Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

Urlaub wie bei Königs


Schottland - Das neue Reisejournal - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 31.05.2019

Der Name Aberdeen war lange der Inbegriff für Ölförderung in der Nordsee. Doch die Quellen versiegen, und hervor tritt ein Umland, das sich wahrlich nicht verstecken muss.


Artikelbild für den Artikel "Urlaub wie bei Königs" aus der Ausgabe 13/2019 von Schottland - Das neue Reisejournal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Balmoral Castle: Das Schloss der Queen in den Highlands.


Fotos: VisitAberdeenshire

Old Royal Station: Der alte Bahnhof in der Ortschaft Ballater wurde gerade aufwändig renoviert. ©Julietphotography


Am vergangenen Freitag hatte Mrs. Steward denkwürdigen Besuch. „Schauen Sie mal hier”, sagt sie und blättert im Gästebuch. „Camilla”, steht dort in einer großen, schwungvollen Handschrift. Mrs. Steward schaut erwartungsvoll in die Runde. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Schottland - Das neue Reisejournal. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 13/2019 von SCHOTTLAND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHOTTLAND
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von Malerische Filmkulisse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Malerische Filmkulisse
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von Selfie! Instagram auf den Hebriden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Selfie! Instagram auf den Hebriden
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von INSELABENTEUER: Krokodile am Strand. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
INSELABENTEUER: Krokodile am Strand
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von FREIZEITAKTIVITÄTEN: THE SHOW IS ON. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FREIZEITAKTIVITÄTEN: THE SHOW IS ON
Titelbild der Ausgabe 13/2019 von Schottische Burgen: Feste und Veranstaltungen im Sommer/ Herbst 2019. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schottische Burgen: Feste und Veranstaltungen im Sommer/ Herbst 2019
Vorheriger Artikel
Sehenswürdigkeiten in der Region Moray
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Wenn die Ehe in den Highlands
aus dieser Ausgabe

... Camilla und Prince Charles hat man eben nicht jeden Tag zu Gast, und die Victoria Hall im kleinen Ort Ballater wirkt auch nicht so, als würden hier die Royals ein und aus gehen. Der Bau erinnert an eine in die Jahre gekommene Turnhalle. Auf dem Boden sind mit bunten Klebestreifen Badminton-Felder abgeklebt. Nebenan trifft sich die örtliche Bridgerunde zwei Mal die Woche zum Kartenspielen.

Mrs. Steward gehört zu einer kleinen Gruppe von Freiwilligen, die in der Victoria Hall nach dem Rechten sieht. Sie deutet auf zwei kleine Landschaftsgemälde, die rechts vom Eingang hängen. Gerade wurde in der Halle eine kleine Kunstausstellung eröffnet. Prince Charles habe zu der Ausstellung zwei Bilder beigesteuert und sei daher auch bei der Ausstellungseröffnung dabei gewesen, sagt Mrs. Steward: „Daher der Eintrag ins Gästebuch.”

Royaler Besuch ist in Ballater nichts Ungewöhnliches. Der kleine Ort mit rund 1500 Einwohnern liegt in den östlichen Highlands. Beim Schlendern durch die Straßen fallen die vielen königlichen Wappen auf, die an jeder zweiten Hausfassade hängen. Sie zieren den Eingang der örtlichen Apotheke Davidsons und hängen über der Ladentür von Fleischer HM Sheridan. Vom Fleischerladen sind es bis zum Fluss Dee nur wenige Meter. Eine alte Steinbrücke führt auf die andere Flussseite.

Die malerische Lage von Ballater mitten im Cairngorms Nationalpark war vermutlich der Grund dafür, dass sich schon Queen Victoria vor mehr als 100 Jahren hier so wohl fühlte. Sie begründete die Tradition, dass die Royals im Urlaub in die Highlands fuhren. Daran hat sich seitdem nicht viel geändert.

©VisitScotland/Damian Shields

Der Fluss Ailna cWka ratuescrht oinsf Tal:

Die Schlucht liegt im Cairngorms Nationalpark und ist fast zehn Kilometer lang. Sie ist damit die längste, vom Schmelzwasser der letzten Eiszeit geformte Schlucht in Schottland.

An diesem Nachmittag sind nur wenige Passanten auf der Straße zu sehen. Sie gucken nach Tweedstoffen oder probieren Kaffee in der kleinen Kaffeerösterei im Ort. Im Bonbonladen Dee Valley Confectioners am Bahnhofsplatz Station Square kneten die Maschinen eine zähe grüne Zuckermasse, die man sich sehr gut als Pfefferminzbonbons vorstellen kann.

In der Victoria Hall haben sich einige Ausstellungsbesucher um die Bilder von Prince Charles geschart. Sie begucken ein Aquarell aus Wales und eine griechische Landschaft. „Gar nicht so schlecht”, sagt ein Biker in schwarzer Motorradmontur, den Helm in der Hand. „Er nimmt vermutlich Malunterricht”, sagt eine andere Besucherin. Mrs. Steward weist darauf hin, dass die Bilder abends zur Sicherheit abgehängt würden. Vielleicht hat sie die Sorge, dass womöglich ein Federball des örtlichen Badmintonteams dagegen fliegt.

Sobald man die Victoria Hall verlässt und auf die Straße tritt, ist auf der anderen Straßenseite der alte Bahnhof von Ballater zu sehen. „Old Royal Station” wurde gerade mit Millionenaufwand und der Unterstützung einer gemeinnützigen Stiftung unter der Schirmherrschaft von Prince Charles restauriert. Hier stieg früher Queen Victoria aus dem Zug. Nun wurde der Bahnhof in ein schickes Café und einen eleganten „Tearoom” umgebaut. Beides soll im Sommer 2019 eröffnet werden.

Dem Ort habe eine zentrale Anlaufstelle für Besucher und Einheimische gefehlt, sagt Café-Managerin Amy. „Sonst sind die Reisebusse immer an Ballater vorbeigefahren. Wir hoffen, dass sie nun auch hier halten”, sagt sie.

Wenn die Busse bislang durch Ballater hindurchrauschten, lag das möglicherweise auch an den berühmten Highland Games im Nachbarort Braemar. Das sogenannte Braemar Gathering findet jedes Jahr im September statt und zählt Queen Elizabeth II. zu den Stammgästen. Gerade wurde in Braemar ein neues Zentrum für Highland Games eingeweiht. Die Ausstellung soll den Besuchern auch außerhalb der Saison der Highland Games mit Hilfe von Photos, Kostümen und Dokumenten einen Eindruck von der schottischsten aller Sportveranstaltungen geben.
www.highlandgamescentre.org

Ballater und Braemar liegen im Cairngorms Nationalpark. Im Winter wird die Region zum Skigebiet, im Sommer kommen neben Wanderern auch Radfahrer und Angler auf ihre Kosten. Ab Aviemore fährt die Dampfeisenbahn Strathspey Steam Railway bis zu ihrer Endhaltestelle Broomhill und wieder zurück. Die Dampflok wurde vor rund 40 Jahren von einigen Eisenbahnfans vor dem Verschrotten gerettet und pafft seitdem jeden Sommer durch die Highlands. Das erleichtert die Routenplanung: So kann man beispielsweise ein Stück mitfahren, beim Zwischenstopp in Boat of Garden aussteigen und die Strecke auf eigene Faust zurückwandern.www.strathspeyrailway.co.uk

In der Region um Ballater gibt es außerdem so viele Burgen und Schlösser wie nirgendwo sonst in Schottland. Diese liegen entlang der Autorundtour „Castle Trail”, mit der sich die schönsten Burgen abfahren lassen. Der Fernwanderweg Deeside Waywww.deesideway.org führt schließlich auf einer Länge von knapp 70 Kilometern vom Cairngorms Nationalpark bis an die Ostküste und zu der Stadt, die der gesamten Region ihren Namen gibt: Aberdeen, die graue Stadt am Meer.

Die Quellen schienen nie zu versiegen: Aberdeen, Hauptstadt der Nordseeölindstrie.


Die verträumten Ecken von Aberdeen: Fischerkaten im Stadtteil Footdee. ©Atosan


Queen Victoria fühlte sich in den schottischen Highlands zu Hause.


Diesen Beinamen erhielt Aberdeen, weil alle Straßenzüge ab dem 17. Jahrhundert mit Granit gebaut wurden. Rund einhundert Meter tief wurden dazu Steinbrüche in die Tiefe getrieben. Marischal College, der Sitz der heutigen Stadtverwaltung, ist nach dem Escorial-Palast in Spanien das zweitgrößte Granitgebäude der Welt.

An dunklen Wintertagen oder bei schlechtem Wetter können einem die dunklen, grauen Wände ganz schön auf die Stimmung schlagen. Im Sonnenlicht allerdings scheinen Millionen kleiner Glimmerlichter über die Fassaden zu tanzen, wenn sich das Licht im Granitgestein bricht. Das hat der Stadt ihren zweiten Beinamen eingebracht: Aberdeen, the Silver City, die silberne Stadt.

Aberdeen ist mit etwas über 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Schottland. Im Hafenbecken macht sich ein Versorgerschiff für die Öl-und Gasindustrie an diesem Nachmittag klar zum Auslaufen. Im Stadtteil Footdee kuscheln sich alte Fischerkaten eng zusammen, als könnten sie sich auf diese Weise besser vor der Regenwand schützen, die drohend über der Nordsee steht.

Im Mittelalter war Aberdeen aufgrund seiner geografischen Lage einer der isoliertesten Orte des Landes. Nun ja, davon kann heute nicht mehr die Rede sein.

Wenn das Selbstbewusstsein des modernen Schottlands einen Geburtsort hat, dann ist es hier.

Überblick über den Hafen.


Old Aberdeen: Die historische Altstadt. Der Universitäts- und Kathedralenbezirk ist sehenswert.


Fischmarkt: An der schottischen Ostküste gibt es viele Gelegenheiten, lokale Fischspezialitäten zu probieren.


Das Maritime Museum: Das Gebäude stammt 1593 und ist damit eines der ältesten in Aberdeen.


Die Innenstadt: Die Union Street ist die Hauptstraße mit Geschäften, Bars und Cafés.


Highlights

Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen rund um die Union Street im Stadtzentrum. Am östlichen Ende markiert das Mercat Cross den einstigen Marktplatz

Duthie Park

Hier wird im Sommer Cricket gespielt , abends gibt es gelegentlich Opernau ührungen: Duthie Park wurde 1880 von Miss Elizabeth Duthie gestiftet und ist ein Tre punkt in der Innenstadt.

King´s College

King´s College gehört zur alten Universität von Aberdeen. Sie wurde im Jahr 1495 von Bischof William Elphinstone gegründet. Aberdeen hat damit die drittälteste Universität in Schottland.

Kathedrale

St. Machar´s Cathedral repräsentierte die Macht der Kirche. Schön ist die mit Wappen verzierte Decke aus dem 16. Jahrhundert.

Als in den 1970iger Jahren draußen vor der Küste von Aberdeen in der Nordsee Erdöl gefunden wurde, erlebte die Region nicht nur wirtschaftlich einen Aufschwung. Das Geld aus dem Ölgeschäft ließ viele Schotten davon träumen, wie es wäre, sich von London loszusagen, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht wie in politischer. Auf einmal schien mit dem vielen Geld auch die Chance auf politische Unabhänigkeit vom Vereinten Königreich zum Greifen nah gerückt zu sein.

Hubschrauber transportierten die Ölarbeiter von und zu den Bohrinseln auf dem Meer. Der Hafen, die gesamte Wirtschaft und jeder dritte Arbeitsplatz waren auf das Öl-Geschäft ausgerichtet. Die Quellen, aus denen das Nordseeöl sprudelte, schienen nie zu versiegen. Die schottische Nationalpartei SNP (Scottish National Party) wurde die stärkste politische Kraft im Land und zog mit dem Versprechen in die Wahlen, Schottland aus der Union mit England herauszulösen.

Mittlerweile haben sich die Dinge geändert. Die Befürworter eines unabhängigen Schottlands verloren ihre Volksabstimmung im Jahr 2014.

Die großen Ölvorkommen sind vielfach erschöpft. Viele Förderplattformen werden abgebaut und abgewrackt – und Aberdeen macht sich bereit für die Zeit nach dem Nordseeöl. Dabei spielen neben dem Tourismus und dem Energiesektor auch Bio-Wissenschaften und die Lebensmittelindustrie eine große Rolle.

Martin Farmer steht im Keller seiner Bar im Stadtzentrum von Aberdeen und ist bestens gelaunt. Er betreibt zusammen mit seinen Kumpels die Szene-Bar Orchid. Sie wurde im Jahr 2018 unter die besten 50 Cocktailbars Großbritanniens gewählt.
www.orchidaberdeen.com.

Im Keller der Bar haben Martin und seine Freunde eine Gin-Brennerei eingerichtet. Die Destilliermaschine sieht aus, als sei sie aus Utensilien vom Schul-Chemieunterricht zusammengebaut worden. Doch der Eindruck täuscht. „Hightech aus der Schweiz”, sagt Martin und wirft der Brennanlage einen liebevollen Blick zu. Der Gin, der in Aberdeen hergestellt wird, heißt Porter´s – nach dem Biologie-Professor Andrew Porter, der zum Gin-Team gehört.

Martin, seinen Jungs und ihren Gästen stehen ereignisreiche Monate bevor: Nach einem 30 Millionen Pfund teuren Umbau wird im Sommer das Kunstmuseum Aberdeen Art Gallery wieder aufgemacht. Es wäre dann eines der größten regionalen Museen des Landes. Im Südhafen wird für umgerechnet 390 Millionen Euro ein neues Hafenbecken gebaut. Bis zum Jahr 2020 soll die Erweiterung fertig sein. Dann werden die ersten großen Kreuzfahrtschiffe mit vielen Tausend Passagieren an Bord in Aberdeen festmachen.

Highland Games: Einzug der Mannschaften.


Tug of War: Das bedeutet Tauziehen und ist eine Kerndisziplin der Highland Games.


In das ehemalige Zollhaus an der Mole ist schon vor einiger Zeit ein feines Restaurant eingezogen, das „The Silver Darling”. Vom Gastraum im ersten Stock haben Gäste einen schönen Blick über den Hafen. Am anderen Ende des Hafens ist die alte Festungsanlage Torry Battery zu sehen. Dort waren früher neun Kanonenrohre stationiert, die Aberdeen vor unwillkommenen Besuchern von der Seeseite schützten.

Ab diesem Sommer soll die alten Festung einen weiteren Beleg für die Wandlungsfähigkeit von Aberdeen liefern. Wenn alles nach Plan läuft, wird bei Torry Battery testweise eine Aussichtsplattformfür Delfine eröffnet. „Ich freue mich sehr, dass die Stadt Aberdeen und die Denkmalschutzbehörde Historic Environment Scotland Interesse daran haben, ein historisches Gebäude wieder mit Leben zu füllen”, sagt Fiona McIntyre von der Initiative Greyhope Bay, die hinter den Plänen für den Ausbau von Torry Battery steht.

Die Delfine in der Nordsee, die sogenannten Bottlenose Dolphins, erreichen eine Schwimmgeschwindigkeit von 30 km/h und können bis zu 250 Meter tief tauchen. Vor allem aber sind sie wahre Akrobaten und springen bis zu fünf Meter hoch aus dem Wasser. „Aberdeen ist bekannt dafür, dass man die Delfine hier gut sehen kann”, sagt McIntyre. Ziel soll es sein, den Aussichtspunkt in den kommenden Jahren in ein permanentes Besucherzentrum zu verwandeln.

Delfine

Die Delfine in der Nordsee sind zwischen zwei und vier Meter lang und zeigen oft akrobatische Sprünge.

Inverurie

Bierfestival

Bier, Gin, Cider und Prosecco. Dazu Lifemusik und leckeres Essen. Das Festival findet am 28. und 29. September statt.
www.inveruriebeerfestival.com

Bennachie

Wanderung

Die Hügel von Bennachie liegen nordwestlich von Aberdeen und sind ein beliebtes Wanderziel.

Braemar Gathering:

©John Paul

Die Royals haben die Schirmherrschaft für die Highland Games in Braemar.

Café

Royal Station

Im historischen Bahnhof stieg Queen Victoria aus dem Zug, wenn sie nach Ballater reiste. Der Bahnhof wurde umgebaut und renoviert. Er beherbergt nun ein Bistro sowie einen edlen Tearoom (Foto).
www.thecarriageballater.co.uk

Whiskybar

Meldrum House Hotel

Es gibt zahlreiche Destillerien in der Region wie beispielsweise Glen Garioch oder Glendronach. Eine besonders eindrucksvolle Whiskybar befindet sich im Hotel Meldrum House. www.meldrumhouse.com

Auto Museum

It´s Electric

Das Automuseum Grampian Transport Museum in Alford zeigt die Elektroauto-Ausstellung “It´s Electric!”. Die Schau erinnert an den Pionier des Elektromotors, Robert Davidson (1804-1894), und wagt einen Ausblick in die nächsten zehn Jahre. Die Schau wird unterstützt von BMW, BP und der Uni Aberdeen. www.gtm.org.uk