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Zeitschrift Dialog - epaper

Deutsch-Polnisches Magazin über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

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Schlagzeilen Dialog - epaper Ausgabe 118/2016
Minderheiten Wie tolerant sind wir?
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Lesen Sie das Editorial von Dialog - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift Dialog - epaper die aktuelle Ausgabe 118/2016 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Was denken Polen und Deutsche wirklich über ihre Nachbarn? Diese Frage versucht Stefan Chwin in einem Essay zu beantworten, mit dem wir die neue Ausgabe unseres Magazins eröffnen. Es ist ein leidenschaftlicher Text, voller Respekt dem deutsch-polnischen Aussöhnungsprozess gegenüber, der sich aber vor der Erfolgsrhetorik der Regierungsverlautbarungen distanziert. Den kritischen Blick auf die Nachbarschaft verbindet der Autor mit einer sorgenvollen Analyse des Zustands der demokratischen Kultur in Europa. Ich muss gestehen, mich hat kaum ein Text zu den deutsch-polnischen Beziehungen in den letzten Monaten so inspiriert und bewegt wie der von Stefan Chwin. Dem Danziger Schriftsteller gelingt es, Phänomene zu beschreiben, die viele von uns kennen, die aber kaum jemand so treffend charakterisiert hat wie er. Da ist das Misstrauen gegenüber dem polnischen Nachbarn, die Distanz zu Polen, die immer noch in Deutschland weit verbreitet ist. Subtil berichtet Chwin von ernüchternden Erfahrungen, die er auf zahlreichen Reisen erlebt hat. Mit weniger Zurückhaltung geht er mit polnischen Haltungen um. Polen hätte, so Chwin, ein widersprüchliches Deutschlandbild. Das Verhältnis zu Deutschen habe sich auf der zwischenmenschlichen Ebene positiv gewandelt. Polen begegnen deutschen Nachbarn heute offen und mit Sympathie. Doch das fehlende Vertrauen zu der deutschen Nation, dem deutschen Staat sei geblieben. Grund dafür sei, laut Chwin, nicht nur die widersprüchliche Politik Deutschlands, die von den Nachbarn das Mannschaftsspiel einfordert und in vielen wichtigen Politikbereichen Alleingänge bevorzugt. Das Misstrauen nähre sich auch von der neuen Skepsis vieler Europäer gegenüber der demokratischen Kultur. Demokratie sei nicht die absolute Herrschaft der Mehrheit, betont Chwin. Die Einschränkung der Machtentfaltung der Mehrheit durch Gewaltenteilung und die Pflege der Toleranz gegenüber der Minderheit seien Fundamente der Demokratie. Diese Gedanken aufgreifend haben wir in der neuen DIALOG-Ausgabe auch Texte über den Umgang unserer Demokratien mit Minderheiten versammelt. Seine deutsch-polnischen Reflexionen schließt Chwin hoffnungsvoll ab: Die Zukunft der Demokratie hänge von unserem Engagement ab, gleichzeitig müsse die Bedeutung von Toleranz und Freiheit neu erklärt und verteidigt werden – dies sei eine wichtige Aufgabe für Deutsche und Polen in Europa. Diesem Appell schließt sich unsere Redaktion an.

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