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Warum wir Veganer sind


ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 9/2014 vom 12.09.2014
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Foto: ethiconomy services

Wenn es um Ernährung geht, zitiertChristian Vagedes am liebsten Jean Ziegler, den ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ziegler hat Folgendes gesagt: „Angesichts der Tatsache, dass so viele Kinder an Hunger sterben, sollte es für uns das Mindeste sein, auf Fleisch zu verzichten.“ Vagedes, Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland, sieht das genauso: „Um ein Kilo tierisches Protein zu erzeugen, müssen wir zehn Kilo pflanzliches Protein produzieren. Vegan zu leben ist deshalb kein Verzicht für mich. Es ist ein Gewinn.“ Der 40-jährige fügt ...

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Wenn es um Ernährung geht, zitiertChristian Vagedes am liebsten Jean Ziegler, den ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ziegler hat Folgendes gesagt: „Angesichts der Tatsache, dass so viele Kinder an Hunger sterben, sollte es für uns das Mindeste sein, auf Fleisch zu verzichten.“ Vagedes, Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland, sieht das genauso: „Um ein Kilo tierisches Protein zu erzeugen, müssen wir zehn Kilo pflanzliches Protein produzieren. Vegan zu leben ist deshalb kein Verzicht für mich. Es ist ein Gewinn.“ Der 40-jährige fügt hinzu: „Das gilt nicht nur für die Ernährung. Wolle, Leder, Seide – all das sind tierische Produkte, auf die ich heute verzichte. Es gibt ja Alternativen. Und die Schnitte von veganer Mode sind oft bemerkenswert gut – als Designer achte ich auf so etwas. Vom lederfreien Schuh bis zum Baumwollpullover – Sie werden es mir nicht ansehen, dass ich Veganer bin. Aber Sie werden es merken: Weil ich besser gelaunt und lebensfroher geworden bin.“

Foto: Privat

Stephanie Stragies ist Pressesprecherin des Vegetarierbunds (VEBU) und nennt sich selbst eine Flexiganerin: „Bevor ich beim VEBU angefangen habe, habe ich bereits 18 Jahre vegetarisch gelebt. Durch die noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema war für mich der nächste Schritt selbstverständlich. Ich habe zunächst meinen Milch- und Eikonsum reduziert und auf pflanzliche Alternativen umgestellt, Schritt für Schritt und in meinem eigenen Tempo. Seit etwa einem Jahr lebe ich flexigan, also überwiegend vegan. Bei mir stehen jeden Tag frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sowie Hülsenfrüchte und Nüsse auf dem Speiseplan. Zudem achte ich darauf, dass meine Nahrungsmittel überwiegend regional, saisonal und biologisch angebaut sind.“ Das gehöre für die meisten Veggies ganz selbstverständlich zusammen, fügt Stragies hinzu.

Foto: imago/foto-ritter.de

Björn Moschinski ist einer der wenigen professionellen veganen Köche Deutschlands. In seinen Berlin-Restaurants Kopps und mit seinen Büchern will er kulinarisch begeisterte Menschen ansprechen, egal ob sie vegan leben oder nicht: „Die Menschen essen ja kein Fleisch, weil sie unbedingt Tiere essen wollen. Sie essen es, weil es ihnen schmeckt. Der Geschmack entsteht durch die Zubereitung und mithilfe von Gemüse. Das kann ich auch.“

Foto: Privat

Wirtin, Kochbuchautorin, Chefin eines Ausbildungsrestaurants:Sandra Forster ist einer der umtriebigsten Köpfe der Münchner Szene. Als Gastronomin hat sie 2004 mit dem Zerwirk das erste vegane Restaurant Deutschlands eröffnet: „Das war damals schon abenteuerlich“, erinnert sich Forster, „viele haben es nicht verstanden. Das Zerwirk war seiner Zeit voraus. Heute ist es auf jeden Fall einfacher, ein solches Restaurant zu führen – vegan ist total hip.“ Sogar auf dem Oktoberfest wurden 2013 in einem Festzelt vegane Sojamedaillons und Käsespätzle serviert. Sandra Forster selbst lebt seit der Gründung des Restaurants vegan – und hat manchmal noch ihre Probleme damit, wie sie zugibt: „Ich finde es immer noch schwierig, es in allen Bereichen durchzuziehen, vor allem beim Kauf von Kleidung.“

Foto: Privat

Zum Veganismus kamDoris Rauh über ihre Liebe zu Tieren. Doch die Umstellung der eigenen Lebensweise war ihr zu wenig. Deshalb gründete Rauh 2009 den Tierschutzverein Rüsselheim. Die Organisation rettet Mastschweine vor der Schlachtbank. „Mit meiner Initiative will ich dem gnadenlosen System der fleischproduzierenden Industrie mit ihrem entpersonifizierten Fleisch und grinsenden Wurstscheiben Einhalt gebieten. Wir essen nicht Fleisch, sondern Persönlichkeiten. Jedes unserer fast 200 geretteten Schweine ist ein Individuum mit einem ganz eigenen Charakter. Der Konsum von Tieren ist für mich ein Verbrechen an uns ausgelieferten Schutzbefohlenen.“ Mehr Infos: www.ruesselheim.com

Foto: Simon Hegenberg

„Graslutscher“ ist einer dieser unfreundlichen Begriff e, mit denen sich engstirnige Zeitgenossen über Veganer lustig machen. Der ITBeraterJan Hegenberg hat den Spieß jetzt umgedreht. Seit Januar 2014 ist er offi-ziell „Der Graslutscher“. Im gleichnamigen Blog konterkariert er mit viel Ironie die gängigen Vorurteile gegenüber Veganern: „Ich bin wirklich ein verfressenes Viech – kann diese Passion oftmals aber nur bedingt ausleben, da ich viele Zutaten weglasse, die in der Gesellschaft als unabdingbar gelten. Anstatt mich also in Ruhe essen zu lassen, werde ich oft als naiver Gutmenschen-Salatist abgekanzelt und schlage rhetorisch um mich, bis der Fraß dann kalt ist. Dabei esse ich wesentlich abwechslungsreicher als so mancher Schnitzel-Priester das gerne darstellt: Neben Gras lutsche ich ab und zu an Steinen oder rühre mir an hohen Feiertagen schon mal ein Bisschen Rindenmulch in meinen verdünnten Brennnessel-Tee.“ Lesetipp: http://graslutscher.de

Foto: Ilona Habben

Schon mit 14 Jahren warHilal Szegin klar, dass es falsch ist, Tiere zu töten, um sie zu essen. Weshalb die junge Frau Vegetarierin wurde. Dass Tierleid aber noch andere Aspekte als den Schlachthof kennt, lernte die Schriftstellerin und Journalistin, als sie aus der Großstadt Frankfurt hinaus in die Lüneburger Heide zog, eine Schafherde übernahm und ihre Nachbarschaft kennenlernte: „Vegan wurde ich, als ich ein paar Ausflüge zu Bauernhöfen gemacht habe und gesehen habe: Die führen ja ein entsetzliches Leben! Auch die Bio-Tiere. Kälber, zum Beispiel, werden der Mutter weggenommen, weil der Mensch ja die Milch haben will. Also muss das arme Kalb in einer kleinen Plastikhütte stehen, und die Mama steht ganz woanders und schreit nach ihrem Kind! Und als meine Schafe Lämmer hatten, habe ich gesehen, wie sehr Tiermütter ihre Kinder lieben. Da war für mich mit Milch und Käse Schluss.“

Buchtipp

Buchtipp:Hilal Szegin: Artgerecht ist nur die Freiheit. Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen. C. H. Beck, 304 Seiten, 16,95 Euro