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Übersicht: Krankenkassen, Homöopathie: Ganzheitliche Heilung von der Kasse


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2009 vom 03.04.2009

Auch für die sanfte ärztliche Medizin gilt: Es gibt erhebliche Leistungsunterschiede. Unsere Übersicht zeigt, welche Kassen zugunsten der klassischen Homöopathie zusätzliche Angebote garantieren.


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Foto: Ullrich Böhnke

Seit Anfang dieses Jahres zahlen alle gesetzlich Krankenversicherten den einheitlichen Beitrag von 15,5 Prozent. Wer angestellt ist, erhält von seinem Arbeitgeber 7,3 Prozent Zuschuss. Auch das gilt bundesweit für jeden Kassenpatienten. Und Zusatzbeiträge haben die einzelnen Kassen noch nicht erhoben. Also ist derzeit die Leistung der entscheidende Wettbewerbsfaktor. Über ihre Satzung, einen ...

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Seit Anfang dieses Jahres zahlen alle gesetzlich Krankenversicherten den einheitlichen Beitrag von 15,5 Prozent. Wer angestellt ist, erhält von seinem Arbeitgeber 7,3 Prozent Zuschuss. Auch das gilt bundesweit für jeden Kassenpatienten. Und Zusatzbeiträge haben die einzelnen Kassen noch nicht erhoben. Also ist derzeit die Leistung der entscheidende Wettbewerbsfaktor. Über ihre Satzung, einen Wahltarif oder spezielle Verträge können die Krankenkassen ihren Kunden zusätzliche Angebote machen – auch für Verfahren wie die Homöopathie.

Im Rahmen des üblichen vertragsärztlichen Budgets sind die Krankenkassen hier nämlich stark eingeschränkt. Auf diese Problematik wurden wir nach unserem Test „Mehr sanfte Heilung“ im Juli 2008 von unseren Lesern aufmerksam gemacht. So belegte die DAK im ÖKO-TEST Naturheilverfahren den ersten Rang. Das war richtig, denn die Kasse ermöglicht jedem Versicherten, homöopathische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Jedoch zahle die DAK höchstens 40 Euro für die Erstanamnese, so die Erfahrung von Renate Späth, Fachärztin der Allgemeinmedizin und ausgebildete Homöopathin aus München. Das sei für die klassische Homöopathie viel zu wenig.

Das ist auch richtig. Kassen wie die DAK oder die Barmer Ersatzkasse zahlen für Homöopathie lediglich innerhalb der normalen vertragsärztlichen Vergütung. Im Grunde steht diese Möglichkeit jeder Kasse offen. Diese Leistungen sind jedoch äußerst reduziert und reichen nicht aus. Zudem stehen die Quartalspauschalen dem Arzt und damit für den Patienten nur einmal zur Verfügung. Aus demselben Topf muss ein Hausarzt, der sich für eine Homöopathiebehandlung entscheidet, auch andere notwendige Therapien bestreiten.

Hilfe bei der Arztsuche

Eine Liste aller Homöopathie-Ärzte ist über den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) erhältlich. Der Arzt muss eine Kassenzulassung haben und eine Vereinbarung mit der jeweiligen Kasse. Patienten können dann wählen, ob sie an der besonderen Versorgung teilnehmen möchten. Dafür müssen sie beim Arzt eine Teilnahmeerklärung ausfüllen.
www.welt-der-homoeopathie.de

Andere Kassen nutzen ihren rechtlichen Spielraum voll zugunsten der klassischen Homöopathie und können so ausreichende Leistungen anbieten. Eine solche zusätzliche Versorgung wird über Verträge möglich, die Kassen mit Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern schließen. Die Verträge regeln die Art und den Umfang der Behandlung und die Bezahlung. Damit sollen die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert und gleichzeitig Kosten gesenkt werden.

ÖKO-TEST hat Ende Januar 2009 von insgesamt 150 Kassen Zusatzleistungen für homöopathische Leistungen mit einem ausführlichen Fragebogen erhoben und die Antworten auf Plausibilität geprüft. Das war nicht ganz einfach. Denn scheinbar kennen einige Kassen ihre eigenen Verträge nicht und machten sich selbst besser oder sogar schlechter, als sie eigentlich sind.
■ Insgesamt 59 Krankenkassen erbringen zusätzliche Leistungen für Homöopathie und haben dafür spezielle Verträge geschlossen. Eine Kasse leistet nach eigener Aussage per Kostenerstattung, ein Vertrag wird gerade verhandelt. Acht Kassen erklärten, dass sie derzeit keine Leistungen zur Homöopathie bieten. 72 Kassen machten gar keine Angaben.
■ Insgesamt gibt es erhebliche Leistungsunterschiede. Spitzenleistungen für homöopathische Behandlungen bieten Krankenkassen, die den Ärzten einen Leistungsrahmen von 730 Euro pro Jahr eröffnen. Das sind mit zwei Ausnahmen nur Betriebskrankenkassen (BKK), die mit dem Zentralverein homöopathisch tätiger Ärzte e. V. (DZVhÄ), einen Vertrag abgeschlossen haben.
■ Regional stark eingeschränkt ist bisher das 730-Euro-Angebot der Techniker Krankenkasse. Zwar verlangt die Kasse mit „Diplom-Homöopathen“ Ärzte, die sich einer dreijährigen berufsbildenden Ausbildung unterzogen haben. In Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Schleswig-Holstein gibt es für die TKMitglieder aber noch kein Angebot für Homöopathie. Die Gmünder Ersatzkasse (GEK) leistet 740 Euro – allerdings nur für ihre Patienten in Hamburg. In anderen Bundesländern und Regionen können GEK-Mitglieder mit 420 bis 620 Euro rechnen. Die Vergütungen der anderen Kassen liegen zwischen bis zu 138 Euro (Signal Iduna IKK) und 360 Euro (viele der Innungskassen) im Jahr.
■ Auch wenn die Höchstleistungsverträge der Homöopathen mit den Betriebskrankenkassen oder der Techniker Krankenkasse in der Praxis eher selten voll ausgeschöpft werden, eröffnen sie den Medizinern doch die für die homöopathische Praxis notwendige Flexibilität. So dürfen beispielsweise bei den BKKs für das mindestens 60-minütige Erstgespräch 90 Euro abgerechnet werden. Das Gespräch, Erstanamnese genannt, nimmt eine zentrale Stellung in der homöopathischen Therapie ein und kann auch bis zu drei Stunden dauern. Für Kinder bis 12 Jahre können dafür 60 Euro abgerechnet werden. Zwei Analysen des Gesprächsprotokolls, mit denen die wichtigsten Symptome ermittelt werden, dürfen jeweils mit 20 Euro zu Buche schlagen. Für zwei notwendige Auswahlvorgänge des homöopathischen Mittels, die Repertorisation, werden ebenfalls 20 Euro erstattet. Für vier 30-minütige Folgegespräche erstatten die BKKs 45 Euro, für acht 15-minütige Folgegespräche 22,50 Euro und für 20 sehr kurze Folgegespräche zehn Euro.

Homöopathie auf Chipkarte: Viele der untersuchten Kassen können ihren Patienten jetzt diese Zusatzleistung garantieren.


■ Ein Vertrag der homöopathischen Ärzte mit der BIG, der nord- und mitteldeutsche IKK, der IKK Hamburg, der IKK Niedersachsen, der IKK Nord, der IKK Thüringen sowie der Knappschaft sieht pro Quartal eine pauschale Erstattung von 90 Euro vor. Nach Ansicht des Zentralvereins homöopathisch tätiger Ärzte reicht diese Pauschale bisher in der Praxis aus. Sie ist aber der klassischen Lehre der Homöopathie – mit sehr unterschiedlichen Beratungen – weniger angepasst.
■ Auch Apotheker nehmen an den besonderen Kassenverträgen zur Homöopathie teil. Sie werden geschult und sollen laut dem Zentralverein homöopathisch tätiger Ärzte besonders kompetent eine Selbstmedikation beraten können. Die Kosten der homöopathischen Arzneimittel werden lediglich für Kinder von der Kasse übernommen. Erwachsene müssen ihre Mittel aus eigener Tasche zahlen.
■ Einige AOKs gaben an, Kosten für Homöopathiebehandlung nach Prüfung des einzelnen Falles zu übernehmen. Auf solche Einzelfallentscheidungen können Kassenpatienten aber nicht bauen. Zahlen dürfen die Kassen nämlich nur dann, wenn im Einzelfall die Erforderlichkeit nachgewiesen wird, die Therapie also zweckmäßig, wirtschaftlich und notwendig ist – so die Rechtsprechung. Dies trifft in ganz besonderen Fällen zu, etwa wenn eine sehr schwerwiegende oder gar tödliche Krankheit besteht oder wenn die Schulmedizin bereits versagt hat. Zudem bedarf es bei einer Entscheidung im Einzelfall eines Gutachtens des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Das heißt für den Patienten im Klartext Wartezeit, die er bei manchen Krankheiten einfach nicht hat. ÖKO-TEST hat daher diese individuellen Ausnahmen nicht als besondere Zusatzleistungen bewertet. Sie können von jeder Krankenkasse angeboten werden.
■ Patienten sind nur im Rahmen von besonderen Verträgen ihrer Krankenkassen vor einer zusätzlichen privaten Abrechnung des Arztes geschützt. 58 Kassen, die eine Zusatzleistung für klassische Homöopathie erbringen, gaben in der ÖKO-TEST-Umfrage an, dass eine solche Abrechnung nicht erlaubt ist. Allein die Signal Iduna IKK lässt weiterhin zusätzliche Privatrechnungen zu. Daher und wegen des mageren Angebots von 138 Euro pro Jahr ist die Kasse für Patienten, die diese homöopathischen Leistungen suchen, kaum empfehlenswert. Auch bei der Barmer Ersatzkasse müssen Kunden fürchten, im Rahmen einer Homöopathiebehandlung privat zur Kasse gebeten zu werden. Die Kasse erlaubt privat Abrechnung als sogenannte IGeL-Leistungen.