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Im Garten der Bibelpflanzen


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HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 21.11.2022

Olivenbaum

Symbol für Hoffnung und Frieden

DER ÖLBAUM, auch Olivenbaum genannt, ist in der Bibel eine sehr bedeutsame Pflanze. Aus seinen Früchten entstand Öl, das als Nahrung diente, als Brennstoff für Lampen, zur Körperpflege und zur Salbung von Gästen. Neunmal erwähnt das Neue Testament den Ölberg, der seinen Namen den Olivenbäumen verdankte. In der Schöpfungsgeschichte ist ein Ölzweig Symbol für Hoffnung, er verweist auf das Ende der Sintflut:

„Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe: In ihrem Schnabel hatte sie einen Ölzweig. Da wusste Noach, dass das Wasser auf der Erde abgenommen hatte.“

[1. Buch Mose (Genesis), 8,11]

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Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 6/2022

Olivenbaum [Olea europaea]

Denersten Garten pflanzte Gott sogleich, nachdem er den ersten Menschen erschaffen hatte. Es war der Garten Eden: „Gott, der Herr, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des ...

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... Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.“ So beschreibt es die biblische Schöpfungsgeschichte (1. Mose, 2,9). Das paradiesische Stück Erde soll jedoch nicht in erster Linie den Menschen erfreuen, sondern ihn ernähren: „Gott, der Herr, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte“ (1. Mose, 2,15).

GRUNDLAGE DES LEBENS

In der Heiligen Schrift wächst, sprießt und gedeiht es allenthalben – Bäume und Früchte, Büsche und Kräuter spielen herausragende Rollen. Warum? Weil sie so schön anzuschauen sind? Nein, der wichtigste Grund ist ein recht profaner: „Pflanzen dienten der Nahrung, das war der Hauptaspekt im alten Israel“, sagt Henning Falk. Der Gartenbautechniker ist ein Experte für die Pf lanzenwelt der Bibel, auch führt er einen Gärtnereibetrieb im nordhessischen Knüllwald-Remsfeld. Mit seinem früheren Ausbilder Wolfgang Kawollek, ehemals Technischer Leiter der Botanischen Lehr- und Versuchsanlagen der Universität Kassel, hat Falk das Buch „Die Pflanzen der Bibel kennen und kultivieren“ geschrieben (Verlag Eugen Ulmer, 132 Seiten, 15 Euro). Im Interview mit HÖRZU WISSEN erklärt er: „In biblischen Zeiten ging es weniger darum, dass Pflanzen schön aussahen. Man hatte keine Terrassenbepf lanzung oder dergleichen. Pflanzen waren in erster Linie nützlich.“ Auch als Heilmittel wurden sie verwendet, zudem war Holz ein wichtiger Rohstoff. Daneben erfreuten die Menschen sich natürlich auch an Blüten und deren Duft. Außerdem hatten und haben Pflanzen einen rituellen Wert. Im dritten Buch Mose etwa gibt die Bibel vier Pflanzen vor, aus denen die Feststräuße zum Laubhüttenfest, dem jüdischen Erntedankfest, gebunden werden sollen: „Am ersten Tag nehmt schöne Baumfrüchte, Palmwedel, Zweige von dicht belaubten Bäumen und von Bachweiden und seid sieben Tage lang vor dem Herrn, eurem Gott fröhlich“ (3. Mose, 23,40). Gemeint sind Etrog (eine Zitrusfrucht), Lulav (ein junger Dattelpalmenzweig), Myrten- und Weidenzweige.

Golddistel

Leid und Bedrohung

DORNENGEWÄCHSE haben ein schlechtes Image in der Heiligen Schrift – man denke nur an die Dornenkrone, die römische Soldaten Jesus aufsetzten. Welche Dornenpflanze an welcher Bibelstelle genau gemeint ist, weiß man nicht, die Autoren machten keine konkreten Angaben. Sehr wahrscheinlich fand die Golddistel Erwähnung, ein verbreitetes Kraut in Israel. In biblischer Zeit breitete sie sich auf Feldern aus und bedrohte die Saat.

„Ich bin eine Blume des Scharon, eine Lilie der Täler. Wie eine Lilie unter Disteln, so ist meine Freundin unter den

Töchtern.“ [Hoheslied 2,1-2]

LAND DER SIEBEN ARTEN

Moses beschreibt Kanaan als „ein prächtiges Land (…) mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt, ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig, ein Land (…), in dem es dir an nichts fehlt“ (5. Mose, 8,7-9). Als „Land der sieben Arten“ wird Israel heute noch bezeichnet, gemeint sind die aufgezählten Pflanzenarten und der „Honig“ (das ist sowohl Bienenhonig als auch ein Sirup aus Datteln und Trauben) – die Hauptnahrungsmittel in jener Zeit.

„Mit etwa 2500 Pflanzenarten ist die Flora von Israel bzw. des Heiligen Landes außerordentlich vielfältig“, schreibt Henning Falk in seinem Buch. „Angesichts der Größe des Landes, das darüber hinaus etwa zur Hälfte aus Wüste besteht, ist das eine sehr hohe Zahl.“ Welche Arten die Bibel meint, steht oft nicht genau fest. Der israelische Professor für Botanik Michael Zohary hat sich de Identifizierung gewidmet. In seinem Buch „Pflanzen der Bibel“ (nur noch antiquarisch erhältlich) erklärt er, dass nicht alle darin erwähnten Namen spezielle Pflanzen meinen. So nennt die Bibel 20 Namen für Dornbüsche. „Da es mehr als 60 Sorten von Dornenpf lanzen in der heimischen Fauna gibt, ist jeder der 20 Namen nur schwer einer speziellen Art zuzuordnen.“ 110 verschiedene erwähnte Pflanzen zählte Zohary insgesamt in der Bibel.

»Pf lanzen dienten im alten Israel vor allem der Nahrung.«

Henning Falk, Gärtner

Granatapfelbaum [Punica granatum]

Granatapfelbaum

Liebe und Fruchtbarkeit

IM HOHELIED Salomos findet der Baum vielfache Erwähnung. Die leuchtend roten Blüten der uralten Kulturpflanze duften betörend. Der Granatapfel besitzt zahlreiche Samen, jeden einzelnen umgibt saftiges, süßes, kräftig rotes Fleisch. Die Frucht gilt als Symbol für Genuss, Schönheit, Leidenschaft, Fruchtbarkeit und Liebe. Seit Jahrtausenden beliebt ist Grenadine, ein Granatapfelsaft.

„Früh wollen wir dann zu den Weinbergen gehen und sehen, ob der Weinstock treibt, ob die Rebenblüte sich öffnet, ob die Granatbäume blühen. Dort schenke ich dir meine Liebe.“

[Hoheslied 7,13]

Myrte

Erntedank und göttliches Land

ZUM LAUBHÜTTENFEST, dem jüdischen Erntedank, bindet man Feststräuße, bestehend aus vier Pflanzenarten. Einer davon sei Myrte, so sieht es das 3. Buch Mose vor. Der bis zu zwei Meter hohe, immergrüne Busch kommt nur im Alten Testament vor. Dort symbolisiert die Pflanze mit den duftenden Blüten auch eine schöne, reiche Landschaft. Ätherisches Öl, aus der Myrte gewonnen, wird seit der Antike als Heilmittel genutzt.

„Statt Dornen wachsen Zypressen, statt Brennnesseln Myrten. Das geschieht zum Ruhm des Herrn, zum ewigen Zeichen, das niemals getilgt wird.“

[Jesaja 55,13]

Besonders vielfältig sind die Bezüge zu Pflanzen in Salomos Hohelied: Es vergleicht die Liebe mit Wein, es besingt den Duft der blühenden Reben, erwähnt Räuchermittel wie Myrrhe und Weihrauch. Auch vergleicht der Liebende seine Angebetete mit einer Quelle, die einen üppigen Garten bewässert: „An deinen Wasserrinnen – ein Granatapfelhain mit köstlichen Früchten, Hennadolden samt Nardenblüten, Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt, alle Weihrauchbäume, Myrrhe und Aloe, allerbester Balsam“ (Hoheslied 4,13-14).

In seinen Gleichnissen nutzt Jesus oft Pflanzen als Bilder, um Glauben, rechtes Handeln, christliches Leben und das Reich Gottes zu erklären. Ein besonders illustres Beispiel: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da“ (Markus 4,26-29). Die Bibel vermittelt auch, dass die Veredelung von Bäumen schon damals üblich war. „Wenn aber einige Zweige herausgebrochen wurden, du aber als Zweig vom wilden Ölbaum mitten unter ihnen eingepfropft wurdest und damit Anteil erhieltest an der kraftvollen Wurzel des edlen Ölbaums, so rühme dich nicht gegen die anderen Zweige“ (Römerbrief 11,17-18).

Weihrauch

Duft und Heilung

DREI GABEN brachten die Sterndeuter dem neu geborenen Sohn Gottes, eine davon war das wertvolle Harz des Weihrauchbaumes. Seit Jahrtausenden wird es als Räuchermittel verwendet, zudem auch als Medikament.

„Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“

[Matthäus 2,11]

Weizen

Hauptnahrungsmittel

ALS ERSTE der „Sieben Arten“, der wichtigsten Nutzpflanzen, nennt das Alte Testament den Weizen. Man aß ihn roh, geröstet oder buk Brot aus Weizenmehl. Die Art Triticum durum (Hartweizen) war Hauptnahrungsmittel in biblischen Zeiten. Jesus Christus nutzt Weizen in seinen Gleichnissen oft als Sinnbild.

„Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“

[Johannes 12,24]

Feige

Scham und Schuld

ADAM UND EVA, die sich mit Feigenblättern bedecken: eines der bekanntesten Bilder der Heiligen Schrift. Sie haben sich schuldig gemacht, empfinden Scham. Es gibt viele Feigenarten, in der Bibel kommt häufiger der Feigenbaum Ficus carica vor. Seine Früchte waren wichtiges Nahrungsmittel, weil sie getrocknet lange halten.

„Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.“

[1. Buch Mose, 3,7]

BIBELPFLANZEN ZU HAUSE

Wer biblische Pflanzen zu Hause kultivieren möchte, dem empfiehlt Henning Falk vor allem den Weinstock: „Er bietet eine große Vielfalt, es gibt tolle Sorten, die als Tafeltraube genossen werden können. Sie brauchen nur einen Kübel, eine sonnige Wand und eine Rankhilfe. So können Sie einen schönen Erfolg haben mit einer sicheren Ernte.“

Auch zu Olivenbäumen rät Falk, sie sind sonnen- und trockenheitsverträglich, aber nur bedingt frosthart. „Eine gute Chance besteht in den Weinbauregionen Deutschlands, ansonsten bin ich vorsichtig mit den klassischen mediterranen Pflanzen.“ Als empfehlenswerte Feigenpf lanze nennt er die neue frostharte Sorte Firoma. „Man muss ein wenig experimentierfreudig sein, bei starken Frösten können die Pflanzen zurückfrieren, sodass man im Frühjahr korrigierend nachschneiden muss.“ Aber vielleicht macht gerade das Freude: die Pflanzen nicht nur zu nutzen, sondern sie auch zu begleiten und zupf legen.

NELE-MARIE BRÜDGAM

Weinrebe

Reichtum und Glaube

DER ERSTE WINZER der Bibel war Noah, und Jesus nimmt bei seinem letzten Mahl den Kelch mit Wein. Rebe, Trauben und Getränk kommen von Anfang bis Ende sehr häufig in der Bibel vor. Wer einen Weinberg besaß, war reich. Zudem steht der Weinstock für das Leben im rechten Glauben.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“

[Johannes 15,5]

Schwarzer Senf

Kraft und Wachstum

JESUS VERGLEICHT das Senfkorn mit dem Reich Gottes. Gemeint sei wahrscheinlich der Schwarze Senf, schreibt der israelische Botanik-Professor Michael Zohary. „In biblischer Zeit wurde daraus das Senfsamenöl und ein Medikament gewonnen.“

„Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

[Markus 4,31-32]

Dattelpalme

Gerechtigkeit

DIE OASENPFLANZE sichert seit Jahrtausenden die Ernährung der Wüstenvölker. „Allein sie ermöglichte es den Menschen, Oasen zu besiedeln“, so Experte Henning Falk. Die Dattelpalme steht auch als Symbol für Recht, Gerechtigkeit und Auferstehung. Den in Jerusalem einziehenden Jesus begrüßte das Volk mit Palmzweigen.

„Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“

[Johannes 12,13]