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Die Peripherie im Griff


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Tastenwelt - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 19.10.2022

WORKSHOP

JÜRGEN SARTORIUS

Artikelbild für den Artikel "Die Peripherie im Griff" aus der Ausgabe 6/2022 von Tastenwelt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tastenwelt, Ausgabe 6/2022

Jürgen Sartorius wurde 1965 in Herne in eine musikbegeisterte Familie geboren. Schon seit frühester Kindheit spielt er Tasteninstrumente und erhielt eine Ausbildung an Orgel und Klavier. Seit 1989 arbeitet er als selbstständiger Musiker, seit 2007 ist Jürgen Sartorius für die Vertriebsgesellschaft KORG&more in Marburg tätig und promotet Keyboards von KORG und VOX Continental.

Der Workshop

In unserer neuen Workshop-Reihe gibt der bekannte Top-Entertainer Jürgen Sartorius ab sofort in jeder Ausgabe Experten-Tipps für Entertainer und alle, die es werden wollen. Für Einsteiger wie Fortgeschrittene werden vom Programmaufbau bis zur optischen Präsentation alle relevanten Themen behandelt.

In dieser Ausgabe geht’s um die eigene Darstellung, hier als erstes ein paar Ideen und Tipps für’s Internet.

Von Zeit zu Zeit werde ich etwas nostalgisch und bediene mich dann einer Suchmaschine, ...

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... die auch gelöschte und alte Webseiten darstellen kann (Wayback Machine). Genauer gesagt, die gelöschte Internetseite ist dort nicht vollständig sichtbar, auch über eine Adresse respektive Domain ist sie nicht mehr zu erreichen, aber die Seitenstruktur, viele Texte und auch einige Grafiken sind tatsächlich immer noch zu sehen, da diese „Maschine“ Schnappschüsse vom ganzen Internet macht, und das über Jahre hinweg. Einige meiner Webseiten sind schon über 20 Jahre alt und ich muss schon doll schmunzeln, wenn ich sehe, was ich damals so als unerfahrener Webdesigner für cool befunden habe.

Vieles auf den alten Seiten (eigentlich das allermeiste) würde ich heute nie mehr so verwenden, blinkende GIFs zum Beispiel waren früher hip, heute ein No-Go. (Ich muss mir gerade an die eigene Nase fassen, denn obwohl meine aktuelle Webseite mit einem modernen Tool gebaut worden ist, könnte sie noch viel moderner aussehen. Da muss ich wohl noch mal ran …) Nun ja, worauf ich hinaus will ist, dass der Fließtext im Stadtanzeiger „Alleinunterhalter hat noch Termine frei!“ gänzlich überholt ist, mein Vater hatte diese Kleinanzeige über Jahre hinweg. Jeder Musiker, jede Sängerin, Duo, Band, Künstler hat mittlerweile eine eigene Homepage. Wenn Sie gewillt sind, langfristig ein paar Lücken in Ihrem Kalender zu schließen, sollten Sie zunächst mit einer eigenen Homepage beginnen, diese Homepage können Sie dann zur weiteren Vermarktung nutzen, aber dazu später mehr.

Hompage als Baukasten

Viele Homepage-„Baukästen“ sind fast selbsterklärend, dennoch ist ein geübter Web-Designer an Ihrer Seite hilfreich, um die Seite wirklich schön und informativ werden zu lassen. Wenn Sie mit Ihrer Musik Geld verdienen können, darf die Webseite auch gern etwas kosten, die Erstellung und Einrichtung ist einmalig und sie hält ein Leben lang. Kleine Aktualisierungen können später selbst vorgenommen werden oder eine Gebühr erfordern, aber das ist eher unerheblich. Nach meiner Erfahrung startet die Webseiten-Erstellung durch ein entsprechendes Unternehmen bei runfd 400 Euro. Nun haben Sie eine Webseite und was dann?

Nutzen Sie zusätzlich die kostenlosen Portale wie Facebook und Instagram und legen Sie auch dort Profile an, die dem Stil Ihrer Webseite ähneln sollten. Während Facebook mehr auf schriftliche Interaktion ausgelegt ist, bedient Instagram (man ist der Meinung, es sei „das neue Facebook“) eher Fotos, kleine Videos und Momentaufnahmen. Instagram lebt von Fotos und schafft Verknüpfungen durch die so genannten Hashtags (#). Die Kontaktaufnahme zu Veranstaltern ist hierüber jedoch eher schwierig, aber mit geschickt ausgewählten Hashtags kann schon mal der ein oder andere auf Sie aufmerksam werden. Wenn dann noch aussagekräftige, aber auch lustige oder kuriose Fotos zu sehen sind, um so besser!

Bei Facebook kann man sehr viel mehr Informationen unterbringen und vor allem auch Kontakte zu Veranstaltern, Vereinen oder Firmen herstellen. Auch hilft es, wenn Sie einer Facebook-Gruppe beitreten, um mit Gleichgesinnten zu plaudern oder um Erfahrungen auszutauschen. Bei beiden Plattformen können Sie wiederum Ihre Homepage hinterlegen und verlinken, so dass diese dann auch wieder gefunden wird. Sie merken vielleicht schon, Verknüpfungen sind das A und O. Vermerken Sie umgekehrt auf Ihrer Homepage, dass es Facebook und Instagram-Profile von Ihnen gibt.

Weitere moderne Social-Media-Plattformen wie TicToc oder Snapchat sind für unsere Branche eher nicht von Bedeutung.

Her mit dem YouTube-kanal

Haben Sie eigene aussagekräftige Videos von sich? Dann muss natürlich ein YouTube-Account her! Wenn Sie bereits ein Google-Konto haben, können Sie direkt einen You-Tube-Kanal eröffnen und Videos hochladen, anderenfalls ist ein übliches Anmeldeverfahren notwendig. Denken Sie auch bei dieser Video-Plattform an ein ähnliches Design wie zuvor auf Ihrer Homepage, der Wiedererkennungswert ist wichtig. Wenn es Ihr Musik-Kanal sein soll, laden Sie keine Katzen- oder Urlaubsvideos hoch, eröffnen Sie in dem Fall einfach einen zweiten privaten Kanal.

Natürlich – Sie werden es längst erraten haben – können Sie auch auf YouTube wieder alle zuvor genannten Anlaufstellen im Internet (Homepage, Facebook, Instagram) verlinken! Vermeiden Sie aber, Ihre YouTube-Videos auf Facebook zu teilen. Es ist zwar sehr einfach, aber Facebook „merkt“ das und verweigert Ihnen die Reichweite, so meine Erfahrung. Sie würden nämlich beim Klick auf ein YouTube-Video die Facebook-Umgebung verlassen und das möchte Facebook natürlich nicht. Laden Sie stattdessen Ihr Video direkt bei Facebook hoch, es wird so von mehr Personen gesehen werden.

Behalten Sie bei der Pflege Ihrer Plattformen immer alle Verknüpfungen im Auge! Sorgen Sie aber auch für „Follower“, indem Sie anderen Kanälen folgen, vielleicht einem Karnevalsverein oder einem Schützenverein. So erfahren Sie unter Umständen, wie die letzte Veranstaltung abgelaufen ist und ob es vielleicht etwas für sie wäre.

Bei einer Kontaktaufnahme zu einem Veranstalter verfassen Sie eine ordentliche E-Mail, keinesfalls eine PN (private Nachricht). E-Mail-Adressen finden Sie meist auf der Webseite des Veranstalters. Vermerken Sie am Ende der E-Mail alle Seiten im Internet, auf denen man Sie sehen und hören kann.

Die Darstellung in der „richtigen Welt“

Spielen Sie auf einer Veranstaltung, macht sich selbstverständlich eine schöne Visitenkarte immer gut. Ich persönlich bevorzuge die Postkartengröße, vorne ein ansprechendes Foto drauf, hinten ein informativer Text. Aber auch die Scheckkartengröße hat sich bewährt – spätestens als ich gesehen hatte, wie jemand meine Postkarte zweimal gefaltet hat, um sie ins Portemonnaie zu quetschen. Selbstredend, dass auch die Visitenkarte ein ähnliches Design haben sollte wie die Homepage etc. (gleiche Farbe, gleiche Schrift). Sehr beliebt sind Rollup-Banner, die nun das „Schild vor der Orgel“ zum Glück abgelöst haben (ja, ich hatte selbst mal so ein Schild!). Diese Rollups gibt es bereits ab 60 Eurpo Ein oder zwei davon hinter sich gestellt ergeben schon ein kleines Bühnenbild. Meines Erachtens muss das eigene Konterfei darauf nicht zu sehen sein, dann man steht ja da auf der Bühne und die Gäste sehen Sie. Denn hat man nach einem Jahr mal eine andere Frisur oder der Schnauzer ist ab, passt das Bild nicht mehr zur Person. Anders ist es natürlich, wenn ein Rollup zur Werbung vor der Tür genutzt werden soll „Achtung, heute Live-Musik mit Heini!“, in dem Fall muss natürlich ein Foto drauf.

Haben Sie schon einmal über Fahrzeug/ Anhängerbeschriftung nachgedacht? Auch das ist ein wirksamer Werbeträger und gar nicht so teuer, wie man meint. Hier kommt es natürlich darauf an, ob große Flächen beklebt werden sollen oder nur ein Schriftzug zu sehen sein soll. Auf meinem alten Fahrzeug stand jahrelang in großen Lettern „DIE MUSIK KOMMT!“. Ich brauchte nie an irgendeiner Pforte die Durchfahrt diskutieren und viele Gäste begrüßten mich schon lautstark mit diesem Satz.

Keine Tasten auf der Krawatte

Haben Sie eigentlich immer das gleiche Bühnenoutfit – sozusagen als Markenzeichen - oder passen Sie sich der entsprechenden Gesellschaft an?

Es gibt zwar immer noch Tasten-Krawatten (auch ich besaß die einmal), doch bin ich froh, dass sie mittlerweile von den Bühnen verschwunden sind. Ich kenne einige Band-Kollegen, die haben immer ein Kleidungs-Motto: „alle tragen Hosenträger“ oder „schwarze Sachen plus irgendwas mit rot“. Das finde ich klasse in einer größeren Besetzung, wirkt dann auch entsprechend. Alleine oder im Mann/Frau-Duett ist das jedoch nicht so erforderlich. Ich kann da nur von mir sprechen: unsere Ansagen an die Bandmitglieder heißen da einfach nur: Dresscode heute „elegant“, oder „schwarz“ und tatsächlich auch mal „jeder wie er will“, wenn es einmal auf ein zwangloses Volksfest geht. Beim Oktoberfest ziehen wir natürlich die Tracht an, da gibt’s dann keine Ausnahme.

Die Darstellung am Telefon

Manchmal fragen Veranstalter (vor allem Brautpaare) nach einem persönlichen Termin, um den DJ respektive Musiker kennen zu lernen und den Ablauf zu besprechen. So ein Treffen ist zwar mit wenig Aufwand, aber mit viel Zeit verbunden, weshalb ich versuche, alles am Telefon zu besprechen. Natürlich ist es für das Brautpaar „die eine Feier im Leben“, für uns Musiker jedoch „eine“ Hochzeit. Ich will die Wichtigkeit der Veranstaltung damit nicht schmälern, möchte dem Brautpaar aber nur meine Erfahrung vermitteln und in der Regel gelingt mir das. Bereiten Sie sich daher auf ein Telefongespräch vor, vereinbaren Sie eine Zeit und sorgen Sie für Ruhe im Raum: kein Hund, der bellt, weil er raus muss oder Geräusche durch spielende Kinder oder klappernde Töpfe. Legen Sie sich Papier und Stift bereit. Sitzen Sie bequem, nicht zu lässig und lächeln Sie beim sprechen, es ist erwiesen, man kann das wirklich hören, die Stimme klingt freundlicher! Essen, Bonbon oder Kaugummi während des Gesprächs sind ein No-Go, falls Sie etwas währenddessen trinken möchten, dann ohne Kohlensäure. Machen Sie sich zuvor einen Fragenkatalog. Holen sie sich so viel Informationen vom Veranstalter wie möglich, um später keine Überraschung zu erleben. Hier einmal einige meiner Fragen, die ich an den Veranstalter stelle:

• Veranstaltungsort, Navi-Adresse (denken Sie daran, Reisekosten zu berechnen)

• Gibt es Besonderheiten beim Zuweg an den Veranstaltungsraum? (evt. ist ein Fußweg zu überwinden, eine Transportkarre muss evt. mit ins Gepäck)

• Veranstaltungsgröße (welche Beschallung nehme ich mit?)

• Transportweg zu ebener Erde oder sind Treppen zu überwinden? (Ich habe nicht schlecht gestaunt, als einmal der Saal im ersten Stock war, ohne Aufzug!)

• Ab wann kann man in den Saal? Ist evt. jemand da, der mich reinlässt?

• Gibt es Rauchmelder? (Falls Sie eine Nebelmaschine oder Hazer benutzen möchten)

• Gibt es Lautstärkebeschränkungen? (z.B. leiser ab 22:00 Uhr, Ende um max. 3:00 Uhr)

• Auftrittsfläche Bühne, Podest oder zu ebener Erde? (geben Sie Ihren erforderlichen Platzbedarf an, z.B. Minimum 2x4 Meter)

• Gibt es einen Starkstromanschluss? (16A oder 32A, falls Sie den benötigen. Ich erinnere mich an eine Bühne, da gab esse NUR einen Starkstromanschluss und keinen Schuko-Stecker!)

• Sind Spiele gewünscht? (evt. ist dann eine Vorbereitung nötig)

• Ist evt. noch ein Nebenraum zu beschallen? (Zusätzlicher Lautsprecher, Hochständer, Verkabelung)

• Erfragen Sie eine Rufnummer für den Notfall am Veranstaltungstag (Verspätung wegen Stau/Vollsperrung, Unfall, plötzliche Erkrankung)

• Sind Vorträge zu erwarten? (Immer gerne werden von Gästen Leinwand-Vorträge gezeigt, der Ton soll dann über die Anlage gespielt werden. Der Laptop steht meist beim Beamer und nicht an der Anlage. Halten Sie eine Audio-Verlängerung bereit oder alternativ ein langes HDMI-Kabel.)

• Erlauben Sie dem Veranstalter, Ihre Rufnummer an Gäste weiter zu geben, die etwas für den Abend planen

Fassen Sie anschließend alle Informationen und Details in einem Angebot oder einer Auftragsbestätigung zusammen, es muss nicht zwingend ein Vertrag sein. Denken Sie daran, auf Zahlungsmodalitäten hin zu weisen (bar nach Ende der Veranstaltung, Vorkasse, Überweisung mit Zahlungsziel). Vielleicht besitzen Sie ein Rechnungsprogramm, das erlaubt, Angebote zu verfassen. Anderenfalls schreiben Sie eine ordentliche Mail, alternativ ein Word/Pages-Dokument, welches Sie als PDF an eine Mail anhängen, das sieht auch sehr professionell aus. Melden Sie sich eine Woche vorher telefonisch beim Veranstalter und fragen, ob sich irgendetwas geändert hat im Ablauf oder in der Organisation des Abends.

Ich würde mich freuen, wenn die ein oder andere Idee für Sie von Wert und Interesse war. Weiterhin viel Erfolg um „immer genug Strom an der Orgel“.

Jürgen Sartorius