, die Creme dünn aufzutragen und überschüssige Reste beim nächsten Wickeln wieder zu entfernen.”

In leichten Fällen könne dünnes, aber konsequentes Eincremen dem Baby bereits nach einem Tag Linderung verschaffen. Umgekehrt gilt: „Nicht prophylaktisch cremen, sondern die Produkte nur verwenden, wenn der Po wirklich rot ist”, sagt Andrea Röttger.

Genauso wichtig wie die Behandlung ist die Ursachenforschung. Säurehaltige Lebensmittel oder bestimmte Obstsorten, die der kleine Mensch über die Muttermilch aufnimmt, können für Probleme sorgen. Auch wenn das Baby zahnt, kann das Immunsystem verrückt spielen – und die Haut empfindlich machen.

Welche Produkte besonders gut zu Babys Haut sind, wollten wir wissen und haben 20 Wundschutzcremes – konventionelle Produkte und zertifizierte Naturkosmetik – in Labore geschickt. Dort wurden sie auf bedenkliche Inhaltsstoffe analysiert.

Das Testergebnis

Ein Ausreißer: Viel Grund zu meckern gibt es diesmal nicht. 15 der von uns getesteten Wundschutzcremes sind „sehr gut”, vier bekommen „gute” Noten. Das Schlusslicht, ein Markenprodukt, kommt nur auf ein „ausreichend”.

Verduftet: In immer noch fünf von 20 Produkten setzen die Hersteller Duftstoffe ein. Wir halten das für problematisch, weil Parfüm in Wundschutzcremes die ohnehin strapazierte Babyhaut unnötig belasten kann.

Mit Mineralöl: Die Penaten Creme landet vor allem deshalb auf dem letzten Platz, weil unser Labor darin sogenannte aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen hat. MOAH können krebserregende Substanzen enthalten. Um welche MOAH es sich in dem Penaten-Produkt konkret handelt, wissen wir nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält Risiken für Verbraucher durch die Aufnahme von Mineralölen in Kosmetika über die Haut generell für unwahrscheinlich. Trotzdem hat das Amt Herstellern von Kosmetikprodukten schon 2015 empfohlen, die MOAH-Gehalte so gering wie möglich zu halten. Das unterschreiben wir weiterhin und raten zu Produkten mit natürlichen Ölen und Wachsen, die sich problemloser in das Gleichgewicht der menschlichen Haut integrieren.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 222.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Inzwischen gibt es eine neuere Babylove Calendula Wundschutz-Creme ohne Aluminiumtristearat. Ansonsten ist die Inhaltsstoffliste unverändert. 3) Laut Hersteller sollte das Produkt im Laufe des Jahres 2017 mit neuer Rezeptur und im geänderten Design erscheinen. 4) Der Duftstoff Farnesol ist deklariert, wurde im Labor aber nicht nachgewiesen.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um zwei Noten führen: mehr als 0,1 Prozent aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als ein Prozent Paraffine/ Erdölprodukte/Silikone, wenn nicht bereits wegen aromatischer Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) um zwei Noten abgewertet wurde. b) Parfüm. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de Suchen „N1709” eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 6/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

■ Wundschutzcremes ohne Parfüm sind bei wunden Popos die beste Wahl. Drei „sehr gute” Cremes gibt es schon für 0,73 Euro je 75 Milligramm.

■ Je trockener der Nachwuchs untenrum ist, desto besser. Deshalb: Regelmäßiges Windelnwechseln und sanftes Reinigen sind der beste Schutz gegen Wundsein! Idealerweise sofort wenn die Windel voll ist.

■ Wenn die Beschwerden nicht besser werden, bleibt nur der Gang zum Kinderarzt. Möglicherweise steckt eine Pilzerkrankung hinter den Symptomen.