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Lesen Sie das Editorial von Zeitschrift für Diskursforschung - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift Zeitschrift für Diskursforschung - epaper die aktuelle Ausgabe 1/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir möchten Sie herzlichst zur Lektüre des ersten Heftes 2018 der Zeitschrift für Diskursforschung einladen, das mit den Topoi Stress, Rassismus, Wissenschaftsforschung und Methodologie/Methoden ein heterogenes Themenspektrum umfasst. Um mit dem ersten Punkt zu beginnen: Stress scheint – nicht nur in Europa – zu einem zentralen Topos von Diskursen geworden zu sein, die den Zusammenhang von Leben und Arbeit in Globalisierungsprozessen auf spezifische Weise konfigurieren und dies ist auch das Thema des ersten Beitrages dieses Heftes, wobei die Autoren von »The Stigma of Stress and the Absence of Agency«, Martin Mølholm und Mikael Vetner (Aalborg), sich des Fallbeispiels Dänemark annehmen. Ihnen erscheint, hinsichtlich der Rekonstruktion des Stressdispositivs, die Abwesenheit von Handlungsmacht (agency) und konkreten Handlungsempfehlungen zur Stressbewältigung einerseits und die gleichzeitige Stigmatisierung arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen andererseits als zentral für das Verständnis des Phänomens. Besonderes Augenmerk bei der Erklärung dieser Charakteristika des Stressdispositivs verdient dabei, aus Sicht der Autoren, der konkurrierende Globalisierungsdiskurs, der Menschen als bloße Ressourcen in arbeits- und wirtschaftsbezogenen Beziehungen versteht.

Der Beitrag von Hannah Rosenberg (Koblenz-Landau) »Wissenschaftsforschung als Diskursforschung. Überlegungen zur Selbstreflexion wissenschaftlicher Disziplinen im Anschluss an Ludwik Fleck« widmet sich der Frage nach dem Gewinn, den eine diskursanalytisch angeleitete Wissenschaftsforschung in Aussicht stellt. Rosenberg konzeptionalisiert in ihrem programmatischen Beitrag Denkkollektive (Fleck) als soziale Kampfelder, während die Denkstile als das jeweilige Ergebnis diskursiver ›Aushandlungsprozesse‹ zu fassen seien, was die Autorin anhand einer Fallstudie aus dem Bereich der Erwachsenenbildung zu plausibilisieren sucht. Anliegen einer diskursanalytischen Wissenschaftsforschung in kritischer Absicht ist aus der Sicht der Autorin eine Reflexion des scheinbar Evidenten bzw. Faktischen, bzw. die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Interessen, die die Praktiken des Wahrsprechens und des wissenschaftlichen Forschens strukturieren.

Jan Zienkowskis (Université Saint-Louis – Bruxelles) »Challenging Nationalist Definitions of Racism. Critical Discursive Interventions in the Flemish Debates about Racism’s Relativity« plädiert für einen Kritikbegriff, der im Sinne eines Metadiskurses neu auszurichten ist. Gegenstand sind dabei die verschiedenen kritischen Interventionen in den flämischen Diskurs über Rassismus als ein relatives Konzept, das 2013 seinen Ausgangspunkt in den Äußerungen der Neuen Flämischen Allianz fand und der sich seinerseits als ein Gegendiskurs zu multikulturalistischen Aussagesystemen verstanden wissen will. Zentrum des Artikels bildet entsprechend eine Rekonstruktion von fünf Typen der Kritik in der flämischen Debatte um die Relativität des Rassismus, auf die der Autor metatheoretisch reflektierend reagiert.

Mit Methodologien und Methodenfragen befasst sich der vierte Teil des interdisziplinären Gesprächs »Diskurse untersuchen – ein Gespräch zwischen den Disziplinen« zwischen Reiner Keller (Augsburg), Achim Landwehr (Düsseldorf), Wolf-Andreas Liebert (Koblenz-Laudau), Werner Schneider (Augsburg), Jürgen Spitzmüller (Wien) und Willy Viehöver (Fulda). Der fünfte und letzte Teil des interdisziplinären Gesprächs wird in der zweiten Ausgabe 2018 veröffentlicht.

Zum Abschluss des aktuellen Heftes folgt zunächst eine Rezension von Lisa Abbenhardt (Universität Augsburg) zu dem von Tina Spies und Elisabeth Tuider (2017) herausgegebenen Band »Biographie und Diskurs. Methodisches Vorgehen und Methodologische Verbindungen«; anschließend bespricht Yvonne Niekrenz (Universität Rostock) Ann-Judith Rabenschlags (2014) Buch »Völkerfreundschaft nach Bedarf. Ausländische Arbeitskräfte in der Wahrnehmung von Staat und Bevölkerung in der DDR«.

Wir hoffen auf eine anregende, kritische und erkenntniserreichende Lektüre
Willy Viehöver, Reiner Keller und Werner Schneider
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