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Träumen erlaubt: Eine fiktive Friedensmediation im Ukrainekonflikt


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Die Mediation - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 29.09.2022

Schwerpunkt: (In) Zukunft Mediation

Wir schreiben den 3. Oktober 2022. Ein kalter Tag in St. Petersburg. Am Mittag fahren drei gepanzerte Limousinen vor dem Four Seasons Hotel Lion Palace vor. Personenschützer öffnen die schweren Türen, verdecken die Schritte von Wladimir, Wolodymyr und Charles hinein ins säulenumrahmte Portal. Zwei der Beteiligten würdigen sich keines Blickes.

Tag 1: Die erste von drei Sitzungen

„Meine Herren Präsidenten, warum sind Sie heute hier?“, frage ich und nicke Charles Michel zu, der zwischen den beiden anderen Platz genommen hat. Mit ruhiger Stimme unterstreicht er die Bedeutung von Frieden in Europa. Die weltweite Ernährungslage habe sich dramatisch verschlechtert, explodierende Energiepreise träfen vor allem die Ärmsten. Ich fasse das Gesagte in der Sprache des Mediators zusammen und bitte Wladimir Putin um seine Sichtweise. Er fordert die Kapitulation der Ukraine und ...

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Bildquelle: Die Mediation, Ausgabe 4/2022

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... das Ende westlicher Sanktionen. Ich gebe die Aussage sinngemäß wieder und bitte Wolodymyr Selenskyj um seine Sicht der Dinge. Er fordert mit tiefer Stimme einen Stopp des Blutvergießens, den Rückzug russischer Truppen und einen Ausgleich für Tod und Zerstörung.

„Meine Herren, wir starten mit einer Sammlung der Fakten. Historisch, persönlich, staatsbezogen. Sind Sie damit einverstanden?“ Zwei Stunden später zeigt die mühsam errungene Faktensammlung das folgende Bild:

Historische Fakten

• 9. Jahrhundert: Es erfolgt die Gründung der Kiewer Rus als Ursprung Russlands, der Ukraine und von Belarus.

• 1917: Lenin führt einen Bürgerkrieg gegen die Ukraine und integriert sie in das bolschewistische Sowjetrussland.

• 1924 ff.: Unter Stalin sterben Millionen ukrainische Menschen in einer Hungersnot.

• 1941 ff.: Hitlerdeutschland überfällt die Sowjetunion; Ukrainer begrüßen die Nazis als Befreier.

Wolodymyr unterstreicht, dass eine Minderheit Hoffnung auf Erlösung von Stalin schöpfte: „Ukrainer sind keine Nazis.“

• 1945 ff.: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges etabliert sich die Sowjetunion als Hegemonialmacht in Osteuropa und wird zur Atommacht.

• 1954: Der neue Erste Sekretär der KPdSU, der Ukrainer Nikita Chruschtschow, teilt die ehemals russische Krim der Ukraine zu.

• 1985–1991: Michail Gorbatschow wird neuer Generalsekretär der KPdSU. Im Rahmen des INF-Vertrags verpflichten sich die UdSSR und die USA zum Abbau aller Mittelstreckenraketen in Europa. Die deutsche Wiedervereinigung wird mit Unterstützung Russlands realisiert. Laut Außenminister und Vertrauensperson Hans-Dietrich Genscher (FDP) besteht das Verständnis, dass sich die NATO nicht nach Osten ausdehnt – schriftlich fixiert wird dies allerdings nicht. Die wirtschaftlich marode Sowjetunion zerbricht, zahlreiche Unionsrepubliken erklären ihre Unabhängigkeit. Die Ukraine wird erneut souverän.

Zum Innehalten biete ich Getränke an: „Nehmen Sie sich bitte Kaffee, Wasser“, und protokolliere weiter:

• 1994: Als Gegenleistung für den Verzicht der Ukraine auf Nuklearwaffen garantiert Russland deren Eigenständigkeit und Landesgrenzen.

• 1999: Russland sieht die NATO vorrücken: Polen, Tschechien und Ungarn werden in das Bündnis aufgenommen.

• 2000: Wladimir Putin wird zum Präsidenten von Russland gewählt, seine Eltern sind kurz zuvor gestorben.

• 2002: Russland sieht die NATO erneut vorrücken: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei und Slowenien werden ebenfalls integriert.

• 2003: George W. Bush, der Präsident der USA, kündigt einseitig den atomaren ABM-Vertrag.

• 2004: Während der Orangenen Revolution demonstrieren die Bürger der Ukraine für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung.

• 2008: Die NATO bietet der Ukraine und Georgien die Mitgliedschaft an; Russland marschiert in Georgien ein.

• 2014: Russland annektiert die Krim, darauf folgen Gefechte im Donbass. Der US-amerikanische Präsident Barack Obama bezeichnet Russland als Regionalmacht.

• 2019: Wolodymyr Selenskyj wird ukrainischer Präsident; das Parlament verbietet die russische Sprache in Behörden. Charles Michel wird Präsident des Europäischen Rates. Der European Green Deal zur Reduktion der Treibhausgasemissionen wird ohne Russland geschlossen.

• 24. Februar 2022: Russische Truppen marschieren in die Ukraine ein. Bis heute sterben 80.000 Soldaten, unzählige Zivilisten und Kinder. 10 Millionen Menschen flüchten.

• Oktober 2022: Die (fiktive) Mediation in St. Petersburg findet statt.

Persönliche Fakten

„Wir ergänzen die Fakten um einige Punkte zu Ihrer Person und starten diesmal mit dem Jüngsten.“

• Wolodymyr Selenskyj: 44 Jahre alt, geboren in Krywj Rih (Ukraine), seit 2019 Präsident der Ukraine, Sohn akademischer Eltern jüdischen Glaubens, drei Großonkel im Holocaust ermordet, verheiratet, zwei Kinder.

• Charles Michel: 46 Jahre alt, geboren in Namur (Belgien), seit 2019 Präsident des Europäischen Rates, verheiratet, Kinder.

• Wladimir Putin: 69 Jahre alt, geboren in St. Petersburg (Russland), lang jähriger KGB-Offizier, seit 2000 Präsident der Russischen Föderation, jüngster Sohn eines Arbeiters, zwei ältere Brüder starben im Kindesalter, geschieden, Kinder, liebt Kampfsport und die raue Natur Russlands.

Staatsbezogene Fakten

„Wenn Sie keine weiteren Punkte ergänzen möchten, gehen wir nun auf Eckdaten zu den Ländern ein, die Sie vertreten. Wir kehren die Reihenfolge um und starten mit Ihnen, Wladimir.“

S• Russland: größtes Land der Erde, 12 Zeitzonen, 145 Millionen Einwohner, Sprache: russisch, Nationalhymne: Gimn Rossijskoi Federazii, 19 Millionen Weltkriegstote, Atommacht, 66 Prozent der Oberfläche mit Wald bedeckt, zwei Drittel der Exporterlöse aus fossilen Energieträgern, Anteil erneuerbarer Energien: ein Prozent (Erzeugung ).

• Europäische Union: 27 Staaten, 450 Millionen Einwohner, 24 Amtssprachen, Europahymne: Teil der 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens, 17 Millionen Weltkriegstote, Atomwaffen, Import russischer fossiler Energieträger stark abnehmend.

• Ukraine: zweitgrößtes Land Europas (nach Russland), 42 Millionen Einwohner, Amtssprache Ukrainisch, tatsächlich gesprochene Sprachen: Ukrainisch und Russisch, im Südosten überwiegend Russisch, Nationalhymne: Schtsche ne wmerla Ukrajina; keine Atomwaffen, acht Millionen Weltkriegstote, sogenannte Kornkammer der Welt.

„Das war ein anstrengender erster Tag. Für Ihre Zeit bedanke ich mich. Bitte denken Sie an die vereinbarte Vertraulichkeit. Die gemeinsame Sprechformel: ‚Wir befinden uns in einer Mediation und kommentieren Stand oder Inhalte des Verfahrens nicht.‘ Wenn Sie einverstanden sind, sehen wir uns morgen früh um exakt 9:00 Uhr wieder.“ Die Präsidenten stimmen dem zu. Getrennt verlassen sie den Raum.

Tag 2: Die Interessen werden herausgearbeitet

Wir beginnen zur vereinbarten Stunde: „Meine Herren, wenn Sie zur Faktensammlung keine weiteren Anmerkungen haben …?“ – „Dann widmen wir uns nun Ihren Interessen und Bedürfnissen. Kern der heutigen Sitzung ist ein Blick nach vorn: Was ist Ihnen für sich und Ihr Land wichtig ? Wenn Sie bitte starten wollen, Wolodymyr?“

Selenskyj: „Ich will, dass das aufhört“

„Was ich will?“, bricht es aus ihm heraus. „Seit Monaten werden wir vom eigenen Brudervolk angegriffen, beschossen, bombardiert, eingekesselt, drangsaliert. Wir sprechen zu großen Teilen dieselbe Sprache, haben historisch dieselben Wurzeln, im Zweiten Weltkrieg Schulter an Schulter gekämpft und trotzdem tötet man – im 21. Jahrhundert – unsere Kinder, Frauen, Männer. Ich will, dass das aufhört, dass alle Ukrainer in ihre Heimat zurückkehren können. Wir sind ein moderner, souveräner Staat. Tausende Leichen, Müllsäcke voller Toter, Millionen Vertriebene. Wofür?“

Nach einer gefühlten Ewigkeit fasse ich zusammen: „Auch wenn ich den Ton wohl nie richtig treffen werde: Sie spüren Wut, Schmerz, Enttäuschung , sicherlich Hass nach so viel Leid. Ist es richtig – und verzeihen Sie den harten Bruch –, dass Sie sich für die Ukraine Frieden wünschen, Sicherheit, Unbeschwertheit, Freiheit für das eigene kulturelle, soziale, wirtschaftliche Leben? Vielleicht eines Tages eine Aussöhnung mit dem Brudervolk?“ Wolodymyr umfasst die Stuhllehnen: „Frieden und Sicherheit, das ist korrekt. Eine Aussöhnung kann ich mir nach den Kriegsverbrechen aktuell nicht vorstellen.“

Putin: „… immer als Erster zuschlagen“

„Wladimir, Sie haben selbst Kinder. Wenn Sie hier zuhören, was sagen Sie dazu?“ Lange Minuten vergehen, bis er antwortet:

„Es ist wie im Kampfsport: Wenn Sie barfüßig auf der Matte stehen und einen riesigen Gegner vor sich haben, können Sie entweder abwarten, um einen endlos schmerzhaften Kampf zu führen.“ Er macht eine Pause. „Oder Sie können schnell und als Erster zutreten, den Gegner proaktiv mit einem festen harten Schlag k. o. setzen.“

Charles hakt ein: „Sie sprechen von der NATO, nicht von der Ukraine. Von Ihrer Taktik in vielen Kriegen: Als die NATO Gespräche über die Aufnahme der Ukraine und Georgiens startete, marschierten Sie in Abchasien und Südossetien ein. Als die EU vor dem Abkommen mit der Ukraine stand, schickten Sie Ihre Truppen auf die Krim und nach Sewastopol. Als sich der Arabische Frühling ausbreitete, stellten Sie sich überraschend auf die Seite Assads und schlugen los.“

Wladimir entgegnet: „Korrekt. Ich schaue nicht erst lange zu. Russland ist ein starkes und bedeutendes Land.“

Ich fasse zusammen, dass es Russland um die Wahrung von Sicherheitsinteressen gehe, um ein Gleichgewicht der Weltmächte, um Anerkennung von Größe und Augenhöhe. Wladimir bestätigt das: „So ist es. Wer würde sich nicht infolge der NATO-Osterweiterung eingekesselt fühlen? Für mich eine eklatante Verletzung sämtlicher Vereinbarungen, ob nun mündlich oder schriftlich gefasst.“

Wolodymyr schenkt sich eine Tasse Kaffee nach. Wladimir schiebt ihm die porzellanene Zuckerschale zu. „Ich bezweifle, dass Sie, Wladimir, nicht sehen, dass die NATO ein reines Verteidigungsbündnis darstellt. Sie missbrauchen den Begriff ‚Einkesselung‘, während meine Soldaten sterben.“ Er hält inne: „Dennoch kann ich Ihnen sagen: Sollte ein baldiger Frieden allein an der Frage einer Bündniszugehörigkeit hängen, soll er daran nicht scheitern.“

Michel: „Wir brauchen eine schnelle Lösung, um Leid und Hunger zu beenden“

„Wenn Sie bitte weitermachen würden, Charles? Was ist Ihnen wichtig ?“ „Mein Ziel war immer ein vereintes Europa, in dem die nationale Vielfalt geachtet wird. Solidarität, Freiheit und Respekt bilden das Herzstück Europas. Ich will diese Werte hochhalten und gleichzeitig niemandem ‚aufdrücken‘. Aber mit Blick auf den Krieg , Wladimir, wünsche ich mir eine vor allem schnelle Lösung. Wir können nicht zuschauen, wie Zivilisten sterben und Menschen auf der Welt Hunger leiden, weil sich zwei Länder streiten. Oder weil man im Vorfeld in Bündnisfragen unklug vorgegangen ist. Das kann nicht in Ihrem Interesse sein, Wladimir.“

Ich fasse zusammen, dass es Charles um Frieden gehe, die Selbstbestimmung der Länder in Vielfalt und gegenseitigem Respekt. Ihm sei wichtig , rasch die Versorgung der Menschen mit Nahrung sicherzustellen und die wirtschaftliche Stabilität zu bewahren.

Über den Konflikt hinaus: die Klimakrise

Charles ergänzt: „Mir ist ein weiteres Thema überaus wichtig : Wir Menschen tun so, als hätten wir noch Jahrzehnte lang Zeit, um uns gegenseitig Granaten um die Ohren zu schießen. Tatsächlich ist es zwei vor zwölf, was die Bekämpfung der Klimakrise angeht. Ohne Russland wird es nicht möglich sein, die Erderwärmung aufzuhalten. Sie, Wladimir …“ – er steht auf und fixiert den russischen Präsidenten mit ernstem Blick – „… erinnern Sie sich an die verheerenden Waldbrände in Sibirien, an zwei Milliarden verbrannte Tiere in Australien, an Hitzewellen in Indien und Pakistan? Sie sind der weltgrößte Exporteur fossiler Energieträger. Sie verfügen über die weltgrößten Freiflächen für Aufforstung. Ohne Sie geht hier gar nichts.“ Er hält inne. „Lassen Sie es mich positiv formulieren: Wir brauchen Sie als Weltmacht in Klimafragen. Die Menschheit braucht Ihre starke Führung bei der Bekämpfung der Klimakrise – auf Augenhöhe.“

Ich ergänze seinen Punkt auf dem Flipchart und frage Wladimir, was er dazu sage – er als Freund der Natur. Das bislang Düstere weicht aus seinem Gesicht, als er seine Antwort formuliert: „Mich stimmt positiv, dass Sie das Gewicht Russlands erkennen. Solche Fragen lassen sich nicht regional klären. Ich war überrascht, als die Europäische Union einseitig ihren Green Deal verkündete, der Ländern schadet, die vom Export fossiler Energieträger leben.“ Auch Wolodymyr kommentiert Charles Ausführungen zustimmend.

Die Interessen im Überblick

Nach dreieinhalb Stunden danke ich für den harten, aber offenen Austausch. Das Flipchart zeigt für alle sichtbar eine Liste der Interessen:

• Wolodymyr ist es wichtig , Frieden in der Ukraine herzustellen, dass die Menschen in Sicherheit leben, Kinder unbeschwert heranwachsen. Ihm geht es um Souveränität und Freiheit für das kulturelle, soziale, wirtschaftliche Leben.

• Wladimir geht es um Sicherheit und ein Gleichgewicht der Weltmächte auf Augenhöhe. Er wünscht sich Respekt vor der Größe Russlands und Schutz für russische Menschen auch außerhalb des Staatsgebietes.

• Charles geht es um Selbstbestimmung , Vielfalt, Frieden und Respekt. Er möchte die Versorgung der Menschen mit Nahrung und die wirtschaftliche Stabilität sichern.

• Allen Präsidenten ist das Überleben der Erde ein sehr wichtiges Anliegen.

Tag 3: Zeit für neue Ansätze und Schritte nach vorn

Am Morgen des dritten Tages ist die Runde Punkt 9:00 Uhr komplett. „Meine Herren Präsidenten, ich bedanke mich für Ihre Zeit in der gestrigen Runde und Ihre Ruhe auch an den Stellen, an denen es für Sie persönlich schwer war, gelassen zu bleiben.“

„Wir kommen heute zum dritten großen Abschnitt, der vollständig offenen Lösungssuche. Wir werden diese in zwei Schritte aufteilen: In einem ersten nehmen wir sämtliche denkbaren Optionen am Flipchart auf. Wichtig ist, dass wir uns keine Denkverbote auferlegen und auch solche Lösungsoptionen benennen, die jenseits des eigentlichen Konflikts l ieg en .“

„Erst wenn diese theoretische Sammlung an Lösungsoptionen abgeschlossen ist, gehen wir zum zweiten Schritt über, in dem jeder von Ihnen zu jeder Option seine Bewertung abgibt. Sind Sie damit einverstanden?“

Die Lösungsoptionen werden zusammengetragen

Nach zwei Stunden steht die Liste. „Ich werde Ihnen nun verschiedene Farben zuteilen, womit bitte jeder alle einzelnen Punkte bewertet. Die Legende lautet wie folgt:

Nochmals zur Erinnerung : Nichts gilt als zugestanden, bevor nicht alles vereinbart ist. Es geht darum, ein Paket an Lösungen zu schnüren.“

Ein erster Teilerfolg

Nach dreimal zehn Minuten, jeweils allein am Flipchart, hat jeder der Herren Präsidenten seine Bewertung abgegeben.

Charles schenkt sich ein Glas Wasser nach. Die Blicke von Wolodymyr und Wladimir kreuzen sich. Das Flipchart zeigt für alle sichtbar das Folgende:

„Ich danke Ihnen für Ihre Bewertungen. Wir kommen zum Abschluss. Lösungsoptionen, die auch nur ein ‚c‘ erhalten haben, sind keine gemeinsamen Lösungen. Wir streichen sie aus unserer Liste. Die übrigen Lösungsoptionen ordnen wir nach dem Grad der Zustimmung. Wir behalten sie bei für Ihre Konsultationen und unsere finale Verhandlungsrunde.“

Zum Abschied gibt jeder dem anderen die Hand, schaut jeder dem anderen in die Augen.

Dr. Marcus A. Pohl

Zertifizierter Mediator und Rechtsanwalt aus Stuttgart. Weitere Informationen: .