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Cabin-Leben


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Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 17.05.2022
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Bildquelle: Atrium, Ausgabe 3/2022

Der eingebaute Stauraum und die freigelegte Dachkonstruktion harmonieren in Weiss.

Im Südwesten Frankreichs, zwischen Bordeaux und Biarritz, liegt der Küstenstreifen Les Landes. Seine riesigen Kiefernwälder erstrecken sich über Hunderte Kilometer entlang des Atlantiks bis hin zu den Sanddünen, wo sich Surferdörfer wie das berühmte Hossegor jeden Sommer bis zum Bersten füllen. Bewegt man sich jedoch ins Landesinnere, entdeckt man unzählige ruhige Strassen, gesäumt von Feldern mit wildem Heidekraut, zwischen denen hie und da ein kristallklarer Süsswassersee hervorblitzt. In dieser Umgebung wollte sich das Paar Fabrice und Jean Eric einen besonderen Rückzugsort schaffen, weit weg von ihrem hektischen Berufsalltag, ein Pied-à-Terre am Ende ihres Gartens.

Im Gegensatz zum Wohnhaus genoss die alte Garage einen privilegierten Standort mit Blick auf das angrenzende Naturschutzgebiet und einen Süsswassersee. Der vernachlässigte Bau diente damals lediglich der Behausung einer Sammlung von ...

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... Secondhand-Funden, die noch auf ein geeignetes Plätzchen warteten. Langsam wurde den Ei-gentümern jedoch klar, dass die 52 Quadratmeter viel besser als Sommerhaus am Seeufer dienen würden. So beschlossen sie, die Garage in eine Cabin umzuwandeln.

Die Cabin nimmt einen speziellen Platz im Bewusstsein der Europäer*innen ein, vor allem in Skandinavien. Während des Tauwetters der warmen Sommermonate mögen die hartgesottenen Städter*innen nichts lieber, als dem urbanen Gedränge zu entfliehen und sich in eine schlichte Hütte inmitten der Natur zurückzuziehen. Es spricht viel für die radikale Einfachheit des Cabin-Lebens.

In der Umgebung verankert

Um ihre Idee umzusetzen, wandten sich Fabrice und Jean Eric an ihre langjährige Freundin Dominique Cha. Dominique verfeinerte ihren eleganten Ethno-chic-Stil in der Modebranche, führte jedoch inzwischen zwei Interior-Geschäfte in Toulouse und Bidart namens Les Locataires. Und obwohl sie gelegent-lich Einrichtungsprojekte für Kund*innen übernahm, war diese Aufgabe – ein kompletter Umbau von A bis Z – nochmals eine ganz neue Herausforderung. Aber für alte Freunde wollte sie diesen Schritt wagen, und so verbrachte das Trio den ganzen Sommer damit, die Garage zu räumen und gleichzeitig mit Ideen zu spielen. Oft diskutierten sie bis zum Sonnenuntergang bei einem Glas Wein und realisierten mehr denn je, wie einzigartig die idyllische Lage beim Wasser ist. Schlussendlich war es die Schönheit und Einfachheit der Natur, die sie inspirierte. Ein Konzept entstand und ein Plan wurde zu Papier gebracht.

«Die Cabin sollte zur Natur geöffnet, praktisch und ‹Zen› sein», erklärt Dominique. «Das waren die einfachen Vorgaben. Die Herausforderung bestand darin, ein Schlafzimmer, ein Badezimmer, eine Küche mit Esstisch und eine Lounge mit integriertem Stauraum auf nur 52 Quadratmetern unterzubringen», meint sie lachend – es schien anfangs ein Ding der Unmöglichkeit. Nachdem die Bauherrschaft sowie die lokalen Behörden Dominiques Pläne gutgeheissen hatten, war die nächste Aufgabe, dem simplen Bau ein gewisses Mass an Raffinesse und Flair zu verleihen. Dies gelang laut Dominique dank den beteiligten Handwerker*innen: «Wir haben ausschliesslich mit lokalen Handwerker*innen gearbeitet, die ihre Arbeit mit grossem Respekt und vertieften Kenntnissen ausgeführt haben.» Ein guter Handwerker sei immer darum bemüht, eine Lösung zu finden, die die Kundschaft glücklich macht. «Wir waren ständig im Dialog, haben Probleme gelöst, ich habe es geliebt. Es war eigentlich ein Prozess des sich Heranfühlens. Ich habe viel zugehört, die Möglichkeiten abgewogen, und so haben wir bis zum Schluss Entscheidungen getroffen.»

Die Cabin nimmt einen speziellen Platz im Bewusstsein der Europäer*innen ein. Es spricht viel für die radikale Einfachheit des Cabin-Lebens.

«Das lokale Kiefernholz schafft eine materielle Kontinuität mit der Umgebung.»

DOMINIQUE CHA

Nicht nur die Handwerker*innen, sondern auch die Materialien stammen vorwiegend aus der Region. Die Verkleidung ist aus einheimischem Kiefernholz – nicht umsonst ist der Wald von Les Landes der grösste natürliche Kiefernwald Frankreichs. «Je älter das Holz wird, desto besser wird es aussehen», prophezeit Dominique. «Es ist dasselbe Holz, aus dem die Promenaden durch die Sumpfgebiete rund um den See gebaut werden. Dies schafft eine materielle Kontinuität, eine gemeinsame, lokale Sprache.»

Raffinierte Raumnutzung

Im Innern liess Dominique die Dachkon struktion sichtbar, anstatt sie hinter einer Zwischendecke zu verbergen. «Wir haben die Balken weiss gestrichen, damit sie zum Rest des Interieurs passen, aber gleichzeitig ihre eigene Schönheit preisgeben.» Die klaren Linien des massgefertigten eingebauten Stauraums um das Daybed-Fenster setzen einen modernen Akzent, während die mit Seegras bedeckten Türen die Naturverbundenheit des Gebäudes unterstreichen.

«Meine Kund*innen müssen sich schliesslich wohlfühlen, das ist mein Endziel.»

DOMINIQUE CHA

Das umliegende Naturschutzgebiet ist im Innern dauernd präsent, umrahmt von einem Schiebefenster, das im Baukörper verschwindet und so die Grenzen zwischen innen und aussen auflöst. Dies ist der Dreh-und Angelpunkt des Projekts, für den Dominique ein eigenes Futonbett im japanischen Stil entworfen hat, das tagsüber als perfekter Entspannungsort und nachts als Schlafplatz dient, entweder direkt unter dem Sternenhimmel oder geborgen im Innern oder gar halb drinnen, halb draussen. Es ist eine geniale Lösung.

Die Eigentümer sind laut Dominique begnadete Köche, deshalb sollte die Küche voll funktionsfähig sein, aber gleichzeitig nicht zu viel des limitierten Platzes in Anspruch nehmen. «Es war wichtig, dass die Küche ästhetisch ist, denn sie ist Teil des offenen Wohnraums. Vorräte und Utensilien sind clever hinter Leinenvorhängen versteckt, sodass man keine Schranktür öffnen muss, um auf sie zuzugreifen. Das ist nämlich ein schwieriges Manöver auf engem Raum.» Die Naturholzregale in Küche und Bad bestehen aus recycelten, kanadischen Holzplanken, ehemalige Böden alter Eisenbahnwaggons. «Als die lokalen Handwerker*innen von meinem Vorhaben hörten, dachten sie, ich sei völlig verrückt – wir befinden uns ja gleich neben einem der grössten Kiefernwälder Europas! Aber das war mir egal, ich wollte es so haben. Die recycelten Holzplanken bringen ein rustikales, gealtertes, aber auch raffiniertes Flair ins Gesamtbild.»

Draussen wird die grosszügige Terrasse von einem an Bambusstangen befestigten Segeltuch beschattet, in Anlehnung an die Campingkultur, die in diesem Teil Frankreichs so verbreitet ist. Der Essbereich im Habitat-Kollektion ausgestattet. «Es ist unglaublich, dass Stühle von Habitat bereits als Vintage gelten», meint Dominique. «Als Innenarchitektin ist es fast unmöglich, mit der Menge und Vielfalt neuer Produkte Schritt zu halten. Ich finde mich zurecht, indem ich einfach meinem Instinkt folge und auswähle, was mir gefällt – natürlich immer in Absprache mit meinen Kund*innen. Sie müssen sich schliesslich wohlfühlen in ihrem Zuhause, das ist immer mein Endziel.»

Die Cabin kann über die Designerin gemietet werden. www.dominiquecha.com