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VERNETZTES KINDERZIMMER: SPION SPIELZEUG


ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 12.12.2019

Puppen zeichnen Gespräche auf, Hacker erbeuten Daten von Millionen Kindern: Die Gefahren von „intelligentem Spielzeug“ sind real. So behalten Eltern die Kontrolle.


In den Kinderzimmern macht sich immer mehr intelligentes Spielzeug breit: Laut dem Marktforschungsunternehmen Juniper Research ist der globale Markt für Smart Toys etwa sechs Milliarden US-Dollar stark. Bis 2023 soll er sich verdreifachen. Zunehmend beliebt ist Spielzeug, das sich mit dem Smartphone verbinden lässt. Für Eltern und ihre Kinder bieten sich ganz neue Möglichkeiten – neue unterhaltsame Lernprogramme zum Beispiel.

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Bildquelle: ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie, Ausgabe 12/2019

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... Risiken: 2015 erbeuteten Hacker Millionen von persönlichen Daten beim Spielekonzern V-Tech. 2017 verbot die Bundesnetzagentur eine Puppe mit Abhörfunktion. Gründe genug, beim Kauf von elektronischem Spielzeug genau hinzuschauen.

WAS SIND SMART TOYS UND VERNETZTE SPIELZEUGE?

Smart Toys, auf Deutsch „intelligente Spielzeuge“, können mit ihren Nutzern per Software interagieren. Darunter fallen Puppen, die per Spracherkennung je nach gestellter Frage andere Antworten geben können, aber auch Lerntablets für Kinder. Unvernetzte elektronische Spielzeuge verarbeiten die von ihrem Nutzer eingegebenen Informationen im Gerät selbst, ohne sie nach draußen zu geben. Vernetzte Spielzeuge dagegen können sich mit Servern oder anderen Geräten wie Smartphones verbinden und Daten an sie übertragen. Das geschieht oft über Bluetooth oder WLAN.

WELCHE GEFAHREN DROHEN? „Das größte Gefahrenpotenzial ist eine ungesicherte Bluetoothverbindung“, sagt Lisa Scheibel vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Fremde könnten sich so mit dem Spielzeug verbinden, Gespräche mithören, auf Kamerabilder zugreifen und sogar direkten Kontakt zum Kind aufnehmen. Dafür müssen sich spionierende Dritte in der Nähe des Spielzeugs befinden, beispielsweise in der Nachbarwohnung oder vor dem Haus, und das Signal muss stark genug sein.

Auch wenn Daten legal auf Servern von Unternehmen landen, kann es heikel werden. Konzerne haben so potenziell Zugriff auf intime Wünsche oder Fantasien der Kinder, etwa wenn diese mit vernetzten Puppen sprechen. Mit solchen und anderen Daten könnten die Unternehmen Profile ihrer jungen Kunden bilden, um sie zum Beispiel möglichst zielgerichtet mit Werbung anzusprechen.

Und Kriminelle könnten diese Daten von den Servern klauen. Das ist im November 2015 dem Konzern V-Tech passiert – einem weltweit agierenden Hersteller von Lernspielzeug. Wie das Unternehmen zugeben musste, waren Millionen von Datensätzen von einem Hackerangriff betroffen, allein in Deutschland 390.000 Elternaccounts und mehr als 500.000 Kinderprofile. Manche der erbeuteten Infos hatten Eltern, die Lernspiele nutzen wollten, selbst eingegeben: Name, Geschlecht und Geburtstag des Kindes, den eigenen Namen, die E-Mail-und Postadresse. In den gehackten Datenbanken lagen auch Fotos, Chats und Sprachnachrichten, die Eltern und Kinder im Rahmen des Dienstes Kid Connect ausgetauscht hatten.

IST DAS DENN LEGAL?
Vernetztes Spielzeug – und damit die Möglichkeit des Datensammelns – ist grundsätzlich erlaubt. Verboten sind allerdings Spielzeuge, die funkfähig und zur heimlichen Bild- oder Tonaufnahme geeignet sind. Solche Spionagegeräte zieht die Bundesnetzagentur aus dem Verkehr (siehe Kasten „Big Puppe is watching you“). Und Cyberkriminalität wie der Angriff auf V-Tech ist natürlich illegal.

UND WAS IST MIT ELEKTROSMOG?
Vernetztes Spielzeug funktioniert oft über WLAN und Bluetooth, also mit hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung. Über deren gesundheitliche Wirkungen streitet sich die Wissenschaft. ÖKO-TEST rät dazu, vorsorglich Elektrosmog zu minimieren: Das WLAN in der eigenen Wohnung besser abschalten, wenn man es gerade nicht braucht.

WAS KÖNNEN ELTERN BEACHTEN?
„Die Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen rät Eltern, genau zu überprüfen, welche Funktionen ein Spielzeug hat“, sagt Verbraucherschützerin Lisa Scheibel. Verarbeitet das Gerät die Daten intern, ist das sicherer als das Weiterleiten auf externe Server. Ist ein weiteres Endgerät nötig, um das Spielzeug vollständig zu nutzen – zum Beispiel ein Smartphone mit App –, muss die Verbindung zwischen Spielzeug und Smartphone verschlüsselt sein. Achtung: Nicht alle technischen Möglichkeiten sind immer gleich auf der Verpackung zu erkennen. Eltern begutachten Spielzeuge deshalb besser kritisch und werfen einen Blick in die Datenschutzbestimmung, falls vorhanden.

BIG PUPPE IS WATCHING YOU
Anfang 2017 zog die Bundesnetzagentur die Puppe My Friend Cayla aus dem Verkehr, in Deutschland vertrieben von der Firma Vivid. Eltern sollten sie zerstören. Das Spielzeug gefährde die Privatsphäre, weil es dazu geeignet sei, heimlich Gespräche aufzuzeichnen und weiterzuleiten, so die Behörde. Das ist verboten. Später ging die Bundesnetzagentur gegen Kinderuhren mit Abhörfunktion vor. Dritte, zum Beispiel Eltern, konnten das Mikrofon solcher Uhren aktivieren und unbemerkt das Umfeld abhören, in dem sich das Kind samt Uhr befand. Zudem warnte die Behörde vor Spielzeugautos mit Kameras, die Bilder auf ein Smartphone oder Tablet übertragen.
Vorsicht: Die Behörden kontrollieren nur einen Bruchteil des Spielzeugmarkts. Wenn Sie elektronisches Spielzeug kaufen: Genau hinschauen.


Foto: Vladyslav Otsiatsia/Getty Images