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Titelstory: „Zur See“ – für immer auf Erfol gskurs


Super TV Unsere Legenden und Idole - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.09.2019

Die spannendsten Geschichten von Bord der „MS Fichte“


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Bildquelle: Super TV Unsere Legenden und Idole, Ausgabe 1/2019

Die Serie machte die Schauspieler Horst Drinda als Kapitän Hans Karsten (l.) und Günter Naumann als Chief Paul Weyer zu absoluten Publikumslieblingen!


D ie MS „Fichte“ wurde 1974 zum Drehort für eine der beliebtesten Serien des DDR-Fernsehens: „Zur See“. Drei Wochen dauerten die Dreharbeiten während der Überfahrt von Rostock nach Havanna – Abenteuer pur für Besatzung und Dreh-Team!


Anstrengende Dreharbeiten: Alle neun Teile mussten auf der dreiwöchigen Überfahrt gedreht werden!


Spannende Abenteuer, private Verwicklungen und komische Zwischenfälle – ...

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... dieser Mix machte Mitte der 70er Jahre „Zur See“ zum Straßenfeger. Die Erlebnisse der Besatzung des Handelsschiffes „MS Fichte“ zogen Millionen Zuschauer in den Bann! Was machte die Serie so anziehend? Das Geheimnis: Die beliebten DDRSchauspieler wie Horst Drinda, Günter Naumann, Erik S. Klein, Jürgen Zartmann, Ingolf Gorges und Günter Schubert erlebten keine erfundenen Geschichten!

Witzige Vorlagen

Die Autorin Eva Stein hatte in mühsamer Kleinarbeit Logbücher von DDRHandelsschiffen durchforstet, war auf interessante, teilweise unglaubliche Geschichten gestoßen, die sie für das Drehbuch aufbereitete. Viele inzwischen unvorstellbar, waren sie doch Resultat der damals herrschenden Verhältnisse.

Wie im echten Leben! Günter Schubert sorgt als Matrose Thomas dafür, dass bei „Smutje“ Detlef Hartwig was „Richtiges“ in den Top kommt!


Seemanns-Garn?

Abenteuerliche Reparaturen auf hoher See zum Beispiel, weil Ersatzteile nicht vorhanden oder nur gegen teure Devisen zu beschaffen waren. Wie die Kolben-Reparatur, deren Machbarkeit von Fachleuten angezweifelt wurde. „Das ist tatsächlich passiert“, so Eva Stein, die auch diese Geschichte in einem Logbuch entdeckte. „Eine Alternative hätte es nicht gegeben, das Schiff in einen Hafen zu schleppen und dort zu reparieren, wäre zu kostspielig gewesen. Da hätte man es gleich versenken können!“ Andere Szenen sind heute noch vorstellbar: Die fiesen Tricks konkurrierender Reedereien, oder ein betrunkener Smutje, der sich nach einem Kneipenbesuch bis auf die Unterhosen nackt und allen Bargelds beraubt an der Gangway wiederfindet.


Stasi mischt mit

Die Herausforderungen begannen für das Team um Regisseur Wolfgang Luderer schon mit der Vorbereitung des Drehs, der von der Stasi kritisch gesehen wurde. Die DDR-Handelsflotte brauchte dringend Personal, den hohen Sicherheitsanforderungen wurden aber nur wenige Bewerber gerecht. Entstehen sollte deshalb eine unterhaltsame TV-Serie mit „Werbe-Effekt“, ohne zu viel Fernweh zu erzeugen. Auch die Reiselust der Schauspieler sollte gedämpft werden. Da es Befürchtungen gab, dass man die Überfahrt zur Flucht nutzt, setzte die Stasi eine Nonstop- Route nach Havanna durch.

Not-Halt im Westen

Sie hatte die Rechnung ohne die marode Technik des alten Dampfers gemacht: Schon in der Ostsee gab einer der Hilfs-Dieselmotoren den Geist auf, der Kapitän ordnete einen Reparatur-Stopp im dänischen Aalborg an. Obwohl es nur 10 Westmark Spesen pro Tag gab, ließen es sich die meisten nicht nehmen, Postkarten mit launigen Grüßen aus dem kapitalistischen Dänemark nach Hause zu schicken!

Blinder Passagier!

Eine rein spaßige Fahrt in die Karibik wurde es nicht: An jedem der Reisetage wurde gedreht, jedes Wetter genutzt, eine zweite Überfahrt wäre zu teuer geworden. Das Material für alle neun Teile musste bei der Ankunft im Kasten sein! Für Abwechslung sorgte die Dreh-Crew selbst mit abendlichen Treffen. „Jeder brachte etwas mit und das wurde in einen großen Topf geschüttet“, erinnert sich Jürgen Zartmann „Da war der Schnaps mit dem Wein und dem Wermut. Und dementsprechend waren dann auch die Auswirkungen“, fügt er lachend hinzu.


Alkohol, verbotene Sonnenbräune und der Streit um eine Frau


Jürgen Zartmann und Ingolf Gorges an Bord: Zwei der damals beliebtesten DDR-Schauspieler


Heitere Momente mit Günter Schubert als Matrose Thomas. Aber ein Sonnenbad war wegen des Teints verboten, der sollte auf dem Bildschirm gut aussehen


Regisseur Wolfgang Luderer fing die Atmosphäre auf der „Fichte“ grandios ein


Requisiteur Harald Meier kümmerte sich liebevoll um die vierbeinigen Hauptdarsteller


Nach dem Dreh genehmigten sich die Schauspieler ein gutes Bier aus der Heimat!


An alles wurde gedacht: Sogar zwei kleine Kälbchen reisten für eine Szene mit! Das zweite Kalb als Double, falls einem Tier etwas zustößt. Vor der Kamera standen beide – sie waren seekrank geworden, mussten abwechselnd drehen. Ihre Heimat sahen die vierbeinigen TVStars nicht wieder: Nach dem Dreh wurden sie geschlachtet und bei einem Grillfest an Bord verspeist! Die Kälber sorgten auch für einen blinden Passagier: Der Requisiteur hatte ihre „Bordverpflegung“ frisch eingekauft, in der Kühlkammer mit den restlichen Vorräten gelagert. Zwischen die leckeren Mohrrüben schmuggelte sich eine Maus, die dem echten Smutje fast zur Weißglut brachte und es sogar bis nach Havanna schaffte!

In der kubanischen Hauptstadt gab es dann auch Streit: Regisseur Wolfgang Luderer war kurz davor, hinzuschmeißen. Man hatte ihm zugesagt, dass seine Freundin als Regie- Assistentin nachreisen darf, doch die Stasi verwehrte ihr die Genehmigung. Über Stunden wusste niemand, wie es mit der Produktion weitergeht – bis Luderer klein beigab und doch weiter drehte.

Palmen vor Berlin

Das Abenteuer „Zur See“ ging nach der Rückkehr weiter: Außenaufnahmen mussten gedreht werden, die in Havanna nicht möglich waren. Aus dem Flughafen Schönefeld wurde mit tropischen Kübelpflanzen der Airport Havanna und an der Autobahn zauberten die Requisiteure kurz vor Berlin eine von einem Hurrikan verwüstete karibische Landschaft. Es soll einige Auffahrunfälle gegeben haben – Palmen vor Berlin, das sorgte für Verwirrung!

Vorbild für ZDF

Auch 45 Jahre später werden diese Geschichten noch gerne erzählt. Die „MS Fichte“ bleibt als Quoten-Hit für immer auf Erfolgskurs und inspirierte auch Andere: Jahrzehnte später gestand „Traumschiff“- Erfinder Wolfgang Rademann, dass ihm die Idee fürs ZDF beim Schauen von „Zur See“ kam. „Es gab einen wesentlichen Unterschied“, kommentierte Jürgen Zartmann, der einzige des „Fichte“-Teams, der auch auf dem „Traumschiff“ drehte: „Auf der Fichte wurde gearbeitet, auf dem Traumschiff wurde sich gesonnt!“

Das tat weh! Auf hoher See musste Kapitän Langhans alias Erik S. Klein auch mal als Zahnarzt ran, assistiert von Jörg Knochée als 3. Offizier Winfried. Der Zahn musste raus! Ihr „Opfer“: Willi Schrade alias Matrose Willi


Einmal im Jaahr läuft die Serie mindestens im TV. Wer dazwischen schauen will, kann dies auf DVD


In Folge zwei sorgten Funker Petersen (Dietmar Richter- Reinick) und seine Frau Rita (Friedericke Aust) für eine Überraschung!


Fotos: DRA, DRA (5)/Hans-Jürgen Hoeftmann/Rudi Meister, MDR/DRA/H. J. Hoeftmann (2), MDR/DRA, TELEPOOL (3)