Lesezeit ca. 9 Min.
arrow_back

Im Bann anderer Mächte


Logo von blickpunkt musical
blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 15.09.2022

Fast könnte man sagen, dieses Jahr auf der Luisenburg, stand »Im Bann anderer Mächte« – so der Untertitel des Musicals »Zeitelmoos«. Denn neben bekannten Stücken wie »Sister Act« gab es auch viel Neues zu hören und zu sehen: neben den Stücken auch beim Symposium der Luisenburg-Festspiele, das im dritten Jahr in Kooperation mit der Deutschen Musical Akademie organisiert wurde.

Gleich zwei Eigenproduktionen zum Thema des Jahres, »Mythen, Sagen und Natur im Fichtelgebirge«, feierten Weltpremiere auf der Luisenburg: das Familienmusical »Trolle unter uns« und »Zeitelmoos« (s. blimu 04/2022), das im nahe gelegenen und gleichnamigen Hochmoor spielt.

Man holte hochkarätige Musicaldarsteller wie Zodwa K. M. Selele in »Sister Act«, Chris Murray in »Zeitelmoos«, Philipp Moschitz und Jimmy Hartwig in »Amadeus«, Thorsten Tinney in »Trolle unter uns« nach Wunsiedel.

Ein großes Lob geht an die Verantwortlichen für ...

Artikelbild für den Artikel "Im Bann anderer Mächte" aus der Ausgabe 5/2022 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: blickpunkt musical, Ausgabe 5/2022

Deloris (Zodwa K. M. Selele) mit Nonnenchor (Ensemble)
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von blickpunkt musical. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Liebe Leserinnen und Leser, liebe Abonnentinnen und Abonnenten,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Die Welt gehört ihr, doch Geld allein macht nicht glücklich!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Welt gehört ihr, doch Geld allein macht nicht glücklich!
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von »´N bisschen Frieden« ist eine dramatische Liebesgeschichte mit einer detektivischen Erzählstruktur. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
»´N bisschen Frieden« ist eine dramatische Liebesgeschichte mit einer detektivischen Erzählstruktur
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Wie Leó Szilárd lernte, die Bombe zu hassen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie Leó Szilárd lernte, die Bombe zu hassen
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Goethe war gut, man, der konnte reimen!
Vorheriger Artikel
Goethe war gut, man, der konnte reimen!
Charmante Verwechslungskomödie mit Herz, Humor und Tapdance
Nächster Artikel
Charmante Verwechslungskomödie mit Herz, Humor und Tapdance
Mehr Lesetipps

... Maske und Ausstattung, die es schafften, die Darstellenden in echte Wesen aus einer anderen Welt zu verwandeln. Besonders großartig gelang dies bei der Adaption von William Shakespeares »Sturm«. Dazu kommt die einmalige Lage der Luisenburg. Das erfahrene Publikum weiß, dass es hier zwischen Bäumen und Felsen immer etwas kühler ist und sich Besucher mit Decken und Kissen bewaffnen sollten.

• »Trolle unter uns«

In dem Familienmusical »Trolle unter uns« geht es nicht, wie man erwarten würde, nur um die mystischen Wesen der »Kehrwelt«, sondern den jungen Zuschauenden werden spielerisch aktuelle Themen der Zeit wie Umweltschutz, Klimakrise und Toleranz nahegebracht. Während der Fahrt in den Urlaub hat das Auto von Familie Klein mitten in der norwegischen Wildnis eine Panne. Sohn Elmar bleibt im Auto zurück, während seine Eltern auf der Suche nach Hilfe spurlos verschwinden. Dafür taucht neben seltsamen Gestalten auch die etwas seltsame Lena auf, die Elmar erklärt, dass ihre Eltern durch einen Riss in der Zeit in die »Kehrwelt« verschwunden sind. Dort herrschen verschiedene Trollkönige: King Coal, zuständig für das Klima und die Energie, King Burger, zuständig für die Ernährung, und King Cyber, zuständig für das Internet. Nach etlichen Abenteuern gelingt es Elmar mit Hilfe von Lena, seine Eltern wiederzufinden. Neben dem Ensemble der Luisenburg-Festspiele übernahm Thorsten Tinney die Rolle(n) der

Trollkönige. Geschrieben wurde das Stück von Komponist Gisle Kverndokk und Autor Øystein Wiik (beide: »Sophies Welt«, »Fanny und Alexander«) und die Uraufführung in Wunsiedel wurde in der deutschen Übersetzung von Roman Hinze aufgeführt. Das fantasievolle Bühnenbild gestaltete Stephan Prattes. Regie und Choreographie lagen in den Händen von Simon Eichenberger (aktuell »Der König und ich« in Mörbisch, Besprechung in dieser Ausgabe).

• »Sturm«

Zwar kein Musical, aber sehr passend zum Thema »Mythen« war die Aufführung des atmosphärischen Theaterstücks »Sturm« nach William Shakespeare mit großartiger Musik von Frank Nimsgern, in der Adaption und unter Regie von Intendantin Birgit Simmler. Herrlich anzuschauen waren hier vor allem die fantasievollen Kostüme und Masken von José Luna (Ausstattung).

• »Zeitelmoos«

Die Auftragsproduktion »Zeitelmoos – im Bann anderer Mächte« ist, ebenso wie »Zucker« (2019), ein Musical mit Bezug zur Region. Auf diesen Fokus, der bereits in Pforzheim mit »Katharina Kepler« und »Martyr!« gelebt wurde, verständigten sich im Vorfeld der Förderverein Fichtelgebirge mit den Luisenburg-Festspielen. Die Musik zu »Zeitelmoos« stammt von dem amerikanische Komponisten Eric Allaman, das Libretto schrieb Hartmut H. Forche, der eine Geschichte über den Schutz der Natur mit der Sagenwelt des Hochmoores verband. Die Inszenierung verantwortete Kurt Josef Schildknecht, die musikalische Leitung hatte Frank Nimsgern. Mit Angelina Arnold als Feenkönigin, Yannik Gräf als Felix, Janko Danailow als Tom und Ben Ossen als Moorfrosch waren die Rollen sowohl schauspielerisch als auch gesanglich sehr gut besetzt. Chris Murray bildete mit seinem Auftritt als Höimann, dem Wächter des Waldes, der mit seiner starken Stimme die Bühne rockte, das Highlight des Stücks. Dieses erzählt von Toms Freundin, welche sich in der nahe Wunsiedel gelegenen Moorlandschaft verirrt. Auf der Suche nach ihr treffen Tom und Felix auf viele märchenhafte Gestalten (vgl. blimu 04/2022).

• »Symposium: Perspektiven des Musicals 2022

Ein volles Programm erwartete die Teilnehmer des Symposiums innerhalb der nicht ganz 3 Tage. Zur Eröffnung, moderiert von Intendantin Birgit Simmler, gab es am Nachmittag des 5. Augusts ein Meet & Greet sowie Grußworte durch den Ersten Bürgermeister der Energie- und Festspielstadt Wunsiedel, Nicolas Lahovnik, und Schirmherrin Heidrun Piwernet, Regierungspräsidentin von Oberfranken. Neben der Eröffnung stand an diesem Tag ein Einblick in das neue Original-Musical »Frankenstein« mit anschließender Diskussion auf dem Programm.

• »Frankenstein«

Dabei handelt es sich nicht um die Adaption von Mark Baron, Jeffrey Jackson und Gary P. Cohen und auch nicht um das Mel-Brooks-Musical »Young Frankenstein«. Marian Lux (»Lotte« Wetzlar) hat die Musik für das neue Original-Musical geschrieben und Kevin Schroeder Buch und Liedtexte der Adaption des Romans von Mary Shelley. Darin ist der junge Victor Frankenstein als Student auf der Suche nach einem Mittel, um seine todkranke Mutter heilen zu können. In seinem Professor, der nachts heimlich Leichen für seine eigenen Versuche raubt, findet er zunächst unverhofft einen Helfer, der im Lauf der Geschichte jedoch sein Widersacher wird. Mit Teilen der gestohlenen Leichen erschafft Victor »das Geschöpf«, das im Musical, wie es das momentane Konzept vorsieht, aus mehreren Personen bestehen wird. Währenddessen verliebt sich Victors Freund Henry in die blinde Mara. Doch auch Mara hat ein dunkles Geheimnis. Außerdem ist Henry mit der Schwester von Victor, Elisabeth, befreundet, die jedoch merkt, wie sich sowohl Victor als auch Henry von ihr entfernen, die Gründe dafür allerdings nicht kennt. Geboten wurde eine fast einstündige Workshop-Vorstellung, gesungen und gespielt von den anwesenden Darstellern der Produktionen 2022, u. a. Markus Fetter als Victor Frankenstein und Thorsten Tinney als Professor Weishaupt. Nach dieser Präsentation mit offenem Ende war die Spannung so groß, dass alle von Kevin Schroeder wissen wollten, wie es denn nun weitergeht. Doch das ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sicher, denn das Stück bietet mehrere Möglichkeiten. Fest steht nur, dass es sehr spannend und auch gruselig werden wird. Über die Schwierigkeit, wie bei den Nachmittagsshows bei Tageslicht ein möglichst großen Horroreffekt erreicht werden kann, wird noch nachgedacht. Besonders interessant ist die Geschichte um die Universität Ingolstadt, an der das Stück beginnt. Denn dort gab es tatsächlich einen Professor Adam Weishaupt, dem man nachsagt, dass er den Geheimorden der Illuminaten gegründet hat. Allerdings war Mary Shelley nie in Ingolstadt. Sie konnte davon nur durch Erzählungen gehört haben. In der Diskussionsrunde kamen die Fragen auf, ob man das ganze Thema nicht in die Jetztzeit versetzen könnte, besonders beim heutigen Stand der Wissenschaft, oder ob man vielleicht aus Victor eine Victoria machen könnte, zudem, welche Glaubensaspekte eine Rolle spielen sollten, da Henry Jude ist. Man darf gespannt sein, wie das neue Stück, das 2023 bei den Festspielen Uraufführung feiern wird, letztendlich aussehen wird. Christoph Drewitz (»Drosselbart!« Hanau) wird Regie führen, mit Choreographien von Bart De Clercq. Am 6. August wurde das Symposium zunächst mit einem Vortrag von Dr. Wolfgang Jansen, Vorsitzender der Freunde und Förderer des

Deutschen Musicalarchiv e.V., unter dem Titel »Money makes the world go around« fortgesetzt. Anschließend folgte ein Gespräch zwischen Frank Nimsgern und Regisseur und Theaterleiter Benjamin Sahler zu dem Thema »Musical und neue Oper«. Nimsgern (Komponist und Produzent) und Sahler (Intendant und Theaterleiter des Festspielhaus Neuschwanstein sowie Regisseur) vermittelten einen Eindruck der Schwierigkeiten, ein Stück sinnvoll und gewinnbringend zu produzieren und zu vermarkten. Nimsgern erläuterte dies an seinem Musical »Der Ring«, das bei seiner Uraufführung in Bonn schon fast als Comedy endete. Doch dieser archaische Stoff sei eher dazu geeignet, jüngeren Leuten deutsche Geschichte schmackhaft zu machen. Denn wer aus dieser Zielgruppe schaue sich stundenlang den »Ring der Nibelungen« von Wagner in Bayreuth an. In Hof wurde 2016 eine überarbeitete Fassung von »Der Ring« produziert, welche sich auch Benjamin Sahler ansah. Gemeinsam wurde beschlossen, das Musical auch im Festspielhaus Neuschwanstein aufzuführen, wo es wegen der besonderen Bühnenkonstruktion gut wirkte. Das Festspielhaus in Füssen, das schon zwei Insolvenzen hinter sich hat und nur dank eines sehr erfolgreichen Crowdfundings und mit der finanziellen Hilfe eines privaten Sponsors weiterarbeiten konnte, ist nach wie vor nicht staatlich subventioniert. Man hofft sehr, dass sich dies 2023 ändert, da sich sonst womöglich das Haus nicht weiter unterhalten lässt. Dabei hat man dort inzwischen viele gute Konzepte entwickelt, spielt beliebte Musicals wie »Ludwig2«, »Die Päpstin«, »Die Schöne und das Biest« und stemmte zuletzt die Uraufführung des Ralph-Siegel-Musicals »Zeppelin« (s. blimu 05/2021). Auch Crossover-Projekte wie das multimediale Theaterstück »Passion 2:1« (s. blimu 02/2021) fanden hier einen Rahmen. Doch das Problem und gleichzeitig das Großartige am Festspielhaus Neuschwanstein ist seine Lage. Hier gibt es nicht, wie zum Beispiel in Berlin oder Hamburg, Tagestouristen. Besuche der Produktionen des Festspielhaus’ erfordern Planung. Dank der Steuergelder kennen subventionierte Häuser weniger finanzielle Probleme. Wie Andreas Hertel, neuer Intendant am Theater Pforzheim, zu bedenken gab, entscheide jedoch der Bürgermeister, wohin das Geld geht, ob ins Theater oder eben doch eher in die Finanzierung des Hallenbades oder der Stadtbücherei. Wobei man sagen muss, dass die Pandemie zwar viele private Theater und auch viele freischaffende Künstler an den Rand des Ruins gebracht hat, die staatlichen Theater aber weiter Förderung erhielten und nicht gerade geringe Summen, die wegen deutlich weniger Ausgaben (es wurde nicht gespielt, die Angestellten bekamen Kurzarbeitergeld, die Häuser blieben geschlossen, also auch keine weiteren Personalkosten etc.) zu einem finanziellen Gewinn führten.

Auch die Theater der Stage Entertainment erhielten für ihre Angestellten Kurzarbeitergeld vom Staat, obwohl sie ein rein privates Unternehmen sind. Allerdings ist es auch hier hauptsächlich der Unterstützung durch den finanzstarken Besitzer in Amerika zu verdanken, dass es zu keinen einschneidenderen Veränderungen kam. Natürlich hat die Pause durch Corona auch vielen Theatern geschadet. Es bleibt spannend und zu hoffen, dass es in der Spielzeit 2022/2023 nicht wieder zu Ausfällen und vorübergehenden Schließungen durch Corona kommt. Dennoch gibt es für die kommende Saison Überlegungen, welche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden sollen. Allerdings fragten sich nicht nur die beiden Referenten, weshalb an den staatlichen Häusern nicht mehr neue, für das jüngere Publikum interessante Stücke gespielt werden. Weshalb müssen immer wieder Stücke wie »Evita«, »My Fair Lady«, »Kiss Me, Kate«, wenn auch in frischen, einfallsreichen Inszenierungen, gezeigt werden, anstatt neuer Stücke deutscher Komponisten und Autoren? Es stellt sich auch die Frage, inwiefern Stücke, die einen regionalen Bezug haben, wie »Zeitelmoos« (Wunsiedel), »Martyr!« (Pforzheim) oder »Hawaii« (Heilbronn), auch an anderen Orten aufgeführt werden könnten. Eine großartige, aber nicht ganz einfach umzusetzende Idee ist die Zusammenarbeit einzelner Theater, indem man Stücke nicht in jeder Stadt einzeln produziert, sondern die Produktionen weitergibt. Angesprochen wurde auch, dass es großartig wäre, wenn man, wie es im Festspielhaus Neuschwanstein der Fall ist, deutschsprachige Sängerinnen und Sänger engagierte und nicht, wie es leider bei den großen Musical-Produzenten gern geschieht, Leute, die man schwer verstehen kann, und das für unglaublich hohe Ticketpreise. Nach der Mittagspause ging es weiter mit der Frage »Filmförderung in Deutschland – ein Vorbild für das deutsche Musical?« und einer Podiumsdiskussion, moderiert von Birgit Simmler, zum Thema »Best practice Beispiele – Vermarktungsketten in Deutschland. Welche Chancen liegen in der Zusammenarbeit von Institutionen?« Mit einer Wanderung durch das Felsenlabyrinth klang für die Teilnehmer der Abend aus. Bereits um 9.00 Uhr am 7. Augst wurde das Symposium mit einer Gruppenarbeit unter dem Motto »Zukunft (mit-)gestalten – neue Musicals entdecken, entwickeln und weitertragen« fortgesetzt. Als Abschluss stand um 10.30 Uhr der gemeinsame Besuch der Vorstellung »Trolle unter uns« auf dem Programm. Viele Teilnehmer blieben noch, um sich um 15.00 Uhr die letzte Vorstellung von »Zeitelmoos« anzuschauen.

Ingrid Kernbach & Barbara Kern