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Wohlbehütet im Eigenheim


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 4/2010 vom 18.04.2010

Was ist gesundes Wohnen? Bisher kamen dazu von Produktherstellern und Baufirmen kaum konkrete Aussagen. Ein Einfamilienhaus bei Hamburg gibt überraschende Antworten und setzte neue Standards.


Artikelbild für den Artikel "Wohlbehütet im Eigenheim" aus der Ausgabe 4/2010 von ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Nikolaus Herrmann

Wenn Sabine Gwinner an die Zeit vor dem Einzug in ihr neues Haus denkt, zieht sich ihr Magen zusammen, der Kopf beginnt zu pochen, und die Erinnerung an Jahre voller Schmerzen und Unsicherheit kehrt zuruck. Denn Sabine Gwinner hat MCS. Das Kurzel bedeutet multiple Chemikalien-Sensitivitat und bringt fur sie und viele andere MCS-Kranke ein fur gesunde Menschen kaum vorstellbares Leid mit sich. ...

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Wenn Sabine Gwinner an die Zeit vor dem Einzug in ihr neues Haus denkt, zieht sich ihr Magen zusammen, der Kopf beginnt zu pochen, und die Erinnerung an Jahre voller Schmerzen und Unsicherheit kehrt zuruck. Denn Sabine Gwinner hat MCS. Das Kurzel bedeutet multiple Chemikalien-Sensitivitat und bringt fur sie und viele andere MCS-Kranke ein fur gesunde Menschen kaum vorstellbares Leid mit sich. „Sobald ich ein Einkaufszentrum oder eine Parfumerie betrete, in ein neues Auto einsteige oder einen Neubau betrete, bekomme ich starke Kopfschmerzen, die Augen beginnen zu tranen und zu jucken, auch Hautausschlage und Schwellungen im Gesicht kommen immer wieder vor“, berichtet die junge Frau von ihrer Empfindlichkeit auf kleinste Schadstoffmengen.

Grundlage der Krankheit ist eine Belastung mit dem Schwermetall Palladium aus der Goldfullung ihrer Zahne sowie fruhere Kontakte zu hoch gif tigen Holzschutzmitteln. Heute weis Sabine Gwinner das. Fruher pilgerte die zierliche Frau jahrelang von einem Arzt zum nachsten, probierte Heilpraktiker und Heiler aus, alles um ihre Krankheit und das dauernde Unwohlsein in den Griff zu bekommen. „Niemand konnte mir helfen“, berichtet sie von ihrer Odyssee. Dass die drei Kinder der Familie ebenfalls unter In fekt anfal lig keit und Allergien litten, machte die Situation noch schlimmer. „Wegen der starken Kopf schmer zen musste ich mich oft hinlegen. Aber das hat nichts gebracht, im Gegenteil.“

Die Südseite lockt mit großen Fensterflächen die Sonne ins Haus. Gut zu sehen: Der Wohnbereich schmiegt sich an das Rechteck des Haupthauses.


Foto: Nikolaus Herrmann

Grundriss Obergeschoss


Grundriss Erdgeschoss


Quelle: Neue Baukultur GmbH (2)

Einen ersten Hinweis auf den Ausloser der massiven Beschwerden gab ein Urlaub: „Wir waren vier Wochen in Spanien beim Campen, und uns ging es hervorragend, alle Schmerzen, Schwellungen und Reizungen waren wie weggeblasen“, erzahlt Ehemann Holger Gwinner. „Zuerst haben wir das auf den erholsamen Ur laub geschoben, aber als wir wieder zu Hause waren, wurde uns schnell klar, dass es unser Haus ist, das uns krank macht.“ Schon nach der ersten Nacht waren alle Symptome wieder da, das Leiden schien kein Ende zu nehmen.

Wenn das eigene Haus krank macht

Nach muhsamen Recherchen stellte sich heraus: Beim Ausbau des Dachgeschosses des Altbaus waren im Dachstuhl und unter dem Fusboden Holzschutzmittel verwendet worden, die zwar laut DIN zugelassen sind, aber fur empfindliche oder vorbelastete Menschen das Fass zum Uberlaufen bringen. Als erste Masnahme zogen die Gwinners ins weniger belastete Erdgeschoss, wohnten uber ein Jahr lang zu funft in zwei Raumen, parallel suchten sie nach einer neuen Bleibe. Doch in Mietwohnungen oder gebrauchten Hausern fanden sich fast immer Schimmelpilze oder andere Schadstoffe. Anbieter von Fertighausern und Bautrager verstanden meist nicht einmal, was die Familie bewegte.

Fiindig wurden die Gwinners dann bei Niels Nolte. Der Hamburger Architekt und ausgebildete Zimmermann hat mit seiner Firma Neue Baukultur jahrelange Erfahrung mit dem Bau von okologischen Holzhausern, die mit Lehm, Naturfarben und anderen Naturbaustoffen ausgeriis-tet sind. „Doch als wir Frau Gwinner ei-nige Dammstoffe und andere Materialien zum Ausprobieren gaben und sie darauf teilweise mit extremen Beschwerden reagierte, mussten wir erkennen, dass okologisch nicht automatisch gesund ist und dass wir mit diesem Projekt absolutes Neuland betreten wtirden“, blickt der Planer auf die Anfange zuriick.

Das Problem: Zum Thema Wohnge-sundheit gibt es zwar viele Versprechun-gen und wolkige Aussagen, konkrete Messwerte und vor allem Garantien der Hersteller waren bis zum Bau des Hauses im Jahr 2006 eher die Ausnahme als die Regel. Lediglich das natureplus-Quali-tatszeichen setzte mit seinen strengen Richtlinien verlassliche und vor allem umfassende Grenzen fiir zahlreiche Bau-stoffe, aber eben noch nicht fiir alle, die beim Hausbau verwendet werden. Und gesetzlich verbindliche Werte fiir die Qualitat der Raumluft im fertig gebau-ten Haus waren nicht vorhanden oder so hoch, dass sie fiir gesundes Wohnen untauglich sind.

Garantie fur gesundes Wohnen

Die fehlende Richtschnur lieferten Peter Bachmann und Josef Spritzendorfer. Die beiden Experten fiir gesundes Bauen und Baustoffe aus moglichst natiirlichen Roh-stoffen waren fiir ihr von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geforder-tes Projekt Sentinel-Haus auf der Suche nach einem Modellhaus. Als einer der Leitwerte dient eine Empfehlung der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamts. Das Ziel, das es zu erreichen gait: 300 Mikrogramm fluchti-ger organischer Verbindungen pro Kubikmeter Raumluft. Fliichtige organische Verbindungen, abgekiirzt VOC, ist der Oberbegriff fiir eine Gruppe chemischer Stoffe, die unter anderem aus Baustoffen, Klebern, Olen und Lacken ausgasen.

Wie anspruchsvoll ein Wert von 300 Mikrogramm VOC kurz nach Fertigstel-lung eines Gebaudes ist, zeigen mehrere Forschungsvorhaben. So wurden im Rah-men des DBU-Projekts andere Hauser ge-messen. Auch im Schweizer Forschungs-projekt LIWOTEV gab es umfangreiche Messungen in okologisch hochwertigen Gebauden. Diese ergaben fiinf bis acht Wochen nach Bauende haufig mehr als 2.000 bis 3.000 Mikrogramm VOC pro Kubikmeter. Bei 1.000 Mikrogramm verleiht die Schweizer Zertifizierungsstelle S-Cert das Zertifikat GI Gutes Innenraumklima. Und die deutsche Arbeitsgemeinschaft okologischer Forschungsinstitute (AGOF) sieht sogar nur 100 Mikrogramm als Ziel an. So ein Wert wird allerdings erst Monate oder Jahre nach Fertigstellung erreicht – in denen die VOC nach drausen ausgegast und weggeluftet sind.

„Wir können nicht einfach in ein Küchenstudio gehen und ein paar Möbel aussuchen. Die Formaldehydausgasungen wären einfach unerträglich.“


Foto: Nikolaus Herrmann

„Hauser, in denen vorwiegend Naturbaustoffe verwendet werden, schneiden bei solchen Messungen nicht von vornherein besser ab als solche aus ublichen Baustoffen“, betont Peter Bachmann, Geschaftsfuhrer des Sentinel-Haus Instituts. „Denn auch in sogenannten Oko-Hausern werden haufig Baumaterialien wie OSB-Platten sowie Ole, Leime, Lacke, Kleber und Hilfsmittel verwendet, die die Raumluftqualitat nachhaltig beeintrachtigen.“ So konnen zum Beispiel okologisch empfehlenswerte Parkettole, aber auch Linoleum oder Kleber, sehr viele VOC freisetzen. „Extremwerte von mehr als 30.000 Mikrogramm VOC pro Kubikmeter kommen durchaus vor“, bestatigt Experte Bachmann.

Fur das Haus der Familie Gwinner sowie ein weiteres Modellhaus in Freiburg wurde deshalb zusatzlich zum normalen Bauvertrag ein Vertrag uber die Raumluftqualitat geschlossen. Werden im Haus von Familie Gwinner der vereinbarte Wert von 800 Mikrogramm VOC sowie bestimmte Einzelwerte fur andere problematische Substanzen uberschritten, musste Bau unternehmer Niels Nolte so lange nachbessern, bis die Luft in den Hausern wirklich gesund ist – ein absolutes Novum in der Bauwirtschaft, die sich im Bereich Wohngesundheit bis heute in der Regel mit einklagbaren Festlegungen zuruckhalt.

Individueller Schutz für Allergiker

Fur Allergiker und MCS-Kranke wie Sabine Gwinner sieht der Vertrag zudem einen individuellen Schutz vor, der zusammen mit renommierten Umweltmedizinern wie Dr. Frank Bartram, Erstem Vorsitzenden des Deutschen Bundesverbandes der Umweltmediziner (dbu), entwickelt wurde. Dabei kommen alle moglichen Einflussfaktoren aus dem Lebensumfeld der Erkrankten auf den Prufstand: vom Wohnumfeld uber den Arbeitsplatz, Zahnersatz, Genussmittel bis hin zu Freizeitgewohnheiten. Bestatigt diese Spezialanamnese den Verdacht, dass Schadstoffe oder Umwelteinflusse an der Krankheit schuld sind, wird anhand von Laboranalysen weiter nachgeforscht. Ergebnis ist dann ein gezielter Katalog von Baustoffen, die verwendet werden konnen oder eben nicht. „Bei vier von fiinf meiner Patienten sind gleich mehrere Substanzen Ursache der Erkrankungen. Das macht die Sache aufwendig, bringt aber langfristig bessere Ergebnisse, als nur eine Sub-stanz zu betrachten“, erklart Bartram, der Patienten aus ganz Deutschland in seiner Praxis in Wei&enburg behandelt.

Das farbenfrohe Kinderbad im Obergeschoss ist durch eine halbhohe Mauer unterteilt, die Kommunikation und Sichtschutz gleichermaßen ermöglicht.


Foto: Nikolaus Herrmann

Generell mussten alle Baustoffe, die nicht das natureplus-Qualitatszeichen tragen, ihre Eignung durch aktuelle Emis-sionspriifungen oder direkt im Priiflabor des beteiligten Eco-Umweltinstituts in Koln beweisen. Die letzte Instanz vor der Freigabe war Sabine Gwinner selbst. Konnte eine Belas-tung nicht anhand der medizinischen Tests ausgeschlossen werden, legten ihr die Experten den entsprechenden Baustoff fiir mehrere Nachte unter das Bett. Erst wenn die stark sensi-bilisierte Frau keine Beschwerden hatte, gab es die Freigabe. „Fiir Menschen, die gesund sind und in ihrem Haus einfach gesund leben wollen, ist dieser individuelle Aufwand nicht notwendig, da reicht der von uns entwickelte Basisschutz, mit einem umfassenden Check aller eingesetzten Baumate-rialien und der Schulung der Handwerker aus“, erklart Peter Bachmann.

Handwerker mussen mitziehen

Allein mit getesteten Baustoffen waren vertragliche Garan-tien zur Wohngesundheit zum Scheitern verurteilt. Denn wenn Handwerker arbeiten, entstehen -meist ungewollt und unbemerkt -grofie Mengen an Schadstoffen. Um jedes Risiko auszuschliefien, werden die beteiligten Firmen und ihre Mitar-beiter deshalb vorab von Experten des Sentinel-Haus Instituts informiert, sie mussen Arbeitsweisen und Hilfsmaterialien dokumentieren und werden intensiv geschult.

Dass die Profis am Bau auf der Baustelle nicht rauchen diir-fen, ist noch die am leichtesten zu erklarende Mafinahme. Aber dass bei alltaglichen Arbeiten wie dem Trennen von Kunststoffkanalen fiir Kabel, beim Schneiden von Heizungs-rohren oder durch Hilfsmittel zum Schmieren von Maschinen oder Entfernen von Lackschlieren gesundheitsschadliche Ne-benwirkungen auftreten, war auch beim Bauvorhaben von Familie Gwinner den erfahrenen Handwerkern neu. „Zuerst sind wir auf gro&e Skepsis bis hin zur Ablehnung gesto&en, aber die Baustoffauswahl macht nur 50 Prozent des Erfolgs aus, den Rest bestimmen die Verarbeitung und damit die Handwerker14 , erzahlt Josef Spritzendorfer, der die Schulun-gen durchgefiihrt hat. „Nach einigen kurzen Beispielen aus der Praxis haben alle sehr gut mitgezogen, uns hervorragend unterstiitzt und zum Beispiel trotz des hoheren Aufwands schadstofftrachtige Arbeiten im Freien erledigt oder ganz vermiederT, freut sich der Experte. Nicht zuletzt hat er die Meister und Gesellen uberzeugt, dass es auch um ihre eigene Gesundheit geht, die durch den Umgang mit den zahlreichen, am Bau iiblichen Che- mikalien beeintrachtigt werden kann.

Und die Kosten? „Natiirlich ist solch ein individueller Schutz aufwendiger als ein Faus von der Stange. Selbst wenn man den Forschungsaufwand abzieht, der von der Bundesstiftung Umwelt und den beteiligten Partnern getragen wurde“, raumt Projektleiter Bachmann ein. Als Ver- gleich zieht er das Auto heran: „Wenn Sie vier Jahre lang einen Wagen der unteren Mittelklasse statt einen der oberen Mittel- klasse fahren, haben Sie die Mehrkosten fiir jahrzehntelanges gesundes Wohnen wieder drin. Das ist eine Frage der Prio- ritaten.“ Mittlerweile hat das Institut den Bau einer ganzen Reihe von wohngesun- den F ausern begleitet. Der Basisschutz fur Menschen, die gesund sind und gesund bleiben wollen, verursacht nach Angaben des Instituts Mehrkosten im einstelligen Prozentbereich.

Alles einfach guuut!

Auf den ersten Blick prasentiert sich das neue F eim der Familie Gwinner unspekta-kular. Erst der zweite Blick offenbart die teilweise auftergewohnliche Wahl der Bau-stoffe und Bauweisen. So sind die Rahmen der Fenster aus unbehandelter Eiche, da normale F olzrahmen haufig vor der Be-schichtung beidseitig in F olzschutzmittel getaucht werden. Auch die Fufebodendie-len aus deutscher Eiche sind unbehandelt, was ihrer Schonheit keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Und die Ttiren aus massiver Esche wurden in den Wanden verschraubt, statt mit bedenklichen Montageschaumen aus der Dose fixiert. Wo potenzielle Schad-stoffbelastungen nicht auszuschlieften waren, etwa bei der Kunststoffisolierung des Warmwasserspeichers, helfen archi-tektonische Losungen. So ist der Raum fiir die Faustechnik zwar ins Gebaude integriert, aber nur von auften zuganglich und luftdicht gegeniiber dem Wohnbereich abgeschlossen.

Das F aus verbraucht 33 Kilowattstun-den Energie pro Quadratmeter Wohnfla-che und Jahr. Das entspricht etwas mehr als drei Litern Erdol oder Kubikmetern Erdgas. Ein F olzpelletkessel und eine So-laranlage fiir die Warmwasserbereitung sorgen dafur, dass das Faus mit zins-gtinstigen Krediten der staatlichen KfW-Forderbank finanziert werden konnte. F at sich der Aufwand gelohnt? Darauf gibt es gleich mehrere Antworten: Eine kommt von der schweizerischen Zertifizieriings-stelle S-CERT. die den VOC-Gehalt zwei-einhalb Monate nach der Fertigstellung gemessen hat. Das Ergebnis: 74 Mikrogramm VOC pro Kubikmeter Raumluft, der niedrigste Wert, den die Schweizer Innenraumluftexperten bis dahin bei einem vergleichbaren Haus gemessen haben. Der Wert unterschreitet die an-spruchsvollen Empfehlungen des Um-weltbundesamtes noch einmal um mehr als zwei Drittel und setzte fiir das Thema Wohngesundheit neue Standards.

Der Pelletkessel nimmt den groBten Teil des Haustechni-kraumes in Anspruch. Der Brenner heizt direkt das Wasser im Speicher, an den auch die Solaranlage ihre Warme liefert. Das Lager fur die Pellets ist in die Hauswand integriert.


Foto: Nikolaus Herrman

Fiir Sabine Gwinner sind die Messun-gen der Raumluftexperten eine weitere Bestatigung dessen, was ihr Korper empfindet: „Obwohl die Umzugsphase wirklich stressig war, ging es mir schon nach den wenigen Wochen sehr viel besser. Und das Wichtigste: Wir konnen wirklich sicher sein, dass unser Haus gesund ist, und wir hier endlich ein einigerma&en normales Leben fiihren konnen.“ Und von ihren Kindern kommt als Antwort sowieso nur ein vielstimmi-ges „Guuuut!!!“.

Der Weg ins wohngesunde Haus

In fiinf groBen Schritten konnen Bauherren und Sanierer sicher den Weg zu einem wohngesunden Haus gehen. Dazwischen liegen, wie bei jedem Bauvorhaben, noch zahlreiche kleinere.

1 Anforderungen festlegen
Gesunde Menschen haben andere Bedurfnisse als Allergiker oder MCS-Kranke. Wahrend fur die zweite Gruppe in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Mediziner eine individuelle Begutachtung und Baustoffauswahl erforderlich ist, konnen sich Gesunde unter anderem an Empfehlungen staatlicher Stellen fur die Qualitat der Innenraumluft orientieren. Zum Beispiel der Ad-hoc-Arbeitsgruppe „lnnenraumrichtwerte“ der Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) des Umweltbundesamtes, der Weltgesundheitsorganisation oder der Arbeitsgemeinschaft okologischer Forschungsinstitute. Diese werden teilweise von Gutezeichen berucksichtigt. Bei Umbauten und Sanierungen muss die Vorbelastung mit Schadstoffen wie Holzschutzmitteln oder Schimmel untersucht werden.

2 Bauunternehmen suchen
Baufirmen, Fertighausanbieter, Planer und Handwerker, die nach anspruchsvollen Standards fur Wohngesundheit arbeiten, sind noch etwas dunn gesat. Mit der Unterstutzung von Experten konnen sich aber alle am Bau beteiligten Menschen fortbilden lassen. Von Werbeaussagen wie „Vital-Haus“, „gesunde Baustoffe“ oder „Oko-Haus“ sollte man sich nicht blenden lassen. Was solche Spruche wert sind, zeigt sich bei Punkt 3.

3 Vertrag schlieBen
Wer meint, in Deutschland sei alles gesetzlich geregelt, wird spa-testens beim Thema Bauen eines Besseren belehrt. So existiert fur die Qualitat der Innenraumluft, im Gegensatz zur AuBenluft, keine Vorschrift. Und auch bauaufsichtlich zugelassene Baustoffe konnen zu gesundheitlichen Beeintrachtigungen fuhren. Deshalb sollte man diese Punkte in einem Werkvertrag mit dem Bauunternehmen oder Architekten regeln. Werden die geforderten Schadstoffwerte nicht erreicht, mussen diese nachbessern.

4 Auf Qualifikation achten
Kein Meister fallt vom Himmel, auch beim wohngesunden Bauen nicht. Deshalb sollte man als Auftraggeber darauf achten, dass Planer und Handwerker entsprechende Schulungen und Fortbildungen nachweisen konnen.

5 Kontrollieren lassen
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Nur wenn ein unabhangiger Sachverstandiger wahrend und nach der Bauphase die Ergebnisse mit Raumluftmessungen kontrolliert und dokumentiert, kann man sicher sein, in einem schadstoffarmen Haus zu wohnen.

Immer dichter sind unsere Hauser in den letzten Jahrzehnten geworden. Schadstoffe aus Bauprodukten werden deshalb nicht mehr „automatisch“ wegge-luftet, sondern beein-trachtigen die Qualitat der Innenraumluft.


Foto: Sentinel-Haus Institut

Einfamilienhaus in Holzständerbauweise

Baujahr: 2006.
Wohn-/Nutzfläche: 250 m².
Aufbau Außenwände: Mineralputz, 10 cm Holzfaserdämmplatte, 20 cm Holzständerkonstruktion aus Konstruktionsvollholz. Dazwischen 20 cm Holzweichfaser-Dämmplatten, Dampfbremspapier als Luftdichtigkeitsebene, alle Stöße und Übergänge verklebt, aussteifende Gipskartonplatte, 6 cm Elektroinstallationsebene. Dazwischen zusätzlich 6 cm Schafwolldämmung. 25 mm Lehmbauplatte, integrierte Lehmwandheizung als Trockenbauelement, dreilagiger Rotkalkputz.
Haustechnik: 650 Liter Heizwasser fassender Heizkessel mit angeschlossenem Pelletbrenner und 7,5 m² Solaranlage zur Heiz- und Brauchwasserzubereitung, Wärmeabgabe über eine wassergeführte Lehmwandheizung (ca. 30 °C Vorlauftemperatur), Lüftungsanlage mit 90 Prozent Wärmerückgewinnung, Zentralstaubsauganlage.
Planung und Generalübernehmer: Neue Baukultur GmbH, Flerrentwiete 56, 22559 Hamburg, Tel.: 0 40 / 86 69 35 30. www.neuebaukultur.de Informationen zum wohngesunden Bauen mit Garantie sowie zu geschulten Planern und Baufirmen in ganz Deutschland gibt das Sentinel-Haus Institut in Freiburg, Tel. 07 61 / 59 04 81-70, www.sentinel-haus.eu