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AUF DEN PUNKT: DER REVENI LABS SPOT METER


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digit! - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.06.2022
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Bildquelle: digit!, Ausgabe 3/2022

In Band 2 seiner Fotobuchreihe beschreibt Ansel Adams die unorthodoxe Belichtungsmessmethode seines Freundes Edward Weston: „Er deutete den Belichtungsmesser in verschiedene Richtungen, nahm Messungen vor und fummelte mit nachdenklichem Blick am Einstellrad herum. Dann sagte er ‚Es zeigt ¼ Sekunde bei Blende 32 an, ich mache eine Sekunde‘“. Während Westons Herangehensweise auf Bauchgefühl und jahrelanger Erfahrung basierte, bevorzugte Adams ein methodischeres Vorgehen. Ansel Adams ging gerne systematisch vor, seine andere Leidenschaft neben der Fotografie war das Klavierspielen. Belichtungszeiten in der Dunkelkammer taktete er mit dem Metronom. Intensive Kenntnis der Eigenschaften seiner Filme und Fotopapiere ermöglichten ihm die exakte Planung seiner Aufnahmen. Schon bei der Belichtung entschied Ansel, welche Modifikationen bei der Filmentwicklung nötig sein würden, um die gewünschten ...

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... Helligkeitswerte der Aufnahme den darstellbaren Tonwerten des Fotopapiers anzupassen.

Unvergessen ist die Geschichte des Mondaufgangs in Hernandez am 1. November 1941: Auf dem Rückweg nach Santa Fe erkannte Adams die Besonderheit der Lichtsituation, stieg auf das Autodach und baute seine 8 x10-Zoll-Kamera auf. Er tauschte Frontund Endstücke des Cooke-Objektivs aus und fokussierte. Nur seinen Belichtungsmesser konnte er so schnell nicht finden. Ausgehend von seinem Wissen um die Helligkeit des Mondes schätzte er die Belichtung auf eine Sekunde bei Blende 32 mit einem 64-ASA-Film. Als er die Filmkassette für eine zweite Aufnahme umdrehte, war das Licht schon weg. Ganz erstaunlich, was so ein Abzug jetzt bei Sotheby‘s kostet.

Als der 1902 geborene Adams professionell zu fotografieren begann, schlug noch jeder Filmhersteller die Belichtungsvorgaben auf der Packung vor. Ein Standard musste her.

Belichtungsmesser, egal welcher Bauart, sind auf ein mittleres 18-prozentiges Grau geeicht. Ihr Belichtungsmesser geht also davon aus, dass Sie, egal, was Sie ihm hinhalten, am Ende der Belichtung ein mittleres Grau haben möchten. Sei es schwarzer Sand auf Lanzarote oder Neuschnee im Allgäu. Sie müssen den Messwert anpassen, also vom Ergebnis für ein 18-Prozent-Grau abweichen, um das Bild in der beabsichtigten Helligkeit zu erhalten. Den schwarzen Vulkansand belichten wir kürzer und den hellen Schnee länger, als es der Belichtungsmesser vorschreibt.

Zusammen mit dem Portraitfotografen Fred Archer konzipierte Adams vor 82 Jahren das Zonensystem als präzises Instrument zur Belichtungssteuerung. Jede Zone entspricht der vom Belichtungsmesser ermittelten Zeit-Blenden-Kombination, einem EV (Exposure Value). Der Wechsel von Zone V zu VI bedeutet also entweder die Öffnung der Blende um eine Stufe oder die Verdoppelung der Belichtungszeit.

Die Skala des Zonensystems von 0 (komplettem Schwarz) über Zone V (besagtem 18 %-Grau) bis X (reinem Weiß). Hier die Zonen zur Übersicht:

Zone 0: komplettes Schwarz, keine Struktur im Negativ

Zone I: etwas mehr Tonalität, keine Struktur

3D-gedruckte Präzision (links): Der Spot-Meter ist kaum größer als eine Filmdose. Die Funktionsknöpfe lassen sich bei ans Auge gehaltenem Meter gut mit einer Hand bedienen. | Mitte: Hinter diesem Okular verbirgt sich das scharfe OLED-Display. | Rechts: 1 – Okular, 2 – Rechts/Links-Knöpfe, 3 – Menütaste, 4 – Power/Sample-Taste, 5 – Sensor.

REVENI LABS SPOT METER

• made in Canada

• Ein-Grad-Spot-Messung

• OLED-Display

• zwei Alkaline-LR44-Batterien

• Maße (L x BxT): 71 x 30,5 x 38 mm

• Gewicht: 35 Gramm

• Preis: ca. 190 €

• Belichtungszeitenbereich: eine Stunde bis 1/8.000 Sekunde in 1, ½ oder ⅓

Stufen

• Blendenbereich: f/0,7 bis f/1.024 in 1, ½ oder ⅓ Stufen

• Empfindlichkeitsbereich: ISO 1 bis ISO 12.800 www.reveni-labs.com

Zone II: minimale Textur und Details im Dunkeln

Zone III: dunkle, durchgezeichnete Bildbereiche

Zone IV: dunkles Laub, Steine, im Schatten liegender Boden

Zone V: mittleres, 18-prozentiges Grau. Bürgersteig oder Baumrinde.

Zone VI: schattiger Schnee, heller Stein, mitteleuropäischer Hautton in der Sonne

Zone VII: hellgraue Gegenstände

Zone VIII: Schnee mit Struktur

Zone IX: Weiß ohne Textur, im Kleinbildnegativ und Kondensorvergrößerer nicht zu unterscheiden von Zone X

Zone X: reines Weiß

Während die Zonen I bis IX den gesamten Dynamikbereich abdecken, sind es II bis VIII, die im Abzug darstellbare durchgezeichnete Strukturen abbilden. Die Zonen sind in römischer Schreibweise nummeriert, um Verwechslungen mit den Skalen der Belichtungsmesser zu vermeiden.

Bei meinen ersten Gehversuchen mit dem analogen Großbild letztes Jahr, gemessen mit einem Gossen Profisix sbc, hatte ich überwiegend unterbelichtet. Ich hantierte herum wie Weston, belichtete dabei aber instinktiv in die falsche Richtung. 1/125 statt einer 1/30 Sekunde. Meinen Negativen (zum Beispiel die Berliner Neue Nationalgalerie im Gegenlicht) fehlte dadurch Zeichnung in den dunklen Bereichen. Kein Dunkelkammertrick kann wegfixiertes Bildsilber zurückzaubern. Zwanzig Jahre digitaler Bequemlichkeit wollten überwunden werden; es galt, die dunkelsten Bildbereiche, die im Abzug noch Struktur zeigen sollen, adäquat zu erfassen. Der Profisix misst einen Bildausschnitt von 30 ° – zu weit gefasst für das präzise Zonensystem. Es war klar: Ich brauchte einen Spot-Belichtungsmesser.

Ein beliebtes Modell ist der wuchtige Pentax Digital Spotmeter, ein Gerät mit Handgriff und Spiegelreflex-Dachkantprisma zum Anvisieren des Messbereichs. An der drehbaren Skala seines Objektivs lässt sich zur Übersichtlichkeit ein Zonen-Graukeil aufkleben, allerdings kosten dieses Gerät gebraucht selten unter 500 Euro.

Hier kommt Matt Bechberger ins Spiel. Der Kanadier bezeichnet sich selbst als Erfinder, Maker und Analogkamera-Nerd. Als gelernter Elektronik- und Produktdesigner tüftelt er standesgemäß in der Garage. Seine Firma Reveni Labs soll mittels zeitgemäßer Technik und aktueller Produktionsprozesse neue Antworten auf altbekannte Probleme analoger Fotografie geben. Er hat zwei Belichtungsmesser im Programm, ein sehr handliches Gerät für den Kamera-Blitzschuh und den Spot-Meter. Beide sind 3D-gedruckt, robust und dabei sehr leicht. Der Spot Meter ist nur 71 mm lang und wiegt 35 Gramm, kein Vergleich zum Pentax. Bechberger verzichtet bei der Konstruktion auf Pistolengriff und aufwendiges Prisma, sondern bedient sich eines optischen Tricks: Beim beidäugigen Anvisieren der Messstelle überlagert sich das OLED-Display im Innern des Meters mit der Realität. Sie richten den Mess- kreis auf die Stelle, die Sie mit dem anderen Auge sehen. Das funktioniert einfacher, als es in der Beschreibung klingt.

Der Spot Meter hat vier verschiedene Messmethoden eingebaut:

• Einzelmessung: (wie in einer Kamera) mit Blenden- oder Zeitautomatik

• Durchschnitt: die hellste und dunkelste Stelle werden zu einem Mittelwert verrechnet

• das Zonensystem: siehe oben

• PMM: eine dem Zonensystem ähnliche Präzisionsmessmethode

Konzentrieren wir uns auf das eingebaute Zonensystem. Was ich bei Ansel Adams lange (von 1982 bis 2022) nicht verstanden hatte, war der Unterschied von passivem Messen und aktivem Platzieren. Ich messe also einen Punkt an, im Bewusstsein, dass mein Belichtungsmesser alles als 18-Prozent-Grau einordnet. Wie ich gelernt habe, darf ich dabei nicht unterbelichten, um Zeichnung in den dunklen Bildbereichen zu erhalten. Laut Zonensystem ist Zone II der Bereich mit Minimalstruktur in dunklen Bildteilen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte ich diesen Bereich in Zone III verschieben, platzieren. Das Gleiche gilt für die hellen Bildbereiche; wichtige Areale sollten nicht höher als Zone VII oder VIII platziert werden, wobei Negativfilm dies eher toleriert als den Detailverlust nördlich von Zone III.

Mit aktiviertem Zonensystem-Modus zeigt der Meter zwei Zielkreise. Der innere Kreis stellt den 1 °-Messbereich dar, der äußere eine 5 ° große Einflusszone, in welcher seitliches Streulicht die Messung beeinflussen kann. Am unteren Bildbereich wird der aktuelle EV eingeblendet.

Ein Druck auf die Power/Sample-Taste vorne auf der Gehäuseoberseite nimmt die Messung vor, das Display wechselt auf den „Zone Zuweisen“-Schirm. Mit den Rechts/Links-Knöpfen wird der gemessene Bereich, der ja Zone V entspricht, entsprechend der Lichtsituation platziert. Nach erneutem Druck auf die Power/Sample-Taste generiert der Meter anhand der voreingestellten Parameter für ISO und der vorgewählten Präferenz für Blende oder Zeit den Belichtungswert. Glücklicherweise löst der Spot Meter die sich nach dem Messen und Platzieren ergebende Rechenaufgabe. Mit gedrückter Menütaste zeigt der Meter zur Überprüfung in Echtzeit die Zonen der unterschiedlichen Helligkeitswerte des Bildes an. Praktischerweise lässt sich alles mit einer Hand erledigen. Zeit also, das Gerät im Einsatz zu testen.

Die Berliner Galerie Chaussee 36 hat als Reaktion auf den russischen Angriff die Ausstellung „In the Name of Freedom“ mit der Ukrainian Women Photographers Organization auf die Beine gestellt. Dort traf ich die ukrainischen Fotografinnen Yuliana Paranko, Viktorya Agureeva und Maryna Kurnysh, um sie mit der Großbild-Kamera aufzunehmen. Das Licht vor Ort wechselte zwischen starker und mittelstarker Bewölkung mit Fast-Regen, der Innenhof versprach noch das meiste Licht. Ich maß mit dem Spot Meter, legte Zone V auf die gekachelte Hauswand, worauf Zone III auf die dunkle Jacke Yulianas fiel. Das Ergebnis zeigt bei Standard-Entwicklung in HC-110 gute Zeichnung in den dunklen Bereichen.

Für Portraits wechselte ich die Kameraposition und wählte eine hellgraue Hauswand als Hintergrund. Diese bot sich naturgemäß auch für Zone V an. In beiden Fällen maß der Reveni zuverlässig die Lichtsituation. Ein paar Tage vorher hatte ich bereits eine Aufnahme bei Sonnenlicht und blauem Himmel auf dem Tempelhofer Flugfeld gemacht. Hierbei platzierte ich Zone III im Schatten an der sonnenabgewandten Seite des Gebäudes. Das Ergebnis auch hier: ein klar durchgezeichnetes Negativ mit gut auf Fotopapier übertragbaren Tonwerten.

Fazit: Der Reveni Labs ist ein cleveres, präzises Instrument zur unkomplizierten Arbeit mit dem Zonensystem. Die Arbeit mit analogem Großbild wird durch exakte Messung und Platzierung wesentlich erleichtert. Der nächste Mondaufgang in Hernandez kann kommen.

Nächstes Analogit: das Intrepid-4 x 5-Vergrößerungsmodul.