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Die Geheimnisse des alten Ägypten


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HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 22.09.2022
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Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 5/2022

Hieroglyphen, Pyramiden, Mumien: Viele Zeugnisse der Hochkultur haben die Jahrtausende überdauert

BERÜHMTHEIT

Die Büste der Nofretete kann man heute im Ägyptischen Museum Berlin bewundern

„Von Anbeginn an ist das alte Äg ypten ein Nationalstaat, 3000 Jahre lang.“

Prof. Tarek Sayed Tawfik

Vrrund 5000 Jahren entstand am Nil eines der mächtigsten Reiche aller Zeiten: das alte Ägypten. Während in Europa Jungsteinzeitler im Fellmantel durch die Wälder zogen, errichteten die Pharaonen fast 147 Meter hohe Pyramiden, kannten Schrift und Zentralstaat. Keine Zivilisation war langlebiger, erfinderischer oder schuf mehr imposante Bauten.

„Von Anbeginn an ist das alte Ägypten ein Nationalstaat, im Gegensatz zu den anderen Kulturen in der Region“, erklärt Prof. Tarek Sayed Tawfik, Ägyptologe an der Universität Kairo und Experte in einer achtteiligen ZDF-Doku (s. Mediatheken-Tipp Seite 31). „Damals gab es fast nur Stadtstaaten wie Babylon in Mesopotamien. Ägypten war speziell, weil es ein Flächenstaat mit einem ...

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... Volk war. Und das blieb es 31 Dynastien lang, für fast 3000 Jahre.“ Bis heute gilt diese Hochkultur als rätselhaft und fremd. Internationale Forschungsteams versuchen, ihre letzten Geheimnisse zu entschlüsseln.

Hoffnung auf Unsterblichkeit

Paradoxerweise wissen wir über das Jenseits der alten Ägypter mehr als über ihren Alltag. Reliefs in Gräbern sowie Totenbücher liefern ein detailliertes Bild, denn damals galt der Grundsatz: Wird ein Pharao nach seinem Tod nicht zum Leben erweckt, stirbt das ganze Volk. Dafür musste sein Körper möglichst unversehrt bleiben. Also konservierten die Priester den Verstorbenen für die Ewigkeit. Rund 40 Tage dauerte die aufwendige Mumifizierung. Nach der Säuberung des Leichnams wurden Gehirn und innere Organe entfernt. Natron trocknete den Körper aus. Die Balsamierer füllten den Brust- und Bauchraum etwa mit Myrrhe, Gewürzen, Wachs. Dann wurde der Körper mit Öl gesalbt und mit mehreren Leinenschichten umwickelt. Besonders sorgsam gingen sie mit dem Herzen um. Es galt als Sitz der Seele.

GEFÄSS

Kanopen dienten zur Aufnahme der Organe, die bei der Mumifizierung entfernt wurden

WERKZEUG

Messer wie diese gehörten zur Ausstattung der Balsamierer

Von zentraler Bedeutung waren die zahlreichen Bilder und Hieroglyphen im Grab: Sie wiesen dem Pharao den Weg – eine zwölf Stunden dauernde Reise. Da der Tote im Jenseits dasselbe wie zu Lebzeiten benötigte, gab es üppige Grabbeigaben: Obstkörbe, Weinkrüge, gebratenes Fleisch, Brot, Kleidung, Schmuck, Spiegel und Schminkutensilien. Und damit er sich nicht langweilte, wurden sogar Brettspiele beigelegt.

„Die Vorbereitung auf den Tod spielte eine ungeheure Rolle im alten Ägypten. Auch wirtschaftlich“, bestätigt Prof. Regine Schulz, Ägyptologin und Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim. „Es ist sehr auffällig, dass es hier ein Land gibt, das sich einen Totenkult und einen Götterkult leisten konnte, der mit Sicherheit fast die Hälfte des gesamten wirtschaftlichen Vermögens des Landes auf brauchte.“ Wie sehr der Glaube an die Unsterblichkeit der Herrscher verankert war, zeigt ein Kriminalfall: Um das Jahr 1156 v. Chr. fiel Ramses III. einem Attentat zum Opfer. In den offiziellen Gerichtsakten tritt der Tote trotzdem als Ankläger auf. Er fordert das Gericht auf, die Schuldigen ausfindig zu machen und zu verurteilen – ein Befehl aus dem Jenseits.

Monumente im Wüstensand

Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den sieben Weltwundern der Antike. Vor allem das Grabmal des Pharaos Cheops gibt den Ägyptologen noch immer Rätsel auf. Die ursprünglich 146,59 Meter hohe Pyramide wurde um 2600 v. Chr. errichtet und besteht aus rund 2,3 Millionen Steinblöcken. „Das Ganze ist aus poliertem Stein und höchst präzise zusammengesetzt“, berichtet der antike griechische Historiker Herodot in seinen Abhandlungen zum Pyramidenbau. Ein Monument für die Ewigkeit!

Bislang entdeckten Forscher drei Hauptkammern, darunter die Königskammer mit dem Sarkophag aus rotem Granit und eine unterirdische Felsenkammer. Schächte, Korridore und Treppen durchziehen das Bauwerk – ein komplexes System, dessen Sinn größtenteils ungeklärt ist. Gibt es weitere Hohlräume? Vielleicht sogar verborgene Grabschätze? US-Archäologen planen mit dem Projekt „Exploring the Great Pyramid“ (EGP) eine Durchleuchtung mit hochauf lösenden Myonen-Scannern. Statt Radar- oder Röntgenstrahlung fangen die Detektoren schnelle Elementarteilchen ein, die sogar dicken Fels durchdringen können. Sie entstehen, wenn kosmische Strahlung auf die Erdatmosphäre trifft. Je nach Dichte des Materials werden die Teilchen unterschiedlich stark absorbiert und verraten so die innere Struktur von Bauwerken.

Ein erster Versuch brachte 2017 bereits spektakuläre Ergebnisse: Im Laufe von Monaten entstand eine Art 3-D-Bild des Pyramideninneren, inklusive zuvor unbekannter Hohlräume etwa oberhalb der Königskammer. Doch die Bildauflösung war viel zu schwach, um Details erkennen zu können. Das neue ehrgeizige Projekt soll jetzt hochaufgelöste Bilder liefern, die endlich Klarheit bringen. »

146,59 Meter ragte die Pyramide des Cheops ursprünglich in den Himmel

ARTEFAKT

Die Elfenbeinfigur ist die einzige erhaltene Statue des Cheops

Dafür müssen die Myonen allerdings auf allen Seiten der Cheopspyramide von den Detektoren aufgefangen werden – und das vermutlich zwei Jahre lang. So leicht gibt das 4500 Jahre alte Monument seine Geheimnisse eben nicht preis.

Städte für die Götter

Einfach nur Tempel? Das reichte den Ägyptern nicht, um ihren Bund mit den Göttern zu besiegeln. Vor allem ab dem 16. Jahrhundert v. Chr. lieferten sich Pharaonen des Neuen Reichs ein wahres „Wettrüsten“: Wer baut die prächtigsten Gebäude zu Ehren der höheren Mächte? Gegen Tempelanlagen wie in Karnak am östlichen Nilufer verblassen selbst die Pyramiden. Amun-Re, König der Götter, brauchte eine angemessene Wohnstatt, damit er dem Reich stets gewogen blieb. Sein Tempel in Karnak zählt deshalb zu den beeindruckendsten Bauwerken des alten Ägypten, rechts ist eine Computer-Rekonstruktion zu sehen.

Besucher fühlen sich noch heute zwergenhaft klein im Schatten der gigantischen Säulen, Pylone, Obelisken und Statuen. Über Jahrhunderte wurde der Tempelkomplex immer wieder erweitert, umgebaut und noch aufwendiger gestaltet. Zeitweise sollen damit 80.000 Menschen beschäftigt gewesen sein. Allein in der majestätischen Säulenhalle, von Ramses II. vollendet, standen auf einer Länge von 103 Metern einst 134 Säulen.

Wie wichtig die Staatsreligion für Ägypten war, zeigte sich, als ein Pharao an ihr rüttelte: König Echnaton herrschte um 1350 v. Chr. und wollte Amun durch Sonnengott Aton ersetzen. Eine Kulturrevolution, die zum Scheitern verurteilt war. Seine Nachfolger kehrten zur alten Religion zurück und verbannten Echnaton aus der Geschichte. Wer den Ägyptern ihre Götter nahm, stahl ihnen auch den Mittelpunkt des Lebens und den Zusammenhalt des Reichs. »

Mächtige Frauen

Die Geschichte des alten Ägyptens ist auch eine Geschichte der Frauen. Königliche Gemahlinnen wie Ahhotep I. aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. griffen aktiv in die Politik ein. In Inschriften wird sie als „Vereinerin Ägyptens“ bezeichnet und ihre Rolle bei der Vertreibung der feindlichen Hyksos gepriesen. Bereits vor 3500 Jahren regierte sogar eine Frau allein über das Reich am Nil. Ihr Name: Hatschepsut. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie die Regentschaft für ihren minderjährigen Neffen Thutmosis III., ließ sich sogar zum Pharao krönen. Mit propagandistischen Bauten untermauerte sie diesen Anspruch und ließ sich mit den typischen Insignien männlicher Herrscher wie dem künstlichen Königsbart darstellen. Nahezu 22 Jahre lang prägte sie das Reich. Eine blühende Epoche. Ein Jahrhundert später war es Nofretete, die an der Seite ihres Mannes Echnaton über Ober- und Unterägypten herrschte. Ihre berühmte Büste (r.), die als Hauptattraktion im Ägyptischen Museum Berlin ausgestellt wird, machte sie unsterblich. Und Kleopatra ging als „Femme fatale“ und letzte Pharaonin in die Geschichte ein. „Ein Erfolg im Beruf beschränkte sich längst nicht auf die Frauen der High Society“, erklärt Dr. Lubica Hudáková, Ägyptologin an der Universität Wien und Expertin der ZDF-Doku. „Auch Frauen aus niedrigeren Schichten können durchaus Karriere machen. Es war in der Zeit zum Beispiel üblich, dass die Frauen aus der Elite eine rein weibliche Dienerschaft hatten. Und diese Dienerinnen, diese Frauen, verwalteten dann als ‚Schatzmeisterinnen‘ oder ‚Vorsteherinnen‘ die Güter ihrer Herrin.“ Ob Königinnen, Beamtinnen, Händlerinnen oder Ärztinnen: Frauen hatten viele Möglichkeiten, sich im alten Ägypten zu verwirklichen. Sie genossen eine Form der Gleichberechtigung, die in der antiken Welt ihresgleichen suchte.

SCHÖNHEIT

Die Büste der Nofretete zeugt von der Rolle, die sie als Hauptfrau von Echnaton spielte

Auf der Spur des Wissens

Tausende Jahre alte Papyri sind Belege dafür, dass die Medizin im alten Ägypten erstaunliche Erfolge vorweisen konnte: Es gab Augenärzte, Gynäkologen und Zahnärzte, die Plomben und Brü- cken aus Golddraht fertigten. Chirurgen wagten sich sogar an Kopfoperationen und Amputationen, schienten gekonnt Brüche. Auf Wunden trug man Honig, Harz und Metalle auf – Mittel, die Bakterien hemmen und bekämpfen können. Bei Verstopfung wurden Rizinusöl und Feigen verordnet und bei Blähungen Kreuzkümmel und Koriander.

Archäologische Funde belegen, dass es eine ernst zu nehmende Pharmazie bereits bei den Ägyptern und damit lange vor den Griechen gab, die als Begründer der modernen Medizin gelten. Viele der alten Heilmittel sind noch immer in Gebrauch. Als erste schriftliche Quelle der ägyptischen Heilkunde gilt der im 16. Jahrhundert v. Chr. entstandene Papyrus Ebers – ein früher Versuch, das Wesen von Krankheit zu verstehen. Das wichtige Dokument der Medizingeschichte, heute im Besitz der Universitätsbibliothek Leipzig, beschreibt bereits ausführlich verschiedene Krankheiten, deren Symptome, Diagnosen und mögliche Therapien. Die Ratschläge reichen von Zahnmedizin, Wundbehandlung und Herzproblemen bis zur Empfängnisverhütung. Die Stadt Alexandria galt als berühmte Ausbildungsstätte für Ärzte, ihr Ruf reichte bis nach Griechenland.

Doch ohne den Glauben an Dämonen und Götter konnte keine Heilung stattfinden. Auch der Papyrus Ebers enthält Zaubersprüche, die den medizinischen Erfolg unterstützen sollten. Ärzte waren zumeist Priester und Heiler zugleich. Bei magischen Ritualen riefen sie die Götter an und baten um Hilfe gegen die Beschwerden. So wurden die Tempel damals auch zum zentralen Wallfahrtsort für kranke Menschen.

MEDIATHEKEN-TIPP

ÄGYPTEN – WELT DER PHARAONEN In acht Teilen zeigt die aufwendige Doku die Geschichte des Reichs am Nil, von den ersten Siedlungen bis zum Untergang. Verfügbar in der ZDF-Mediathek

Der Weg in den Untergang

Das alte Ägypten war untrennbar an die Macht der Pharaonen gekoppelt. Sie galten als gottgleich und konnten in die Ewigkeit eingehen. Doch dann bestiegen Fremde den Thron: Erst herrschten Perser über das Reich am Nil, dann Pharaonen aus der makedonisch-griechischen Dynastie der Ptolemäer, 323 v. Chr. gegründet von einem General Alexanders des Großen. Sie machten ihre Residenzstadt Alexandria zum Zentrum der Kultur und des Fortschritts. Die rund 300 Jahre währende Herrschaft gilt als letzte Blütezeit – und war doch der Anfang vom Ende. Nur Ordnung und Beständigkeit konnten dem Reich genügend Halt geben. Der Glaube der Ägypter an die Allmacht ihrer Könige aber war erschüttert, auch weil Klimaveränderungen für Dürren, Missernten und Hungersnöte sorgten. Das jährliche Nilhochwasser, das sonst für fruchtbare Felder sorgte, blieb aus. Die Wüste rückte vor, wichtige Seen schrumpften auf die Hälfte. Hunger und Armut ließen die Menschen verzweifeln – und zweifeln.

„Da die Ptolemäer wie alle ägyptischen Könige vor ihnen für das richtige Ansteigen des Nils verantwortlich sind, ergeben sich daraus auch sehr schnell innenpolitische Probleme für die Herrscher“, erklärt Prof. Peter Franz Mittag, Althistoriker an der Universität zu Köln. Wenn die Pharaonen sich in dieser Notlage hilflos zeigten, konnten sie keine Götter sein. Herrscher wie Ptolemaios VIII., der im zweiten Jahrhundert v. Chr. regierte, sorgten mit Protz, Dekadenz, Genusssucht und Gleichgültigkeit gegenüber dem Volk zusätzlich für Imageprobleme. Auch Kleopatra, die letzte Herrscherin aus der Ptolemäer-Dynastie, konnte diesen Untergang nicht mehr aufhalten.

KAI RIEDEMANN

300 Ja hre herrschten die Ptolemäer in Alexandria über Ägypten

REGENTIN

Kleopatra VII. (69 – 30 v. Chr.) regierte Ägypten als letzte Pharaonin