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Typische Schwangerschaftsbeschwerden: Wenn’s zwickt und zwackt


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 6/2009 vom 21.10.2009

Die meisten Schwangerschaftsbeschwerden sind zwar unangenehm, aber harmlos. Bei einigen Symptomen ist allerdings der Arzt gefragt – und Vorsicht angesagt.


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Ausfluss

Erhöhter, dünnflüssiger Ausfluss ist normal. Die Scheide wird in der Schwangerschaft stärker durchblutet und mehr Scheidenflüssigkeit produziert. Wenn sich der Ausfluss verfärbt, unangenehm riecht, die Konsistenz sich ändert und die Scheide juckt, kann eine Infektion vorliegen. Sie muss behandelt werden, da bestimmte Scheideninfektionen Fehl- oder Frühgeburten auslösen können.
Was tun? Auch bei stärkerem Ausfluss sollte man ...

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Erhöhter, dünnflüssiger Ausfluss ist normal. Die Scheide wird in der Schwangerschaft stärker durchblutet und mehr Scheidenflüssigkeit produziert. Wenn sich der Ausfluss verfärbt, unangenehm riecht, die Konsistenz sich ändert und die Scheide juckt, kann eine Infektion vorliegen. Sie muss behandelt werden, da bestimmte Scheideninfektionen Fehl- oder Frühgeburten auslösen können.
Was tun? Auch bei stärkerem Ausfluss sollte man die natürliche Schutzfunktion der Scheide gegen Keime nicht durch übersteigerte Hygiene zerstören. Auf Scheidenspülungen und Intimsprays verzichten. Luftdurchlässige Unterwäsche aus Naturfasern tragen und auf enge Hosen verzichten.

Blasendruck

Die wachsende Gebärmutter drückt in der Schwangerschaft auf die Blase. Da ihre Muskulatur durch die erhöhte Produktion des Hormons Progesteron entspannter ist, kann beim Husten, Lachen oder Laufen unfreiwillig Urin abgehen. Auch ist das Becken stärker durchblutet, wodurch die Niere angeregt wird und verstärkt Urin produziert.
Was tun? Beckenbodengymnastik, die auch in Geburtsvorbereitungskursen trainiert wird, hilft vorzubeugen. Auf keinen Fall weniger trinken, um das häufige Wasserlassen zu vermeiden.

Blähungen

Hauptsächlich am Anfang der Schwangerschaft treten Blähungen häufig auf. Eine der Hauptursachen ist der erhöhte Spiegel des Hormons Progesteron. Er wirkt entspannend auf die inneren Organe, wodurch der Darm träger wird.
Was tun? Langsames Essen und bewusstes Kauen beugt Blähungen vor. Regelmäßige Bewegung und viel Trinken (ohne Kohlensäure) ist gut. Auf Hülsenfrüchte, Kohl und Lauch verzichten. Linderung ver schaffen Fenchel-, Pfefferminz-, Küm mel- oder Anistee. Auch Wärm flaschen oder Massagen des Unterbauchs im Uhrzeigersinn helfen.

Blutungen und Zwischenblutungen

In der Frühschwangerschaft können leichte Blutungen, meistens zur Zeit der Periode, auftreten. Sie sind häufig ein harmloses, hormonell bedingtes Umstellungsproblem des Körpers. Es ist selten, dass Schwangere noch mehrere Monatsblutungen haben. Ein anderer Grund für die Blutungen können feine Haarrisse am Muttermund sein. Das Gewebe dort ist in der Schwangerschaft sehr gut durchblutet. Es kann leicht zu kleineren Verletzungen kommen, zum Beispiel durch Sex oder gynäkologische Untersuchungen. Stärkere Blutungen, besonders wenn sie mit Schmerzen im Unterleib verbunden sind, können aber auch auf eine drohende Fehlgeburt oder Eileiterschwangerschaft hinweisen.
Was tun? Die Ursache der Blutungen muss vom Arzt abgeklärt werden.

Brustspannen

Das Wachsen der Brust macht sich oft durch ein unangenehmes Spannungsgefühl bemerkbar. In der Regel lassen Spannungsgefühl und Empfindlichkeiten aber nach den ersten zwölf Schwangerschaftswochen nach.
Was tun? Massagen mit Lavendelöl wirken lindernd. Bei starken Spannungen helfen warme Lavendelumschläge oder ein warmes Lavendelbad. Einen gut sitzenden BH tragen.

Foto: photo alto

Hämorrhoiden

Hauptursache ist eine Bindegewebsschwäche, die durch die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft verstärkt wird.
Was tun? Ballaststoffreiche Kost essen und viel trinken. Starkes Pressen auf der Toilette vermeiden. Schwimmen und Radfahren beugen vor. Auch Schließmuskelgymnastik ist sinnvoll: Dreißig Mal hintereinander den Schließmuskel zusammenkneifen – das fördert die Durchblutung. Nicht zu heiße Sitzbäder mit Kamille, Malve oder Eichenrinde wirken entzündungshemmend und lindern den Juckreiz. Langes Sitzen vermeiden. In leichten Fällen helfen Salben.

Herzklopfen

In der Schwangerschaft vergrößert sich das Blutvolumen um bis zu 40 Prozent. Das Herz schlägt deshalb stärker und auch schneller. Gelegentliches Herzklopfen oder Herzrasen sind daher normal.

Viele Schwangere haben besonders in der Spätschwangerschaft abends im Bett starkes Herzklopfen. Der Grund: Das Gewicht des Kindes kann auf die große Hohlvene drücken, die das verbrauchte Blut zurück zum Herzen transportiert. Dadurch muss das Herz schneller schlagen, um noch genug Blut zu transportieren.

Was tun? Wenn man auf der Seite liegt, bequem durch Kissen gestützt, kann das Entlastung bringen. Bei Herzrhythmusstörungen oder Herzstolpern den Arzt verständigen.

Kopfschmerzen

Vor allem in den ersten Monaten der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Kopfschmerzen. Mögliche Ursachen sind eine häufig verstopfte Nase, Erschöpfung und Nackenverspannung.
Was tun? Viel Bewegung an der frischen Luft sorgt für Linderung. Im Alltag regelmäßig Pausen einlegen und entspannen. Auch Schultermassagen und Akupunktur können helfen.

Foto: Banana Stock

Krampfadern

In der Schwangerschaft fließt mehr Blut durch die Adern und belastet sie. Zusätzlich werden sie durch Schwangerschaftshormone geweitet. Das überfordert schnell die Ventile in den Adern, die das Blut zum Herzen zurücktransportieren. So entstehen Besenreiser oder Krampfadern.
Was tun? Linderung verschaffen Wechselduschen und das Hochlagern der Beine. Durchblutungsfördernde Fuß- und Beingymnastik sowie kühlende Beingele helfen ebenfalls. Leichte Bewegung wie Radfahren, Tanzen, Schwimmen fördern den Blutkreislauf. Große Temperaturschwankungen oder ausgedehnte Sonnenbäder sollte man meiden. Bei Krampfadern sind gut angepasste Stützstrümpfe empfehlenswert.

Foto: rubberball

Müdigkeit

95 Prozent der Schwangeren fühlen sich während der Schwangerschaft – gerade in den ersten drei Monaten – sehr müde, ergab eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Müdigkeit wird durch die Hormonumstellung und den Blutdruckabfall hervorgerufen. Zuweilen auch durch Eisenmangel.
Was tun? Wechselduschen, viel Bewegung an frischer Luft, Rosmarinbäder, roter Traubensaft und eisenhaltige Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte, Sonnenblumenkerne, Fleisch und Kartoffeln können dagegen helfen.

Mutterbandschmerzen

Die Gebärmutter ist an den sogenannten Mutterbändern im Becken verankert. Durch das Wachstum der Gebärmutter dehnen sich die Mutterbänder und müssen nachgeben. Dies kann muskelkaterähnliche Schmerzen in der Leistengegend oder im Kreuzbeinbereich verursachen.
Was tun? Linderung bringt eine Massage im Lendenbereich mit ätherischen Ölen. Auch ein Bad oder eine Wärmflasche tragen zur Entspannung bei. Gehen die Schmerzen mit Symptomen wie Fieber, Durchfall, Erbrechen oder Gebärmutterkontraktionen einher, sollte man den Gynäkologen aufsuchen.

Ödeme

Ödeme sind Wassereinlagerungen im Gewebe. Sie führen zu geschwollenen Beinen, treten manchmal aber auch an den Händen und im Gesicht auf.
Was tun? Neuere Studien zeigen, dass salzarme Kost, wie früher empfohlen, eher schädlich ist. Viel trinken fördert den Stoffwechsel und die Ausscheidung von Schadstoffen. Obst, Gemüse und besonders Kartoffeln helfen, die Wassereinlagerungen auszuschwemmen. Die Ärztin oder der Arzt muss auf Ödeme hingewiesen werden, denn sie können auf eine beginnende Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) hinweisen.

Foto: irisblende.de

Rückenschmerzen

Wenn sich der Bauch rundet, muss der Rücken einige Kilos mehr verkraften. Jetzt wird die Muskulatur oft falsch beansprucht und es können Verspannungen entstehen.
Was tun? Gezielt die Rückenmuskulatur aufbauen, regelmäßig dehnen und entspannen. Schwimmen entlastet die Wirbelsäule. Wenn der Rücken schmerzt, auf allen vieren gehen und den Rücken mehrmals zum Katzenbuckel hochwölben und wieder entspannen. Oder im Stehen Kopf, Schultern und Rücken sinken lassen und genauso langsam wieder aufrichten.

Scheideninfekte

Bakterien und Pilze haben in der Schwangerschaft leichtes Spiel. Schuld daran ist das veränderte Immunsystem. Symptome eines Scheideninfekts sind verstärkter Ausfluss, Juckreiz und Brennen. Manche Infektionen können zu einem vorzeitigen Blasensprung und damit zu einer verfrühten Geburt führen. Außerdem wird das Baby beim Passieren des Geburtskanals angesteckt. Deshalb müssen alle Scheideninfekte rasch behandelt werden. Als Vorsorge misst der Frauenarzt regelmäßig den pH-Wert in der Scheide.
Was tun? Das Immunsystem durch viel Bewegung an der frischen Luft und ausgewogene Ernährung stärken. Keine übertriebene Hygiene: Einmal am Tag mit Wasser waschen reicht. Keine Slipeinlagen mit Plastikfolie verwenden.

Schlafstörungen

Wenn der Bauch wächst, wird es schwieriger, eine bequeme Schlafposition zu finden. Auch halten einen die Bewegungen des Babys nachts manchmal wach.
Was tun? Tagsüber viel bewegen, aber keinen anregenden Sport noch spät am Abend treiben. Vor dem Schlafengehen baden – aber nicht zu heiß, Entspannungsmusik hören. Abends nur leicht Verdauliches essen. Den Körper mit Kissen abstützen.

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Schwindel und Kreislaufprobleme

Foto: stockbyte

Durch die hormonelle Umstellung haben viele Schwangere besonders in den ersten drei Monaten einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel und zu niedrigen Blutdruck.

Was tun? Eine kleine Mahlzeit, Bewegung und Wechselduschen kurbeln den Kreislauf wieder an. Grundsätzlich beugen Schwimmen, Radfahren, Gymnastik, viel Bewegung an frischer Luft und eine ausgewogene Ernährung Kreislaufproblemen vor. Falls in der zweiten Schwangerschaftshälfte vermehrt Schwindel auftritt, sollte auf jeden Fall die Frauenärztin oder der Frauenarzt informiert werden.

Sodbrennen

Ursache ist meist ein Platzproblem: Die Gebärmutter drückt so stark auf den ohnehin weit gestellten Pförtnermuskel, dass er den Magen nicht mehr richtig schließen kann. Dadurch gelangt Magensäure in die Speiseröhre und verursacht dort das lästige Brennen.

Was tun? Auf Speisen und Getränke verzichten, die den Magen zu vermehrter Säurebildung reizen (Kaffee, Frittiertes, stark Gewürztes). Üppige Mahlzeiten meiden. Nach dem Essen kein Schläfchen einlegen, denn in der Horizontalen fließt der Mageninhalt noch leichter in die falsche Richtung. Beim Schlafen den Oberkörper höher lagern. Kürbiskerne oder Mandeln kauen, das regt den Speichelfluss an und hilft dem Magen, sich zu entspannen.

Übelkeit

Mehr als die Hälfte aller schwangeren Frauen leiden unter Übelkeit. Schuld daran ist das Hormon HCG (Humanes Chorio-onadotropin), das zum Beispiel dafür sorgt, dass sich das Ei einnisten und der Embryo wachsen kann.

Foto: Banana Stock

Was tun? Schon vor dem Aufstehen einen Schluck Tee aus der abends bereitgestellten Thermoskanne trinken und Zwieback knabbern. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen. Ingwer, frisch oder als Tee, vertreibt das Unwohlsein. Viel trinken und Bewegung an der frischen Luft. Bewährt hat sich auch Akupunktur.

Verstopfung

Während der Schwangerschaft entspannt das Hormon Progesteron die Muskeln der Eingeweide. Der Nachteil: Dadurch verlangsamt sich die Darmtätigkeit.
Was tun? Ballaststoffreiche Kost essen und viel trinken. Für Bewegung sorgen. Stopfendes wie Schokolade, schwarzen Tee und Bananen meiden. Morgens gleich nach dem Aufstehen ein Glas Wasser oder Pflaumensaft trinken. Abführmittel sind tabu.

Wadenkrämpfe

Schuld an nächtlichen Wadenkrämpfen ist ein Mangel an Magnesium.
Was tun? Magnesiumreiche Lebensmittel auf den Speiseplan setzen, etwa Hülsenfrüchte, Kartoffeln, ungeschälten Reis. Nur nach Rücksprache mit Arzt oder Hebamme Magnesiumtabletten einnehmen. Im akuten Fall: Bein durchstrecken und fest gegen die Wand treten. Das Bein kräftig massieren.

Foto: ccvision.de

Zahnfleischentzündungen

Das Zahnfleisch wird in der Schwangerschaft weicher, schwillt leicht an und blutet schneller.
Was tun? Auf eine weiche Zahnbürste umsteigen. Auch Zahnseide leistet gute Dienste. Versteckte oder schwer erreichbare Beläge lässt man am besten beim Zahnarzt entfernen. Bei hartnäckigen Zahnfleischentzündungen helfen Spülungen mit lauwarmem Salzwasser oder Kamillentee. Spezielle Spülungen können vom Zahnarzt verschrieben werden. Viel rohes Gemüse, Obst und Vollkornprodukte essen. Davon wird das Zahnfleisch fester.

Foto: pixtal


Foto: Klosterfrau Gesundheitsservice

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