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Das lange Ohr zum Glück


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Draußen! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 31.08.2022
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Bildquelle: Draußen!, Ausgabe 2/2022

Sonne, Meer und lange Ohren. Treffender hätte Lotta Lubkoll den Titel für ihr neues Buch nicht formulieren können. Die langen Ohren gehören Jonny, ihrem Esel. Die Sonne scheint über dem Atlantik im Südwesten von Europa. Da haben die beiden den letzten Winter verbracht. Lotta schreibt über ihre Erlebnisse in der Wüste, von ihren Begegnungen mit Kitesurfern an langen Sandstränden und vom Vanlife mit Esel.

Vanlife mit Esel? „Als ob das ohne Esel nicht schon Herausforderung genug wäre“, lacht die Schauspielerin und Erlebnispädagogin über ihre Idee, einen Bus auszubauen und damit an den Atlantik zu fahren. Der Clou: Der Esel reist nicht hinten im Anhänger mit, sondern tatsächlich mitten im Fahrzeug. Was nach einem verrückten Drehbuch klingt, ist eine wahre Geschichte, der ein einschneidendes Erlebnis vorausging.

„Als ich 22 Jahre alt war, bekam mein Vater Magenkrebs. Wir hatten nicht mehr viel Zeit“, ...

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... erzählt die junge Frau von der unheilbaren Diagnose. Nach seinem Tod kann sie nicht mehr schlafen. „Ich hatte Ängste nachts und kam nicht zur Ruhe.“ Die Lösung: vier kleine Hufen, ein kurzer Schwanz und eine weiche, hellgraue Nase.

„Ich wollte als Kind schon immer einen Esel“, strahlt sie und wuschelt ihrem langohrigen Freund dabei durch den spärlichen Schopf. Schuld an ihrer großen Liebe zu dem grauen Tier ist der grüne Oger aus „Shrek“. „Ich habe den Film als Kind gesehen und wollte auch immer so einen lustigen Esel als Freund.“

Also schrieb sie in eBay Kleinanzeigen: „Suche Unterstellmöglichkeit für einen Esel, den ich mir bald kaufen werde.“ Zurück kamen eine Reihe Angebote, viele Ratschläge und eine ganze Portion nützliche Tipps. „Ich hab’ dabei viel über Esel gelernt“, erzählt Lotta, die schon Erfahrung mit Pferden hatte.

Als sie sich auf den Weg macht, um junge Esel anzuschauen, trifft sie gleich den richti- gen: „Wir haben uns gesehen und sofort verliebt“, sagt die begeisterte Eselfreundin mit strahlenden Augen. „Er stand da auf einer Wiese und ich wusste sofort: Wir beide werden ein super Team.“

Plätze für die Nacht

AUFWACHEN AN DER LAGUNE

In Portugals Norden, in der Nähe des Städtchens Aveiro, circa 50 Auto-Minuten südlich von Porto gibt es eine Kombination aus Ozean und Lagune. Zu kilometerlangen Sandstränden am kühlen Atlantik kommen eine herrliche Landschaft und ein kulturell interessantes Städtchen. Übernachtungstipp von Lotta: PenichePraia – Bungalows, Campers & Spa, Adresse: Estrada Marginal Norte, 2520 Peniche, 605 Portugal, www.penichepraia.pt

ENDSTATION SEHNSUCHT

In Sagres, dem süd-westlichsten Punkt Europas, an der Algarve treffen sich Surfer und Aussteiger. Die Sandstrände sind von hohen Felsen umgeben, im Ort gibt es kleine Lokale und Shops. Lottas Tipp: Camping Sarges – ein wunderschöner Campingplatz inmitten eines Pinienwaldes. Adresse: Cerro das Moitas, 8650-998, Vila de Sagres, www.orbitur.pt/de/destinos/algarve/orbitur-sagres

AB IN DIE WÜSTE

Europas einzige Wüste liegt in Andalusien und ist die Wüste von Tabernas. In der Provinz Almería, etwa 30 km nördlich der Provinzhauptstadt Almería auf dem Gebiet der Ortschaft Tabernas, erstreckt sie sich über 280 km². Zwischen den gefurchten Berghängen und Süßgrassteppen finden Camper im „Little Texas Camp Site“ alles, was sie für ruhige Nächte brauchen – inklusive Pool zur Erfrischung. Adresse: Little Texas Camp Site, BD Los Yesos, 04200 Tabernas, Almería, Spanien, www.littletexastabernas.com

PRIVAT GANZ WILD

Lottas ultimativer Übernachtungstipp: Die App „park 4 night“. Hat die Unterkunft einen Traktor als Button, handelt es sich um einen Bauernhof oder eine Farm. Ideal für Jonny – und für alle, die nicht wild campen wollen, aber eben doch allein und auf dem Land. www.park4night.com

Was der Esel damals noch nicht wusste: Er wird ziemlich viele Abenteuer erleben und es damit sogar bis ins Fernsehen schaffen. Denn Lotta hatte einen Plan: einfach loslaufen. Das Ziel: In 80 Tagen von München bis ans Mittelmeer. Was wie der Titel eines Abenteuerfilms klingt, ist für Lotta der Weg zurück ins Glück.

Im Gepäck nur das Nötigste: Ein Zelt, eine Zahnbürste, Wechselkleidung, Hufschuhe für Jonny, eine Flasche für Wasser für unterwegs, eine Decke, eine Wurzelbürste, einen Zaun und ein Halfter. Das alles wurde gerecht geschultert: Zehn Kilo auf dem Rücken von Lotta, 30 Kilo auf dem des Esels. „Esel können problemlos bis zu 20 Prozent ihres eigenen Körpergewichts tragen. Also haben wir fair aufgeteilt.“

Mit einem hohen Rucksack und ausladenden Packtaschen machen sich die beiden von Starnberg aus auf den Weg immer Richtung Süden entlang der Via Claudia Augusta. Für die Schauspielerin ist der Marsch eine willkommene Herausforderung. Meter für Meter übt sie sich in Geduld. Nur 10 bis 15 Kilometer schaffen Lotta und ihr Esel pro Tag. Einen strikten Plan haben die beiden nicht.

„Ich wollte draußen schlafen, da, wo ich gerade bin. Ich wollte wandern, ohne zu wissen, wo ich am Abend landen werde. Ich wollte unterwegs sein. Wieder zu mir kommen.“ Und vor allem: wieder schlafen lernen. Allein. In der Natur. Nur mit einem Esel als Begleitung.

Im Zockeltempo geht’s zu Fuß quer über die Alpen

„Die ersten Nächte waren krass. Ich kroch bevor es dunkel wurde ins Zelt und konnte mich kaum bewegen vor Angst. Da hab’ ich so gut wie gar nicht geschlafen.“ Dann wurde es langsam besser: „Mit jeder Nacht, die du überstehst, merkst du: Es ist nichts passiert. Das Vertrauen wächst – in die Welt und in dich selbst.“ Im Zockeltempo mit etwa zwei bis vier Kilometer pro Stunde bewegt sich die immer bunt gekleidete Frau mit ihrem Esel quer über

„Ich bin ein Mensch, der gerne viel und alles auf einmal macht. Der Alltag kommt mir manchmal vor wie eine Fahrt im Karussell. Du drehst dich und drehst dich und irgendwann beginnt alles um dich herum zu verschwimmen. Wenn ich mit Jonny wandern bin, seh’ ich die Dinge wieder scharf. Und kann das Karussell auslaufen lassen.“

Lotta Lubkoll

die Alpen Richtung Venedig. Das erregt vor allem in kleinen abgelegenen Bergdörfern großes Aufsehen: „Uns haben viele Leute gewunken und angesprochen.“ Zeitungen und Fernsehsender berichten über die beiden. „Das war irgendwann ein richtiger Trubel.“

Dazwischen lief es manchmal stockend: „Vor Brücken zum Beispiel ist Jonny gerne stehen geblieben. Weil das Wasser drunter rauschte. Da hat er mich angeschaut und wollte mir sagen: „Ne, Lotta. Schau dir das an. Könnte sein, dass ich da einbreche. Hier gehen wir besser nicht drüber.“

20 Minuten und mehr ruckelt Lotta am Strick, versucht zu schieben und den Esel zum Weiterlaufen zu bewegen. Geholfen hat es nicht. Was half, war echte Überzeugungsarbeit. „Ich bin immer wieder ein Stück auf die Brücke gelaufen, hab ihm gezeigt: Schau, es passiert nichts. Vertrau mir. Lass uns weiterlaufen.“ 600 Kilometer. An vielen Stellen. Das einzige Mittel, um weiterzukommen: Geduld. Lotta lotst ihren Esel durch alle brenzligen Situationen: laute Lkw, andere Tiere, verdächtiges Rascheln im Gebüsch. Entsprechend langsam geht es voran.

Ein echtes Kontrastprogramm zu ihrem Alltag in der Heimat am Starnberger See, wo Lotta inzwischen eine Ausbildung zur Survivaltrainerin absolviert. Und weiter ihren Träumen folgt: „Ich hatte ein Foto von einer Sanddüne mit Mama und meinem kleinen Bruder Kalle. Papa hatte das Foto geknipst beim Überwintern in Spanien. Da wollte ich hin. Diesen Platz wollte ich finden.“

Also ersteigert sie in Bottrop einen alten Ford Transit für 5.200 Euro und baut ihn „einfach irgendwie“ aus. „Mir war ganz wichtig, dass ich Jonny immer sehen kann“, sagt Lotta. Irgendwie heißt also konkret: Bett und Kite-Ausrüstung links, Jonnys Box und das Heulager rechts. Mit Rampe und rutschfester Matte, mit gepolsterten Seitenwänden und einer Wanne mit Abfluss. „Falls mal beim Fahren was schiefgeht, damit mir das nicht ins Wohnzimmer läuft.“

Lotta zieht mit Jonny in einen alten Ford Transit

Abends klappt Lotta die zweite Hälfte des Betts einfach runter und schläft auf der gesamten Fläche. Die erste Frage, die sich der Betrachter dabei stellt: Riecht das nicht nach Stall? Den Verdacht kann sie aber trotz feiner Nase absolut nicht bestätigen. „Wenn ich Jonny streichle, riechen meine Hände schon nach Esel. Aber so beim Fahren merke ich nichts. Nur ganz kurz, wenn er frisch äpfelt. Aber das verfliegt sofort. Er frisst ja nur Heu und Graß.“

Bleibt die Frage: Schläft der Esel auch im Auto? Könnte er. Wenn es zum Beispiel stürmt. Normalerweise steckt Lotta vor Übernach-

tungen vor dem Van eine Koppel ab. „Nachts rollt sich Jonny dann unter dem gespannten Vorzelt direkt vor der Bus-Tür zusammen, wie eine Katze. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht draufsteige, wenn ich nachts das Auto verlassen will.“

Während Lotta über das Leben mit Esel auf wenigen Quadratmetern spricht, ist die weiche Eselnase immer mit dabei. Wenn Lotta den Herd aufklappt (Eselnase am Scharnier), wenn Lotta die Putzbox zeigt (Eselnase an der Bürste), wenn Lotta die Klappe zu den Gasflaschen öffnet (Eselnase am Griff). „Manchmal denke ich, Jonny meint, er sei ein Mensch. Der will echt überall dabei sein.“

Auf ihrer dreimonatigen Tour von Deutschland aus über ein französisches Schneechaos, durch Bergdörfer in Nordspanien, über Serpentinen, Passstraßen, Birkenwälder bis nach Porto und an das südwestlichste Ufer Europas hört sie immer wieder Leute sagen: „Ist da ein Esel im Bus?“ Ja – da ist ein Esel im Bus. Und nicht nur im Bus: „Einmal hat es Jonny auf unseren Reisen so- gar bis an den Frühstückstisch geschafft: Er hat so lange an die Verandatür geklopft und gescharrt, bis die Hausbesitzerin gesagt hat, dass er reinkommen darf. Dann ist er da rumgelaufen, wie das Pferd von Pippi Langstrumpf. Und stand total entspannt mit an meiner Müslischüssel.“

Lotta und Esel

Lotta Lubkoll ist Schauspielerin, Erlebnispädagogin und Autorin. Über ihre Reisen schreibt sie Bücher und berichtet darüber in Vorträgen. Gerade lässt sie sich außerdem zur Wildnis- und Survivaltrainerin ausbilden. Neben Reisen, Skaten und Kitesurfen schraubt sie gerne an ihrem Bus. Gemeinsam mit Esel Jonny lebt sie auf einem Hof am Starnberger See.

Als die Geschichte für „Draußen!“ entstand, war Lotta gerade auf ihrer dritten großen Reise in Slowenien unterwegs. Auf dieser Tour wandert sie für krebskranke Kinder aus der Ukraine. Ihr Ziel: 5.000 Euro.

Mehr zur der Aktion, zu Lotta und zu Esel Jonny unter www.eseljonny.de

Normalerweise sucht Lotta aber nach passenden Plätzen für Jonny wie nach grünen Oasen neben ausgestorbenen Häfen. Was sie dabei immer findet: Menschen, die von Jonny begeistert sind. Bei ihren Wanderungen durch die Wüste Tabernas in Andalusien und über die steilen Hänge des portugiesischen Naturparks Sintra Cascais bekommt Jonny manchmal Äpfel und Karotten geschenkt. Auf einer Pferderanch gibt’s eine große Portion Heu – umsonst.

Lotta reist so, wie es Jonny gut gefällt. „Ich muss schon drauf schauen, wo er mit hinkann und was er will und braucht.“ Innenstädte wie Sevilla zum Beispiel seien für den Esel purer Stress. „Da ist es laut und heiß und wenn ich Durst habe und eigentlich in einem Café sitzen möchte und Jonny da aber nichts zu grasen hat, macht mir das dann auch keinen Spaß.“ Auf der Reise macht sie viele ungeplante Entdeckungen: eine mystische Wüste mit ausgewaschenen Bachbetten, einen Sonnenaufgang zum Niederknien und dazwischen Menschen, die ein lockeres und entspanntes Leben führen.

Hippies, Sportler, Wanderer, Musiker. Arme und Reiche, Junge und Alte, Familien, Alleinreisende und Gruppen. Die Mischung aus exotischen Lebensentwürfen und dem Wandern in der abwechslungsreichen Landschaft tut der jungen Frau gut. „Ich bin ein Mensch, der gerne viel und alles auf einmal macht. Der Alltag kommt mir manchmal vor, wie eine Fahrt im Karussell. Du drehst dich und drehst dich und irgendwann beginnt alles um dich herum zu verschwimmen. Wenn ich mit Jonny wandern bin, seh’ ich die Dinge wieder scharf. Und kann das Karussell auslaufen lassen.“ Mit ihrem Esel gelingt es der heute 29-jährigen Lotta, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. So wie ihr Vater es eigentlich vorhatte. „Er wollte immer mit einem Traktor und einem Zirkuswagen ums Mittelmeer fahren.“ Als er mit 59 Jahren stirbt, wird Lotta bewusst, wie schnell das Leben vorbei sein kann. „Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich immer, wenn ich Mal Geld, Platz und Zeit für einen Esel habe, dann mach ich das.“ Aber die Zeit war jetzt. „Weil man nicht davon ausgehen kann, dass man das Rentenalter erreicht.“

Unterwegs geht’s mit Jonny gemächlich zu. Er bremst jede Hektik stoisch aus. Seine Wünsche bestimmen Route und Tempo. „Wo gibt’s Futter? Wo machen wir Pause? Wo können wir über Nacht bleiben?“ Alles Fragen, die Lotta mehr und mehr entschleunigen. Und manchmal sogar zum Schwindeln zwingen. „Auf den Campingplätzen wurde ich an der Rezeption gefragt, ob ich einen Hund oder eine Katze dabeihabe. Am Anfang habe ich noch versucht zu erklären, dass ich einen Esel im Bus habe.“ Irgendwann kreuzt sie einfach „Hund“ an – und steckt anschließend die kleine Weide für ihren Esel auf ihrer Parzelle ab.

Ärger gibt es dafür nicht. Im Gegenteil. Die Leute wundern sich hauptsächlich. Schon auf ihrer Wanderung ans Mittelmeer erlebt die Schauspielerin rührende Szenen. „Die Leute haben mir in den Dörfern Kuchen und Kekse hinterhergetragen.“ An den steilen Küsten Portugals sitzt sie oft mit Familien zusammen, die sie dort kennenlernt, und lauscht ihren Geschichten.

Lotta genießt die wilde Freiheit mit dem Van, auch wenn sie sich vor allem anfangs fragt, ob das Reisen mit Esel wirklich so eine gute Idee ist. „Die ersten zwei Wochen dachte ich: Wieso tu ich mir das an? Allein. Mit einem Esel. Bis an den Atlantik.“ Zweifel kommen auf, als sie den Bus im Schlamm festfährt, versehentlich auf einem Militärschussgelände parkt und sich nachts vor wilden Hunden in einem dunklen Wald fürchtet. „Ich hatte mehr Angst um Jonny als um mich“, sagt Lotta. Mit jeder geschafften Nacht, mit jedem überwundenen Problem, wird der aufgeweckte Esel immer mehr zum Freund.

Egal ob Bekannte oder Fremde: Überall, wo Lotta auftaucht, möchten Menschen Jonny streicheln und mit dem Esel Fotos machen. So kommen die beiden oft in Kontakt und finden auf privaten Wiesen und Pferdehöfen Platz zum Übernachten. Bezahlen müssen sie dafür oft nichts. „Manchmal durfte ich sogar meinen Heuvorrat umsonst auffüllen.“

Auch auf ihrer Van-Reise geht Lotta jeden Tag mit Jonny wandern – durch Pinienwälder, an Küsten entlang, durch staubtrockene Wüsten und über die rotbraune Erde, mit dem bröckeligem Gestein und den grünen Büschen in Porto. Immer mit kleinen Hufschuhen gegen den Abrieb und wenn nötig mit einer Decke gegen den Regen.

Und hat sie es geschafft, den Ort zu finden in Spanien, den ihr Vater geknippst hat beim Überwintern in Spanien? Lotta will das an dieser Stelle nicht verraten und empfiehlt: „Einfach nachlesen. Oder noch besser – sich selbst auf den Weg machen und das Abenteuer entdecken. Denn nirgends sonst lernt man sich besser kennen als unterwegs.“

Draußen begegnet

Porträtschreiberin und Reisejournalistin Stefanie Böck lebt mit drei Kindern und Hund Lotte im Allgäu. Einsame Stellplätze fand sie bisher eher unheimlich: Am liebsten parkt sie ihren Wohnwagen in geselligen Sportcamps oder auf Campingplätzen. Und radelt von dort etappenweise über Alpen-Trails oder stapft mit Stöcken durch wilde Tobel.