Lesezeit ca. 4 Min.
arrow_back

Arbeitsmarkt


Logo von Businessart
Businessart - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 23.11.2021

Seit Jahren erleben wir große Veränderungen am Arbeitsmarkt: Die Digitalisierung erfordert IT-Kompetenz und die Internationalisierung gute Sprachkenntnisse – insgesamt ist ein höheres Qualifikationsniveau notwendig. Da lässt die Aussage von AMS-Vorstand Johannes Kopf aufhorchen: „Die Ökologisierung der Wirtschaft ist eine größere Herausforderung für den Arbeitsmarkt als die Digitalisierung“.

Wieso sehen Sie das so, Herr Dr. Kopf?

Johannes Kopf: Der Klimawandel ist etwas anderes als die Dampfmaschine. Wir brauchen eine große und eine schnelle Transition, wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen. Das ist kein natürlicher Prozess. Daher brauchen Unternehmen und Beschäftigte Unterstützung. Die Veränderung des Klimas hängt in einem höheren Maß mit dem Arbeitsmarkt zusammen als es von der Politik verstanden wird.

Wie hängen Klimaschutz und Arbeitsmarkt zusammen? Was braucht es für eine gute ...

Artikelbild für den Artikel "Arbeitsmarkt" aus der Ausgabe 4/2021 von Businessart. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Businessart. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2021 von BIG/MOMENTS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BIG/MOMENTS
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von NEU AM STEUERRAD. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEU AM STEUERRAD
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von So gelingt der Wechsel an der Unternehmensspitze. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
So gelingt der Wechsel an der Unternehmensspitze
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von NICHT NUR DER BUA VOM CHEF. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NICHT NUR DER BUA VOM CHEF
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
VON DER SUCHE/ BIS ZUM LOSLASSEN
Vorheriger Artikel
VON DER SUCHE/ BIS ZUM LOSLASSEN
Geld für Umweltforschung
Nächster Artikel
Geld für Umweltforschung
Mehr Lesetipps

... Transition?

"DIE VERÄNDERUNG DES KLIMAS HÄNGT IN EINEM HÖHEREN MASS MIT DEM ARBEITSMARKT ZUSAMMEN ALS ES VON DER POLITIK VERSTANDEN WIRD."

JOHANNES KOPF, AMS

Vor einem Jahr hatten wir in Österreich die höchste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten, heute suchen unzählige Unternehmen händeringend nach Mitarbeiter*innen. Was ist passiert? Wo sind die Leute hin?

Wir haben derzeit ein Wirtschaftswachstum, das Wifo rechnet für 2022 mit 4,8 Prozent – das hatten wir das letzte Mal Ende der 1970-er-Jahre. Im ersten Halbjahr 2021 lagen wir noch im Dornröschenschlaf, im Juni erfolgte dann der plötzliche Start.

Wir haben noch nie erlebt, dass es der Wirtschaft verboten war zu produzieren, obwohl die Nachfrage da ist. Das ist wie bei jungen Hunden, die zwei Stunden ausharren müssen und endlich wieder losgelassen werden. Jetzt ist alles wieder möglich. Wir hatten im Tourismus im Sommer zwar 15 Prozent weniger ausländische Gäste und trotzdem einen Nächtigungsrekord im August. Inländische Tourist*innen haben die ausländischen kompensiert.

Diese positive Konsumstimmung zeigt sich auch in den Betrieben, die massiv investieren, auch unterstützt von Förderungen, die vielleicht eine Spur zu lange gewährt werden.

Das alles hat gleichzeitig stattgefunden und wir merken die Auswirkungen im AMS deutlich. Wir haben aktuell 120.000 offene Stellen, normalerweise sind es nie mehr als 80.000. Dabei besetzen wir monatlich mehr als 40.000 – aber es kommen ebenso viele wieder dazu. Das führt zur absurden Situation, dass sich manche Arbeitssuchende auf unserer Website nicht mehr zurechtfinden, weil zu viele Stellen offen sind. In den Prognosen gehen wir davon aus, dass der Arbeitskräftemangel noch das ganze Jahr 2022 anhalten wird.

Wir brauchen Arbeitskräfte, die zuwandern. Es gibt deutsche Regionen, die tanzen das vor. Sie bieten Unterkünfte und beraten im sogenannten Welcome-Center bei der Suche nach Schulen, einem Job für den/die Ehepartner*in oder einem Fußballverein für die Kinder.

Was können Unternehmen tun, die Mitarbeiter*innen suchen?

Das ist natürlich sehr unterschiedlich, je nachUnternehmensgröße und Branche. Ein paar Beispiele:

Manchem kleinen Unternehmen empfehle ich, sich ein bisschen Mühe zu geben, wenn es Inserate gestaltet.

Tourismusbetriebe könnten die Kinderbetreuung, die sie ihren Gästen anbieten, auch für die Kinder von Mitarbeiter*innen öffnen. Betriebe, die das machen, haben deutlich geringere Personalprobleme.

Manche Industriebetriebe müssen lernen, dass Schichtarbeit und Teilzeit doch kombinierbar sind.

Ist Teilzeit ein wichtiges Kriterium?

Wir haben in Österreich eine bestimmte Kinderbetreuungskultur und nicht ausreichende Kinderbetreuungsangebote. Daher wird eine flexible Teilzeit mit 20 bis 30 Stunden von vielen Frauen gesucht. Unternehmen, die das anbieten, erhalten mehr Bewerbungen.

Die Zahl der Langzeitarbeitskräfte geht nur sehr langsam zurück. Was ist zu tun?

Das kann man bei den aktuellen Zahlen nicht mehr so sagen. Unsere großzügigen Lohnzuschüsse zeigen Wirkung.

Generell ist das Problem oft, dass Bewerbungen von Menschen, die zwei bis drei Jahre arbeitslos sind, gleich aussortiert werden. Dahinter steckt entweder Diskriminierung oder die Sorge der Unternehmen, etwas zu übersehen: „Da muss es ja was geben. Wieso sehe ich nicht, was das Problem ist?“

Wichtig zu wissen ist, dass langzeitarbeitslose Menschen langsam ihr Selbstvertrauen verlieren. Sie fürchten sich, es kommt zu einer Antriebslosigkeit und zu Selbstzweifeln, ob sie die Arbeit überhaupt noch schaffen. Das führt zu Unsicherheit und schlechterer Performance beim Vorstellungsgespräch. Aber wenn sie doch eine Chance bekommen, sind die Rückmeldungen der Unternehmen immer gleich: „Die ersten drei Monate war es schon mühsam, so langsam, bis alles verstanden wird.“ Nach drei bis sechs Monaten kommen keine Rückmeldungen mehr. Und danach sind die Unternehmen sehr zufrieden.