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HÄUSER FÜR GENERATIONEN


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#H4F - homes4future - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 04.06.2022

KLIMAPOSITIV BAUEN

Artikelbild für den Artikel "HÄUSER FÜR GENERATIONEN" aus der Ausgabe 3/2022 von #H4F - homes4future. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

WAS BEDEUTET KLIMAPOSITIV?

BILANZ AUF DAS GANZE HAUS

Mit Blick auf die künftigen Generationen sollten wir unser Leben und Wohnen heute so ausrichten, dass wir mehr CO 2vermeiden als wir ausstoßen. Das gilt auch für die gesamte Lebensdauer eines Hauses.

Im Zusammenhang mit klimafreundlichem Bauen ist in den letzten Jahren viel von Plus-Energie-Häusern die Rede. Das sind Gebäude, die dank energetisch hochwertiger Bauweise und der Nutzung erneuerbarer Energien wie Photovoltaik auf dem Dach und Wärmepumpe im Heizungskeller mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Der überschüssige, CO 2- neutrale Strom, der aus dem Gebäude in das öffentliche Energiesystem eingespeist wird, zahlt auf Dauer auf die positive Klimabilanz des Hauses ein.

Es vermeidet mehr klimaschädliche Emissionen, als es verursacht. Doch diese Rechnung bildet nur die Hälfte der Klimabilanz ab. „Ein heute neu gebautes ...

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... Effizienzhaus 40 Plus kann erst über rund 50 Jahre im Betrieb die gleichen Emissionen verursachen, die für seine Planung, Konstruktion und den Bau angefallen sind“, schätzt Johannes Kreißig ab, der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Das bedeutet: Um wirklich klimapositiv zu wirken, muss ein Plus-Energie-Haus zunächst mehrere Jahrzehnte lang die klimaschädlichen Emissionen ausgleichen, die für seine Entstehung angefallen sind.

Das heißt natürlich nicht, dass ein Neubau heute grundsätzlich falsch ist. Doch diese Betrachtungsweise wirft ein neues Licht auf viele Immobilien der letzten 30 bis 40 Jahre, deren teils schnelllebige Nutzungs- und Abschreibungszeiten und ihre häufig sehr unflexiblen Grundrisse. Wer klimafreundlich bauen und wohnen möchte, der sollte neben der CO 2-Bilanz von Photovoltaik, Heizung und Haushaltsstrom auch alle Aspekte des Bauaufwands, der potenziellen Lebensdauer sowie die Effizienz und Flexibilität der Nutzung einer Immobilie im Blick behalten.

Es macht etwa für die individuellen Klimabilanzen der Bewohner einen großen Unterschied, ob das klimapositive Eigenheim mit 200 Quadratmetern Wohnfläche später einmal von einer einzelnen Person bewohnt wird oder von sechs Menschen in mehreren Haushalten. Eigentlich keine Frage: Ansonsten müssten diese weiteren Menschen ja irgendwo anders ein Zuhause finden – inklusive Ressourcenverbrauch für dessen Bau und den ständigen Energieverbrauch.

PLANUNG

LANGLEBIG UND FLEXIBEL

Neubau oder Altbau? Ein- oder Mehrfamilienhaus? Welcher Grundriss? Bei der Planung von klimafreundlichem Wohnraum fließt jeder Aspekt in die CO 2-Bilanz ein.

Natürlich hat nicht jede Baufamilie dieselben Voraussetzungen. Die meisten können sich heute schon glücklich schätzen, wenn sie überhaupt ein Grundstück finden – oder ein passendes und bezahlbares Bestandsobjekt.

Ist dies geglückt, dann gehen die offenen Fragen erst los. Sie können sich in der Planungsphase ihres Hauses von Anfang an das Potenzial für klimafreundliches Bauen und Wohnen erschließen. Ein paar Regeln können dabei helfen: 1. Sofern sich ein Altbau an die eigene Lebenssituation anpassen und energetisch aufrüsten lässt, sollten Sie ihn stehen lassen und sanieren. Allein der Ressourcenverbauch für Abriss und Neubau reißt ein riesiges Loch in die Klimabilanz. Vor zig Jahen verbauter Beton und Zement sind heute ohnehin in jeder Klimabilanz abgeschrieben. 2. Planen Sie Ihr neues Heim im Zweifel modular, auch wenn Sie zunächst als Familie mit Kindern einziehen. Die Kinderphase dauert selten viel mehr als 20 Jahre, das Haus soll aber ein Leben lang bewohnt werden, am besten noch viel länger.

Gute Beispiele dafür bieten Stadtviertel vom Anfang des letzten Jahrhunderts. „Wie langlebig flexible Grundrisse sein können, sehen wir heute an Altbauten aus der Gründerzeit. Die sind über 100 Jahre alt, ihre Raumaufteilung ist aber zeitlos praktisch für Familien, WGs und andere Wohnformen. In den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde im Gegensatz dazu eher unflexibel geplant – mit Grundrissen, die eigentlich nur für eine vierköpfige Familie effizient nutzbar sind“, berichtet Johannes Kreißig von der DGNB.

Für eine nachhaltige Planung bedeutet dies: Grundrisse, Wasser- und Stromanschlüsse sollten Sie für eine flexible Nutzung des Hauses vorsehen. Damit schaffen Sie die Voraussetzungen, dass Ihr neues oder saniertes Zuhause dauerhaft und nachhaltig genutzt wird: Durch Sie selbst und, mit wenigen Anpassungen, von kommenden Generationen.

BAUSTOFFE

CO 2-ARM UND SPARSAM

„Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, sagte einst Helmut Kohl. Kein Wunder, dass es bei ihm nur am Rande um Klimaschutz ging. Denn mindestens ebenso wichtig ist dabei, was vorne reingeht – und vor allem wie viel davon.

Gebäude, die den aktuellen Effizienzanforderungen entsprechen, verursachen im Bau viel mehr klimaschädliche Emissionen als in vielen Jahren ihres Betriebs. Deshalb ist es entscheidend, beim Bau möglichst ressourcenschonende Materialien sparsam einzusetzen. Die sollen auch helfen, den Energieverbrauch gering zu halten. „Holz ist ein klimaneutraler Baustoff “, sagt DGNB-Chef Kreißig, schränkt aber ein: „Das verfügbare Holz reicht nicht aus, um alle Bauvorhaben umzusetzen, schon gar nicht in Massivbauweise.“ Die Holz-Fertigbauweise mit ihrer Fachwerk-Konstruktion und gedämmten Zwischenräumen sieht er dagegen als sparsame und praktikable Variante.

Doch auch neue klimafreundliche Beton-Arten haben für ihn eine Berechtigung, sofern sie nachhaltig eingesetzt werden – beispielsweise in extrem langlebigen Baukörpern, die im Laufe ihrer Lebenszeit immer wieder angepasst werden können.

„Nachhaltig kann auch sein, dass man ein Tragwerk für die Ewigkeit aus Beton mit CO 2-reduziertem Zement baut und darin flexibel wandelbare Grundrisse vorsieht.“

Johannes Kreißig, DGNB-Geschäftsführer

DAS HAUS ALS KRAFTWERK

WIR ERNTEN, WAS WIR SÄEN

Die langfristige Energieund Klimabilanz Ihres Hauses entscheidet sich auf dem Dach. Viel spricht dafür, auch die Planung vom First aus zu starten.

Lange Zeit wurden Häuser vor allem als Energieverbraucher betrachtet, die Strom sowie Öl oder Gas beziehen, um ihre elektrischen Verbraucher und die Heizung zu betreiben. Dass ein Haus heute meist Teil eines dezentralen Energiesystems sein kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

In Neubauten dürfte bald eine Pflicht zur Nutzung des Daches mit Photovoltaik oder Solarthermie kommen, wobei sich dies in den meisten Fällen ohne Verpflichtung lohnt – fürs Klima und Budget.

Wirklich klimafreundlich wird das Ganze, wenn Sie Ihr Bauvorhaben tatsächlich vom Dach her planen.

Dies reicht von kommunalen Bebauungsplänen nach Sonnenausrichtung (siehe Interview ab Seite 42) bis zur individuellen Gestaltung der Gebäudehülle. Ein Dach mit First in Nord-Süd-Richtung und einer relativ flachen Dachneigung nach Osten und Westen etwa stellt am meisten Dachfläche für Solarenergie bereit, da beide Dachschrägen nutzbar sind. Gauben und anderen An- und Aufbauten lassen sich so planen, dass sie möglichst wenig Dachflächen beschatten.

Ein Stellplatz Richtung Süden wird mit dem passenden PV-Carport zur autarken, klimafreundlichen Tankstelle fürs E-Auto (siehe Seite 62).

Die Devise lautet: Erzeugen Sie mit Ihrem Haus so viel emissionsfreie Energie wie möglich. Erst im zweiten Schritt kommt die Frage nach der Nutzung im Haus, die vor allem hilft, mit der Dach-PV-Anlage möglichst viel Geld einzusparen – etwa über eine Batterie für die Stromversorgung abends und nachts sowie für die Heizung (siehe rechts).

SAUBERE WÄRME

OHNE FOSSILE ENERGIE HEIZEN

Wo immer das möglich ist gilt: Fossile Brennstoffe haben im klimafreundlichen Heizungskeller nichts mehr verloren. Das ist heute schon immer häufiger möglich – im Zweifel mit innovativen Ideen.

In einem Punkt sind sich Experten einig: Als Heizung im Neubau mit zeitgemäßer Dämmung ist derzeit die elektrische Wärmepumpe erste Wahl.

Sie nutzt potenziell sauberen Strom, der idealerweise zu einem großen Teil vom eigenen Dach stammt. Der eingesetzte Wärmepumpenprozess vervielfacht die eingesetzte Energie durch Umgebungswärme – etwa aus der Luft oder aus dem Boden. Besonders effizient funktioniert dies in Sole-Wasser-Wärmepumpen, die Erdwärme aus einer Tiefenbohrung oder aus bodennahen Schichten sammeln (siehe Grafik). Einfacher und günstiger sind Luft-Wärmepumpen, die mit Umgebungsluft über einen Wärmetauscher heizen. Wärmepumpen mit einem üppig dimensionierten Warmwasserspeicher können obendrein Energie aus der Photovoltaikanlage für trübe Tage puffern.

Nachteil: Die Wärmepumpe hat ihren besten Wirkungsgrad bei moderaten Heiztemperaturen. In schlecht gedämmten Altbauten mit klassischen Heizkörpern reicht ihre geringe Vorlauftemperatur oft nicht. Deshalb sollten hier zunächst Fenster, Türen, Fassade und Dach gedämmt werden und die Heizkörper gegen größere Modelle getauscht werden, bevor eine Wärmepumpe Gas- oder Ölbrenner ersetzt. Auch eine Hybrid-Lösung kommt infrage, bei der die Wärmepumpe in der Übergangszeit heizt und die vorhandene Gastherme die Spitzenlast im Winter ergänzt.

Neben Thermen und Wärmepumpen entwickeln sich weitere Technologien wie etwa Brennstoffzellen, die aus Wasserstoff Wärme und Strom erzeugen. Die Technik hat Potential für eine saubere und effiziente Energieversorgung, allerdings befindet sie sich noch in den Kinderschuhen: Keine der verfügbaren Brennstoffzellenheizungen liefert allein genug Energie für Strom und Wärme im Haus. Und grüner, aus Ökostrom erzeugter Wasserstoff ist Mangelware. Sind diese Nachteile behoben und die Technik günstiger, könnten Brennstoffzellenheizungen eine Alternative werden.