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Lesen Sie das Editorial von ZfSp Zeitschrift für Sozialpädagogik - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift ZfSp Zeitschrift für Sozialpädagogik - epaper die aktuelle Ausgabe 4/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

13. September 2018, 9.00, Victor-Klemperer-Saal an der TU Dresden, Ferienvorlesung für Hochbegabte über Nietzsche, die Veranstaltung ist brechend voll, es herrscht gespannte Aufmerksamkeit.
Ich: „Kommen wir zum entscheidenden Punkt: ‚Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen‘, sagt Nietzsche, irgendwo.“ Ich gebe meiner aufmerksamen Tutorin mit dem Colgate-Lächeln ein Zeichen, daraufhin zeigt die Leinwand den Treitschke-Satz: „Die Juden sind unser Unglück!“ Dazu meine Frage ans Auditorium: „Tatsache – oder Interpretation?“ Die wie geschmiert kommende Antwort aller: „Interpretation! Und zwar eine widerliche!“ Ich bin’s zufrieden und lasse den Seehofer-Satz einblenden: „Migration ist die Mutter aller Probleme.“ Ohne dass ich groß noch fragen muss, kommt als Antwort aller: „Interpretation! Und zwar eine widerliche!“ „Die man problemlos à la Treitschke variieren könnte in Richtung: ‚Die Flüchtlinge sind unser Unglück‘!“, ergänzt der Streber aus der ersten Reihe. Ich bin beeindruckt – und lächele dem Streber, Olaf Schubert (leptosom), aufmunternd zu. Währenddessen zeigt die Leinwand Videos vom Mob in Chemnitz von Anfang September, von den Hetzjagden Einzelner auf zufällig am Rande gesichtete ausländisch Aussehende, von einer Stimmung nahe am Pogrom. Dazu meine Standardfrage ans Auditorium: „Tatsache – oder Interpretation?“ Die wie geschmiert kommende Antwort aller: „Tatsache!“ Meine aufmerksame Tutorin mit dem Colgate-Lächeln legt verabredungsgemäß eine weitere Folie auf. Auf ihr nur ein Satz:

„Es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome!“ (Michael Kretschmer) Ich will gerade meine Standardfrage stellen, als aus der ersten Reihe, ausgehend von Olaf Schubert, überlaut ein privater Disput erklingt des Inhalts: „Kretschmer?, Kretschmer? Ist das nicht der mit diesen hässlichen Typen, diesen Leptosomen und Pyknikern?“ Postwendend kommt die Antwort der neben Olaf sitzenden Kommilitonin Julia (athletisch): „Du irrst, mein lieber Olaf! Und verwechselst Ernst mit Michael, also den mit den hässlichen Typen mit dem hässlichen Typen!“ In diesem Moment legt meine Tutorin ohne jedes Lächeln schrecklich anzuschauende Bilder Syphiliskranker auf, dazu ein Foto Nietzsches in häuslicher Pflege um 1895 sowie den Satz aus Ernst Kretschmers Buch Geniale Menschen (1929):

„Es war keine Syphilis, nur eine ‚Gehirnerweichung‘, ‚seelischem Zusammenbruch vorausgehend‘, der womöglich verstärkt wurde durch ‚leicht toxische Gehirnreize‘, bei ‚Dysplastischen‘ von der ‚leptosomen Körperbaugruppe‘ wie Nietzsche nicht untypisch.“ (Ernst Kretschmer) Dazu ich, im Triumpf: „So groß, liebe Julia, ist der Unterschied zwischen Ernst und Michael Kretschmer offenbar nicht. Jedenfalls in Sachen von Nietzsches Spruch, es gäbe nur Interpretationen, keine Tatsachen.“ „Nicht nur in dieser Hinsicht“, echote es plötzlich von Olaf ausgehend, und dann, wie einstudiert, im Chor: „Beide hässlich!, beide hässlich!“ Ich bin entsetzt über diesen Niveauverfall in einem Ferienkurs für Hochbegabte – und versuche, Land zu gewinnen durch die Frage: „Und was ist mit Hans-Georg Maaßen vom BfV, der die Sache ähnlich sieht wie unser verehrter Herr Ministerpräsident, gar, was den Tod des Daniel K. in Chemnitz angeht, von ‚Mord‘ spricht, wo der Ermittlungsstand bisher nur den Rückschluss erlaubt auf…“ „Maaßen?“ unterbricht mich Olaf rüde, und alle singen im Chor, wie einstudiert: „Hässlich, leptosom, Anmutung einer Maus, viel zu großer Anzug nebst gleichartiger Klappe! Versager im Fall Amri und verlogen bis ins Mark, wie sich aus der Lektüre von Franziska Schreibers Buch <Inside AfD> ergibt!“

Ich, immerhin sächsischer Landesbeamter, will gerade einwenden, dies sei doch nur eine Interpretation, keine Tatsache – als plötzlich ein ziemlich hässlicher Pykniker mit Deutschlandhut aufsteht, sagt, er sei Maik G. vom LKA und habe für mich einen Haftbefehl, um im Kasernenhofton nachzuschieben:

„Diese Veranstaltung ist hiermit beendet, wg. Beleidigung des Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen und des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz! Betrachten Sie dies bitte als Tatsache, nicht als Interpretation! Auch, dass Horst Seehofer, der soeben ernannte neue Bundeskanzler, Hans-Georg Maaßen als neuen Bundesinnenminister benannt und Angela Merkel in Schutzhaft genommen hat. Aus Sorge, sein neuer Bundesjagdminister Alexander Gauland könne ansonsten auf dumme Gedanken kommen!“

Alles lacht und denkt an einen Studentenulk, doch auf einmal bricht eine Hundertschaft Behelmter mit Schäferhunden in den Saal, als sei sie von RWE bestellt und suche den Hambacher Forst. Schweißgebadet wache ich auf.

Und den Rest kennen Sie vielleicht: In diesem Moment rief Frau Hopp vom Juventa-Verlag an und fragte nach dem Editorial – und ich, ich habe gerade noch Zeit, als neues Beiratsmitglied Frau Dr.‘in Daniela Reimer, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft, herzlich zu begrüßen und als neuen Mitherausgeber Prof. Dr. Philipp Sandermann von der Leuphana- Universität Lüneburg. Beide wurden auf der Herausgebersitzung im Juni ohne Gegenstimme hinzugewählt und haben die Wahl angenommen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit beiden.
Berlin, im September 2018 Christian Niemeyer
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Kategorie Zeitschriften für Pädagogik

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