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Ein Monster namens KINSKI


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die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 22/2022 vom 06.08.2022
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Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 22/2022

Das grauenhafte Geständnis seiner Tochter Pola erschütterte Deutschland. In ihrem Buch ?Kindermund? rechnete sie mit ihrem Vater ab. Sie war über zehn Jahre seine Sex-Sklavin ?

Es ist die Geschichte einer schrecklichen Tragödie. Sie erzählt von Größenwahn und Hass, von Egomanie und Sexsucht, von Missbrauch und psychischem Mord.

An dem Tag, als Klaus Kinskis Verbrechen öffentlich wurden, bebte die Filmwelt.

Ein Abgrund tat sich auf und seine Verehrer standen an dessen Rand und blickten verängstigt in die Tiefe. Wie auf ein Kommando sprangen sie alle entsetzt zurück, weil sich da unten im schwarzen Loch ein Monster aus der Dunkelheit schälte: Klaus Kinski!

Nach dem Schock stellten sich viele von ihnen verängstigt die Frage: Haben wir uns vielleicht durch unser Verhalten mitschuldig gemacht an Kinskis Verbrechen? Oder sind wir gar zum Mittäter geworden, weil wir das Böse für große Kunst gehalten hatten?

Kinskis menschlicher Höllensturz kam – weiß Gott! – nicht über Nacht. Er kündigte sich bereits viele Jahre zuvor an, wie ein fernes Gewitter. Aber nicht einmal dann, als das ...

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... Grollen des Donners nicht mehr zu überhören war, sahen seine Jünger noch immer nicht die unheilvollen Vorboten am Himmel. Sie wollten sie auch gar nicht sehen! Weil Jünger nur das sehen wollen, was in das Bild von ihrem Helden passt.

Ihren Helden hatten sie längst aus den Niederungen der Schauspielerei auf den Sockel der Genialität gehoben, dessen Kunst für sie nicht von dieser Welt war.

Seine Tochter Pola war erst neun, als Kinski sie vergewaltigte! Jahrelang missbrau chte er das Mädchen

Hätten seine Fans nicht spüren müssen, sehen müssen und hören müssen, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmen konnte? Dass er eine absolut gestörte und furchterregende Persönlichkeit hatte?

Einer mit einem derart dämonischen Blick, dem man vor Schauder schnell ausweichen wollte, sogar vor dem Fernseher, kann nur ein Irrsinniger sein. Selbst seine Stimme hatte etwas Bedrohliches …

Kinski wirkte wie das leibhaftige Böse, das kein Schauspieler vor ihm so diabolisch und beängstigend darstellen konnte. Deshalb wollten seine Jünger auch glauben, dass sie mit jeder Rolle die Vermählung von Genialität und Wahnsinn herzklopfend miterleben dürfen. Obwohl sich Kinski gar nicht facettenreich zeigte. Er spielte fast ausschließlich teuflische Charaktere. Darauf war er beinahe abonniert.

Allein 16-mal musste er in Edgar-Wallace-Filmen den Geistesgestörten geben, weil keiner die Zuschauer so zum Gruseln bringen konnte wie er. Die Produzenten zahlten ihm viel Geld dafür, das er dann mit vollen Händen aus dem Fenster warf. Irgendwann schnappten die Italiener den Ausnahme-Mimen uns Deutschen weg und besetzten ihn in ihren Italo-Western („Leichen pflastern seinen Weg“). Jetzt gruselten sich auch unsere Nachbarn und bezahlten ihn noch fürstlicher.

Als ein Journalist Kinski einmal fragte, wie er so perfekt das Böse verkörpern könne, schnauzte er ihn übel an, wie er viele andere übel anschnauzte: „Wenn ich das Böse spiele bin ich es!“ – Hätten seine Bewunderer genau hingehört, wären sie sicher schon hier ins Grübeln gekommen ... „Ich hasse euch alle“, war häufig sein Credo.

Die jungen Frauen ausgenommen – die brauchte der besessene und sexsüchtige Kinski wie eine Droge.

Inzwischen ist unbestritten: Klaus Kinski war geisteskrank. Psychiater der Wittenauer Heilstätten, die vorher als die Städtische Irrenund Idioten-Anstalt bezeichnet wurden, hatten bei ihm eine schwere Persönlichkeits-Störung (Psychopathie) festgestellt.

Wegen eines Tobsuchtsanfalls war der damals 24-jährige Schauspieler von der Polizei in diese Berliner Anstalt eingeliefert worden.

Er war förmlich besessen von einer Ärztin gewesen, die fast 20 Jahre älter war, aber lediglich mütterliche Gefühle für ihn hatte. Als sie Kinski brüsk zurückwies und ihm dann auch noch verbot, sich ihr zu nähern, drehte er vollkommen durch. Er schrie und tobte, schlug um sich und würgte sie. Bevor sie in Ohnmacht fiel, konnte sie sich befreien und wegrennen. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre. Aus Rache verwüstete er ihre Küche.

In seiner krankhaften Eifersucht sah er nur einen Ausweg, sich zu befreien – den Selbstmord! Kinski schluckte Morphium. Tage später Schlaftabletten. Aber auch die wirkten nicht. Zu der Zeit wohnte der junge Mann bei der Familie von Werner Herzog, dem späteren Regisseur, mit dem er so bedeutende Filme wie „Fitzcarraldo“, „Aguirre, der Zorn Gottes“ und „Nosferatu“ drehen sollte, in denen er wieder den unheimlichen Bösewicht geben musste. Er war nie wieder so genial irre wie in diesen Kino-Erfolgen.

Werner Herzog war damals 13, Kinski elf Jahre älter. Der weltbekannte Filmemacher erinnert sich an den wahnsinnigen Untermieter: „Ich bin beinahe verrückt geworden. Denn jede Nacht hatte er Tobsuchtsanfälle. Dann hämmerte er wie ein eingesperrter Geisteskranker mit den Fäusten gegen die Wand. Immer und immer wieder. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten. Bis er müde wurde. Einmal hat er sich zwei Tage lang im Badezimmer eingeschlossen und alles kurz und klein geschlagen …“

Er war ein rücksichtsloser Macho, der nur sich selbst liebte. Und er war süchtig nach Geld und Sex ...

Keiner kannte Klaus Kinski so gut wie Werner Herzog. Die Dreharbeiten mit ihm im Dschungel waren lebensbedrohend, sagt er.

Jeden Tag hatte sein Hauptdarsteller Schaum vor dem Mund wie ein tollwütiger Hund. Er quälte die Ureinwohner bis aufs Blut. Er prügelte. Er bedrohte den Regisseur und trieb ihn zur Weißglut. Stundenlang hat er manchmal auf ihn eingeschrien. Nichtskönner und Idiot hat er Herzog beschimpft.

Eines Nachts kamen die Einheimischen, weckten den Regisseur, fragten, ob sie Kinski erschießen dürften. Sie würden das gern machen. Der sei ein Ungeheuer, kein Mensch! „Zum Schluss“, gesteht Herzog, „bin ich an der Komplizenschaft mit dem Wahnsinnigen selbst irre geworden – schuldig!“ Ja, schuldig!

Nach Kinskis Tod hat er eine Doku über die Dreharbeiten mit ihm produziert. „Mein liebster Feind“, so heißt sie und ist von einer beängstigenden Intensität: „Ich wollte das Monster hinter den Filmen zeigen.“ Werner Herzog hatte offenbar schon früh das Gefährliche in seinem Hauptdarsteller erkannt und

Bei Dreharbeiten in Peru wollten Ureinwohner Kinski er morden – aus ANGST!

Schwester habe er eine 13-Jährige entjungfert. benannt – das Monster namens Kinski! Der Ein anderes Schulmädchen, das ein Autogramm von ihm wollte, hat er in seine Wohnung Gestörte hatte sich eines Tages eingebildet, er müsse den Erlöser geben und der Welt das gelockt und missbraucht. Bei seinen „Erdbeermund“-Lesungen gab es keinen Aufschrei, als Neue Testament näherbringen. Natürlich wie er es selbst interpretierte. Sein erster Auftritt sei es das Normalste der Welt, kleine Mädchen in der Berliner Deutschlandhalle war ein irres zu vergewaltigen. Es hat auch keiner im Publikum eine Peitsche genommen und geschrien: Geschrei. Ein Besucher wagte es, Kinski zu kritisieren, räumte höflich ein: Wenn jemand Das ist ein Verbrechen, du dumme Sau! Man Jesus widersprochen hätte, würde der nicht wollte ihm offenbar nicht glauben … „Halt deine Schnauze!“ geantwortet haben ... In der NDR-Talkshow mokierte sich Kinski Da rastete Kinski auf der Bühne aus und schrie: über die sexuelle Spießigkeit in Deutschland. „Er hat nicht gesagt: ,Halt deine Schnauze!‘ Bei uns komme man ins Gefängnis, wenn man – er hat eine Peitsche genommen und ihm in mit Minderjährigen schlafe, in anderen Ländern würden Elfjährige geheiratet werden. Da- die Fresse gehauen, du dumme Sau!“ – Skandale wie diese amüsierten seine Fans. Da ahnte mit rechtfertigte er seine Perversionen! kaum einer, dass sich hinter dieser provokanten Das unfassbarste Verbrechen hat sein Opfer Fassade furchtbare Verbrechen abspielten … aus Angst jahrelang mit sich geschleppt.

Es ist kaum zu glauben, aber bereits 1975 Furchtbare Jahre körperlicher und seelischer machte Kinski in seiner Skandal-Biografie „Ich Pein! Und mit der Zeit ist die Last für das unschuldige Opfer so gewaltig geworden, dass bin so wild nach deinem Erdbeermund“ keinen Hehl aus seinem Monster-Wesen. Die Memoiren sind eine erschreckende und skandalöse ist von Pola, Kinskis ältester Tochter, die der es förmlich davon erdrückt wurde. Die Rede Offenbarung seiner Abartigkeit, an der er laut triebgesteuerte Vater wieder und wieder missbrauchte. Nicht einmal als ihr mitleidloser Ver- brüllend die ganze Welt teilhaben lassen wollte:

Ich hatte Sex mit Minderjährigen! Ungeniert gewaltiger am 23. November 1991 starb, war sie lieferte der Vergewaltiger Einzelheiten, als erlöst. Denn dieses Ungeheuer in Menschengestalt geisterte weiterhin durch ihr Leben. Er hätte er über seine Gräueltaten akribisch Buch geführt: Ein 15-jähriges Mädchen habe so sehr ließ sie auch nach seinem Tod nicht los. Erst geschrien, dass er den Fernseher lauter stellen musste. Und: In Anwesenheit ihrer älteren Qualen, ihre Scham und ihr allmähliches seeli- 13 Jahre später hatte Pola die Kraft, über ihre sches Sterben zu sprechen. Ihr Buch „Kindermund“ ist so verstörend, dass die Lektüre fast nicht zu ertragen ist …

Verstörend verkörperte er in Filmen die Inkarnation des Bösen – und gestand: „Ich bin der, den ich spiele ...“

Ihr Vater habe sie berührt, als sie gerade mal drei Jahre alt war. Und seit ihrem fünften Lebensjahr hätte er sie mit offenem Mund geküsst. Mit neun Jahren hat der Horror-Papa sie dann in einem Münchner Luxus-Hotel zum ersten Mal vergewaltigt. Seine Tochter musste dabei ihr Kommunions-Kleidchen tragen: Er hat mich zu seinem Sexualobjekt erzogen! Meine Kleider, die er mir schenkte, wurden immer kürzer. Ich musste sexy Schlüpfer, Strapse und Hut für ihn tragen. – Seine Zunge bohrt sich zwischen meine Schenkel, schreibt Pola an anderer Stelle ihres Enthüllungsbuchs: Ich wehre mich mit aller Kraft, und strample wie verrückt.

Doch er hätte nicht von ihr abgelassen. Das sei doch süß, sie solle sich nicht so anstellen, fuhr der Vater sie an.

Bis zu ihrem 19. Lebensjahr war Pola seine Sexsklavin. Dann gelang ihr der Ausbruch …

Kinski habe sich brutal genommen, was er wollte. Rücksichtslos! Irgendwann habe die Tochter dann das alles mit sich geschehen lassen, wehrte sich nicht mehr. Er brüllte sie manchmal an, bedrohte sie, warf sie gegen die Wand, verging sich an ihr. Dann wieder überschüttete er das Kind mit teuren Geschenken, Kleidern, Schuhen, Halsketten. Es zerreißt einem das Herz zu lesen, wie Pola Kinski über ihre quälenden Schuldgefühle schreibt, die sie als Kind durchleben musste – und über ihre Zerrissenheit, die sie quälte. Sie hatte Angst, etwas falsch gemacht oder ihren Vater enttäuscht zu haben. Sie sei auch abhängig von ihm gewesen – abhängig von seiner Zuwendung. Sie weine sehr oft in ihr Kissen – sehr oft hemmungslos!

Experten sagen, Klaus Kinski sei ein mitleidloser Egomane gewesen, der nur sich selbst liebte und dem es allein darum ging, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Schuldgefühle kannte er dabei nicht. Auch nicht wegen des seelischen Mords an seiner Tochter!

Als er gestorben war, schrieb Pola in ihrem Buch, hat mir das meine Mutter am Telefon mitgeteilt. Ich habe nichts empfunden. Gar nichts.