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Wie der Staat hilft


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 10/2010 vom 22.10.2010

In Deutschland werden seit Jahren zu wenige Kinder geboren. Mit finanziellen Leistungen will der Staat deshalb Mut machen, mehr Kinder in die Welt zu setzen, und Familien bei der Erziehung und Ausbildung unterstützen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Regelungen und Leistungen für Mütter, Väter und Kinder.


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Endlich ist der Nachwuchs da. Im Babyglück können sich die frischgebackenen Eltern allerdings nicht lange ausruhen. Es gibt viel zu regeln für die Zukunft der Familie. Behördengänge sind zwar ganz schön lästig, aber wichtig. Die meisten fi nanziellen Zuschüsse, ...

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... beispielsweise das 2007 eingeführte Elterngeld, zahlt der Staat nämlich nur dann, wenn sie beantragt werden.

Noch im Januar 2010 wollte Bundesfamilienministerin Christine Schröder die Vätermonate beim Elterngeld ab 2011 von zwei auf vier Monate ausweiten. Außerdem sollte das Elterngeld auf bis zu 28 Monate verlängert werden. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Im Zuge der Haushaltssanierung hat das Bundeskabinett Einschnitte bei sozialen Leistungen, darunter auch das Elterngeld, beschlossen. Vorgesehen ist eine Streichung des Elterngeldes bei Hartz-IV-Empfängern. Außerdem soll bei einem Nettoeinkommen von mehr als 1240 Euro im Monat das Elterngeld statt bislang 67 Prozent nur noch 65 Prozent betragen. Auch beim Wohngeld und Arbeitslosengeld II werden sich die Zahlungen des Staates voraussichtlich verändern.

Leistungen für Mütter, Väter und Kinder

Vom Mutterschutzgesetz und Mutterschaftsgeld profi tieren derzeit vor allem Frauen, die fest angestellt sind. Das soll sich ändern. Selbstständige Frauen und Partnerinnen von Selbstständigen sollen nach einer Gesetzesinitiative der Europäischen Union vom Juni 2010 ebenfalls mindestens 14 Wochen Mutterschutzleistungen bekommen. Damit steht ihnen dann der gleiche rechtliche Schutz zu wie angestellten Frauen. Für die Umsetzung einer entsprechenden Richtlinie haben die EU-Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit. Ob Leistungen wie Mutterschaftsgeld und -urlaub aber auf freiwilliger oder verpfl ichtender Basis angeboten werden, entscheidet jedes EU-Mitglied selbst. Bislang gelten jedoch noch folgende Regeln:

Mutterschutzgesetz

Schwangeren Arbeitnehmerinnen und frischgebackenen Müttern darf nach dem Mutterschutzgesetz von Beginn der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Entbindung nicht gekündigt werden. Kündigt der Arbeitgeber trotz Kündigungsverbot, muss die Arbeitnehmerin jedoch innerhalb einer Frist von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage erheben. Denn auch ein Verstoß der Kündigung gegen ein gesetzliches Verbot muss innerhalb einer Klagefrist gerichtlich geltend gemacht werden.

Wenn eine Mutter nach Wiederaufnahme ihrer Arbeit stillt, kann sie Stillpausen beanspruchen: bei einer Arbeitszeit bis acht Stunden insgesamt 60 Minuten, bei mehr als acht Stunden Arbeitszeit insgesamt 90 Minuten

In den Wochen vor und nach der Entbindung gilt eine Schutzfrist. Ab sechs Wochen vor der Geburt ihres Kindes darf die Mutter nur noch dann beschäftigt werden, wenn sie das selbst möchte. Acht Wochen nach der Geburt besteht ein Beschäftigungsverbot; bei Früh- oder Mehrlingsgeburten beträgt dieser Zeitraum sogar zwölf Wochen.

Infos: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, www.bmfsfj.de → Gesetze.

Mutterschaftsgeld

Arbeitnehmerinnen, die gesetzlich krankenversichert sind, bekommen von ihrer Krankenkasse während der Mutterschutzfristen vor und nach der Entbindung sowie für den Entbindungstag Mutterschaftsgeld in Höhe von maximal 13 Euro pro Tag. Aufgestockt wird es vom Arbeitgeber, die Höhe der Zahlung richtet sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsentgelt der letzten drei Kalendermonate. Das Mutterschaftsgeld kann frühestens sieben Wochen vor dem wahrscheinlichen Entbindungstermin bei der Krankenkasse beantragt werden, da die erforderliche ärztliche Bescheinigung nicht eher als eine Woche vor Beginn der sechswöchigen Schutzfrist ausgestellt werden darf. Wenn die schwangere Mitarbeiterin vom Arzt ein Beschäftigungsverbot bescheinigt bekommt, muss der Arbeitgeber den sogenannten Mutterschutzlohn zahlen. Der muss dem Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen entsprechen. Anspruch darauf haben alle Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, auch Heimarbeiterinnen oder geringfügig Beschäftigte, nicht aber Selbstständige.

Foto: creatas

Mutterschaftsgeld gibt es für privat versicherte Frauen im Angestelltenverhältnis sowie in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversicherte Frauen mit geringfügiger Beschäftigung auf Antrag vom Bundesversicherungsamt: eine Einmalzahlung von 210 Euro. Der Arbeitgeber berechnet seinen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld so, als wäre die Mitarbeiterin gesetzlich versichert, und legt den üblichen Kassensatz von 13 Euro pro Tag zugrunde.

Selbstständig arbeitende Frauen, die freiwillig Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind, bekommen Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse, wenn ein Anspruch auf Krankengeld besteht. Die Höhe errechnet sich aus den Beitragssätzen. Sind Selbstständige privat versichert, haben sie keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Infos: Tel. 02 28 / 6 19 18 88,www.bva.de; www.mutterschaftsgeld.de

Kindergeld

Kindergeld wird einkommensunabhängig gezahlt für leibliche Kinder, Adoptiv-, Pfl ege- und Stiefkinder. Für die ersten zwei Kinder gibt es monatlich jeweils 184 Euro, für das dritte 190 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind 215 Euro. Anstelle des Kindergeldes kann man auch einen Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen. Er beträgt seit 2010 je Elternteil 2.184 Euro, für Ehepaare liegt er bei 4.368 Euro. Hinzu kommt ein Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung in Höhe von 1.320 Euro bzw. 2.640 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren. Insgesamt steht Eltern 2010 ein Kinderfreibetrag von 7.008 Euro zu. Der Steuerfreibetrag lohnt sich nur bei hohem Einkommen. Das Finanzamt prüft, welche Variante die bessere ist. Kindergeld wird immer nur an einen Elternteil ausgezahlt – bei getrennt lebenden Eltern dem, in dessen Obhut das Kind lebt. Wer unterhaltspfl ichtig ist, hat indirekt aber auch Anteil am Kindergeld: Sofern er Unterhalt in Höhe von 135 Prozent des Regelbetrags leistet, kann er seine Unterhaltszahlungen um das halbe Kindergeld kürzen.

Das Kindergeld muss bei der Familienkasse schriftlich beantragt werden. Für ein neugeborenes Kind ist die Vorlage der Geburtsurkunde im Original erforderlich. Gezahlt wird bis zum 18. Lebensjahr bzw. unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 25. Lebensjahr. Etwa wenn das Kind eine Berufsausbildung macht. Zur Berufsausbildung gehören der Besuch allgemeinbildender Schulen, die betriebliche oder eine weiterführende Ausbildung sowie die Ausbildung für einen weiteren Beruf. Auch ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr wird angerechnet und verlängert die Anspruchszeit. Über das 25. Lebensjahr hinaus wird für Kinder in Schul- oder Berufsausbildung oder im Studium Kindergeld gezahlt, wenn sie vorher Grundwehrdienst oder Zivildienst oder alternativ eine vom Grundwehrdienst oder Zivildienst befreiende Tätigkeit als Entwicklungshelfer geleistet haben oder sich freiwillig statt des gesetzlichen Grundwehrdienstes oder Zivildienstes für nicht mehr als drei Jahre zum Wehrdienst oder Polizeivollzugsdienst verpfl ichtet haben. Für die Zeit, in der die Kinder diese Dienste ausüben, steht den Eltern aber kein Kindergeld zu.

Kinderregelsatz/Sozialgeld bei Arbeitslosengeld II

Leistungen des Arbeitslosengeld II (ALG2), genauer gesagt die Grundsicherung für Arbeitssuchende, erhalten grundsätzlich alle erwerbsfähigen und hilfsbedürftigen Personen. Erziehungsberechtigte, die Arbeitslosengeld II – auch Hartz IV genannt – beziehen, bekommen vom Staat auch fi nanzielle Hilfen für die Kinder, das sogenannte Sozialgeld. Bislang liegt der Regelsatz für Kinder bis fünf Jahre bei 215 Euro monatlich. Jugendliche ab 14 Jahren erhalten 287 Euro. Seit 2009 stehen Sechs- bis 13-Jährigen monatlich 251 Euro zu.

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Das Bundesverfassungsgericht hat die Regelleistungen für Kinder von ALG-II-Empfängern im Februar 2010 als verfassungswidrig erklärt. Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit der Berechnungsgrundlage. Die Höhe sei willkürlich mit 60 Prozent der Erwachsenenregelleistung festgelegt worden, ohne den tatsächlichen Bedarf von Kindern zu ermitteln. Das sei ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Auch sei der unterschiedliche Bedarf in verschiedenen Altersgruppen nicht berücksichtigt worden. Kinder von ALG-II-Empfängern befi nden sich dadurch im Nachteil gegenüber Kindern von Sozialhilfeberechtigten, die einen einmalig oder regelmäßig höheren Bedarf geltend machen können.

Zur Beseitigung des verfassungswidrigen Berechnungsverfahrens hat der Senat dem Gesetzgeber eine Frist bis zum 31. Dezember 2010 gesetzt. Nach neuen Berechnungen, die die Bundesregierung Ende September vorgelegt hat, sollen sich die Regelsätze für die 1,7 Millionen Kinder aus Hartz-IVHaushalten jedoch nicht verändern. Laut Arbeitsministerium hätten sie sogar um zwei bis zwölf Euro niedriger ausfallen müssen. Ob der Bundesrat den umstrittenen Plänen zustimmt, ist ungewiss und eine neue Klage vorm Bundesverfassungsgericht wahrscheinlich.

Einer weiteren Forderung des Bundesverfassungsgerichts kommt die Bundesregierung gesondert nach. Die Richter hatten mehr Engagement für die Bildung und kulturelle Teilhabe von Hartz-IV-Kindern verlangt. Dazu gehören beispielsweise Lernförderung, Zuschuss zum warmen Mittagessen in Kita und Schulmensa, Zuschüsse für Vereins-, Kultur- oder Ferienangebote und die Übernahme der Kosten für Schulausfl üge. Die bisherigen Regelsätze für Kinder enthalten keinen Posten für Bildungsausgaben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schnürt derzeit ein sogenanntes Bildungspaket, das aus Sach- und Dienstleistungen besteht. Geplant ist, die Leistungen nicht per Geldtransfer, sondern zweckgebunden in Form einer elektronischen Bildungskarte auszuzahlen. Mehr Infos unter unter www.bmas.de

Kinderzuschlag

Wer wenig verdient, kann vielleicht noch für sich alleine sorgen. Wenn Kinder zum Haushalt gehören, reicht das Geld aber oft nicht zur Existenzsicherung aus. Um Familien mit geringem Einkommen und Alleinerziehende vor der Beantragung von ALG II zu bewahren, zahlt der Staat einen Kinderzuschlag von maximal 140 Euro pro Kind. Der Kinderzuschlag wird von den Familienkassen der Bundesagentur für Arbeit gezahlt und ist auch dort zu beantragen. Er wird gewährt, wenn das Einkommen das sogenannte Mindesteinkommen (Bruttoeinkommen) von 600 Euro für Alleinerziehende und 900 Euro für Ehepaare übersteigt. Liegt das Einkommen unter dieser Schwelle, besteht in der Regel Anspruch auf ALG II. Dann bekommen Kinder Sozialgeld, der Kinderzuschlag entfällt.

Ob Familien, die einen Kinderzuschlag bekommen, auch beim geplanten Bildungspaket für Kinder von ALG-II-Empfängern berücksichtigt werden, steht momentan noch nicht fest. Infos: www.familien-wegweiser.de

Unterstützung für Schwangere

Der Staat hilft auch, wenn eine Frau ein Kind erwartet. Schwangere mit Anspruch auf Arbeitslosengeld II (ALG II) oder Sozialhilfe erhalten ab der 13. Schwangerschaftswoche (bis einschließlich des Entbindungstages) einen schwangerschaftsbedingten Mehrbedarfszuschlag in Höhe von 17 Prozent der Regelleistung des ALG II beziehungsweise der Sozialhilfe. Sie bekommen Zuschüsse für Schwangerschaftsbekleidung und für die Erstausstattung des Babys. Diese einmaligen Leistungen erhalten auch Bedürftige, die sonst keinen Anspruch auf das Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe haben. Ausgezahlt wird ein Pauschalbetrag. Wichtig: Die Leistung muss vor dem Kauf der Ausstattung beantragt werden. Infos unter www.familien-wegweiser.de

Foto: creatas

Kinder bei der Rentenberechnung

Wer Kinder hat, tritt im Berufsleben meist kürzer oder kümmert sich eine Weile ausschließlich um den Nachwuchs. Der Gesetzgeber erkennt diese Leistung bei der Rentenberechnung von Müttern, Vätern, Adoptiveltern, Stiefeltern oder Pflegeeltern an. Kindererziehungszeiten werden wie Berufsjahre bewertet, die Einzahlung in die Rentenkasse übernimmt der Bund. Berechnungsgrundlage ist das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Bundesbürgers. Für Kinder, die vor dem 1. Januar 1992 geboren wurden, betragen die Kindererziehungszeiten zwölf Monate, bei Geburten ab dem 1. Januar 1992 berücksichtigt der Staat 36 Monate. Die Kindererziehungszeiten müssen beim zuständigen Rentenversicherungsträger beantragt werden.

Weil die Kinderbetreuung und -erziehung nicht nach dem dritten Lebensjahr aufhört, stockt der Staat den Rentenanspruch unter Umständen weiter auf. Liegt das Einkommen des betreuenden Elternteils bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes unter dem Bundesdurchschnitt, wird das Einkommen (und damit die Rentenzahlungen) um 50 Prozent bis maximal zum Durchschnittseinkommen aufgewertet. Sind zeitgleich mehrere Kinder unter zehn Jahren zu betreuen, endet die Berücksichtigungszeit erst mit dem zehnten Geburtstag des jüngsten Kindes. Für alle, die ein pflegebedürftiges Kind betreuen, läuft die Rentenaufwertung bis zum 18. Lebensjahr des Kindes. Wer nicht erwerbstätig war und gleichzeitig mehrere Kinder erzogen beziehungsweise gepflegt hat, bekommt vom Staat Rentenzahlungen in Höhe eines Drittels des Durchschnittsentgelts.

Voraussetzung für die zusätzliche Ren tenerhö hung: Der bereuende Elternteil muss bis zum Renteneintritt mindestens 25 Jahre (einschließlich der Kinderberücksichtigungszeit) in die Rentenkasse eingezahlt haben. Die Regelung gilt ab 1992.

Elterngeld

Ab 2011 soll das vom Bundeskabinett verabschiedete Sparpaket wirksam werden. Beim Elterngeld wird sich demnach in zwei Punkten etwas ändern: Hartz-IV-Empfänger sollen kein Elterngeld mehr bekommen. Außerdem soll es bei einem Nettoeinkommen von mehr als 1.240 Euro im Monat statt bislang 67 Prozent nur noch 65 Prozent betragen.

Bislang gelten noch folgende Regelungen: Bis zum 14. Lebensmonat des Kindes gibt es vom Staat Elterngeld. Der Mindestbetrag von 300 Euro monatlich wird unabhängig vom Einkommen gezahlt. Den erhalten zum Beispiel nicht erwerbstätige Eltern oder Mütter, die sich in der Elternzeit für ein zuvor geborenes Kind befi nden und keine Teilzeitbeschäftigung ausüben. Mütter und Väter, die für die Kinderbetreuung ganz oder teilweise aus dem Job aussteigen, erhalten 67 Prozent ihres Nettoeinkommens, höchstens aber 1.800 Euro im Monat. Diesen Betrag gibt es für zwölf Monate und auch für den 13. und 14. Lebensmonat des Kindes, wenn der Vater zur Betreuung zu Hause bleibt. Damit will der Staat Männern eine stärkere Beteiligung an der Kindererziehung schmackhaft machen.

Foto: stock byte

Arbeiten Mutter oder Vater während des Elterngeldbezugs in Teilzeit, darf die Wochenarbeitszeit 30 Stunden nicht übersteigen. Die Eltern können auch gleichzeitig zu Hause bleiben. Jeder bekommt dann 67 Prozent seines Gehaltes, maximal sieben Monate lang. Alleinerziehende, die das Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens beziehen, können aufgrund des fehlenden Partners volle 14 Monate Elterngeld bekommen. Anspruch auf Elterngeld haben auch Selbstständige, nicht verheiratete Paare und Deutsche, die von ihrem Arbeitgeber ins Ausland geschickt werden. Zuständig sind die Erziehungsgeldstellen. Jeder Elternteil kann für sich einmal einen Antrag auf Elterngeld stellen. Seit 2010 kann der Antrag ohne Angabe von Gründen einmal geändert werden. In Härtefällen, etwa bei Krankheit oder Tod, auch ein weiteres Mal. Zur Antragsstellung braucht man: Geburtsurkunde, Verdienstbescheinigung bzw. Steuerbescheid, bei Teilzeitarbeit eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die Stundenzahl, Bescheinigungen der Krankenkasse und des Arbeitgebers über das Mutterschaftsgeld. Die Zeiten des Wehr- oder Zivildienstes werden bei der Berechnung des Elterngeldanspruchs nicht mehr erfasst. Stattdessen gilt das Gehalt vor der Dienstzeit. Infos: www.bmfsfj.de, www.familien-wegweiser.de und www.elterngeld.com

Elternzeit

Berufstätige Eltern, die ihr Kind selbst betreuen, haben Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit für drei Jahre. Den Eltern steht frei, wer die Elternzeit nimmt und wann. Sie können die Auszeit auch ganz oder teilweise gemeinsam nehmen. Während der Elternzeit darf man in Teilzeit weiterarbeiten.

Die Elternzeit muss spätestens sieben Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber schriftlich angemeldet werden, wenn sie direkt an den Mutterschutz anschließen soll. In der Anmeldung muss stehen, wann die Elternzeit beginnt und voraussichtlich endet und ob eine Teilzeitbeschäftigung verlangt wird. Zunächst muss man sich nur für die ersten beiden Jahre festlegen. Spätestens acht Wochen vor dem Ablauf des zweiten Jahres muss man dem Arbeitgeber sagen, was mit dem dritten Jahr geschehen soll. Mit dessen Genehmigung kann man dieses Jahr bis zum achten Geburtstag des Kindes verschieben. Ansonsten endet die Elternzeit, wenn das Kind drei Jahre alt ist.

Auch Großeltern, die ihre Enkel betreuen, können bei ihrem Arbeitgeber Elternzeit beantragen. Das geht aber nur, wenn ein Elternteil minderjährig ist oder als Volljähriger noch in die Schule geht oder eine Ausbildung macht. Zudem müssen die Großeltern mit dem Enkel in einem Haushalt leben. Die Eltern des Kindes dürfen dann keine Elternzeit nehmen. Elterngeld bekommen Oma und Opa nicht. Das steht nur den Eltern zu. Infos: www.bmfsfj.de, www.familien-wegweiser.de

Unterhaltsvorschuss

Mit dieser Leistung greift der Staat Alleinerziehenden unter die Arme, die entweder keinen oder keinen regelmäßigen oder nur sehr wenig Unterhalt bekommen. Der Unterhaltsvorschuss beträgt 133 Euro monatlich, wenn das Kind unter sechs Jahre alt ist, und 180 Euro für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Für den Bezug dieser Leistung ist ein gerichtliches Unterhalts- urteil nicht erforderlich. Unterhaltsvorschuss gibt es längstens für 72 Monate, der Anspruch erlischt mit dem vollendeten zwölften Lebensjahr des Kindes. Der Antrag muss schriftlich gestellt werden, in der Regel ist die zuständige Stelle beim Jugendamt angesiedelt. Weitere Informationen gibt es beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Tel. 01 80 / 1 90 70 50, www.bmfsfj.de und www.familien-wegweiser.de

Schulstarterpaket

Seit Schuljahresbeginn 2009/2010 erhalten bedürftige Familien 100 Euro pro Schuljahr für die schulische Bildung ihrer Kinder. Anspruchsberechtigt sind Familien, die vom Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe leben und auch Familien, die einen Kinderzuschlag bekommen. Voraussetzung hierfür ist, dass das jeweilige Kind eine allgemein- oder berufsbildende Schule besucht und keinen Anspruch auf Ausbildungsvergütung hat. Auch Abiturienten und Berufsschüler können diese zusätzliche Leistung erhalten. Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit oder die Grundsicherungsträger zahlen diese Leistung immer im August aus. Möglicherweise ändert sich diese Regelung 2011. Unklar ist, ob Geringerverdiener mit Kinderzuschlag das Schulstarterpaket weiterhin bekommen.

Bundesstiftung Mutter und Kind

Die Bundesstiftung hilft schwangeren Frauen in Notlagen. Sie springt ein, wenn andere Sozialleistungen nicht ausreichen oder nicht rechtzeitig eintreffen. Höhe und Dauer der Hilfe richten sich nach den persönlichen Umständen, aber auch danach, wie viele Frauen sie beantragen und wie viele Mittel zur Verfügung stehen. Jährlich bekommen bis zu 150.000 Schwangere Unterstützung. Zuschüsse gibt es etwa für die Erstausstattung. Frauen sollten sich möglichst früh an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden und dort die Hilfe beantragen. Ein Schwangerschaftsattest muss vorliegen. Die Zuschüsse werden nicht auf die Sozialhilfe und andere Sozialleistungen angerechnet. Anlaufstellen für Hilfesuchende sind die örtlichen Schwangerschaftsberatungsstellen bei den Städten und Landkreisen oder zum Beispiel bei Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Pro Familia, Donum Vitae oder beim Deutschen Roten Kreuz.

Wohngeld

Foto: ccvision.de

Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss für Haushalte mit geringem Einkommen. Mieter erhalten das Wohngeld als Mietzuschuss. Selbstnutzende Eigentümer von Wohnraum erhalten Wohngeld als Lastenzuschuss. Zum 1. Januar 2009 wurde es erhöht und durch eine neue Heizkostenpauschale ergänzt. Im Zuge der Haushaltssanierung soll der Zuschuss zu den Heizkosten jedoch ab 2011 wieder gestrichen werden.

Ob Familien generell Anspruch auf Wohngeld haben, hängt vom Einkommen und der Größe des Haushaltes ab, außerdem von der Höhe der Miete oder der Belastung (bei Eigentum). Wer Sozialleistungen mit Wohnkostenzuschuss erhält, bekommt kein Wohngeld. Anträge werden bei der Wohngeldstelle von Gemeinde, Stadt oder Kreis gestellt. Wohngeld wird in der Regel für zwölf Monate bewilligt. Danach ist ein neuer Antrag erforderlich. Infos: www.familien-wegweiser.de

Ausbildungsförderung/BAföG

Das Ausbildungsförderungsgesetz berücksichtigt Schwangerschaft und Kindererziehung, damit Studenten nicht in fi nanzielle Not geraten, wenn sie die Regelstudienzeit durch Familiengründung überschritten haben. Wer schwanger ist und deshalb sein Studium unterbricht, bekommt bis zu drei Monate lang weiterhin BAföG. Dauert die Unterbrechung länger, muss die Studentin eine Beurlaubung beantragen. Man kann beantragen, dass das BAföG über die Förderhöchstdauer hinaus gezahlt wird – meist für ein Semester. In diesem Zusatzsemester gibt es die Förderung als Zuschuss, sie muss nicht zurückgezahlt werden. Bis zum achten Semester über die Förderhöchstdauer hinaus können studierende Eltern BAföG erhalten, vorausgesetzt ihr Kind ist nicht älter als zehn Jahre. Eltern, die BAföG zurückzahlen müssen, wird die monatliche Rate erlassen, wenn sie in dem jeweiligen Monat ein Kind unter zehn Jahren betreuen, wenig verdienen und höchstens zehn Wochenstunden erwerbstätig sind. Anträge auf BAföG und Fristverlängerung können beim BAföG-Amt gestellt werden. Infos: BAföG-Hotline 08 00 / 2 23 63 41, www.bafoeg.bmbf.de

Familienkarten und Co. bieten viele Vergünstigungen

Neuerdings können Eltern in Hessen günstiger bei Rewe einkaufen, haben Zugriff auf eine Babysitter-Hotline und erhalten eine kostenlose Basis-Unfallversicherung für Kinder bis zum Schuleintritt. Das sind die auf den ersten Blick lohnendsten Vorteile der Familienkarte, die jetzt hessische Familien mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren beantragen können. Damit ist Hessen bisher das einzige Bundesland, das eine Famlienkarte nach dem Vorbild Oberöster reichs eingeführt hat. In einigen anderen Ländern (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Hamburg) gibt es bereits sogenannte Familienpässe; meist ein Scheckbuch mit Vergünstigungen, Freikarten und Coupons. Auch viele Städte, Kommunen und Kreise bieten für Familien ermäßigte Fahrpreise im ÖPNV, kostenlosen Eintritt in öffentliche Einrichtungen und Zuschüsse zu Kita-, Schul- oder Müllabfuhrgebühren. Vorreiter ist Stuttgart. Dort erhalten alle Familien mit Kindern bis 16 Jahren eine „FamilienCard“, auf der ein Guthaben von 60 Euro gespeichert ist. Damit kann der Eintritt in Bädern, dem Zoo oder Theatern bezahlt werden. Haushalte mit geringem Einkommen bekommen eine Bonuskarte dazu, die Rabatte für den Mittagstisch in Schulen oder den kostenlosen Besuch von Kitas ermöglicht. Wer in den Genuß solcher und ähnlicher Angebote in seiner Umgebung kommen will, der muss allerdings ein bißchen suchen. Wir haben für Sie im Internet zusammengefasst, welche Angebote wir gefunden haben und was uns die einzelnen Länder mitgeteilt haben. Falls nichts für Ihre Region dabei sein sollte, lohnt sich eine Nachfrage im Sozial- beziehungsweise Jugendamt oder bei der Verwaltung der Stadt, Gemeinde oder des Kreises.