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Lesen Sie das Editorial von SuchtMagazin - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift SuchtMagazin - epaper die aktuelle Ausgabe 2/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Liebe Leserin, lieber Leser

1973 entschied das Schweizer Stimmvolk, das seit 1921 bestehende Casinoverbot aufzuheben und legalisierte das Glücksspiel in den Schweizer Spielbanken. Eines der Hauptmotive lag in der Hoffnung, reiche ausländische Touristinnen und Schweizerinnen in inländische Casinos zu locken und dem Staat zusätzliche Steuereinahmen zu eröffnen. Zudem wurden aus Gründen der Suchtprävention die «einarmigen Banditen» aus den Restaurants verbannt. Künftig sollte nur noch im Casino gespielt werden dürfen, wobei die Casinos verpflichtet wurden, innovative Maßnahmen zum Spielerschutz zu ergreifen. Werden z. B. Spielsperren verhängt – durch Casinos oder durch die Spielenden selbst –, so gelten diese schweizweit. Weiter sind Casinos verpflichtet, Sozialkonzepte umzusetzen. Diese beinhalten bspw. Gespräche auf Fachstellen, das Ansprechen von Besucherinnen, die sich auffällig verhalten, und das Auflegen von Flyern über Glücksspielsucht.

Zudem sind die Casinos verpflichtet, ihr Personal in der Umsetzung des Sozialkonzeptes zu schulen. Somit kann die Schweiz auf 40 Jahre Erfahrung mit Prävention und Behandlung im Glücksspielbereich zurückblicken. In der Zwischenzeit sind allerdings virtuelle Casinos entstanden, die keine Landesgrenzen kennen und für die die bestehenden Sozialkonzepte nicht gelten. Mit einem neuen Geldspielgesetz soll dies geändert werden: Es sollen nur inländische Onlineanbieter erlaubt werden, die zu gesetzlichen Auflagen verpflichtet werden können, während der Zugang ausländischer Onlinecasinos ins Schweizer Netz blockiert werden soll. Gegen dieses sogenannte IP-Blocking wurde von diversen Jungparteien das Referendum ergriffen. Daher muss das Stimmvolk am 10. Juni über das neue Geldspielgesetz entscheiden. Ingold geht in seinem Beitrag in diesem Heft darauf ein. Bei Glücksspielsucht sind Schulden ein zentrales Problem. Wie eine Schuldenberatung aussehen kann, wird im Beitrag der Schuldenberatung Zürich (Blessing/Pfirter) vorgestellt. Die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Suchtberatung und Schuldenberatung ist Thema im Interview mit Christian Ryser, dem neuen Geschäftsführer der Berner Gesundheit.

Neben der Glücksspielsucht rücken zunehmend weitere Formen von Verhaltenssüchten in den Fokus, insbesondere die «Internetsucht». Die Frage ist hier, inwiefern dieser Terminus als Suchtbegriff geeignet ist oder ob das Internet nicht vielmehr als Medium betrachtet werden muss, welches die Fortsetzung eines Suchtverhaltens unter neuen Bedingungen ermöglicht. Mit diesem Thema beschäftigen sich implizit oder explizit mehrere Beiträge in dieser Ausgabe. Im Forschungsspiegel von Sucht Schweiz werden dazu zwei Arbeitsdefinitionen vorgestellt. Auf die Behandlung von «Internetsucht» und anderen Verhaltenssüchten wird im Beitrag von Wölfling eingegangen. Für eine kritische Haltung gegenüber der Pathologisierung solchen Verhaltens am Beispiel der Onlinespielesucht plädiert aus ethischer Perspektive Heusinger von Waldegge. So zeigt eine Vielzahl von Studien, dass problematische Internetnutzung weniger mit Zwang und Kontrollverlusten, als vielmehr mit der Kompensation von Lebensproblemen zu tun hat. Unter dem Motto «Das 2. Grosse Suchterfinden» warnt Gassmann in seiner Glosse ebenfalls davor, die Infrastruktur «Internet» mit Sucht gleichzusetzen, was wohl gleich viel Sinn machen würde, wie von einer «Gaststättenabhängigkeit » zu reden.

Nebst der Glücksspielsucht und den mit dem Internet assoziierten Süchten werden in dieser Ausgabe zwei weitere mögliche Verhaltenssüchte diskutiert. So zeigt der Beitrag zu Sportsucht, dass diese selten als primäre eigene Störung auftritt, sondern häufiger als Begleiterscheinung einer anderen Störung (Stoll). Der Beitrag von Bachmann identifiziert Sexsucht als eine Variante der Verhaltenssüchte und geht auf Diagnostik, Epidemiologie sowie Prävention und Behandlung der Sexsucht ein.

Eine Übersicht der verschiedenen Verhaltenssüchte und die Entwicklung ihrer Einteilung werden im Eingangsartikel von Petersen/Hanke/Batra vorgestellt. Zudem werden in diesem Beitrag die Gemeinsamkeiten von Verhaltenssucht und Substanzabhängigkeit diskutiert. Die Kontroverse zu den «Verhaltenssüchten» soll in dieser Ausgabe nicht zugunsten einer möglichen Position aufgelöst werden. Auch darum haben wir den Titel «Verhalten und Sucht» gewählt. Wir sind gespannt zu welcher Sichtweise Sie, liebe Leserin, lieber Leser, gelangen. Wir freuen uns auf die zukünftigen Diskussionen!

Urs Gerber, Marcel Krebs
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Nächste Ausgabe 3/2018 am 15.06.2018
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Kategorie Pflegezeitschriften und medizinische Fachzeitschriften

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