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Vegane Naturkosmetik: Hau(p)tsache ohne Tier


ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 10/2017 vom 12.10.2017

Wer als Verbraucher sowohl Wert auf zertifizierte Naturkosmetik als auch auf vegane Beauty produkte legt, findet dafür mehr und mehr Anbieter. Es gibt kleine Firmen aus dem In- und Ausland, die neu auf dem Markt sind, aber auch etablierte Naturkosmetikhersteller, die komplett oder einzelne Produktlinien vegan herstellen.


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Foto: vchal/Shutterstock

Die Vorreiter mit komplettem Sortiment

Zu den Pionieren der Naturkosmetikbranche, die ausschließlich vegane Pflege- und Kosmetikprodukte im Angebot haben, gehörtI+M-Naturkosmetik aus Berlin. Die Vorreiter produzieren ihre Kosmetik bereits seit 2000 ...

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Zu den Pionieren der Naturkosmetikbranche, die ausschließlich vegane Pflege- und Kosmetikprodukte im Angebot haben, gehörtI+M-Naturkosmetik aus Berlin. Die Vorreiter produzieren ihre Kosmetik bereits seit 2000 ausschließlich nach den Kriterien der Vegan Society. Auch das UnternehmenSantaverde , bei dessen Kosmetikprodukten reiner Aloe-vera-Saft im Mittelpunkt steht, stellt seine Pflegeserien komplett ohne tierische Inhaltsstoffe her.

Naturkosmetikhersteller mit veganen Linien

Bis auf wenige Ausnahmen – Bienenwachs, Wollwachs (Lanolin), Lactose, Honig oder Ziegenmilch – verwendetWeleda ausschließlich Rohstoffe nichttierischen Ursprungs. Vegane Produkte sind mit dem firmeneigenen Vegan-Info- Label gekennzeichnet. Auch bei Lavera sind 90 Prozent der Naturkosmetikprodukte vegan und mit dem Label der Vegan Society gekennzeichnet.Logona hat neben seinen pflanzlichen Haarfarben vegane Pflegelinien, etwa die Silicium- Vegetal-Serie, die Balance-Gesichtspflege mit Bambuspulver oder die Körperpflegeserien Harmony, Energy und Vitality. BeiPrimavera steht Aromatherapie im Mittelpunkt. Schon deshalb sind – bis auf den Honigextrakt – alle ätherischen Öle, Pflanzenwässer und Pflegeöle vegan. In den Naturkosmetikprodukten sind es mehr als zwei Drittel.Speick hat mit seinem neuen Duschgel Organic 3.0 nicht nur ein palmölfreies, sondern auch veganes Produkt auf den Markt gebracht. Auch die Speick-Serien Men, Men active und Thermal sensitiv sind vegan.Eco Cosmetics , spezialisiert auf Sonnenschutz, ist Mitglied der Vegan Society und komponiert fast alle Rezepturen aus veganen Rohstoffen.

Die Newcomer aus Deutschland

Zu den recht neuen deutschen Naturkosmetikherstellern, die ganz auf vegane Produkte setzen, gehören beispielsweise: Angel Minerals: Hinter der kleinen Manufaktur aus Hessen steckt die Farbberaterin Karin Hunkel, die seit 2011 natürliches Make-up aus rein mineralischem Puder, Foundation, Rouge, Lidschatten, Concealer, Mascara sowie Lippenkosmetik herstellt. Sie verzichtet dabei konsequent auf Zutaten tierischen Ursprungs, Palmöl und synthetisches Glycerin.
Stop the water while using me: Das 2011 gegründete Label mit dem puristischen Design ruft zum nachhaltigen Umgang vor allem mit Wasser auf. Ein Teil der Erlöse für die Shampoos, Conditioner, Duschgele, Seifen oder Zahnpflege fließt in weltweite Projekte zur Trinkwassergewinnung. Die Produkte sind – bis auf die Lemon-Honey-Serie – vegan.
Lenz-Naturpflege: Dahinter verbirgt sich die Eigenmarke für den Bio-Fachhandel, die 2014 von den Regionalen – einem bundesweiten Netzwerk regionaler Naturkostgroßhändler – entwickelt wurde. Die vegane Naturkosmetikserie mit dem zartgrünen Design umfasst neben Gesichts-, Körper-, Haar- und Lippen pflege auch Zahncreme. Im Mittelpunkt jeder Rezeptur stehen zwei Leitpflanzen aus der heimischen Natur.
Nonique: Die Marke der Mannheimer Firma Yeauty vereint hochwertige Bio- Zutaten und nachhaltiges Wirtschaften zu einer Naturkosmetik, die für alle Zielgruppen erschwinglich sein soll. Im Mittelpunkt der Produkte stehen die Früchte der karibischen Nonipflanze. Das komplett vegane Sortiment für Körper-, Gesichts- und Haarpflege umfasst die drei Serien Schönheit & Antiaging, Intensive Feuchtigkeit und Extreme Energy.

Internationale Neulinge

Auch in anderen Ländern gibt es etliche Newcomer, die mit veganer und zertifizierter Naturkosmetik hierzulande zunehmend Anhänger finden:
Ponyhütchen: Bekannt aus Erich Kästners Emil und die Detektive, wurde die kleine Heldin Namensgeberin für die komplett vegane, handgefertigte Naturkosmetik von Hendrike Grubert, einer in die Schweiz ausgewanderten Berlinerin.

Ob Blüten, Blätter, Samen oder Beeren – die Natur bietet eine breite Auswahl an pflanzlichen Rohstoffen für kosmetische Pflegeprodukte.


Sie stellt seit 2013 Cremes, Deos, Körper-, Gesichts- und Lippenpflege in verspielt- kitschigen Verpackungen her.
Kivvi: In Lettland zu Hause ist die Marke Kivvi, bei der das Öl aus Kiwisamen die Hauptrolle spielt. Überhaupt schöpft das junge Unternehmen für seine Reinigungs- und Pflegeprodukte aus dem Reichtum an Früchten und vor allem Beeren – der sich auch auf den fröhlich bunten Verpackungen widerspiegelt. Produziert wird das vegane Sortiment von Hand in kleinen Chargen.
RMS Beauty: RMS steht für die in New York lebende Visagistin Rose-Mary Swift, die nach einer schweren Erkrankung begann, sich mit den Inhaltsstoffen der Kosmetik zu beschäftigen, mit der sie täglich zu tun hatte. Daraufhin beschloss sie, ihre eigene Make-up-Linie herzustellen, in der sie ausschließlich vegane, natürliche und naturbelassene Rohstoffe verwendet, die zudem nicht über 40 Grad Celsius erhitzt werden.
Pure Skin Food: Das, was nicht drin ist, macht die puristische Naturkosmetik aus Österreich aus, etwa Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs, Palmöl, Füllstoffe etc. Die Glasfläschchen sind so grün wie der Lifestyle, den Veganaktivistin Lisa Dobler mit ihrem Start-up verkörpert. Fürs Gesicht gibt’s Öle, Peelings, Masken und Toner, außerdem Zahnöl und eine Körperbutter.

Aus gutem Grund nicht ganz ohne tierische Stoffe

Es gibt aber auch einige Naturkosmetikhersteller, die ganz bewusst nicht komplett auf Rohstoffe tierischen Ursprungs verzichten. Lavera etwa reichert eine der Zahncremes auch weiterhin mit dem aus dem Kittharz der Bienen gewonnenen Propolis an, das eine wundheilende und entzündungshemmende Wirkung hat. Weleda schwört auf Bienenprodukte in der Baby pflege, da sie besonders hautfreundlich sind und Babys Haut vor dem Austrocknen schützen. Dr. Hauschka will ebenfalls nicht auf Bienenprodukte verzichten. Schließlich seien Bienen wichtige Helfer in der Natur, die Blüten bestäuben und damit einen wichtigen ökologischen Beitrag leisten: Ohne sie wäre eine pflanzliche, vegane Ernährung kaum möglich. Auch Martina-Gebhardt-Naturkosmetik greift zum Teil auf Zutaten wie Woll- und Bienenwachs oder Honig zurück.

Pflanzliche Alternativen zu tierischen Stoff en

Kosmetische Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen, ist größtenteils unproblematisch. Doch nicht alle Ersatzstoffe überzeugen komplett.
Bienenwachs: Gut pflegende pflanzliche Wachse sind eine Alternative. Carnaubawachs wird aus den Blättern der brasilianischen Carnaubapalme gewonnen, Candelillawachs aus den Blättern und Stängeln des im Südwesten der USA und in Mexiko heimischen Wolfsmilchgewächses Candelilla. Auch reichhaltige Öle wie Avocado- und Kokosöl können Bienenwachs ersetzen.
Chitosan: In natürlichen Haarsprays steckt weiterhin der aus dem Panzer von Krebstieren gewonnene Stoff. Vegane Alternativen wie Agar-Agar oder Xanthan überzeugen noch nicht alle Naturkosmetikhersteller. So arbeitet Logocos zurzeit an Chitosan aus Pilzen.
Glycerin: Der Feuchtigkeitsspender lässt sich aus Rinderfett gewinnen, ist aber auch ein Nebenprodukt der Verseifung von pflanzlichen Ölen und Fetten.
Guanin: Statt des aus Fischschuppen gewonnenen glänzenden Pigments Guanin kommt in Nagel- und Haarlack beispielsweise der mineralische Glimmer Mica zum Einsatz.
Hyaluronsäure: Der oft in Anti-Agingoder Antifaltencremes eingesetzte Stoff wurde früher aus Hahnenkämmen gewonnen, wird heute in der Regel aber biotechnisch hergestellt.Karmin: Das Pigment aus Cochenille- Schildläusen, das dekorativer Kosmetik wie Lippenstift oder Nagellack eine knallrote Farbe verleiht, kann durch pflanzliches Rote-Bete-Pulver oder rotes Eisenoxid ersetzt werden. Mit einer kleinen Einschränkung: Die Ersatzstoffe ergeben zwar schöne Färbungen, jedoch kein leuchtendes Rot.
Keratin: Anstelle der aus Hufen oder Hörnern gewonnenen Substanz kommen in Haarpflegeprodukten Sojaproteine als Alternative zum Einsatz.
Kollagen: Statt Kollagen aus Tiergewebe verwenden Naturkosmetikhersteller Phytokollagene aus Algen. Eine 100-prozentige Garantie, dass vegane Kosmetik wirklich vegan ist, gibt es zurzeit nicht. Auf selbst entworfene Veganlogos können Sie sich kaum verlassen. Orientierung beim Kauf liefert die von der Vegan Society England (vegansociety.com) vergebene Veganblume. Das Siegel garantiert eine Kosmetik, bei der weder die Hauptrohstoff e noch die Zusätze von Tieren stammen dürfen. Das Label schließt auch Tierversuche aus, nennt dafür aber keinen Stichtag. Die Tierrechtsorganisation Peta vergibt das Häschensiegel Crueltyfree and vegan an Firmen, die ausschließlich oder überwiegend vegane Produkte herstellen und sich besonders gegen Tierversuche engagieren.
Lanolin: Das tierische Wollfett wird meistens durch eine Mischung verschiedener Pflanzenöle ersetzt.
Milchsäure: Muss nicht von der Milch stammen, sondern lässt sich beispielsweise auch aus Zuckerrüben herstellen.
Propolis: Statt der aus den Wachsdrüsen von Bienen gewonnenen Substanz, die oft in Zahncremes steckt, können Extrakte aus Hamamelis (Zaubernuss) oder Süßholzwurzel verwendet werden, die auch antibakteriell wirken.
Seide: Die in Make-up, Mascara und Haarpflegeprodukten eingesetzten Seidenproteine können zwar durch Aloe vera oder Mica ausgetauscht werden. Als Alternative für schönen, ebenen Glanz überzeugen sie jedoch nicht alle Naturkosmetikhersteller.

Vegane (Kosmetik-)Labels

Eine 100-prozentige Garantie, dass vegane Kosmetik wirklich vegan ist, gibt es zurzeit nicht. Auf selbst entworfene Veganlogos können Sie sich kaum verlassen. Orientierung beim Kauf liefert die von der Vegan Society England (vegansociety.com) vergebene Veganblume. Das Siegel garantiert eine Kosmetik, bei der weder die Hauptrohstoff e noch die Zusätze von Tieren stammen dürfen. Das Label schließt auch Tierversuche aus, nennt dafür aber keinen Stichtag. Die Tierrechtsorganisation Peta vergibt das Häschensiegel Crueltyfree and vegan an Firmen, die ausschließlich oder überwiegend vegane Produkte herstellen und sich besonders gegen Tierversuche engagieren.