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Bleibt mein Kind klein?


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 11/2014 vom 07.11.2014

Es ist kein Grund zur Sorge, wenn ein Baby sehr klein zur Welt kommt. Die meisten holen den Rückstand wieder auf. Ob ein Kind wirklich zu klein ist oder zu langsam wächst, muss man länger beobachten. Das beginnt mit den Vorsorgeuntersuchungen.


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Foto: Anna Spindelndreier/bkmf

Foto: passengerz/iStock/Thinkstock

Wann ist ein Kind zu klein?

Foto: moodboard/Thinkstock0

Die aktuelle Körpergröße allein ist kein guter Maßstab, um festzustellen, ob das Kind normal wächst. Entscheidend ist die Wachstumsrate, die man über einen längeren Zeitraum ermittelt. So wird die Größe des Kindes bei jeder U-Untersuchung gemessen. ...

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... Der Wert wird in eine spezielle Tabelle mit Wachstumskurven (Perzentilen) eingetragen, die es auf den hinteren Seiten des gelben Untersuchungshefts gibt. Daran lässt sich ablesen, wie groß oder klein das Kind im Vergleich zu den Durchschnittswerten von Gleichaltrigen ist. Beispiel: Liegt die Körpergröße eines Kindes auf der 25. Perzentile, bedeutet das, dass 25 Prozent der Gleichaltrigen kleiner und 75 Prozent größer sind.

Fällt die Wachstumskurve eines Kindes aus diesem Normbereich deutlich heraus oder knickt sie nach unten ab, sollte der Kinderarzt eine mögliche Wachstumsstörung ausschließen. Als kleinwüchsig gilt ein Kind, wenn seine Körpergröße unterhalb der 3. Perzentile liegt.

Wie viele Kinder sind zu klein?

95 Prozent aller Kinder einer Altersgruppe gelten als normal groß, circa drei Prozent als kleinwüchsig. Bei rund 700.000 Geburten pro Jahr gehen Experten also von 21.000 betroffenen Kindern pro Jahrgang aus.

An wen kann ich mich wenden, wenn mein Kind nicht mehr wächst?

Zunächst wird Ihr Kinderarzt regelmäßig kontrollieren, ob Ihr Kind sich gesund entwickelt. Bei Verdacht auf eine Wachstumsstörung wird er Sie zu einem Spezialisten schicken. Das ist in der Regel ein pädiatrischer Endokrinologe, also ein Experte für Hormonstörungen bei Kindern.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn mein Kind sehr klein zur Welt kam?

Nein. In der Regel holen auch zu klein geborene Frühchen den Rückstand bis zum Alter von zwei Jahren auf. Bis zu diesem Zeitpunkt muss bei der Kontrolle der Körperlänge (und auch des Gewichts) allerdings vom tatsächlichen Alter die Anzahl der Wochen abgezogen werden, die das Kind zu früh zur Welt kam. Es gilt die Regel: Folgt das Wachstum einigermaßen dem Kurvenverlauf, müssen sich Eltern keine Sorgen machen – auch, wenn ihr Kind im unteren oder oberen Bereich der Wachstumstabellen liegt.

Muss Kleinwuchs immer behandelt werden?

Foto: Maria Bobrova/Shutterstock

Nein. Ob und wie behandelt wird, richtet sich nach der Ursache der Wachstumsstörung. Für einige Formen des Kleinwuchses gibt es keine Therapie, sondern nur Behandlungen, um die Symptome oder Folgeerscheinungen zu lindern, etwa Osteopathie, Physiooder Ergotherapie. Andere Formen des Kleinwuchses müssen nicht behandelt werden, da sie entweder reversibel sind oder sich im wahrsten Sinne des Wortes auswachsen.

Welche Methoden stehen dem Arzt für die Diagnose zur Verfügung?

Foto: stockdevil/Fotolia

Das Röntgenbild der linken Hand kann Aufschluss darüber geben, ob das Knochenwachstum verzögert ist. Auch die Entwicklung der Zähne lässt Rückschlüsse auf Wachstumsverzögerungen zu. Bei einer Blutentnahme können verschiedene Hormone und auch Wachstumsfaktoren analysiert werden. Sind sie niedrig, könnte ein Mangel an Wachstumshormonen vorliegen. Um diesen nachzuweisen, sind pharmakologische Stimulationstests notwendig, mit denen die Ausschüttung von Wachstumshormonen aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) untersucht wird. Bestätigt sich der Verdacht, folgt zum Abschluss eine Untersuchung des Kopfes im Kernspintomografen (MRT), um eine organische Ursache auszuschließen.

Welche Therapien stehen zur Verfügung?

Foto: Alfred Pasieka/imago/Science Photo Library

Bei einem Mangel an Wachstumshormonen (Somatro pine) gibt es die Möglichkeit einer Hormonersatztherapie. Sie ist aber auch bei einigen anderen Ursachen des Kleinwuchses möglich, etwa bei genetischen Erkrankungen wie dem Prader-Willioder dem Ullrich-Turner-Syndrom, bei Kindern mit einem Defekt im SHOX-Gen, bei Kindern mit chronischer Niereninsuffizienz und bei SGA-Kindern, die nach dem vierten Geburtstag weiterhin zu klein sind.

In welchem Alter des Kindes sollte eine Hormonersatzbehandlung beginnen?

Bei Kindern mit Wachstumshormonmangel kann die Therapie erst beginnen, wenn die Diagnose gestellt wurde. Bei den anderen Indikationen sollte ein möglichst früher Therapiebeginn gewählt werden. Denn eine solche Behandlung ist nur möglich, solange die Wachstumsfugen eines Kindes noch nicht geschlossen sind.

Wie groß ist das zu erwartende Wachstum durch eine solche Behandlung?

Foto: Anna Spindelndreier/bkmf

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der Diagnose. Idealerweise sollte das Kind mit einem Mangel an Wachstumshormonen mit der Therapie etwa so groß wie die Eltern werden. Bei den anderen zugelassenen Indikationen ist der Zugewinn variabel und liegt zum Beispiel bei Mädchen mit Ullrich-Turner-Syndrom bei circa sechs bis acht Zentimetern, bei SGA-Kindern bei rund zehn bis zwölf Zentimetern.

Wie wird der Therapieerfolg kontrolliert?

Ein Kind, das eine Hormonersatzbehandlung erhält, muss alle drei bis sechs Monate zur ärztlichen Kontrolle beim Spezialisten. Er untersucht, ob und wie viel es gewachsen ist und ob Nebenwirkungen zu beobachten sind. Darüber hinaus werden bei diesen Terminen verschiedene Laborparameter im Blut analysiert.

Was sind die häufigsten Fehler, die Eltern im Umgang mit kleinwüchsigen Kindern machen?

Häufig behüten Eltern ihr kleinwüchsiges Kind zu stark. Sie nehmen ihm zu viel ab und trauen ihm für sein Alter zu wenig zu. Stattdessen sollten Eltern ihr Kind dabei unterstützen, dass es selbstständig und unabhängig wird. Ein weiterer Fehler ist es, das Thema Kleinwuchs zu tabuisieren und so zu tun, als wäre nichts. Das kann dazu führen, dass Diagnosen zu spät gestellt und mögliche Therapien und Behandlungen hinausgezögert werden.

Welche Nebenwirkungen können Wachstumshormone haben?

Generell gilt das Wachstumshormon als gut verträgliche Substanz mit geringen Nebenwirkungen, vor allem seit es gentechnisch hergestellt wird. Es kann jedoch zu Beginn der oft mehrjährigen Behandlung zu Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen und Kribbeln oder Hautreizungen kommen. Allerdings hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) kürzlich die Langzeitsicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln überprüft, die Somatropin enthalten. Auslöser war eine französische Studie, die – im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung – auf ein höheres Sterberisiko von erwachsenen Patienten hingewiesen hatte, die mit Somatropin behandelt wurden. Die EMA kam dabei zu der Erkenntnis, dass das Verhältnis von Nutzen und Risiko bei Somatropin weiterhin positiv zu bewerten ist – unter der Voraussetzung, dass die zugelassenen Indikationen und empfohlenen Dosierungen eingehalten werden. Mittlerweile liegen auch Daten einer Studie aus anderen europä ischen Ländern vor, die zu anderen Ergebnissen kam. Die meisten Todes fälle in dieser Studie bei Erwachsenen waren auf Unfälle oder Suizid zurückzuführen.

Welche Ursachen gibt es für Kleinwuchs?

Es gibt rund 450 Ursachen für Kleinwuchs, manche Schätzungen sprechen sogar von bis zu 800. Genetische Faktoren und Umwelteinflüsse, aber auch Krankheiten, Chromosomenstörungen oder ein gestörter Hormonhaushalt können dafür verantwortlich sein. Die wichtigsten Formen des Kleinwuchses sind:

Familiärer Kleinwuchs: Er ist erblich bedingt und hat keine krankhafte Ursache. Die Körpergröße liegt dabei unterhalb des Normbereichs, aber parallel zur Wachstumskurve unauffälliger Gleichaltriger.

Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung: Diese Kinder sind nur vorübergehend so klein, ihre biologische Reifung (Knochenalter) verzögert sich um einige Jahre. Ihre endgültige Körper länge liegt etwa im Bereich der Größe der Eltern. Diese Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen wurden, spricht man von konstitutioneller Entwicklungsverzögerung.

Hormonell bedingter Kleinwuchs: Er tritt zum Beispiel bei einem Mangel an Wachstumshormonen oder bei einer erworbenen Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) auf.

Kleinwuchs nach SGA-Geburt: Hinter der Abkürzung SGA („Small for gestational age”, übersetzt: klein bezogen auf das Reifealter) verbergen sich Neugeborene, die gemessen an der Dauer der Schwangerschaft zu klein oder zu leicht auf die Welt kommen. Rund zehn Prozent solcher SGA-Kinder bleiben kleinwüchsig.

Skelettdysplasien: Das sind durch Genmutationen hervorgerufene Verformungen des Knorpel-und Knochengewebes, die schon bei der Geburt oder durch Pränataldiagnostik auffallen. Dazu zählen Achondroplasie und Hypochondroplasie.

Sekundärer Kleinwuchs: Er ist Folge schwerer, chronischer Erkrankungen, etwa von einem Herzfehler, einer entzünd lichen Darm erkrankung, von Asthma bronchiale, aber auch von gravierender Fehl-oder Mangelernährung. Wird die Krankheit geheilt oder gut behandelt, holt das Kind die Wachstumsverzögerungen in der Regel wieder auf.

Psychosozialer Kleinwuchs: Wird ein Kind schwer vernachlässigt oder wächst es in sehr liebloser Atmosphäre auf, kann es nicht richtig gedeihen. In einer verbesserten Umgebung holen diese Kinder im Wachstum häufig schnell auf.

Wo kann ich mich über das Thema informieren?

Erster Ansprechpartner ist Ihr Kinderarzt, der das Wachstum Ihres Kindes kontrolliert und Sie auf Auffälligkeiten aufmerksam machen wird. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Ihr Kind kleinwüchsig ist, wird ein pädiatrischer Endokrinologe hinzugezogen, der die weitere Therapie übernimmt. Die Fachgesellschaft der pädiatrischen Endokrinologen – die Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und-diabetologie – finden Sie im Internet unter www.pae diatrische-endokrinologie.de. Darüber hinaus können Sie sich an den Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien wenden: Tel. 04 21 / 33 61 69-0, info@bkmf.de. Der Verband (www.bkmf.de) bietet Beratungen, Semi nare, weiterführende Adressen und Kontakte an und vermittelt an Fachzentren.