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Ein Kraut für alle Fälle


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Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 10.06.2022
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Es war ein Medizinhistoriker namens Justus Friedrich Karl Hecker, der die Volkskrankheiten erfand – natürlich nicht die Leiden selbst, sondern den Begriff dafür. Dabei hatte der Mann damit nur ein einziges im Mittelalter verbreitetes Phänomen beschreiben wollen: die Tanzwut. Damals schien ganze Trauben von Menschen ein wahrer Bewegungszwang zu ereilen, und die Ärmsten steppten und schüttelten sich, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt, vermutet werden eine religiöse Ekstase, eine Art Drogenvergiftung durch Pflanzen wie die Engelstrompete oder sogar der Biss der Europäischen Schwarzen Witwe, einer Giftspinne.

Mit Heckers Bericht über diese „Volkskrankheit“ war aber zum ersten Mal ein Wort geprägt, das die große Verbreitung einer Krankheit innerhalb einer Gesellschaft beschrieb. Und die dabei vieles über ihre Zeit erzählte: Es waren schließlich immer auch die ...

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... Mängel und Mangelerscheinungen einer Epoche und des jeweiligen Landes, die zum Unterfutter für ein Leiden wurden. Hunger, schlechte Hygiene, ungesunde Arbeitsbedingungen zum Beispiel. So waren es mal der Typhus, die Diphtherie oder die Tuberkulose, dann wieder Hautpro- bleme oder die Syphilis, die im Westen auf dem Vormarsch waren. Auch Unwissen war natürlich lange ein Grund für viele Krankheiten. Bakterien etwa kannte man erst seit dem 17. Jahrhundert, Viren wurden gar noch später, Anfang des 20. Jahrhunderts, dingfest gemacht. Und wo Unwissen herrschte, war der Aberglaube nicht weit. Inzwischen hat sich vieles verändert. Nicht nur die massenhafte Verbreitung zeichnet eine Volkskrankheit aus – auch ihre Folgen für die Gesellschaft: der volkswirtschaftliche Schaden nämlich.

Im Wettstreit: altes Wissen gegen Hightech-Medizin

Behandlungskosten, Arbeitsunfähigkeit, Frühverrentung – Volkskrankheiten kommen uns alle teuer zu stehen. Die Auslöser der Krankheiten sind ebenfalls längst nicht mehr dieselben: Unter Hunger etwa leidet kaum noch jemand in unseren Breiten. Eher das Gegenteil ist zum Problemfall geworden: Übergewicht, das oft unter anderem für Herz-Kreislauf-Krankheiten oder für Diabetes mitverantwortlich ist. Und statt mangelnder Hygiene traktieren heute Umweltgifte und -verschmutzung, Lärm, Technisierung, Waldsterben, Leistungsdruck oder Allergien unsere Gesundheit. Die Behandlung der Volkskrankheiten hat sich natürlich ebenfalls stark verändert. Unwissen und Aberglaube wurden von großartigen Fortschritten der Medizin weitgehend abgelöst. Viele Volksübel von einst konnten durch die Entwicklung von Impfstoffen ausgemerzt werden. Bei der Diagnose vieler Leiden kommt Hightech zum Einsatz, sogar der hochauf lösende Blick ins Innerste des Körpers ist längst mit Schnittbildern oder minimalinvasiv möglich.

Doch muss man sich gerade im Hinblick auf die Volkskrankheiten fragen: Ist es wirklich ratsam, althergebrachtes Wissen einfach in die Schublade mit den abgelegten, überkommenen Dingen zu legen? Sicher nicht. Auf den Erfahrungsschatz der Naturmedizin, der Kräuterkunde, der alten Hausmittel, die schon Generationen vor uns gute Dienste leisteten, können wir nicht verzichten. Es wäre, als hätten wir eine komplette Werkzeugkiste zur Hand und würden uns aus Prinzip beim Heimwerken nur eines Hammers oder einer Säge bedienen. Töricht, oder nicht? Als Arzt habe ich immer wieder erleben dürfen, wie wichtig es ist, bei der Wahl der richtigen Behandlungsmethode die ganze Vielfalt vor Augen zu haben und dabei auch über den Tellerrand der eigenen Kultur hinauszuschauen.

Aphten

Wer ist betroffen: Trotz guter Hygiene kommt es manchmal zu lästigen Entzündungen im Mundraum, die sich als Bläschen bemerkbar machen.

Sanfte Hilfen: Das Öl aus den Blättern des Teebaums wirkt desinfizierend und antientzündlich. Mehrmals täglich etwas Teebaumöl (Apotheke) auf ein Wattestäbchen geben und die Stellen damit betupfen. Oder einige Tropfen Öl in ein Glas Wasser geben und den Mund damit ausspülen. Alternativ: Mundspülungen mit Zistrosentee. Dazu 1 EL Zistrosenblätter mit 250 ml heißem Wasser überbrühen, 5 Minuten ziehen lassen. Auch Salbei fördert die Heilung. 2,5 g TL Salbeiblätter mit 100 ml heißem Wasser 15 Minuten ziehen lassen. Mund damit spülen.

Asthma

Wer ist betroffen: Hierzulande leiden rund sechs Prozent der Erwachsenen und sogar zehn Prozent der Kinder unter der chronischen Entzündung der Bronchien, die auch mit Atemnot oder häufigen Hustenanfällen einhergehen kann.

Sanfte Hilfen: Die auslösenden Reize möglichst meiden. Bewegung verbessert die Lungenfunktion – der Orthopäde kann sogar Übungen empfehlen, bei denen man auch den Atemmuskel trainiert. Bischofskraut, Meerträubchen, Pestwurz, Weihrauch und Sonnentau helfen als sogenannte spagyrische Essenzen aus der Apotheke – die Pflanzen wurden dafür vergoren, destilliert, verascht und dann extrahiert. Thymian wiederum setzten schon unsere Großeltern als Schleimlöser ein, als Tee oder Inhalation. Spitzwegerich als Tee oder Hustensirup wirkt reizmildernd, schleimlösend und entzündungshemmend, ebenso Salbei, Efeu, Hanf und Huflattich. Die Traditionelle Chinesische Medizin setzt bei Asthma auf wärmende Gewürze wie Kardamom, Kurkuma, Süßholz, Ingwer oder auch Vanille – und empfiehlt den Verzicht auf schleimerzeugende Nahrungsmittel wie etwa Milch.

Noch ein Tipp aus der TCM: Akupressur. Die Ayurveda-Lehre wiederum empfiehlt als Heilpflanze die Schlafbeere, die Ashwagandha-Frucht.

Von rund 10.000 bis 15.000 dokumentierten Pflanzen mit nachweislich medizinischen Eigenschaften finden in der westlichen Medizin bislang gerade mal 200 Verwendung

Was wären moderne Medikamente ohne die Natur?

Überall in der Welt haben die Menschen Methoden entwickelt, Heilmittel entdeckt, heimische Pflanzen genutzt – die auch für uns unschätzbaren medizinischen Wert haben können. Man denke nur an die indische Ayurveda-Lehre, die Traditionelle Chinesische Medizin und andere Heilslehren. Und, ganz nebenbei: Wo sich Schulmedizin und die alternativen Wege in Konkurrenz zueinander verstehen, bedeutet das einen Rückschritt. Kräuter, wie sie etwa Hildegard von Bingen im Mittelalter für die Heilung empfahl, sind medizinische B-Ware? Nein! Die meisten konventionellen Medikamente, die überzeugte Schulmediziner heute verschreiben, basieren auf uraltem Wissen um Heilpf lanzen, Forscher sind weltweit unterwegs, um pflanzliche Wirkstoffe für die Entwicklung neuer Medikamente zu sammeln. Auch mein größter Schatz ist die Natur!

”Als hätten wir eine komplette Werkzeugkiste zur Hand und würden uns aus Prinzip beim Heimwerken nur eines Hammers oder einer Säge bedienen. Töricht, oder nicht?“

Depressive Verstimmungen

Wer ist betroffen: Studien zeigen, dass etwa 15 Prozent der Menschen irgendwann im Leben einmal an einer Depression leiden, darunter übrigens doppelt so viele Frauen wie Männer.

Sanfte Hilfen: Echte Depressionen gehören in die Hand eines Arztes. Gegen depressive Verstimmungen allerdings kann das in Johanniskraut enthaltene Hyperforin helfen, dessen Einnahme aber auch mit den behandelnden Ärzten oder Psychotherapeuten abgestimmt sein sollte. Genau wie ein sonst vom Arzt verschriebenes Antidepressivum verstärkt es die Wirkung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Gehirn, sorgt für deren Wiederaufnahme in die Nervenenden. Auch Aromaöle von Orange, Basilikum, Bergamotte, Melisse oder Lorbeer hellen die Stimmung auf. Und sogar hier ist Bewegung – möglichst im Freien – ein Gegenmittel: Sie kurbelt die Serotoninproduktion an, hilft, ein Tief zu überwinden.

Diabetes

Wer ist betroffen: Etwa 8,5 Millionen Deutsche haben Diabetes – und weitere zwei Millionen wissen nicht einmal etwas von ihrer Erkrankung.

Sanfte Hilfen: Viele Betroffene nehmen Tabletten und spritzen Insulin, dabei zeigen z. B. neuere Studien aus England, dass jeder zweite Diabetiker vom Typ 2 ohne Medikamente auskommen könnte, wenn er seine Ernährung umstellen und sich viel mehr als üblich bewegen, im Einzelfall auch sein Gewicht reduzieren würde.

Tipp: Viel Eiweiß, zum Beispiel in Gemüse und Nüssen, killt den Hunger, Pistazien senken den Blutzucker um bis zu 0,4 Prozent. Wenig Fleisch und nicht zu viele Kohlenhydrate aus Brot, Süßem oder Obst essen! Dazu ordentlich Bewegung in den Alltag integrieren – damit kann man den eigenen Blutzuckerspiegel oft überraschend einfach auf Normalmaß zurückbringen.

Vom Küchenbrett in den Apothekerschrank

Offenheit und Neugier haben den Fortschritt in der Medizin letztlich erst möglich gemacht. Und wir tun gut daran, uns diese Offenheit zu bewahren. Es gibt kein exklusives Wissen, weder hier noch da, es gibt keine Methode zweiter Klasse, es gibt nur das medizinische Knowhow, das sich der Mensch zunutze machen kann. In all seiner Bandbreite. Und das Großartige: Nie war es so leicht, auf altes Wissen, auf den weltweiten Erfahrungsschatz der Kulturen und Völker zurückzugreifen – über das Internet, über die wunderbare globale Vernetzung zum Beispiel.

Das gilt auch für die Behandlung der Volkskrankheiten. Was immer sich am Ende als Gegenmittel der Wahl, als heilsam erweist – es wird Volksmedizin sein. Etwas aus dem Werkzeugkasten, den Schulmedizin und Naturheilkunde zusammen bestücken. Als Arzt würde ich mir wünschen, dem Patienten auf möglichst sanfte Tour helfen zu können. Kein Handwerker greift zum Schlagbohrer, um ein kleines Loch in Weichholz zu schlagen – kein Arzt sollte zur Verschreibung starker Medikamente und Apparatemedizin greifen, wenn eventuell schon eine leichte Ernährungsumstellung oder Entspannungs- und Bewegungsmethoden das Übel in den Griff kriegen.

Die meisten der heutigen Volkskrankheiten haben etwas mit unserem modernen Lebensstil zu tun. Zu wenig Bewegung, zu fette und zu zuckerhaltige Nahrung, zu viel Stress – dieses Trio infernale kostet Millionen Menschen Gesundheit und oft auch Lebens- jahre und könnte durch leichtes Drehen an ein paar entscheidenden Stellschrauben unschädlich gemacht werden. Auch gegen Kopfschmerzen, Magen- und Darmprobleme, Schlaf losigkeit und viele andere typische, aber oft alltägliche Malaisen ist so häufig ein Kraut gewachsen. Einer medikamentösen Schmerzbehandlung etwa kann man gezielte Massagen, Akupunktur oder den Einsatz von Heilkräutern, wie ich ihn auch in meinem Buch „Selbst heilen mit Kräutern“ (s. Kasten unten) beschrieben habe, durchaus zur Seite stellen. Und manche kraftvollen Kräuter wie der Oregano, auch Wilder Majoran genannt, oder Thymian zählen sogar zu den wirkungsvollsten natürlichen Antibiotika, die aus meiner Sicht in vielen Fällen eine erste Therapiemöglichkeit bieten. Natürlich haben wir klassische Antibiotika immer in der Hinterhand, falls ein naturmedizinischer Ansatz nicht seine gewünschte Wirkung erzielt.

Herz und Kreislauf

Wer ist betroffen: Weltweit gehört erhöhter Blutdruck zu den häufigsten Leiden, aber besonders in Leistungs- und Wohlstandsgesellschaften wie der unseren ist er verbreitet – hierzulande bei jedem Dritten. An den Folgen wie Arterienverkalkung, Schlaganfall, Herzinfarkt sterben jährlich 9,4 Millionen Menschen.

Sanfte Hilfen: Übergewicht reduzieren, gesünder essen. Mit weniger Fleisch, Salz, Alkohol, dafür mehr Früchten, Gemüse und fettarmen Milchprodukten etwa. Jawohl, man kann sein Herz durch gesunde Nahrungsmittel in Schuss halten – meine persönlichen Vorlieben sind hier Tomaten, Erdnuss-Mandel-Butter, Vollkornknäckebrot, Ingwer- und Kräutertees. Rote Beeren helfen dem Körper beim Kampf gegen Entzündungen, das Chlorophyll in grünem Blattgemüse und Brokkoli kann gegen Schlaganfall und Herzerkrankungen schützen. Knoblauch wirkt blutdrucksenkend. Dazu empfehle ich mindestens 30 Minuten täglich moderates Ausdauertraining. Schon zwölf Monate mit viel Bewegung verbessern die Leistungsfähigkeit des Herz-Lungen-Systems signifikant, außerdem baut man damit Stress ab. Grundsätzlich gilt: Alles, was zu mehr Durchblutung führt und den Stoffwechsel anregt, ist reiner Balsam fürs Herz-Kreislauf-System. Dazu gehören auch Saunagänge und Wechselbäder. Gegen zu niedrigen Blutdruck helfen Rosmarin und Lavendel. Die Wirkstoffe des Oregano wiederum haben blutverdünnende Wirkung und eignen sich zur Schlaganfall- und Herzinfarktprophylaxe. Weißdornextrakt schützt den Herzmuskel und die Gefäße, steigert sogar den Blutfluss.

Magenprobleme

Wer ist betroffen: Rund 70 Prozent der Bürger leiden unter Magen-Darm-Beschwerden, jeder Zehnte hat regelmäßig Sodbrennen.

Sanfte Hilfen: Der Magen muss beruhigt werden – durch leicht verdauliche, reizarme Kost wie Karotten, Kartoffeln, Bananen und Zwieback. Dazu empfehle ich vor allem Wermuttee. Auch gut: Lakritze lutschen – darin steckt die beruhigende Süßholzwurzel. Ich selbst schwöre auf Heilerde: Ein Esslöffel in Flüssigkeit auflösen oder in Joghurt rühren, das besänftigt den aufgebrachten Magen ungemein. Dazu eine Wärmflasche auf den Bauch legen und feuchte Wickel mit Melisse, Moor- oder Leinsamenpackungen machen. Gegen Übelkeit: Pfefferminze, Anis und Fenchel, die beiden Letzteren sind wie Kümmel auch das richtige Mittel gegen Blähungen, zusätzlich zu sanften kreisenden Massagen mit Melisse oder Rosenöl. Bei Sodbrennen trockenes Weißbrot – enthält viel Stärke – essen, Nüsse kauen, Kamillentee trinken. Meist führt auch eine Umstellung der Ernährung dazu, dass sich die Häufigkeit von Sodbrennen reduziert.

Reizdarm

Wer ist betroffen: Über 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden schätzungsweise unter den Reizdarm-Symptomen wie anhaltendem Durchfall, Verstopfung oder Blähungen.

Sanfte Hilfen: FODMAP-arme Ernährung wie naturbelassenen Joghurt, Miso, Kefir, Floh- und Leinsamen, Floh- und Chiasamen empfehle ich zudem bei Verstopfung. Dazu Heilerde (in Flüssigkeit oder Joghurt), Minzöl, Kurkuma, Mango, Papaya, Ananas. Sport hilft dem Darm beim Regenerieren, außerdem sollte man viel trinken.

Tipp: Hilfreich sind zudem Entspannungstechniken wie Achtsamkeitstraining für den Reizdarm, Yoga (gibt es speziell für Reizdarmpatienten), autogenes Training und Meditation.

Leinöl Ein perfekter Partner in der gesunden Küche. Es enthält mehr Omega- 3-Fettsäuren als Fisch

Von echten Übeln und lästigen Malaisen

Bei den hier vorgestellten Volkskrankheiten, von denen jeder von uns rein statistisch irgendwann im Leben betroffen sein wird, kann Naturmedizin helfen. Nicht immer hat sie eine Antwort auf alle Fragen. Deshalb sollten über einen Eigentherapieansatz stets auch die behandelnden Ärzte informiert sein. Aber selbst wo sie nicht ausreicht, kann es helfen, wenn sie ein Wörtchen mitredet, mithilft. Auf sanfte, aber effektive Weise.

DIETRICH GRÖNEMEYER

ZUM WEITERLESEN

Prof. Dietrich Grönemeyer, Verfechter einer wissenschaftlich begründeten ganzheitlichen Weltmedizin zwischen Hightech und Naturheilkunde, zeigt in seinem Standardwerk Selbst heilen mit Kräutern gemeinsam mit seiner Tochter Friederike Grönemeyer, Heilpraktikerin und Psychologin, wie man Heilkräuter zu Hause selbst richtig einsetzt. Becker Joest Volk, 384 Seiten, 29,95 Euro

Rückenbeschwerden

Wer ist betroffen: 75 Prozent der Berufstätigen hatten im letzten Jahr mindestens einmal Rückenschmerzen, jeder Vierte leidet aktuell darunter.

Sanfte Hilfen: Bewegung und gezieltes Krafttraining helfen, Muskeln aufzubauen, die das Knochengerüst stabilisieren. Bei der Ernährung sollte man auf genügend Mineralstoffe und basische Kost achten. Gegen die Schmerzen hilft Wärme, etwa mit einem chili- und johanniskrauthaltigen Rückenbalsam, und eventuell eine Stufenlagerung. Auch Salben oder Massageöl aus Arnika, Kiefer, Fichte oder Eukalyptus und Rosmarin können die Beschwerden lindern.

Schlafstörungen

Wer ist betroffen: Rund 34 Millionen Deutsche klagen über Schlafprobleme .

Sanfte Hilfen: Auf üppige Abendessen verzichten, ebenso auf Koffein, Nikotin und Alkohol. Gut: Kurze warme Bäder mit Lavendel oder Melisse, warme Milch mit Vanille oder ein Schlaftee mit Baldrianwurzel, Melissenblättern, Pfefferminze, Lavendelblüten oder Hopfenzapfen, auch ein paar Happen Radicchio und rote Weintrauben machen müde. Leichter in den Schlummer findet man auch mit Zirbenholz-Duftkissen. Akupunktur wirkt übrigens laut einer Studie aus Taiwan genauso gut wie gängige Schlafmittel. Und: Durch Sport verbessern sich Schlafdauer und -tiefe deutlich. Tipp: Das Online-Schlaftraining von Mementor der Techniker Krankenkasse hat 60 Prozent seiner Nutzer geholfen.

Schmerzen

Wer ist betroffen: Allein Kopfschmerzen beklagten im letzten Jahr über die Hälfte der Befragten in einer Umfrage vom RKI.

Sanfte Hilfen: Bei Zahn- und Kopfschmerzen Gewürz- nelken oder Salbeiblätter kauen. Zwiebelumschläge helfen bei Ohr- und Halsweh, Einreibungen mit Pfeffer- minzöl gegen Spannungs- kopfschmerzen, Kurkuma gegen Rheuma und andere Entzündungsschmerzen.