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Wieder Licht in Sicht


ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2013 vom 13.09.2013

Noch hat die Solarkrise die deutsche Photovoltaikindustrie fest im Griff. Doch mit intelligenten Systemen, Speichern und effizienteren Solarmodulen wollen die Deut schen zu alter Stärke zurückfinden. Wir stellen ihre neuen Ziele und Strategien vor.


Artikelbild für den Artikel "Wieder Licht in Sicht" aus der Ausgabe 9/2013 von ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Mike Kiev/iStockphoto/Thinkstock

Welch ein Absturz! Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeichnen ein düsteres Bild für die deutsche Photovoltaikindustrie: Von Januar 2012 bis Februar 2013 schrumpfte die Zahl der Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen um mehr als ein Drittel auf 21 Betriebe. Die Beschäftigtenzahl halbierte sich in diesem Zeitraum ...

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... sogar. Anfang 2012 arbeiteten im Solarsektor nach amtlichen Angaben 10.196 Menschen, zuletzt waren es nur noch 5.973.

Dank besserer Produktion und effizienterer Zellen könnten sich die solaren Stromherstellungskosten mittelfristig halbieren.


Foto: imago/Bernhard Classen

Die Lage könnte noch heikler werden. Nach wie vor schreiben viele Solarfirmen Verluste. Der einstige Branchenprimus Solarworld konnte die Insolvenz durch einen Schuldenschnitt so eben noch abwenden. Damit deutet alles auf einen Triumph der chinesischen Hersteller hin. In China ist es ein Staatsziel: Die Produzenten im Land sollen den Weltmarkt beherrschen. Daher drehten sie die Preisschraube zuletzt so stark nach unten, dass viele Europäer nicht mehr mithalten konnten. Dennoch besteht für die verbliebenen Firmen Grund zur Hoffnung. So glaubt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, dass die deutsche Solarindustrie auf Sicht mit einem blauen Auge davonkommen könnte. „Innova tionskraft, Qualitätsbewusstsein und eine ausgesprochene Stärke bei der Entwicklung intelligenter Systemlösungen weisen ihr den Weg“, sagt Körnig.

Ein Grund für seine Zuversicht ist die gute Wachstumsperspektive der Solarenergie. Die Deutsche Bank hat ihre Prognose zum weltweiten Photovoltaikzubau für 2013 um 20 Prozent auf 34 Giga watt erhöht. Die Anhebung erklären die Banker damit, dass Photovoltaikanlagen dank deutlicher Preissenkungen in vielen Regionen fast schon ohne staatliche Förderung auskommen. In Süditalien ist Solarstrom sogar bereits vollkommen wettbewerbsfähig – die Kosten liegen dort auf dem Niveau fossiler Stromquellen.

Für Deutschland sagt die Deutsche Bank allerdings zunächst ein schwieriges Umbruchsjahr voraus. Nur noch drei bis vier Gigawatt werden aus ihrer Sicht hierzulande 2013 neu installiert – nach 7,6 Gigawatt im Jahr 2012. Grund für die verhaltene Prognose ist die stark sinkende Einspeisevergütung für neue Solaranlagen. Seit 2012 gibt es einen Automatismus, nach dem sich die Tarife gemäß dem Ausbautempo absenken: Derzeit fallen sie monatlich um 1,8 Prozent. Dafür wächst jedoch die Bedeutung des solaren Eigenverbrauchs. Solarstrom lässt sich hierzulande derzeit für rund 15 Cent pro Kilowattstunde erzeugen, Haushaltsstrom aus der Steckdose hingegen kostet im Durchschnitt 25 Cent.

Qualität steckt im Detail: Die Hersteller setzt auf Premiumprodukte.


Foto: aleo solar AG

Speicher für den Eigenverbrauch

Was liegt also näher, als sich aus einer eigenen Photovoltaikanlage selbst zu versorgen? Das Problem ist nur, dass Solarstrom witterungsbedingt schwankt und oft nicht verfügbar ist, wenn man ihn braucht. Hausbesitzer können daher maximal ein Drittel der produzierten Sonnen energie selbst nutzen – und bleiben somit auf teuren Netzstrom angewiesen. Zusätz liche Batteriespeicher können Abhilfe schaffen, indem sie den Eigenverbrauch auf bis zu 80 Prozent steigern. Inzwischen bieten in Deutschland rund 50 Firmen kombinierte Systeme aus Solarmodulen und herkömmlichen Bleioder modernen Lithium-Ionen-Akkus an.

Die oft nur koffergroßen Geräte nehmen überschüssigen Solarstrom auf und geben die Energie bei Bedarf wieder ab. Ihre Speicherkapazität liegt für einen Vierpersonenhaushalt im Durchschnitt bei fünf bis zehn Kilowattstunden. Das reicht in der Regel, um den Strombedarf in den Abendstunden zu decken. Allerdings sind die Speicher noch recht teuer. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat für die von der Industrie bevorzugt eingesetzten Lithium-Ionen-Akkus Speicherkosten von 25 Cent pro Kilo wattstunde ermittelt. Addiert man hierzu noch die Kosten des selbstproduzierten Stroms von 15 Cent, ergeben sich Gesamtkosten von 40 Cent. Damit liegt man deutlich über dem aktuellen Strompreis von 25 Cent. Nach Einschätzung des ISE-Batterieexperten Christoph Wittwer könnte sich das aber bald ändern: „Technische Fortschritte und größere Produktionsmengen lassen eine Halbierung der Speicherkosten bis 2015 erwarten.“

Doch wie setzen die Unternehmen die Herausforderungen um? Der Dresdener Solaranbieter Solarwatt zum Beispiel hat sich vom reinen Hersteller zum Komplettanbieter gewandelt: „Wir wollen uns mit absolut premiumorientierten Systemen vom Wettbewerb abgrenzen“, sagt Firmenchef Detlef Neuhaus. Solarwatt kooperiert daher neuerdings mit Autobauer BMW. Die Idee: Wer künftig ei-nes der Elektrofahrzeuge BMWi3 oder BMWi8 kauft, kann Dachanlagen oder Carports von Solarwatt gleich mitbestellen. Mit dem Strom der neuartigen und robusten Doppelglasmodule kann entweder die Batterie der Fahrzeuge oder ein Lithium-Ionen-Akku für die Eigenversorgung des Haushalts geladen werden. Der Energy Storage mit 3,2 bis 28,7 Kilowattstunden Kapazität kommt gerade auf den Markt. Der neue Akku passt gut zu Solarwatts Premiumstrategie: Grundsätzlich haben Lithium-Ionen-Akkus gegenüber Bleibatterien den Vorteil, dass sie auf weniger Raum mehr Energie speichern können sowie langlebiger und effizienter sind. Dafür ist die Technik in der Anschaffung aber auch deutlich teurer.

Solarstandort Europa: Die europäischen Unternehmen wollen mit Innovationen den Chinesen auch wieder Marktanteile bei Modulen und Zellen abjagen.


Foto: imago/Bernhard Classen

Edles Ambiente: Mit seinem Doppelglasmodul will Solarwatt vor allem im Premiumsegment Anklang finden. Photovoltaik-Lounges wären eine Nutzungsoption.


Foto: SOLARWATT GmbH

Heizen mit Solarstrom

SMA aus Kassel mischt bereits seit einem Jahr mit einem Wechselrichter inklusive inte grierter Speicherfunktion auf dem Speichermarkt mit. Gemeinsam mit den beiden Heiz technikunternehmen Stiebel Eltron und Vaillant entwickeln die Hessen seit Neuestem Systeme, die überschüssigen Solarstrom zum Heizen nutzen, statt ihn in Batterien zu leiten. Das funktioniert, indem mit dem Sonnenstrom herkömmliche Wärmepumpen in Gang gesetzt werden. Sie verwerten die Energie sehr effizient, denn sie verwenden sie, um der Umgebung Wärme zu entziehen. Aus einem Kilowatt elektrischer Antriebsleistung erzeugen sie so drei bis vier Kilowatt Wärme. Was nicht sofort für die Warmwasserbereitung oder die Heizung verbraucht wird, kann in einem thermischen Speicher eingelagert werden. Zwar klingt es abwegig, Elektrizität als edelste Form von Energie in schnöde Wärme umzusetzen, doch rein wirtschaftlich betrachtet, ergibt die Sache durchaus Sinn: „Wenn die Kosten weiter fallen wie zuletzt, wird Solarstrom in vier bis fünf Jahren nur noch elf bis zwölf Cent pro Kilowattstunde kosten und direkt mit Öl für die Heizung konkurrieren“, pro gnos tiziert Volker Quaschning, Professor für regenerative Energien und Solarenergie in Berlin. Somit kommt dank Photovoltaik eine weitere Öko-Alternative zu Öl- und Gasthermen in Sicht, die in deutschen Kellern weitgehend konkurrenzlos vor sich hin köcheln.

Wohin mit dem Strom? Der Energiemanager Sunny Home Manager von SMA entscheidet, ob die Energie vom Dach direkt verbraucht, gespeichert oder ins öff entliche Netz gespeist wird.


Fotos: SMA Solar Technology AG (2)

Vorsprung im Know-how

Doch welche Folgen hat die Neupositionierung der Firmen für die Verbraucher? Bekommen sie von heimischen Herstellern künftig nur noch ausgeklügelte und teure Komplettpakete, während sie „einfache“ Solartechnik ausschließlich bei asiatischen Anbietern bekommen? Firmen und Forscher haben darauf eine klare Antwort: Sie wollen auch bei den Basispro dukten wie Zellen und Modulen wieder mit China konkurrieren. Auf Initiative des Solarvalley Mitteldeutschland, eines Zusammenschlusses von Solarfirmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, haben sich daher jetzt die größten Solarnetzwerke in Europa zu einem internationalen Verbund vereint. Zu diesem Cluster zählen Regionen in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Slowenien und Spanien. Indem Unternehmen, Institute und Universitäten dort all ihre Expertise und Mittel in eine Waagschale werfen, wollen sie Innovationen im Bereich der Zellen und Module wesentlich beschleunigen – und die Chinesen noch bremsen.

„Unsere einzige Chance ist, unseren Vorsprung im Know-how zu behaupten und die Forschungsergebnisse so schnell wie möglich in die Produktionshallen zu bringen“, sagt Peter Frey, Leiter der Koor dinierungszentrale des Solarvalley Mittel deutschland.