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ELDER STATESMAN


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 11.11.2022
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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 8/2022

Die britische Lautsprecherschmiede Mission wurde 1977 als Mission Electronic von Farad Azima gegründet. Einigen Audio-Fans kennen diesen Namen sicher schon im Zusammenhang mit einem anderen Unternehmen. Das ist kein Wunder, denn Farad Azima gründete ebenso Cyrus Electronics. Seine erste Firma Misson brachte diverse Lautsprecherboxen heraus, die heute echte Klassiker sind. Wir denken da etwa an den Mission 767 von 1989. Dieser Lautsprecher hatte tatsächlichen einen Subwoofer integriert. Dank einer speziell abgestimmten Verstärkereinheit von Cyrus und seiner aktiven Frequenzweiche LFAU konnte er auch an Verstärkern mit geringerer Leistung eine enorme Basskraft erreichen. Doch vor allem wurde Mission mit ihrem ersten Lautsprecher, dem Mission 770 bekannt. Diesen haben die Briten nun als Lautsprecher-Remake neu aufgelegt und auf der HIGH END 2022 in München mit Pauken und Trompeten der breiten ...

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... Öffentlichkeit vorgestellt. Ob bzw. wie gut das Mission-Chefentwickler Peter Comeau und seinem Team gelungen ist, möchten wir jetzt im Test herausfinden.

Design

Eines der wichtigsten Merkmale eines Retrolautsprechers ist natürlich dessen Design. Und das wurde nicht nur einfach 1 : 1 vom 1978er-Modell übernommen, sondern vorsichtig verbessert. Dabei konnte aber der Charme der 70er Version absolut erhalten bleiben. Wir finden hier etwa wie damals die klassischen Furnier-Seitenteile in Kombination mit einer auffällig gestalteten weißen Frontplatte wieder. Auf dieser ist der bekannte Mission-Schriftzug prominent platziert.

Retro-Chic

Auch das Lautsprecher-Gehäuse haben die Entwickler von Mission an heutige akustische Erkenntnisse angepasst. Das historische Vorbild besaß etwa ein dünnes, durch Bitumenpads bedämpftes Gehäusematerial, um Verfärbungen im Mittenbereich zu minimieren. Jetzt nutzt Mission eine Sandwichkonstruktion aus hochdichten MDF- und Spanplatten. So gelang es die Eigenresonanz des Gehäuses unter die Hörschwelle zu senken. Weiterhin sind interne Verstrebungen dafür verantwortlich, dass das Gehäuse nun noch steifer ist. Nicht vergessen dürfen wir die genialen Lautsprecherständer, die im Lieferumfang der Mission 770 enthalten sind. Sie gehören genauso zum ikonischen Erscheinungsbild der 770 wie die Lautsprecherboxen an sich. Dabei sind die Ständer derart clever konstruiert, dass hier keinerlei Resonanzen oder Ähnliches auftreten und sie den Speaker perfekt vom Boden entkoppeln. Des Weiteren „saugen“ sich die Lautsprecher auf den Ständern fest. Verantwortlich dafür sind die gummierten Stellen auf der Ständerplatte. Verbunden mit dem hohen Eigengewicht von 19,2 Kilogramm stehen die Mission damit praktisch unverrückbar im Raum. Mit dazu gehören natürlich ein paar stilechte Staubabdeckungen, die magnetisch haften. Sie verbergen zwar die reizvolle, retroartige Frontplatte, was aber sicher in der ein oder anderen Wohnsituation durchaus gewünscht sein ist. Die Mission 770 Lautsprecher sind in den Ausführungen Walnuss und Schwarz erhältlich. Tatsächlich sind wir ein wenig traurig, dass wir für unseren Test nur das schwarze Modell erhielten, denn aus unserer Sicht versprüht die Walnuss-Variante noch mehr Retrocharme. Hintergrund ist, dass der deutsche Mission-Vertrieb IAD auf den Mitteldeutschen HiFi-Tagen 2022 mit dem schwarzen Modell vorführte und die 770er dann gleich im Anschluss für den Testbericht in unserem Verlagshaus beließ. Das spart Kosten und Ressourcen und das Beste daran:Die Mission Lautsprecher sind für unseren Test bereits optimal eingespielt.

Key-Facts

Gründungsjahr:1977

Sitz:Huntingdon (Großbritannien)

LegendäreProdukte:Mission 770 und Mission 767

Mission Electronics wurde von Farad Azima im Jahr 1977 gegründet. Bereits ein Jahr später stellte das Unternehmen seine 700er Serie vor und damit den Mission 770. 1983 gründete man die Elektroniksparte Cyrus. Für Aufsehen sorgte der 1989 herausgebrachte Standlautsprecher Mission 767 mit integriertem Subwoofer, der teilaktiv angesteuert wird. 2004 wurde das Unternehmen Teil der International Audio Group, IAG.

Optimiert

Wie wir uns gut vorstellen können, konzentrierte sich Mission bei der Entwicklung der originalen 770 vor allem auf den Mittenbereich. Der war ja in den 1970ern und 80ern für die Wiedergabe von Schallplatten essenziell. Heute ist das ein wenig anders, da digitale Medien auch in die Randbereiche über die hörbaren Frequenzspektren vordringen. Deshalb entwickelte Mission für ihre Retrolautsprecher einen neuen Polypropylen-Treiber, der ein erweitertes Ansprechverhalten und die gleiche geringe Verfärbung wie das Original aufweist. Darüber hinaus wurde das Antriebssystem verbessert, damit der Dynamik digitaler Medien Rechnung getragen wird. Apropos Entwicklung und Fertigung: Die Mission 770 haben nicht ohne Grund den Union Jack und die Plakette „Made in the UK“ auf der Rückseite platziert. Der Lautsprecher kommt direkt aus Großbritannien zum Kunden und für die 770er wurde laut Informationen des Deutschland-Vertriebs sogar extra ein eigenes Werk gebaut. Kann es eine hingebungsvollere Hommage an die eigene Tradition und Geschichte geben!?

Treiber

Wie der Treiber des Originals baut der Bass/Mittentreiber auf einem 8-Zoll-Druckgusschassis mit größeren hinteren „Fenstern“ auf. Dadurch werden frühe Reflektionen des Konus reduziert. Die neue Polypropylenmembran ist steifer als beim Original. Das tut dem Bass gut, da er sehr straff und schnell agiert. In Kombination mit der nach vorne abstrahlenden Bassreflexöffnung sollen die tiefen Frequenzen sehr differenziert dargestellt werden. Die untere Frequenz der Lautsprecher liegt übrigens bei 30 Hz (Bass-Erweiterung (–6dB)). Der 28 Millimeter messende Hochtöner verwendet eine leichte, gedämpfte Mikrofaserkalotte. Sie entwickelte Mission für eine sanfte, und dabei detaillierte Hochton-Erweiterung, die bei ± 3 Dezibel Frequenzen bis 20 kHz darstellen kann. 170 Schaltkreis-Iterationen Dass Mission es sich bei der Neuauflage seiner historischen Erfolgslautsprecher nicht einfach gemacht hat, zeigt allein die Zahl 170. So viele Schaltkreis-Iterationen wurden für die neue Frequenzweiche in mehrere hundert Hörstunden getestet, bis man sich auf eine endgültig festlegte. Diese Schaltung bildete Mission auf separaten Leiterplatten für Bässe und Höhen ab. Man setzte dabei auf sehr kurze Signalwege und natürlich hochwertige Komponenten wie etwa supertransparente Polypropylen-Kondensatoren und Luftspulen. Doch bei all der „neuen Technik“ sollte nicht die Einfachheit und Eleganz des Originals vergessen werden. So wurden wichtige Elemente beibehalten und entsprechend verbessert.

Klang am TV

Nun war es zum Erscheinen der originalen Mission 770 sicher überhaupt nicht üblich, über diese den Ton des Fernsehers auszugeben. Normalerweise waren die Menschen schon froh, wenn sie überhaupt ein vernünftiges Fernsehbild ohne Flimmern und Flackern empfingen. Über guten Fernsehton machte man sich in den 1970er Jahren kaum Gedanken. Doch heute ist das anders. Immer mehr Menschen wollen zum gestochen scharfen 4K-Bild auch den passenden Ton. Wir testen also zu Beginn, wie Netflix und Co. über die Mission 770 Lautsprecher klingen. „Kleo“ – die wirklich spannende Action-Krimi-Serie mit absurd, komischen Elementen und einer genialen Jella Haase in der Hauptrolle bildet unsere erste Audio-Zuspielung. Wie schon beschrieben, legen die Mission 770 viel Wert auf die Darstellung der Mitten und das tut der Stimmverständlichkeit naturgemäß sehr gut. Kurz: Die Sprache kommt klar und deutlich aus den Lautsprechern und selbst undeutlich

sprechende Darsteller sind super zu verstehen. Dazu gesellt sich eine tolle Präsenz des Basses, die den Actionszenen und der vielfältigen musikalischen Untermalung wirklich gut zu Gesicht steht. Als im Film dann eine Landschaftsaufnahme aus Chile auftaucht, kommt hier die ganze klangliche Kulisse der Natur wirklich greifbar zur Geltung. Alles wirkt lebendig und schön direkt. Diesen direkten, sehr detailreichen Sound gepaart mit knackigem Bass nehmen wir nicht nur bei „Kleo“ wahr. Auch in den Sci-Fi-Blockbustern „Terminator – Genisys“ oder „Krieg der Welten“ konnte uns dieses cineastische Klangerlebnis auf der Testcouch wahrlich begeistern.

Klassik, Jazz etc.

Im Anschluss hören wir in einen der Klassiker hinein, den man garantiert auf jeder HiFi-Messe hören wird: Norah Jones mit „Come Away With Me“. Das ruhige Spiel mit der dezenten Jazz-Instrumentierung und der wundervollen Stimme der New Yorkerin scheint wie gemacht für die Mission 770. Sie zaubern sofort ein feinstrukturiertes Klanggemälde in unseren Testraum. Und das Erstaunliche ist: Wir hören den Song per Hires-Stream, haben aber sofort ein „Analoggefühl“ im Bauch. Ob das nur an diesem Titel liegt? Wir springen weiter zu Tempelhof mit „Rusconi“ – einem facettenreichen Stück Jazz, das wieder die Tugenden der 770er unterstreicht. Diese Lautsprecher scheinen genau für diese Art von Musik gemacht. Alles klingt plastisch, herrlich direkt und dabei doch analog und warm. Es gleicht einem Kunststück, was Mission hier mit der Neuauflage der 770 Lautsprecher vollbringt. „Der Feuervogel“ von Stravinsky durfte uns schon häufiger bei der Beurteilung von Klangqualitäten behilflich sein. Wie erwartet, vollbringen die Mission 770 hier genau das gleiche wie bei den Jazz-Nummern. Sie präsentieren mit unheimlicher Detailverliebtheit das Orchester und bringen die Konzerthalle durch den feingezeichneten Hall bemerkenswert herüber. Allerdings könnten sie für unseren Geschmack noch einen Hauch mehr Weite ins Spiel bringen, um das Konzerterlebnis noch einen Ticken intensiver wirken zu lassen. Die Basswiedergabe ist auch hier wieder herrlich kraftvoll und enorm präzise. Wir bemerken, dass es absolut richtig war den Bassreflexausgang an die Front zu legen. Die dynamische Entwicklung des Feuervogels vollziehen die 770 mit Leichtigkeit und knicken an keiner Stelle ein. Wieder fällt uns ihre herrliche Direktheit auf. Das führt zu einem sehr lebendigen und interaktivem Klangerlebnis. Und auch der jetzt schon zum wiederholten Male erwähnte „Analogcharme“ kommt wieder zum Tragen. So richtig Fahrt nehmen die Mission dann bei einem ganz anderen Musik-Genre auf, denn wir hören „Breathe“ von The Prodigy. Die Bässe, die Drums und das bekannte Gitarrenriff wird uns herrlich brachial und sehr gekonnt von den 770 um „die Ohren gehauen“. So muss The Prodigy klingen, genau so und nicht anders. Die britischen Lautsprecher ermöglichen dank der Kombination aus offenem Klang und dabei doch direkter Ausspielung aller Töne ein Klangerlebnis der Extraklasse! Nach derlei viel Musikstreaming und der Feststellung, dass die 770 bei aller Detailtreue einen analogen Charme besitzen,hören wir zum Abschluss unseres Tests wirklich analog. Wir legen Thomas Siffling & The Public Sound Office mit „Human Impressions” auf unseren Plattenspieler. Das klingt erwartungsgemäß eindringlich. Die Mission 770 scheinen sich jetzt vollends wohlzufühlen und lassen den Sound einfach in den Testraum laufen. So lässig haben wir diese Platte selten gehört. Mit der Souveränität eines Elder-Statesman gehen diese modernen Retro-Lautsprecher mit Klang um – wir sind schlichtweg begeistert!

FAZIT

Wer wirklich lässige und stylishe Lautsprecher sucht, die dazu ohne Kompromisse jeden Klang ins Zuhause zaubern, der darf an den Mission 770 nicht vorbeigehen. Sie bringen Detailliebe, Basskraft und analoge Wärme unter einen Hut und versprühen dank des klassischen Aussehens dazu wohlig warmen Retrocharme. Das macht sie zu echten Allroundern, die Momente der Hörfreude garantieren.