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TRAGEN ODER SCHIEBEN? AM LIEBSTEN GANZ NAH DRAN


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 17.05.2018

Das Baby nah bei sich zu tragen, ist gut für seine Gesundheit und Entwicklung - wenn die Eltern dabei ein paar Regeln beachten. Spätestens wenn der Nachwuchs zu schwer wird, kommen Kinderwagen oder Buggy zum Einsatz.


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Foto: Lolostock/Shutterstock

Direkt bei der Mutter oder dem Vater fühlen sich Babys am wohlsten. Sie weinen weniger und sind meist zufriedener – kein Wunder, nach neun Monaten im Mutterbauch muss sich der Zwerg erst einmal langsam daran gewöhnen, manchmal auch ohne Körperkontakt zu sein. Deshalb transportieren viele Eltern ihren Nachwuchs gern, indem sie ihn bei sich tragen. Egal, ob einfach ...

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... auf dem Arm oder im Tragetuch: Hauptsache, nah dran. Auch heute noch, lange nach der Erfindung der Kinderwagen, tragen zwei Drittel der Weltbevölkerung ihren Nachwuchs auf dem Rücken, am Bauch oder auf der Hüfte mit sich herum. Das hat auch praktische Vorteile: Treppen stellen kein Hindernis dar, in Bus und U-Bahn findet sich schnell ein Platz.

Egal wie man das Kind trägt: Der Kopf muss immer gut abgestützt sein. Zudem sind nicht alle Tragesysteme zu empfehlen. Experten raten von Modellen ab, in denen das Baby vor dem Bauch hängt und nach vorn schaut. In dieser Position – verstärkt durch einen zu schmalen Steg – werden die Beine des Kindes durch das Eigengewicht gestreckt, das hebelt den Hüftkopf nach außen. „Das kann zu Hüftgelenkschäden führen“, warnt Dr. Wolfram Hartmann, Ehrenpräsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Ungünstig ist auch die Belastung auf den noch weichen Schambeinbereich; bei Jungen drückt das Eigengewicht zusätzlich auf die Hoden. Außerdem kann der Steg zwischen den Beinen in die Oberschenkel des Babys drücken, was zu Stauungen in den Blutgefäßen führt. Die Kleinen haben mit dem Gesicht nach vorn zudem keine Möglichkeit, sich von den äußeren Eindrücken um sie herum abzuwenden. Dadurch sind sie schnell überreizt und werden unruhig.


Blick nach vorn? Die vielen Eindrücke überreizen das Baby schnell.


Tragehilfen sind grundsätzlich gesund, wenn das Kind darin mit leicht abgespreizten und angewinkelten Beinen (sogenannte Spreiz-Anhock-Haltung) auf dem Rücken, am Bauch oder der Hüfte des Trägers sitzt oder hockt. Dabei ist das Gesicht des Kindes dem Tragenden zugewendet. „Bei Tragehilfen wird diese Stellung erreicht, wenn zum Beispiel ein Steg knapp oberhalb der Kniegelenke vorhanden ist, der die Hüfte in einer Bewegung von mehr als 90 Grad und eine Abspreizung von 40 Grad bringt. Dabei sollten die Kniegelenke frei beweglich sein“, sagt Hartmann. In dieser Stellung zieht die Muskulatur die Hüftköpfe in die Pfannen, und gleichzeitig wird die Verknöcherung der Pfanne gefördert – die Knorpel werden zu Knochen.

In den USA wurden in den vergangenen Jahren hin und wieder Todesfälle mit Babytragetüchern in Ver- bindung gebracht. Die amerikanische Verbraucherzentrale für Produktsicherheit mahnte daraufhin zur Vorsicht. „Keine Panik“, beruhigt Dr. Jörg Schriever, pensionierter Kinderarzt und Experte für Unfälle im Kindesalter. „Gefährlich sind nach US-Erfahrungen vor allem Tragetücher im Taschenstil, die mit einem Halter um die Schulter der Eltern gebunden werden und das Kind automatisch in eine stark gekrümmte, c-förmige Posi tion bringen.“ Das könne nämlich die Atmung des Kindes einschränken. Solche Tragetücher sind hier aber nicht üblich.

Buggys sind praktisch auf Reisen, weil sie sich so schön klein zusammenklappen und verstauen lassen.


Foto: Alija/getty images

Bei den herkömmlichen, auf dem deutschen Markt erhältlichen schalförmigen Babytragetüchern zeigen die Wickelanleitungen der Hersteller verschiedene Binde- und Tragemöglichkeiten, unter anderem auch eine liegende Position des Säuglings vor dem Bauch von Mutter oder Vater. Davon rät Schriever wegen der C-Haltung und möglicher Komplikationen ab. Unproblematisch sei es dagegen, wenn das Kind in einer aufrechten Position mit dem Gesicht zur Mutter im Tuch getragen wird. Die Eltern sollten auch immer darauf achten, dass „das Gesicht des Kindes nicht vom Tuch bedeckt und immer sichtbar ist“. Außerdem gilt: Auf keinen Fall darf man das Kind im Trage tuch transportieren, wenn man selbst auf dem Fahrrad sitzt. „Bei Unfällen ist das Kind dann völlig ungeschützt“, warnt Andreas Kalbitz, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder.

Ein gutes Tragetuch ist fest gewoben, in der Diagonale aber nachgiebig. Ob sitzend oder aufrecht – für jede Tragevariante gibt es eine spezielle Bindeweise. Grundsätzlich gilt: Bei der Auswahl kommt es nicht nur auf Vorlieben, sondern auch auf das Alter des Kindes sowie die Größe des Tuches an. Ein Tragetuch zu binden, kann man in Kursen lernen.

Neben Tüchern gibt es verschiedene Modelle von Rückentragen und Beuteln. Eltern probieren am besten selbst aus, mit welchem System sie gut zurecht kommen. Ein guter Tragebeutel oder -gurt muss sich problemlos auf unterschiedliche Träger einstellen lassen. Vorsicht: Ist der Steg zwischen den Beinen zu schmal und sind die Gurte zu lang, hängt das Kind ungünstig. Das ist für das Kleine unbequem und kann zudem seinem Rücken schaden. In einem guten Tragesystem hockt das Kind nahe und hoch am Körper des Trägers. Wichtig ist, dass der Kopf dabei immer gut abgestützt ist. Es gibt auch Tragesäcke mit einem Innenbeutel für Frühgeborene ab einem Körpergewicht von 1.600 Gramm und ein Modell für Zwillinge, das ähnlich konzipiert ist.


Tragetücher sind bei jungen Eltern beliebt. Aber auch im Tragebeutel kann das Kind gut und bequem aufgehoben sein.


SPEZIALWAGEN FÜR ZWILLINGE

Wer nicht nur einen, sondern zwei Säugling» im Kinderwagen unterbringen will, steht vor der Frage: nebeneinander oder hintereinander? Wer sich für ein Nebeneinander seiner beiden Kinder entscheidet sollte darauf achten, dass jedes Kind genug Platz zu m Schlafen hat und sie sich nicht gegenseitig stören können. Dann gehen die Wagen allerdings wieder etwas mehr in die Breite. Es gibt aber noch eine Variante: In neueren Modellen liegen die Zwillinge übereinander.sozusagen auf zwei Etagen. Spätestens wenn die Kinder sitzen können, ist damit aber Schluss.

Nebeneinander sitzen beide Kinder zunächst mit Blick zum Schiebenden und später in Frontrichtung. Denn wenn die Kinder älter sind, wollen sie ihre Umgebung wahmehmen. Sitzen die Kinder dagegen hintereinander. schaut einer der Zwillinge auf die Rückwand des anderen Sitzes. Es besteht dann die Gefahr, dass sich das Kind zur Seite herauslehnt um mitzubekommen, was vom passiert Allerdings gibt es auch Modelle, bei denen man die Shzaufeätze drehen kann.sodass sich die Geschwister anschauen können.

Rückentragen oder „Kraxen“ eignen sich für Kinder, die sicher sitzen können. Das ist etwa ab dem achten bis zwölften Monat der Fall. Der Sitz sollte höhenverstellbar und im Rücken gepolstert sein.

Außerdem empfiehlt es sich, das Kind in der Rückentrage anzuschnallen. Sinnvoll sind diese Kraxen zum Beispiel für längere Wanderungen; die Eltern haben dann die Hände frei. Trotzdem gilt es, ein paar Dinge zu beachten: Bei kalten Temperaturen sollte das Kind ausreichend gewärmt sein, denn in einer Rückentrage kühlt es schneller aus als bei direktem Körperkontakt. Generell gilt für alle Tragesysteme: Harte Erschütterungen, zum Beispiel beim Joggen, sollten Erwachsene vermeiden, darauf reagieren Kinder sehr empfindlich.

Mit steigendem Körpergewicht wird das Tragen irgendwann zu schwer. Dann sind Kinderwagen zum Transport angenehmer und bequemer, vor allem auf längeren Strecken. Verglichen mit Tragetüchern sind sie eine junge Erscheinung: Lange Zeit hatte man zum Transport schwerer Kleinkinder ganz einfach Schubkarren benutzt. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts entstand im vornehmen Londoner Bürgertum die Gepflogenheit, Kinder in einem eigens konstruierten, dreirädrigen Wagen im Freien spazieren zu fahren. Eltern legen heute Wert auf zeitgemäßes Design und eine gute Ausstattung.

Außerdem sollen die Wagen variabel sein: Die meisten modernen Kinderwagen sind Kombifahrzeuge, die sich mit wenigen Handgriffen vom Liege- zum Sportwagen umfunktionieren lassen. Man sollte ein Modell wählen, das das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit trägt und damit den Vorgaben der europäischen Norm DIN EN 1888 entspricht. Wichtige Kriterien sind Stabilität, gute Bremsen, leichte Handhabung und Verstellbarkeit der Griffe. Auch ein waschbarer Sitzbezug ist sinnvoll: Durch das Waschen lassen sich möglicherweise enthaltene Schadstoffe reduzieren. Natürlich muss der Wagen auch in den Kofferraum passen.

Besonders dreirädrige Sportwagen waren in den vergangenen Jahren bei Eltern beliebt. Allerdings sind Dreiräder trotz ihrer geländegängigen Konstruktion weder zum Joggen noch zum Skaten geeignet. Es besteht die Gefahr, dass man sie vor einem Hindernis nicht rechtzeitig stoppen kann und/oder sie nach hinten umkippen. Dreirädrige Wagen haben außerdem oft eine lange Schnauze, die viel Platz braucht. Sehr gefragt sind auch leichte, wendige Buggys für die Stadt und vierrädrige, gut gefederte Wagen mit luftgefüllten Reifen. Ungeeignet als Kin- derwagenersatz sind die fahrbaren Untersätze, auf die man Autobabyschalen als Sitzgestell montieren kann – zumindest, solange die Kleinen noch nicht frei sitzen können. Das lange Sitzen in gekrümmter Haltung kann zu Verdauungsstörungen, Atembeschwerden oder sogar Wachstumsschäden an der Wirbelsäule führen.


Kinderwagen gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Davor wurden schwere Kinder ganz einfach in Schubkarren transportiert.


Unglaubliche Vielfalt: Auf jeden Fall aber sollte der Kinderwagen stabil und kippsicher sein. Auch eine gute Federung und gute Bremsen sind wichtig.


Nach dem Kinderwagen kommt der Buggy zum Einsatz. Dessen Urmodell hat schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Es wiegt weniger als drei Kilo und lässt sich klein zusammenfalten. Besonders bequem ist dieser puristische Schieber allerdings nicht, weshalb sich Eltern inzwischen mehrheitlich für größere, robustere und komfortablere Varianten entscheiden. Meist handelt es sich um ein Zwischending zwischen Kinderwagen und Leichtbuggy mit größeren Rädern und Federung, ergonomisch besseren Sitzen, mit Haltebügeln und Fußstützen, mit Körben und Taschen. Allerdings können die Taschen dazu verführen, dem Buggy mehr aufzuladen, als er verträgt. Machen Sie vor dem Kauf am besten eine kleine Probefahrt mit beladenen Taschen, um das Fahrverhalten zu testen. An modernen Buggys sind auch die Schiebegriffe etwas höher angebracht als beim Klassiker.

Trotzdem haben Buggys in der Regel eine niedrigere Schiebehöhe, als es bei Kinderwagen der Fall ist. Mütter und Väter, die groß gewachsen sind, sollten beim Kauf darauf achten, sonst wird das Schieben auf Dauer beschwerlich.

Für ältere Kinder, die auf größeren Touren noch nicht so lange laufen können oder wollen, können Eltern ein Stehbrett, ein sogenanntes Buggyboard, am Kinderwagen des Geschwisterchens anbringen. Belastbar sind die meisten Modelle mit einem Gewicht bis zu 20 Kilogramm. Das reicht für den Bruder oder die Schwester.

CHECKLISTE FÜR DEN KINDERWAGENKAUF

►Ist der beladene Wagen wirklich kippsicher? Lässt er sich gut lenken? Schieben Sie den Wagen Probe.

►Ist er ausreichend gepolstert? Hatten Stoff und terdeck Zug uft gut ab? Die Rückenlehne sollte 53 bis 55 Zentimeter lang sein.

►Wie einfach lässt sich der Wagen Zusammenlegen? Auf jeden Fall sollte er problemlos und ohne langes Hanteren in den Kofferraum des Familienautos passen.

►Die Liegefiäche sollte mindestens 80 Zentimeter lang und etwa 40 Zentimeter breit sein.

►Die Matratze sollte mittelfest und der Sitzbezug waschbar sein.

►Wo will man den Wagen nutzen? Ene gute Federung und große Rider machen ihn geindegängig. Wer oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder den Wagen in einem kleinen Auto verstauen muss, nimmt besser ein schmaleres Modell mit kleineren Rädern. Je kleiner die Räder, desto wendiger ist außerdem der Kinderwagen.

Der Wagen muss neben einem Gurt auch noch höhenverstellbare Griffe haben.

Wichtig: Die Bremsen am Wagen sollten gut funktionieren und sich auch leicht feststellen lassen.