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ÜBERSICHT MÜCKENSTECKER: IN DIE FALLE


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 27.06.2019

Rein in die Steckdose und weg sind die Plagegeister: Insektenstecker sollen Stechmücken abwehren. Doch wie sieht es mit der Giftbelastung aus? Und lassen sich Mücken wirklich per Ultraschall vertreiben? Wir können keines der getesteten Geräte empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "ÜBERSICHT MÜCKENSTECKER: IN DIE FALLE" aus der Ausgabe 70/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 70/2019

Zzzzzz… Schon allein dieses Geräusch. Mitten in der Nacht. Dieses Summen, irgendwo in der Schwärze des Zimmers, das näher kommt. Plötzlich ein Kitzeln an der Nase. Da! Jetzt sitzt die Mücke mitten im Gesicht und senkt garantiert schon ihren Stechrüssel Richtung Haut. Schnell das Licht an, Zeitung geschnappt und zugeschlagen. Aber – wieder verfehlt. Wenn ...

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... es doch bloß ein Hilfsmittel gäbe, das Stechmücken bequem und ohne viel Aufwand vertriebe oder ihnen gleich den Garaus machen würde!

Solche Geräte, glaubt man den Herstellern, gibt es längst. Die Anbieter preisen sie als Mückenstecker, Elektroverdampfer, UV-Licht-Mückenvernichter oder elektrische Fluginsektenvertreiber an. Der Nutzer braucht sie einfach nur in die Steckdose zu stecken, und von da an verrichten sie selbsttätig und leise ihre Arbeit. Je nach Typ verdampfen sie ein Insektizid im Zimmer, senden für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbare Hochfrequenztöne aus oder locken mit Licht Fluginsekten in ein Hochspannungsgitter.

ÖKO-TEST hat neun Mückenstecker begutachtet. Ergebnis: Wir können kein einziges der Produkte empfehlen.

Foto: Matthew Wakem/getty images; Grafik: NadzeyaShanchuk/shutterstock

ÖKO-TEST RÄT

• Mückenstecker sind entweder gesundheitlich oder ökologisch bedenklich. Oder sie wirken nicht. Besser zu mechanischem Schutz greifen und Fliegengitter installieren.

• Gegen den Juckreiz nach einem Stich hilft das Einreiben mit einer aufgeschnittenen Zwiebel oder ein kühler Quarkumschlag. Empfehlenswerte juckreizstillende Mittel finden Sie in unserem Test Reiseapotheke im ÖKO-TEST Magazin 6/2019 oder auf oekotest.de

WIRKUNGSLOS: ULTRASCHALLPIEPSER

Das Versprechen klingt verlockend: ganz ohne Gift, ganz ohne Töten. Die Mücken hauen einfach ab oder kommen gar nicht erst ins Zimmer, weil ein kleines Gerät in der Steckdose Impulse im Hochfrequenz- oder Ultraschallbereich sendet. Für die Menschen sind die Töne zwar nicht hörbar. Für die blutsaugenden weiblichen Stechmücken sollen sie jedoch wie der Flügelschlag paarungswilliger Männchen klingen, was sie von dannen ziehen lässt. Das behaupten zumindest die Anbieter. Klingt nach einem Wundermittel. Ist es auch – besser gesagt: Es ist völlig im Reich der Wunder anzusiedeln.

Studien liefern keine Beweise. Ein Wissenschaftlerteam aus Iran und England wertete 2007 für die Fachzeitschrift Cochrane Library zehn internationale Feldstudien mit bis zu mehr als 300 Versuchsbeobachtungen aus. Sie alle kamen zu dem Ergebnis, dass Hochfrequenz- und Ultraschallgeräte Mücken nicht vertreiben. Die Wissenschaftler forderten deshalb, dass die Geräte wegen fehlender Beweise gar nicht erst beworben werden sollten. In den USA ist die Handelskommission Federal Trade Commission bereits entsprechend gegen Hersteller vorgegangen. Das deutsche Umweltbundesamt weist darauf hin: Die Piepser „unterliegen keiner Prüfung oder Zulassung. Dementsprechend können keine amtlichen Empfehlungen“ gegeben werden.

„Funktioniert nicht! “ Wir baten die Hersteller um schriftliche Nachweise. Keinen erhielten wir vom Anbieter des Unitec Elektrischer Fluginsektenvertreiber, Inter-Union. Ein Sprecher versicherte uns am Telefon, es habe in vier Jahren nur zwei Reklamationen von Kunden gegeben. Er verwies auf Bewertungen beim Internethändler Amazon. Tatsächlich gibt es dort (Stand: Anfang Juni 2019) nur eine einzige – und die fällt negativ aus. Sie ist überschrieben mit: „Funktioniert nicht!“

Zweifelhaftes Gutachten. Die Firma Tevigo, Anbieter des Geräts Gardigo Stechmücken-Abwehr, schickte ÖKO-TEST ein 30 Jahre altes Gutachten, das der ehemalige Leiter des Fachgebiets Parasitologie der Universität Hohenstein zu einem Vorgängermodell anfertigte. Laut diesem waren in einem Test mit einer Versuchsperson, die drei Nächte lang in einen Raum mit 200 bis 250 Stechmücken übernachtete, „keine Stichbelästigungen“ aufgetreten. Fraglich ist, wie valide diese Studie ist – nicht nur wegen der sehr beschränkten Anzahl an Versuchspersonen. Die heutige Leiterin des Fachgebiets, Professor Ute Mackenstedt, sagte gegenüber ÖKO-TEST, ihrer Universität lägen dazu heute keine Originaldokumente mehr vor. Die Uni habe sich bereits vor Jahren juristisch mit dem Anbieter darauf geeinigt, dass er das Produkt nicht mehr mit dem Gutachten bewerbe.

GIFTIG: BIOZIDVERDAMPFER

Sind die Verdampfer eine gute Alternative zu umstrittenen Insektensprays? Keineswegs! Denn auch über Elektroverdampfer gelangen giftige Stoffe in die Atemluft. Eingesteckt erhitzen die Geräte ein Insektengift. Das Insektizid verdampft und verteilt sich in der Raumluft – und das über Stunden oder die ganze Nacht. Vier Geräte, die ÖKO-TEST begutachtet hat, verdampfen den Wirkstoff Prallethrin. Der Raid Night & Day Trio Insekten-Stecker wirkt mit Transfluthrin. Beide Stoffe stammen aus der Gruppe der Pyrethroide. Dass diese keinesfalls harmlos sind, deuten schon die vielen Warnhinweise auf den Verpackungen an, darunter: „Empfindliche Personen (Kinder, Asthmatiker etc.) sollten dieser Substanz nicht ausgesetzt werden.“

Belastung der Atemluft. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor dem Gebrauch: „Der Einsatz von Mückensprays im Haushalt oder eine dauerhafte Biozidfreisetzung zur Mückenbekämpfung, beispielsweise durch Elektroverdampfer, kann nicht uneingeschränkt empfohlen werden, da hierbei die Wirkstoffe in die Atemluft abgegeben werden. Von einem Dauereinsatz oder dem Gebrauch in schlecht belüfteten Räumen ist abzuraten.“

Nervengift mit unbekannten Risiken. Auch das Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN Germany) rät ab: „Die eingesetzten Wirkstoffe, meist aus der Gruppe der Pyrethroide, sind Nervengifte und werden bei dieser Art der Applikation quasi nach dem Gießkannenprinzip in die Atemluft abgegeben“, sagt PAN-Expertin Susanne Smolka. Pyrethroide lassen sich häufig im Hausstaub nachweisen, was zu einer lang anhaltenden Belastung in Wohnräumen führen kann. Zudem gibt es bei einigen der Stoffe Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit. Prallethrin befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren der EU. „Produkte, die den Wirkstoff beinhalten, sind somit noch gar nicht auf ihre Wirksamkeit und auf ihre Risiken hin amtlich geprüft und in Deutschland zugelassen“, sagt Smolka. Dass die Produkte derzeit auf dem Markt seien, liege an einer Übergangsregelung. Auch ökologisch sei der Einsatz bedenklich: „Verdampfer wirken nicht nur spezifisch gegen Stechmücken, sie schädigen auch andere Insekten.“ Prallethrin ist zum Beispiel für Bienen sehr giftig.

QUÄLEREI: HOCHSPANNUNGSLICHTFALLEN

Zisch … und schon ist die nächste Mücke verglüht. Kein Gift im Zimmer und auf jeden Fall wirksam. Hochspannungslichtfallen sind quasi der elektrische Stuhl unter den Insektenkillern. Eine UV- oder LED-Lampe lockt die Tiere an, und sobald sie an ein Hochspannungsgitter geraten, werden sie mit Stromstößen von 800 Volt und mehr zerfetzt.

Langer Todeskampf. Gelegentlich sieht man Elektrofallen auch draußen, etwa auf der Restaurantterrasse oder dem Nachbarbalkon. In Deutschland verstößt eine solche Anwendung im Freien allerdings gegen das Bundesnaturschutzrecht. Für innen sind sie zwar zugelassen, aber: Wer möchte sich so etwas ins Haus holen? Die Wirkung beschreibt der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland so: „Von einem Vertreiben der Insekten oder schmerzlosem Verenden kann hier keine Rede sein! Bei größeren Insekten kommt es zum Abbrennen der Fühler, was einen langen Todeskampf zur Folge haben kann. Die Lampen töten wahllos und sind daher eine große Gefahr für geschützte und im Fortbestand gefährdete Insektenarten wie zahlreiche Nachtfalter oder auch Netzflügler.“ Das treffe auch auf Geräte im Innenbereich zu, sagt Nabu-Expertin Laura Breitkreuz. „Hier werden natürlich weniger Insekten angelockt als im Außenbereich, jedoch trotzdem mehr harmlose Insekten als Mücken.“

Bedrohte Arten. Der Nabu verweist auf eine Untersuchung auf einem Balkon im Bonner Stadtgebiet. In zehn Tagen gingen ihr zufolge rund 3.700 Individuen verschiedener Insektenarten in die Falle. Der Anteil an Stechmücken habe lediglich 1,4 Prozent betragen. Die überwiegende Anzahl der Tiere seien harmlose Zweiflügler und nachtaktive Schmetterlinge gewesen. 30 Prozent der Großschmetterlinge und etwa jeder zweite Kleinschmetterling hätten auf der Roten Liste der bedrohten Arten gestanden. In einer US-Studie in Newark in Delaware ergab eine Zählung von rund 13.800 getöteten Fluginsekten eine Quote von sogar nur 0,22 Prozent Stechmücken. Bei anderen US-Studien lag der Anteil nicht höher als 3,3 Prozent.

Licht lockt noch mehr Mücken an. Der Grund für den geringen Anteil an Stechmücken: Auf der Suche nach ihren Opfern orientieren sich diese weniger an Licht als am Geruch und der CO2-Konzentration in der Atemluft. „Die Mücken werden zwar durch das UV-Licht angelockt, wenn sie in der Nähe sind. Sie reagieren jedoch viel empfindlicher auf CO2 und fliegen deshalb nicht weiter zur Falle, sondern zu Mensch und Tier“, sagt Nabu-Expertin Laura Breitkreuz.

WAS TUN GEGEN STECHMÜCKEN?

Statt Gift oder Stromschläge helfen – ganz klassisch – Fliegenklatschen oder auch ganz einfache vorbeugende Maßnahmen: ffFliegengaze oder Moskitonetze an Fenstern, Balkontüren oder über den Betten. ffHelle, weite Kleidung im Freien. Stechmücken fliegen bevorzugt dunkle Farben an. ffRegentonnen gut abdecken und Wasser regelmäßig austauschen. Stehendes Wasser ist eine Brutstätte für Stechmücken – im Gegensatz zu einem ökologisch intakten Gartenteich. ffArtenvielfalt bewahren: Natürliche Feinde von Stechmücken sind Spinnen, Amphibien, Vögel, Fledermäuse. Ihre Larven und Puppen sind Nahrungsquelle von Wasserwanzen, Libellenlarven und Fischen.