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COACHING I: Eine Frage der Werte


Der Spiegel Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 12.11.2019

Mit den eigenen Finanzen gut umzugehen fällt vielen Menschen schwer. Hier lernen Sie in sieben Schritten, Ihre Haltung zum Geld zu verbessern.


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Bildquelle: Der Spiegel Wissen, Ausgabe 4/2019

MEIST DENKEN WIR, Menschen, die stets genug Geld haben, zeichnet vor allem ein guter Job, ein Erbe oder Sparsamkeit aus. Und die, die immer Schwierigkeiten mit ihren Finanzen haben, verdienen halt zu wenig oder haben einfach kein gutes Händchen für Geld. So simpel ist es aber nicht. Der Faktor Psychologie spielt in Sachen Finanzen eine größere Rolle, als viele denken. Denn ob wir eine generell eher positive oder negative Einstellung zu Geld und Wohlstand haben, ...

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MEIST DENKEN WIR, Menschen, die stets genug Geld haben, zeichnet vor allem ein guter Job, ein Erbe oder Sparsamkeit aus. Und die, die immer Schwierigkeiten mit ihren Finanzen haben, verdienen halt zu wenig oder haben einfach kein gutes Händchen für Geld. So simpel ist es aber nicht. Der Faktor Psychologie spielt in Sachen Finanzen eine größere Rolle, als viele denken. Denn ob wir eine generell eher positive oder negative Einstellung zu Geld und Wohlstand haben, trägt stark dazu bei, ob wir uns eher leicht damit tun, ausreichend Geld für unser Leben zu haben, einzufordern und zusammenzuhalten, oder ob uns das schwerfällt. Meist sind uns diese Zusammenhänge jedoch nicht klar. Um diese bewusst zu machen und die Einstellung zum Geld positiv zu ver - ändern, hat SPIEGEL WISSEN mit der Expertin Christina Kanese (Interview Seite 36) ein Coaching entwickelt.

SCHRITT 1

Meine persönliche Geldtradition

Unsere Haltung zu Geld wird bereits in der Kindheit geprägt: Wir lernen von unseren Eltern und Großeltern, was Geld wert ist und welchen Stellenwert es hat. Wenn wir uns daran erinnern, welche Bedeutung Geld in der Familie unserer Kindheit hatte, finden wir treffsicher heraus, welche tiefer liegenden Überzeugungen und Blockaden wir selbst in Bezug auf Geld haben.

Übung 1 Meine Geldtradition

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier oder auch ein Notizbuch (es kommen noch mehr Übungen, bei denen Sie etwas notieren können), und vervollständigen Sie bitte die folgenden Sätze spontan, ohne viel nachzudenken.

An Ihren Antworten sehen Sie, welche Emotionen und Zuweisungen in Ihrer Familie mit dem Thema »Geld« einhergingen. Die erste Erkenntnis in dieser Übung dürfte sein, dass die Verbindung oft sehr emotional ist. Gehen Sie nun noch einen Schritt weiter in der Erkundung Ihrer Geldtradition: Geld spielt in unserem Leben auch deshalb so eine große Rolle, weil wir es immer auch mit wichtigen Bedürfnissen und Werten verknüpfen. Geld steht niemals nur für einen Kontostand, sondern zum Beispiel auch für Sicherheit (Rente), für Freiheit (Weltreise) oder Status (Gehalt). Finden Sie heraus, welches Ihre stärksten Verknüpfungen in Bezug auf Geld sind:

Schauen Sie sich bitte Ihre Antworten an: Welche Verknüpfungen in Bezug auf Geld sind am stärksten? Fallen diese eher positiv oder eher negativ aus? Nun haben Sie eine Vorstellung davon gewonnen, welche Haltung Sie zum Geld haben. Vielleicht sind Sie überrascht, weil diese Haltung stark abweicht von Ihrem bewussten Denken oder Ihrem Umgang mit Geld.

SCHRITT 2

Weg mit den Blockaden

Wenn Sie Ihre Blockaden lösen möchten, fangen Sie am besten bei der stärksten Projektion an. Denn: Geld ist an sich nur buntes Papier und Metall. Erst in der Kindheit lernen wir, was der psychologische Wert von Geld ist, und verinnerlichen diesen. Geld kann für Anerkennung, für Sicherheit oder Freiheit stehen. Aber auch negative Zuweisungen sind möglich: Raffgier, Boshaftigkeit, Ausbeutung, Angeberei – je nachdem, was es in unserem Elternhaus bedeutete.

Übung 2 Werte hinter Blockaden erkunden

Welche Werte (positiv und negativ) sind für Sie aufgrund Ihrer Prägung mit Geld verknüpft? Wofür steht Geld in Ihrem Leben?

Ergänzen Sie unten gegebenenfalls weitere positive Verknüpfungen, die Ihnen einfallen. Vielleicht schauen Sie außerdem noch einmal auf Ihre Antworten in Übung eins. Dort finden Sie auch Hinweise, was Geld für Sie bedeutet:

Typische negative Verknüpfungen, gegebenenfalls ergänzen Sie:

SCHRITT 3

Alte Muster über Bord werfen

Das Auflösen von Projektionen und Blockaden ist recht einfach, wenn Sie mit Geld eher positive Werte verknüpfen wie Sicherheit und Freiheit. Negative Verknüpfungen sind da - gegen schwieriger zu lösen. Denn mit negativen Aspekten wollen wir lieber nichts zu tun haben. Wir verdrängen sie.

Fragen Sie sich jetzt, warum Sie eine positive Projektion überhaupt auflösen sollen? Das Problem ist, dass auch diese vermeintlich positiven Ziele oder Werte Ihren unbeschwerten Umgang mit Geld blockieren. Wenn Geld für Sicherheit steht, fällt es einem zum Beispiel sehr schwer, irgendwann mal mit dem Sparen und Geldscheffeln aufzuhören.

Übung 3a Auflösen positiver Projektionen

Formulieren Sie Ihren wichtigsten Wert, den Geld für Sie bedeutet, in der Form der folgenden Beispielsätze:

Vermutlich fühlt es sich erst einmal komisch an, wenn Sie Ihren Satz sprechen. Sagen Sie ihn trotzdem mehrmals laut vor sich hin. Wenn Sie die anfängliche Skepsis überwinden und den Satz mehrmals bewusst aussprechen, löst sich etwas in Ihnen. Eine Angst fällt ab. Viele müssen lachen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Projektion sich löst. Bald merken Sie: Der Satz ist wahr.

Übung 3b Auflösen negativer Projektionen

Es ist natürlich ein Irrglaube, dass wir jede Bosheit loswerden könnten, indem wir uns von Geld fernhalten. Jeder Mensch ist auch mal böse. Oder raffgierig. Oder geizig. Diese Blockade löst sich erst, wenn wir die negative Zuweisung aufdecken.

Hier hilft es ebenfalls, einen neuen Glaubenssatz zu formulieren und ihn häufiger laut zu sagen. Zum Beispiel:

Es klingt absurd, sich selbst zu beschuldigen? Denken Sie bitte etwas um die Ecke. Sie werden feststellen: Auch Sie können böse sein – zum Beispiel, wenn jemand Sie ungerecht behandelt. Und das ist doch auch gut. Oder Sie können gierig sein, wenn Sie im Sommer den letzten lauen Abend auskosten. Finden Sie Formulierungen, die Sie innerlich annehmen können.

SCHRITT 4

Eigene Werte machen Geld erst wertvoll

Nun haben Sie Ihre alten Projektionen erkannt und können schauen, welche Werte Ihnen im Leben wichtig sind – denn Geld kann ein toller Möglichmacher sein, um im Sinne genau dieser Werte Ihre Ziele zu erreichen.

Übung 4 Welche Werte habe ich?

Welches sind Ihre wichtigsten Werte im Leben? Vielleicht können Sie das aus dem Stand gar nicht sagen. Doch es gibt einen Trick: Schreiben Sie spontan 20 Werte untereinander auf, die für Sie große Bedeutung haben, wie Familie, Freundschaft, Wohlstand, Erfolg, Schönheit … Sie finden Ihre Werte leicht, wenn Sie an Alltagssituationen denken und überlegen, welche Werte Ihr Handeln bestimmen.
Streichen Sie jetzt die 5 Werte von Ihrer Liste, die Ihnen spontan am unwichtigsten erscheinen. Priorisieren Sie nun die restlichen 15 Werte, die Sie am wichtigsten finden. Das geht so: Beginnen Sie mit dem obersten Wert auf Ihrer Liste und vergleichen Sie ihn mit dem zweiten Wert. Welcher ist Ihnen wichtiger?

BEISPIEL: Ihre ersten 5 Werte lauten Freiheit, Sicherheit, Nähe, Ehrlichkeit und Kompetenz. Nun fragen Sie: Ist mir Freiheit wichtiger als Sicherheit? Wenn ja, gleichen Sie diesen Wert mit dem nächsten ab. Ist Ihnen Freiheit wichtiger als Nähe et cetera. Wenn Sie alle Abgleiche mit Ja beantwortet haben, ist dieser Wert der wichtigste und steht auf Platz 1.

Vergleichen Sie nun alle Werte in dieser Weise miteinander, bis noch sieben Werte in einer Rangfolge von 1 bis 7 übrig bleiben. Der Rest fliegt raus. Diese 7 Werte bestimmen Ihre Reaktionen, Entscheidungen und Handlungen am meisten und sind so etwas wie Leitsterne für Ihr Leben – und für Ihren Umgang mit Geld.

SCHRITT 5

Die Eine-Million-Dollar-Frage

Sie wissen jetzt, welche Werte Sie in Ihrem Leben wirklich wichtig finden. Nun brauchen Sie noch konkrete Ziele, damit Sie heraus - finden, wozu Sie Geld brauchen. Nur dann werden Sie das Richtige tun, damit das Geld zu Ihnen kommt.

Übung 5 Wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Fragen Sie sich: Wie würde Ihr Leben aussehen, wenn immer genug Geld da wäre? Schreiben Sie Ihre Antwort auf.

Notieren Sie Ihre spontanen Ideen. Schicken Sie dabei Ihren inneren Kritiker ins Nebenzimmer, denn er wird sich sonst sofort mit Kommentaren melden wie: Das meinst du doch nicht wirklich? Das ist überzogen! Das ist albern!
Träumen Sie. Werden Sie nicht zu »klein«, erzählen Sie sich also nicht vom dreiwöchigen Urlaub, sondern malen Sie sich Ihr Leben ohne Geldsorgen aus: nie mehr ins Büro, ein großes Haus mit Freunden, einen Weinberg kaufen, endlich los - wandern ohne Limit …

Sie werden schnell merken: Wenn Sie genau wissen, was Sie wirklich wollen, können Sie andere leicht mitreißen – und so auch Geld akquirieren für Ihre Idee. Und: Wer konkret weiß, wohin es ihn zieht, hat oftmals sogar Ideen für eine Art der Umsetzung, für die man gar keine ungeheuren Geldmengen braucht.

SCHRITT 6

Ohne Ziel kein Glück mit dem Geld

Nun gilt es, ein konkretes Ziel zu entwickeln, das mit Geld verknüpft ist und in Einklang mit Ihren Werten steht. Erst wenn wir wissen, was unser Ziel ist, kommt das Geld dafür.

Menschen, die viel Geld ohne wirkliche Ziele haben, erleben oftmals eine Krise: Jetzt habe ich viel Geld, aber was mache ich bloß damit? Was ist mein Ziel im Leben?

Übung 6 Mitreißende Ziele formulieren

Bei der Formulierung Ihrer Ziele und Träume sollten Sie Grundsätze beachten, sonst trickst Ihr Unterbewusstes Sie wieder aus.

SCHRITT 7

Ich darf reich sein

Reichtumserlaubnis, das klingt irgendwie maßlos, oder? Viele von uns haben eine regelrechte Abwehr dagegen, ein Leben ohne Geldsorgen zu leben und sich reich zu fühlen. Darauf hat Finanzcoach Christina Kanese nur eine Antwort: »Arm bleiben aus Solidarität hilft nicht, Armut zu bekämpfen.« Jeder, der also Skrupel hat, reich zu sein, weil andere arm sind, kann seinen Reichtum für soziale Zwecke nutzen – und zugleich ein leichtes Leben leben, sagt Kanese.

Hier setzt die Reichtumserlaubnis an – für den Fall, dass das negative Bild von Reichtum aus Ihrer Kindheit Sie so beeinflusst, dass Ihr Unterbewusstsein Ihnen Reichtum verbietet.

Übung 7 Meine Reichtumserlaubnis

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich die Reichtumserlaubnis zu geben: Sie können sich den Satz sagen: »Ich darf reich und glücklich sein.« Sie können diesen Satz auf eine Postkarte schreiben und aufhängen oder aufstellen.

TIPP

Wirkt ebenso: Schließen Sie einen schriftlichen Vertrag mit sich selbst ab, auf schönem Papier und mit schwungvoller Unterschrift: Hiermit erlaube ich Herrn/Frau XY, reich zu sein.


ILLUSTRATIONEN: STEFAN MOSEBACH