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Blütenoase in der HafenCity


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florieren! - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 03.10.2022

BLUMENBINDEREI IN HAMBURG

Artikelbild für den Artikel "Blütenoase in der HafenCity" aus der Ausgabe 10/2022 von florieren!. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: florieren!, Ausgabe 10/2022

Daniela Grabas-Rönn ist die floristisch Kreative, hat ständig neue Ideen und eine geschulte Hand. Ehemann Uwe ist Betriebswirtschaftler und unterstützt, wo er kann. Zudem übernimmt er zusammen mit einer Mitarbeiterin das Ausliefern von Aufträgen, häufig mit den Firmenfahrrädern. Und ganz nebenbei hat er sein grünes Herz entdeckt: Er begeistert sich für die Innenraumbegrünung.

Für die Außengestaltung in der HafenCity gibt es genaue Vorgaben, sogar für die Ausführung des Firmenschilds, und jede Außenpräsentation bedarf einer Genehmigung, sodass das Geschäft diese auf wenige Rolltische beschränkt – nachts muss alles im Laden Platz finden.

Die Mitarbeiterinnen genießen, dass grundsätzlich – anders als in der hektischen Mönckebergstraße in der Innenstadt – eher „gechillte“ Kunden ins Geschäft in der HafenCity kommen, die dort wohnen und es nicht eilig haben. So ist ...

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Die „Blumenbinderei HafenCity“ liegt mitten auf dem „Marktplatz“ der HafenCity und ist bei allen Einkäufen gut erreichbar. In dem neu erbauten, hochgeschossigen Viertel gibt es alles, was man braucht, vom Bäcker bis zum Friseur, sogar ein Altenheim.

Die „Blumenbinderei HafenCity“ ist nicht das erste exklusive Geschäft von Daniela Grabas-Rönn und Uwe Rönn. Bis vor Kurzem führten sie auch die Blumenbinderei in der Mönckebergstraße inmitten der bekannten Einkaufsmeile Hamburgs nahe dem Hauptbahnhof. Den Spagat, beide Geschäfte parallel zu führen, gaben sie vor einem Jahr auf. Aber beginnen wir von vorne. Daniela Grabas-Rönn hat in ihrer ostdeutschen Heimatstadt ihre Ausbildung absolviert, kam dann als ehrgeizige, junge Floristin nach Hamburg und landete im damals sehr bekannten Fachgeschäft „Primel am Grindel“. Erst ein bisschen vorsichtig unterwegs, eignete sie sich immer mehr Können und floristisches Selbstbewusstsein an und wurde letztendlich Geschäftsführerin des Zweigbetriebs in der Mönckebergstraße. Dazwischen nahm sie sich ein paar Monate floristische Auszeit in Riga, wo sie vor allem menschliche Erfahrungen sammelte.

Zuerst Geschäftsführung, dann Geschäftsübernahme

Nach einigen Jahren bekam sie die Möglichkeit, die Blumenbinderei in der Mönckebergstraße zu übernehmen – und lernte zeitlich und damit sehr passend auch ihren heutigen Ehemann Uwe Rönn kennen: Betriebswirtschaftler durch und durch, passionierter Bastler und Schlagzeuger. Erst arbeitete Uwe Rönn parallel noch selbstständig in seinem Beruf, mit dem Standort in der HafenCity stieg er aber komplett in die „Blumenbinderei“ ein. „Ich bin Mädchen für alles, für Handwerksarbeiten, Bestellungen, Auslieferfahrten und Büroarbeit“, zählt er auf. Und hat den stetigen, kritischen Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Vom Rohbau zum durchgestylten Geschäft

Das nagelneu erbaute Geschäft in der HafenCity kam vor rund sechs Jahren zum Standort Mönckebergstraße hinzu: übernommen als reine Baustelle, mit megahohen Betonwänden. Mit ihren Nachbarn, die beide Architekten sind, wurde die gesamte Einrichtung bis ins Detail geplant. Dabei achtete Daniela Grabas-Rönn darauf, dass mit rollbaren Arbeitstischen mit Stauraum an wechselnden Orten im Geschäft gearbeitet werden kann. Die hinteren Räume des 85 m² großen Geschäfts sind nur klein: ein Arbeitsraum, eine Kühlung, ein Bad und ein winziges Büro. Um größere Bestellungen oder Ausstellungen fertigen zu können, wurde deshalb immer schon eine zusätzliche Garagenwerkstatt angemietet. Mittlerweile ist die Werkstatt in den Keller des Blumengroßmarkts Hamburg umgezogen: Mit 150 m² ist viel Platz und ungestörte Ruhe zum Arbeiten, zum Beispiel für die kommende Adventsaustellung. Sogar eine Werkstatt und Uwe Rönns Schlagzeug finden dort Platz. Beides wird kräftig genutzt, ohne andere zu belästigen.

Beim Erscheinungsbild wurde nichts dem Zufall überlassen, alles ist bis ins Detail geplant: Farbgestaltung, edler Holzboden, Ladeneinrichtung aus leichten Metall-Holz-Regalen und Holztresen, Wandspiegel in Bullaugenform, durchdachte Sichtachsen.

Der Bedarf an frischen Blumen wird vor allem auf dem Hamburger Großmarkt gedeckt. „Ich kenne meine Händler und ihre Ware einfach gut“, so Daniela Grabas-Rönn. Regionalität und Frische werden von den Kunden nachgefragt, das Thema Nachhaltigkeit dagegen ist bisher kaum relevant.

Hauptumsatz Firmengeschäft

Der Großteil des Umsatzes kommt mit rund 60 % über das Firmengeschäft. Den restlichen Teil machen Ladengeschäft, Bestell- und Hochzeitsfloristik und Begrünungsaufträge aus. Standortbedingt wird wenig Trauerfloristik gefertigt, meistens eher Werkstücke, die Kunden oder umliegende Firmen zu Traueranlässen mitnehmen oder verschicken. Auch bei Hochzeitsaufträgen handelt es sich selten um komplette Dekorationen, sondern eher um Brautsträuße und andere Einzelstücke. Damit ähnelt das Portfolio dem anderer Geschäfte, vielleicht mit dem Unterschied, dass das Klientel anteilig ein bisschen kaufkräftiger, manchmal exklusiver, prominenter ist. „Aber eigentlich ist es in der HafenCity wie in einem Dorf, man kennt sich“, sagt Daniela Grabas-Rönn. Weil viele Firmen ihren Sitz in der Hafen-City haben, gehören das „Montagsgeschäft“, viele Firmenaufträge und Mitarbeiterbesuche zum Alltag. „Montags ist der Mega-Bestellungstag“, so die Unternehmer, dann stehen Kisten mit fertigen Werkstücken eng an eng im Laden. Mit den ersten Bestellungen wird oft schon donnerstags begonnen, zum Beispiel, indem Unterlagen vorbereitet werden. „Die HafenCity wächst ständig, wir haben immer wieder neue Kunden, darunter auch viele junge“, so Daniela Grabas-Rönn.

Konzentration auf einen Standort

Das Geschäft in der Mönckebergstraße hat das Ehepaar vor einem Jahr endgültig aufgegeben. Der Betrieb dort wurde schon lange von einer Baustelle gestört, hinzu kam Personalnot. Im Nachhinein betrachtet sei die Konzentration auf einen Standort eine weise Entscheidung gewesen. In der HafenCity ist der Mietpreis mit rund 6.500 A im Monat zwar immens hoch und Uwe Rönn steht diesen Kosten immer wieder kritisch gegenüber, aber er ist gleichzeitig vom Potenzial des Viertels überzeugt. Aber er schaut genau, dass in allen Bereichen korrekt kalkuliert wird. Zudem ist der „kühle Rechner“ für Marketing und Außenkommunikation zuständig und sucht schnell den Kontakt, wenn zum Beispiel ein neues Hotel eröffnet wird.

Das Ehepaar wird mittlerweile von fünf Mitarbeitern unterstützt, darunter zwei Vollzeitfloristinnen, zwei Rentner zum Anschneiden und Ausliefern sowie ein Praktikant. Trotzdem ist die Arbeit nicht immer ohne Stress zu schaffen. Um die enge Personalsituation zu entschärfen, wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt: auf täglich von 8 bis 16.30 Uhr, seit September ist samstags geschlossen. „Die Kunden müssen sich einfach daran gewöhnen, dass man nicht rund um die Uhr da ist“, sagt Daniela Grabas-Rönn. In der Corona-Zeit sei das schließlich auch möglich gewesen – und so bleibt dem Team ungestörte Zeit für Bestellungen und das Binden von Sträußen für das Geschäft.

Effektiver im Werkstattmodus

„Eventuell wollen wir unseren Werkstattmodus sogar noch ausbauen“, blickt die Floristin in die Zukunft. Die Coronakrise habe den beiden Geschäften zugesetzt, weil vieles nicht mehr planbar war, gerade die Öffnungszeiten. Aber die Krise habe auch gezeigt, „dass wir wesentlich effektiver und ruhiger im Werkstattmodus und ohne Störungen arbeiten können“. Deshalb möchte das Team die Kunden noch mehr zu Bestellungen „erziehen“. Seit der Coronakrise findet auch Advent nur noch parallel zum üblichen Geschäftsalltag statt. Die Zeiten, in denen das komplette Geschäft dafür umgeräumt und Punsch serviert wurde, seien aus zeitlichen und personellen Gründen vorbei. „Ich achte darauf, dass hier keine Überstunden anfallen“, sagt Daniela Grabas-Rönn. Schließlich soll das Team weiterhin gerne zur Arbeit kommen und dem Unternehmen lange erhalten bleiben.

Die Floristin würde auch gerne weiter ausbilden, hat in den letzten Jahren aber mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht. Die Azubis kamen einfach nicht mehr, wurden plötzlich krank, ließen sich von den Eltern verleugnen. „Das enttäuscht schon sehr, wenn man schon viel Zeit und Kraft investiert hat und glaubt, eine gute Beziehung aufgebaut zu haben“, bedauert die Unternehmerin und gönnt sich nun erst einmal eine Ausbildungspause. Auch hier zeigt sich, dass die Blumenbinderei in der HafenCity mit ähnlichen Problemen kämpft wie andere Geschäfte.