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Wege in die Schmerzfreiheit


raum&zeit thema - epaper ⋅ Ausgabe 41/2020 vom 21.12.2019

Oje, jetzt spielt auch noch der Rücken verrückt! – Schmerzen im Körper kommen selten gelegen, aber je früher wir diese Signale des Körpers ernst nehmen, desto besser! Ganzheitliche Körpertherapeuten haben ein großes Wissen über die möglichen Ursachen von Schmerzen. Für sie ist es äußerst wichtig, die tatsächliche Ursache der Beschwerden herauszufinden und hier anzusetzen, um einen tiefgehenden Gesundungsprozess in Gang zu bringen. Die Physiotherapeutin und Osteopathin Alexandra Pottiez gibt einen spannenden Überblick.


Artikelbild für den Artikel "Wege in die Schmerzfreiheit" aus der Ausgabe 41/2020 von raum&zeit thema. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: raum&zeit thema, Ausgabe 41/2020

Schmerzen des Bewegungsapparates gehören zum Alltag. Sie plagen bereits Schulkinder und ...

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... bleiben bis ins hohe Alter ein aktuelles Thema. Etwa ein Viertel der ärztlichen Krankschreibungen bundesweit gehen auf Rückenschmerzen zurück. Vor allem in jüngeren Jahren handelt es sich hauptsächlich um funktionelle, also nicht strukturelle, Störungen, die allerdings in der Schmerzintensität den strukturell nachweisbaren Schädigungen wie Bandscheibenvorfällen, Wirbelkanalverengungen oder Arthrose in nichts nachstehen müssen. Grund dafür sind Weichteile, die in beiden Fällen, struktureller Schädigung als auch funktioneller Störung, betroffen sind.


„Sag du’s ihm, auf mich hört er nicht“, sagt die Seele zum Körper.


Schmerz – für jeden anders

Schmerzen des Bewegungsapparates sind, ob mit oder ohne Gewebsschädigung oder erhöhte Entzündungswerte (wie das bei Arthritis und Rheuma der Fall ist), ein kniffliges Thema. Manche Menschen reagieren bereits auf kleinste Spannungen mit empfindlichen Schmerzen und haben große Probleme, ihren Alltag zu bewältigen, ohne dass eine ärztliche Diagnose überhaupt gestellt werden kann. Zum Beispiel Patienten mit Fibromyalgie (chronische Muskelschmerzen an verschiedenen Körperregionen) kennen dieses Problem. Andere wiederum leben mit starken Muskelverkürzungen und auch bereits Knorpel- und Gelenksveränderungen, ohne sich überhaupt eingeschränkt zu fühlen. Warum das so ist, hat mich in meiner Praxis jahrelang beschäftigt, ehe mir klar wurde, dass die wesentliche Frage hier eine andere ist, nämlich: Möchte ich in die Tiefe gehen, möchte ich mich auf den Weg machen … vom Stress zur Entspannung?

Signale des Körpers

Unser Alltag ist größtenteils befüllt mit vorgegebenen Aufgaben. Wir haben Haushalt, Kinder, Angehörige, Job, Ehrenämter, Hobbys, reale und digitale soziale Netzwerke und noch einiges mehr zu bedienen. Emotionale Muster ererben wir oder bekommen sie von der Gesellschaft und sozialen Schicht, in der wir leben, vorgegeben.
Solange unser Fokus auf all diesen Dingen – also außerhalb von uns selbst liegt – sind wir meist lange Zeit beschwerdefrei, da unsere Sinne mit der Wahrnehmung im Außen be- schäftigt sind. Erst wenn das Fass zum Überlaufen voll ist, bemerken wir die Symptome in unserem System: Gerade bei langanhaltenden Belastungssituationen handelt es sich dann um strukturelle, das heißt bereits manifeste Erkrankungen mit entsprechend verändertem Gewebe. In akuten Fällen entsteht hier zum Beispiel eine Wirbel- oder Iliosakralgelenk-Blockade, eine starke schmerzhafte Muskelverspannung mit Myogelosen oder ein eingeklemmter Nerv. Menschen, die über sehr lange Zeit alle Anforderungen der Umgebung über ihre eigenen Bedürfnisse stellen und daher kaum in der Lage sind, mit dem eigenen Körper zu kommunizieren, werden allerdings oftmals von ihren Bandscheibenvorfällen, Sehnenrissen, Arthrosen oder anderen schwereren Erkrankungen überrascht. Auch Polyarthritis, Rheuma, Fibromyalgie entstehen von außen betrachtet oft plötzlich, haben aber, wenn man genauer hinsieht, eine lange, manchmal schon Generationen übergreifende Vorgeschichte. Dann wird schulmedizinisch über eine genetische Vorbelastung gesprochen – aber wie sieht es mit überlieferten Überzeugungen, Ernährungs- und Bewegungsverhalten, dem Lebenstempo überhaupt aus?

Andere wiederum bemerken schneller, dass das Fass der Belastungen sich zu füllen beginnt und es gelingt ihnen rechtzeitig, ihre Aufmerksamkeit dem eigenen Körper zuzuwenden. Dann ist das Ausmaß der Veränderung natürlich geringer und es entstehen nur funktionelle Störungen. Hierbei handelt es sich um durch Muskelanspannung verengte Blut- und Lymphgefäße sowie Nervenbahnen und auch deren Flüssigkeitsversorgung, die aus dem, in den Hohlräumen des Gehirns gebildeten, Liquor besteht. Eine Verfestigung des entsprechenden Gewebes wird hervorgerufen, die allerdings reversibel ist. Eine funktionelle Störung kann in allen Geweben auftreten und je früher der einwirkende Stress reduziert, das Fehlverhalten erkannt und der entsprechende Körperteil in den eigenen Fokus gerückt wird, desto einfacher ist sie wieder aufzulösen. Das jedoch klingt leichter, als es in der Praxis oftmals ist:
In unserer konsumorientierten Gesellschaft bietet sich an, bei Beschwerden des Bewegungsapparates zum Arzt zu gehen. Das Mittel der Wahl ist dann ein Medikament, das den Schmerz reduziert und das Problem vordergründig schnell löst. Mit etwas mehr Glück wird ein Rezept über Massagen oder physiotherapeutische Behandlungen ausgestellt, das der Patient dann an den Therapeuten weiterreicht. Oft legt er damit auch gleichzeitig die Verantwortung für seine Heilung gleich mit in fremde Hände .
Dabei ist doch meist das erfolgversprechendste Mittel, um in meine Mitte zu kommen, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Natürlich kann ich dabei in den Spiegel meines Gegenübers blicken, um klarer zu sehen – dabei kann ein Therapeut gute Dienste leisten.
Aber es lohnt sich sehr, einmal zurückzutreten und den Alltag, das eigene Leben ins Auge zu fassen. Im folgenden eine kleine Reise durch die Regionen des Alltags, an denen man ansetzen kann, um wieder gesund zu werden.

Erholung im Schlaf

Das Leben auf der Erde erfordert eigentlich, dass wir uns den Bedingungen, die hier herrschen, anpassen. Am wichtigsten ist hier die Natur, an der wir uns seit Urzeiten ausrichten. Unser Schlafbedürfnis folgt eigentlich dem Sonnenstand. Bei Tageslicht sind wir wach und aktiv, in der Dunkelheit schlafen wir. Wenn im Sommer die Nächte kürzer und die Tage länger werden, regt das unseren Stoffwechsel an. Es zieht uns nach draußen, wir bewegen uns mehr, fühlen uns lebendig. Manchmal leiden wir dann unter den Giftstoffen, die sich unter diesen Umständen wieder aus den Depots lösen oder unter einem Nährstoffmangel. Das sind die Gründe für die Frühjahrsmüdigkeit und diese sind durch den Genuss der ersten Wildkräuter und mit etwas Unterstützung von Leber und Niere durch zum Beispiel entsprechende Tees gut in den Griff zu bekommen.
Im Winter hingegen braucht unser System mehr Schlaf, denn Kälte und Dunkelheit wirken auf unseren Stoffwechsel reduzierend. Mit elektrischem Licht, dem Gebrauch von diversen Bildschirmen und der Anregung unseres Nervensystems durch Fernsehen, Videospiele usw. bis in die Nacht hinein können wir dieses Bedürfnis unterdrücken, den Stress, den das auslöst, allerdings nicht vermeiden. Einschlafschwierigkeiten, ein unruhiger, unterbrochener und wenig erholsamer Schlaf sind eine anerkannte Folge des abendlichen Medienkonsums. Allgemein wenig bekannt ist dagegen, dass Schlafmangel auch in Zusammenhang stehen kann mit einer verstärkten Entzündungsbereitschaft im Körper, ein e r ve rminderten nächtlichen Regeneration des Gewebes und einem durch die fehlende Ruhe überlasteten und damit verfestigten Nervensystem. Diese drei Störungen der natürlichen Balance haben jedoch auch einen großen Einfluss auf Schmerzen, seien sie orthopädischer Art oder systemisch, das heißt den ganzen Körper betreffend.

Abb. 1:Der Einfluss der tiefen Frontallinie auf die zentralen Systeme des Körpers


A. Sella turcica mit Hypophyse, hormonelle Steuerung
B. Synchondrosis-Spheno-Basilaris, Einfluss auf den gesamten Körper
C. Ansatz der Speiseröhre am Occiput, Einfluss auf das Verdauungssystem

©Anatomy Trains-Myofasziale Leitbahnen; 2. Auflage; Thomas W. Myers; Abb. 10.52

Bewegung bis an die Grenzen

Wir besitzen einen äußerst wandelbaren Körper. Eine riesige Menge unterschiedlicher Gewebe entstehen in unserer embryonalen Entwicklung und passen sich Zeit unseres Lebens an unsere Bedürfnisse und unser Verhalten an. Muskeln zum Beispiel schrumpfen, wenn sie nicht benutzt werden. Sie verkürzen sich, wenn wir eine bestimmte Position oft und über lange Zeit einnehmen und schmerzen dann oder machen einfach nicht mit, wenn wir plötzlich mehr oder anderes von ihnen verlangen, als sie es gewohnt sind. So kommt es zum Beispiel zu Lendenwirbel-, Iliosakralgelenk-Blockaden oder einer allgemeinen Lumbago, auch Hexenschuss genannt. Diese überfallen uns dann beim samstäglichen Getränkeeinkauf und wir glauben, uns überfordert zu haben. Anders betrachtet: Könnte es nicht sein, dass wir uns im Vorhinein unterfordert haben, wenn die Kraft und Beweglichkeit nicht ausreicht, um einen Kasten Wasser in den Kofferraum zu heben?
Denn Muskeln wachsen und verlängern sich auch, wenn wir sie regelmäßig dehnen. Auch das Pumpvolumen unseres Herzens vergrößert sich, wenn wir es immer wieder stark belasten und selbst unsere Knochen werden fester und stärker bei körperlicher Beanspruchung. Insgesamt ist unser Körper auf einen sehr großen Bewegungsumfang ausgelegt, eine Tatsache, die uns allerdings nur bewusst wird, wenn wir uns entweder mit Anatomie beschäftigen oder einmal den chinesischen Staatszirkus besuchen. Auch der Blick durchs Schlüsselloch bei einer fortgeschrittenen Yogaklasse kann uns die Augen öffnen.

Freie Atmung für Organe und Stoffwechsel

Des Weiteren sind unsere Körperfunktionen abhängig von Bewegung. Vor allem hat der ständige Rhythmus unserer Atembewegung hier einen großen Einfluss:
Herz und Leber zum Beispiel sind direkt bindegewebig mit dem Zwerchfell verbunden und in ihrer Beweglichkeit und damit natürlich auch Funktion stark abhängig von der Tiefe unserer Atmung. Lange Zeit war Bindegewebe nur der Füllstoff zwischen den „wichtigen“ Organen – heute weiß man, dass die Versorgung des gesamten Körpergewebes stark abhängig ist vom Zustand unseres Bindegewebes. Gefäße und Nerven zum Beispiel sind umgeben von Bindegewebe, die in Mode gekommenen Faszien sind Bindegewebe, alles in unserem Körper ist mit allem verbunden durch Bindegewebe. Dieses hat die Eigenschaft, Toxine zu speichern, die wir nicht ausscheiden und sie nur dann wieder loszulassen, wenn es bewegt wird. Allein eine tiefe Atembewegung kann also unser gesamtes Körpergewebe bis hin zu unserem Gehirn reinigen. Die Voraussetzung ist, dass wir zulassen können, dass sie sich in unseren ganzen Körper ausdehnt. Bei Anspannung und Zeitstress zum Beispiel ist diese Bewegung deutlich reduziert: Wir atmen praktisch Montag früh ein und Freitag Nachmittag wieder aus – je nach Wochenendplanung …
Körperliche Bewegung und Atmung sind demnach äußerst wichtige Faktoren bei der Entgiftung unseres Körpers.

Trinken und Entsäuern

Unsere Ernährung ist heute meist säurenreich: Getreide, Milchprodukte, Süßes und Fleisch sind der Hauptanteil darin. Durch Stress ist unser Verbrauch an Mineralstoffen und Spurenelementen deutlich erhöht, da er einen großen Einfluss auf unsere Stoffwechselreaktionen hat. Eine flache und unregelmäßige Atmung verhindert das Abatmen von CO2 und gleichzeitig die Aufnahme von Sauerstoff.

Abb. 2: Eine eingeschränkte Atmung führt dazu, dass all diese Strukturen kaum bewegt werden und hat negative Auswirkungen auf den ganzen Körper.


©Anatomy Trains – Myofasziale Leitbahnen; 2. Auflage; Thomas W. Myers; Abb. 10.39

Eine Übersäuerung jedoch unterstützt Entzündungsreaktionen in allen Geweben und steigert damit auch die Schmerzintensität.
Gemüse und Obst in Maßen können diese Säuren durch ihre basische Wirkung puffern. Regelmäßige körperliche Bewegung und Entspannungsphasen haben ausgleichenden Einfluss auf unsere Atmung und unseren Stoffwechsel und sind daher wichtig für die Balance unseres Säuren-Basenhaushaltes. Ein äußerst wichtiges Thema ist in der Praxis das ausreichende Trinken eines möglichst reinen Wassers, um Säuren und Giftstoffe auszuschwemmen einerseits und außerdem den Nieren ausreichend Bewegung zu verschaffen andererseits.

Hierzu ein Fallbeispiel aus der Praxis:

T., eine junge Frau Anfang 30, konsultiert mich wegen starker Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die schubweise immer wieder auftreten. Sie ist eine begeisterte Läuferin und auch gut beweglich. Nur im Bereich der Nieren fällt mir bei der Untersuchung sofort eine Festigkeit im Bindegewebe auf. Als ich die Patientin frage, ob sie ab und zu das Trinken vergisst, ist sie überrascht und fragt mich, woher ich das weiß. Tatsächlich liegt die Trinkmenge an vielen Tagen unter einem halben Liter – und davon ist noch einiges Kaffee, der den Körper eher belastet als reinigt. Ich bringe das Bindegewebe im oberen Lendenbereich durch manuelle Techniken in Bewegung und zeige ihr, wie sie dies zuhause mit der Faszienrolle noch unterstützen kann. Sie füllt sich jetzt morgens zwei Literflaschen Wasser ab, um ihre Trinkmenge besser kontrollieren zu können. Den nächsten Termin vier Wochen später sagt sie ab, weil sie beschwerdefrei ist. Die Kombination aus Wassermangel und starkem Schwitzen durch den Laufsport war in diesem Fall der Auslöser für ihr Problem. Da sie sich nun dessen bewusst ist, wird sie sich bei Wiederauftreten der Schmerzen selbst helfen können.

Gefühle zulassen

Unser Körper verhält sich ähnlich wie eine Festplatte. Er speichert alle unsere Erlebnisse. Körperliche Verletzungen hinterlassen Narben, welche viel Einfluss haben können auf unsere Körperstatik sowie Zeit und Zuwendung brauchen, um sich wieder integrieren zu lassen.
Emotionale und seelische Verletzungen werden in Form von Bewegungsmustern abgelegt. Situationen, die uns an solche erinnern, lösen diese Muster immer wieder aus, sodass sie sich mit der Zeit immer mehr verfestigen können und irgendwann zu unserer Haltung werden. Sie sind uns nicht bewusst und daher identifizieren wir uns mit ihnen und nehmen sie nicht mehr als solche wahr. Wenn Schmerzen auftauchen, ist es sehr oft hilfreich, diese Haltungen, die wir im Lauf unseres Lebens entwickelt haben, zu hinterfragen. Vielleicht fällt uns dann auf, dass wir uns nicht mehr aufrichten können, weil wir uns angewöhnt haben, zu viel auf unsere Schultern zu laden.
Wir können eine Skoliose entwickeln, weil wir unsere Mitte vielleicht nicht kennengelernt haben oder uns nicht zugestehen, uns dort aufzuhalten und unser Leben von dort aus zu gestalten. Vielleicht können wir uns nicht mehr beugen, weil wir nicht mehr nachgeben können oder Demut zeigen.

Ein weiteres Fallbeispiel aus der Praxis:

A., eine Frau mittleren Alters, kommt mit starken Nackenschmerzen in die Praxis und klagt darüber, sich beim Einparken kaum noch weit genug umdrehen zu können, um das Auto in die Parklücke zu manövrieren. Verspannungen im Nacken hat sie schon lange, was sie auch nicht wundert, da sie eine Schreibtischtätigkeit in Vollzeit ausübt. Seit 6 Wochen jedoch haben sich die Beschwerden deutlich verschlimmert und sie fühlt sich im Alltag schwer eingeschränkt.

Abb. 3: Hier ist vor allem der Einfluss von Herz, Brustkorb und Zwerchfell auf den gesamten Körper sichtbar.


©Anatomy Trains – Myofasziale Leitbahnen; 2. Auflage; Thomas W. Myers; Abb. 10.2

Abb. 4:Schwerwiegende Schädigung der Wirbelsäule bei Null Stundenkilometer!


(© BackCare, Nachdruck mit freundlicher Genehmigung, www.backcare.org.uk)

Die Diagnostik zeigt eine starke Einschränkung der HWS-Beweglichkeit in beide Richtungen, die Halswirbelsäule ist etwas nach links geneigt und nach rechts gedreht. Der Schultergürtel ist stark verspannt, rechts noch mehr als links. Die Atem- und damit auch die Zwerchfellbewegungen sind kaum sichtbar, das Anheben der Arme Richtung Zimmerdecke ist anstrengend, auch rechts mehr als links.
Der Befund zeigt einen „Mausarm“, der sich bei einem Großteil der Menschen findet, die ihren beruflichen Alltag am PC verbringen, das heißt die Muskulatur des rechten Armes ist in der Position verkürzt, die der Arm einen großen Anteil des Tages einnimmt. Ich empfehle der Patientin die Anschaffung einer „Mausbank“, darauf kann der Arm bei der Arbeit abgelegt werden, was den Schultergürtel schon deutlich entspannt. Des Weiteren weise ich sie in den Gebrauch der Faszienrolle ein, mit der sie die verkürzte und verfestigte Muskulatur entspannen, entschlacken und auch dehnen kann. Während einer anschließenden Massage des Schultergürtels öffnet sich die Patientin etwas mehr und erzählt, dass ihr Hund nach 13 gemeinsamen Jahren vor acht Wochen ganz plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben ist. Als sie das erzählt, fließen auch einige Tränen und ich kann spüren, wie der Brustkorb wieder etwas weicher werden kann, was sofort einen positiven Einfluss auf die Beweglichkeit der Arme hat.
Als sie dann noch darüber spricht, wie sehr ihr die Spaziergänge durch die Wälder der Umgebung vor und nach dem langen Arbeitstag im Sitzen fehlen, wird mir klar, warum sich die Beschwerden in den letzten Wochen so sehr verschlimmert haben.
Gemeinsam sprechen wir darüber, wie gut ihr die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und in der Natur tut. Sie möchte unbedingt wieder anfangen zu gehen und hat die Idee, vielleicht ab und zu einen Hund aus dem benachbarten Tierheim abzuholen und damit ihm und sich selbst eine Freude zu machen.
Bei der nächsten Behandlung drei Wochen später haben sich Schmerz und Bewegungseinschränkung um circa 60 Prozent reduziert. Wir erarbeiten einige Dehnübungen und üben noch einmal mit der Rolle, beim nächsten Treffen sind die Beschwerden weniger als vor dem Verlust des Tieres. Auch eine Freundschaft mit einem kleinen Kerl aus dem Tierheim hat begonnen, erzählt sie mir …
Mit zunehmendem Alter häufen sich im Laufe eines Menschenlebens solche Muster an und der Druck, sie ins Bewusstsein und damit wieder aus der Körperebene herauszuholen, steigt, wenn wir weiterhin gesund und beweglich bleiben wollen.

Abb. 5:Das Bindegewebe füllt im Körper alle Hohlräume aus und verbindet so alles miteinander.


©Sobotta – Atlas der Anatomie des Menschen; 20. Auflage; herausgegeben von R. Putz und R. Pabst; Band 2; Abb. 885

Die Beziehung zu meinem Körper

Wie unser Körper sich bewegt, sich anfühlt und aussieht, kann uns vieles über uns selbst erzählen. Es kann sehr erfüllend sein, sich mit ihm zu beschäftigen, ihn und uns selbst besser verstehen zu lernen.
Dies ist die Voraussetzung für eine Beziehung zwischen uns und unserem Körper und hierbei spielt es keine Rolle, ob es um eine vorübergehende Störung oder eine bereits manifeste Erkrankung geht – allein ist hier mehr Geduld und Durchhalten gefragt. Dann kann sie geprägt sein von Achtsamkeit, Freude und Liebe, wenn wir uns bewusst werden, dass wir alle Aspekte unseres Lebens gestalten. Bewusst oder unbewusst.

Im Prozess sein …

Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein lebenslanger Prozess. Und genauso gestaltet sich der Weg dorthin.
Therapiemöglichkeiten gibt es unendlich viele und die Qual der Wahl lässt sich nur mit einem guten Bauchgefühl umgehen. Aber dieses Bauchgefühl ist genau das, was uns zu unserem Leben, unserem Lebenssinn führt und daher das wichtigste für unsere Gesundheit. Vertrauen wir uns ihm an und üben wir uns in Gelassenheit und Geduld auf diesem Weg, denn diese Eigenschaften reduzieren Stress gewaltig und sind daher unserer Gesundheit in jedem Fall zuträglich.
Ich halte es für sinnvoll, auf der Suche nach Heilung und Entwicklung auf verschiedenen Ebenen anzusetzen:

Effiziente Methoden der Körpertherapie

Wenn der Körper viel genutzt und bewegt wird,


Auf der körperlichen Ebene ist oftmals Physiotherapie eine gute Möglichkeit, Bewegungsmustern auf die Spur zu kommen und in Einzelbegleitung neue zu entwickeln. Dies ist wichtig, um durch Fehlhaltungen überlastete Bereiche bei zum Beispiel Muskelverspannungen und Skoliosen, aber auch Bandscheibenvorfällen und Arthrosen zu entlasten sowie schwache Muskulatur zu kräftigen.
Massagen bieten die Möglichkeit, den verspannten Muskeln Erleichterung zu verschaffen, wieder ein Gefühl für Entspannung zu entwickeln und den Körper bei der Entschlackung allgemein und auch lokal zu unterstützen.
Feldenkrais, Yoga, Qigong, Fasziengymnastik und das Erlernen des Umgangs mit der Faszienrolle können die Selbstwahrnehmung stärken und den Stoffwechsel wieder in Fluss bringen, das regelmäßige Üben in der Gruppe hilft außerdem dabei, ein neues Bewegungsverhalten zu entwickeln und Motivationskrisen zu überstehen.
Körperliche und allgemeinere Aspekte einer Erkrankung werden bei einer osteopathischen Behandlung mit einbezogen, da Osteopathen meist Physiotherapeuten sind und weiterhin eine mehrjährige ganzheitliche Ausbildung genossen haben, die auch physiologische Aspekte mit einschließt, das heißt Aspekte der natürlichen biochemischen Vorgänge in allen Geweben des Körpers. Hier kann in einer Sitzung sowohl ein inneres Organ gelöst werden, das nach einer überstandenen Erkrankung durch seine Unbeweglichkeit den ganzen Körper in eine Fehlhaltung bringt, als auch eine Schädelnaht, die trotz der kaum wahrnehmbaren Bewegungsfähigkeit unseres Schädels einen großen Einfluss auf das Becken hat und zum Beispiel zu einem Beckenschiefstand führen kann. Dieser wiederum ist möglicherweise die Ursache für Ischias- oder Rückenschmerzen und auch Bandscheibenvorfälle. Auch Ernährungstipps und Themen wie die Regulation des Biorhythmus durch ein verändertes Trink- oder Schlafverhalten können in einer osteopathischen Behandlung zur Sprache kommen.

Feinstoffliche Aspekte

ist das Bewegungsspektrum groß.


Energetische Massagen, Shiatsu, Akupunktur, Akupressur sind eine Möglichkeit, Energien wieder in Fluss zu bringen und damit die Heilung zu unterstützen.
Auch sonstige, die Energie eines Menschen erhöhende und Blockaden lösende Techniken, wie zum Beispiel Meditation, Reconnective Healing, Selbstheilungstechniken (SHT) oder Ähnliches helfen uns dabei, uns weiter zu entwickeln und uns auf allen Ebenen, auch der körperlichen, zu heilen. Auch ein Coaching könnte neue Wege und Möglichkeiten aufzeigen und damit helfen, den Stress zu reduzieren und kreativ zu werden.
Gerade Einschränkungen unseres Bewegungsapparates sind eigentlich eine wunderbare Gelegenheit, uns uns selbst zuzuwenden und ein starker Antrieb in Richtung Veränderung. Leichtigkeit und das Gefühl, sich der eigenen Mitte und Wahrheit zu nähern, sind die wegweisenden Anhaltspunkte, die hier ganz sicher in die richtige Richtung führen.

Die Autorin

Alexandra Pottiez

lebt in Antdorf, Oberbayern, ist Heilpraktikerin mit einer Praxis für Osteopathie und energetische Medizin. Die Frage danach, wie das Leben funktioniert und was ein Mensch eigentlich ist, beschäftigt sie, seit sie sich erinnern kann. Ihr äußerer Weg in Richtung Aufrichtung und Schöpferkraft begann nach dem humanistischen Abitur mit einem Grundstudium in Biologie und Anthropologie. Ausbildungen in Physiotherapie, Phytotherapie und Osteopathie folgten. Den inneren Weg geht sie mit dem Leben, wie es ist, dem Studium einschlägiger Literatur und in den letzten Jahren der Faszienrolle, dem Osteyoga, täglicher Meditationspraxis und verschiedenen energetisch-spirituellen Ausbildungen, u. a. zum Reconnection-Practitioner, zur spirituellen Persönlichkeitstrainerin und zum SHT-Mastercoach. Zur Zeit arbeitet sie mit viel Freude an einem Buch über die Aufrichtung auf allen Ebenen, gibt Seminare hierzu und publiziert in diversen Fachzeitungen. osteopathie.pottiez@web.de oder 08856/6089930; www.osteopathiepottiez.vpweb.de


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