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TEST Zahncremes: Auf den Zahn gefühlt


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 5/2017 vom 11.05.2017

…haben wir 37 Universalzahncremes: Aus der großen Auswahl können wir 18 „sehr gute“ Produkte empfehlen. Von 19 Zahncremes raten wir ab.


Artikelbild für den Artikel "TEST Zahncremes: Auf den Zahn gefühlt" aus der Ausgabe 5/2017 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness, Ausgabe 5/2017

Ist Karies eine ansteckende Krankheit oder nicht? Im vergangenen Jahr trafen sich 200 führende Zahnmediziner und Wissenschaftler in Brüssel und stimmten darüber ab. Für Außenstehende mag das seltsam klingen: Übertragbar oder nicht, seit wann entscheiden darüber Experten? Liegt das nicht im Wesen einer Krankheit? Grippe ist übertragbar, Diabetes nicht – einfach, oder?


Karies ist eine Frage der Mundhygiene, der Ernährung und der Gesundheit


Im Fall von Karies ist es ...

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... komplizierter. Die Zahnkrankheit entsteht, wenn bestimmte übertragbare Bakterien Zucker aus unserer Nahrung verstoffwechseln und so Säure produzieren, die den Zahnschmelz angreift. Löcher in den Zähnen sind die Folge. „Früher hieß es immer, man müsse alles tun, damit Patienten diesen Keim nicht bekommen“, erinnert sich Professorin Annette Wiegand, Direktorin an der Poliklinik für Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie der Universitätsmedizin Göttingen. „Heute weiß man, dass man die Keime ohnehin bekommt, das ist nicht zu verhindern.“ Manche Menschen erkranken in der Folge an Karies, andere nicht.

Die Erklärung: Bakterien, allen voran Streptococcus mutans, spielen zwar eine wichtige Rolle für die Entstehung von Karies, aber keineswegs die einzige. Ob ein Mensch Karies bekommt, hängt auch von seiner Mundhygiene, Ernährung und Allgemeingesundheit ab. „Es handelt sich um eine multifaktorielle Erkrankung, das heißt, man kann an verschiedenen Rädern drehen, um Karies zu verhindern“, sagt Annette Wiegand. Das sahen offenbar auch die versammelten Zahnexperten so: 76 Prozent votierten dafür, Karies als nicht übertragbare Krankheit einzustufen und rücken damit Mundhygiene und Ernährung noch stärker in den Fokus als bisher.

Um der Zahnkrankheit durch Hygiene vorzubeugen, existiert derzeit kein besserer Wirkstoff als Fluorid. Es hilft den Zähnen, verlorene Mineralstoffe zurückzugewinnen, das ist wissenschaftlich belegt. In hohen Dosen kann Fluorid allerdings zu gesundheitlichen Schäden führen. So kann es bei Kindern zu Fluorose kommen, einer Verfärbung der Zähne.

Erwachsene, die sich zweimal täglich die Zähne putzen, brauchen sich um zu viel Fluorid nicht zu sorgen. Auch dann nicht, wenn sie zusätzlich fluoridiertes Speisesalz zu sich nehmen. Um aber ganz sicher nicht zu weit von der empfohlenen täglichen Aufnahmemenge abzuweichen – laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind das für Erwachsene wie Kinder 0,05 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht – dürfen Universalzahncremes höchstens 1.500 Milligramm pro Kilogramm Fluorid enthalten. Und sie müssen darauf hinweisen, dass Kinder sie nicht oder nur in geringen Mengen benutzen sollten.

Die Auswahl an Zahncremes ist riesig: Wichtig für die Zahngesundheit ist vor allem die Zutat Fluorid.


Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock

ÖKO-TEST hat 37 Zahncremes eingekauft, darunter auch sieben Naturkosmetikprodukte. Die Pasten und ihre Deklarationen haben wir in Schadstofflaboren analysieren lassen.

Das Testergebnis

■.Das Testfeld ist gespalten. Mehr als die Hälfte der Zahncremes können wir mit „sehr gut“ empfehlen. 13 Zahnpasten erhalten allerdings ein „ungenügend“ oder „mangelhaft“.
■.Fluorid muss mit. Zwei konventionelle und fünf zertifizierte Naturkosmetikprodukte verzichten darauf, das werten wir ab. Die Alternativen überzeugen wenig: Fast alle Naturkosmetik- Zahncremes im Test enthalten Xylitol. Dem Süßungsmittel wird eine kariesprophylaktische Wirkung zugeschrieben. Allerdings existieren derzeit keine brauchbaren Studien, die zeigen, dass eine xylitolhaltige Zahncreme ohne Fluorid tatsächlich Karies ähnlich effektiv vorbeugt wie fluoridhaltige Pasten. Die Dr. Wolff’s Biorepair Zahncreme setzt auf künstlichen Zahnschmelz aus Zink- Carbonat-Hydroxylapatit, der mikroskopisch kleine Zahndefekte verschließen soll. Auch für dieses Wirkprinzip ist nicht hinreichend durch Studien belegt, dass es Karies ähnlich gut vorbeugt wie Fluorid.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 208.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Weiterer Mangel: Dem Produkt ist Zink zugesetzt und es ist auch für Kinder und/oder Jugendliche ausgelobt. Das BfR empfiehlt , dass Kinder und Jugendliche nicht zusätzlich Zink über Zahnpasta aufnehmen sollten. 3) Bei dem Produkt handelt es sich um ein Zahncremekonzentrat. Laut Anbieter ist eine 25-Milliliter-Tube für circa 150 Anwendungen ausgelegt. 4) Anbieter Laverana teilte mit, man biete Zahnpflegeprodukte mit und ohne Fluorid an.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: kein Kariesschutz durch Fluorid. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) Natriumlaurylsulfat; c) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorhexidindigluconat, CI 74260, CI 73360). Zur Abwertung um eine Note führt: Propylparaben. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) der fehlende Hinweis „Nur für Erwachsene“ bei Zahnpasten, denen Zink zugesetzt ist. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedi- gend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „N1705“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 8/2016. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

■ Schäumen ja, reizen nein. Laut Zahnmedizinern sollte Zahncreme schäumen, so werden Essensreste und Zahnbelag besser abtransportiert. Leider verwenden zwölf Pasten dafür Natriumlaurylsulfat, ein agressives Tensid, das die empfindlichen Schleimhäute reizen kann.
Nichts für Kinder: Zink ist wichtig für die Gesundheit, Kinder und Jugendliche schöpfen aber die empfohlene Menge schon über Lebensmittel aus. Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), auf zinkhaltigen Zahnpflegeprodukten darauf hinzuweisen, dass sie für Kinder nicht geeignet sind. Ist das bei Produkten, die Zink zusetzen, nicht der Fall, werten wir ab.
Aluminium ist kein Problem: Wir haben die Aluminiumgehalte aller Zahnpasten im Labor analysieren lassen, sie sind unbedenklich.

So reagierten die Hersteller

Anbieter Laverana teilte uns mit, man biete Zahnpflegeprodukte mit und ohne Fluoride an. Auch wenn eine regelrechte Vergiftung durch Zahnpasta mit Fluoriden für so gut wie unmöglich gehalten werde, gebe es „hinreichende Studien, gerade im Bereich der alternativen Behandlungsmethoden, die auf das Zusammenspiel von Fluoriden und enzymatischen Beeinflussungen eingehen, die zu Autoimmunreaktionen führen können bzw. Fluoride als giftig einstufen“. ÖKO-TEST wertet Zahncremes ohne Fluorid ab, da es nach aktuellem Stand der wissenschaftlichen Forschung der wichtigste Wirkstoff zur Vorbeugung von Karies ist. In den zum Zähneputzen verwendeten Dosen schadet Fluorid nicht.

ÖKO-TEST rät

.Die Auswahl ist groß: Suchen Sie sich aus den 18 „sehr guten“ Zahncremes eine aus, deren Geschmack Ihnen zusagt.
■.Eine normale, fluoridhaltige Zahncreme reicht für den Hausgebrauch vollkommen. Bei Problemen wie besonders empfindlichen Zähnen sollte der Zahnarzt zurate gezogen werden, bei Zahnfleischbluten ohnehin. Zusätzliche Fluoridpräparate wie Tabletten sollten nur nach zahnärztlichem Rat eingenommen werden.


Foto: Stockbyte/Thinkstock