Lesezeit ca. 7 Min.

„Jeder Tag steht im Zeichen des Laufens“


Logo von Laufzeit
Laufzeit - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 10.08.2022

INTERVIEW

Artikelbild für den Artikel "„Jeder Tag steht im Zeichen des Laufens“" aus der Ausgabe 5/2022 von Laufzeit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Laufzeit, Ausgabe 5/2022

Esther Jacobitz ist auf der klassischen Mittelstrecke zu Hause. Sie trainiert neben ihrem Psychologiestudium und träumt davon, irgendwann an die deutsche Spitze zu laufen. Über 1.500 Meter konnte die talentierte Kölnerin Ende Mai bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe eine neue persönliche Bestzeit erlaufen. Nach 4:21,55 Minuten blieb für die 24-Jährige die Uhr stehen. Zuvor startete sie beim Paderborner Osterlauf über die Distanz von zehn Kilometern. Ein ganz besonderes Highlight war, dass sie ihren Partner Hendrik Pfeiffer als Pacemaker engagierte. Dieser Einsatz lohnte sich und bescherte ihr eine neue hervorragende Bestzeit von 34:04 Minuten. Nicht nur sportlich, sondern auch privat läuft es bei Esther Jacobitz rund. Wir haben nachgefragt, wie es den beiden gelingt, ihr intensives Training und den Alltag unter einen Hut zu bringen.

LAUFZEIT: Wenn Paare gemeinsam Sport ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Laufzeit. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von TESTEN SIE IHR LAUFWISSEN!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TESTEN SIE IHR LAUFWISSEN!
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von DIE GESICHTER DER LAUFZEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE GESICHTER DER LAUFZEIT
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Das minimale MISSVERSTÄNDNIS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das minimale MISSVERSTÄNDNIS
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
VOR EIMEM JAHR HAT MEIN HERZ AUFGEHÖRT ZU SCHLAGEN
Vorheriger Artikel
VOR EIMEM JAHR HAT MEIN HERZ AUFGEHÖRT ZU SCHLAGEN
ZIELLINIE GIPFELKREUZ
Nächster Artikel
ZIELLINIE GIPFELKREUZ
Mehr Lesetipps

... treiben, kann es oft alles andere als harmonisch verlaufen. Bei manchen Paaren ist der gemeinsame Sport Harmonie pur. Bei anderen hingegen sieht die Praxis häufig anders aus. Wie ist es bei euch? Trainiert ihr oft gemeinsam oder stimmt ihr vielleicht sogar gelegentlich eure Trainingspläne miteinander ab?

Esther Jacobitz: Hendrik und ich sind beide durch und durch Läufer. Wir betreiben zwar die gleiche Sportart, aber unsere Trainingsinhalte sind schon sehr unterschiedlich. Wenn andere Paare gemeinsam hin und wieder joggen gehen oder als gemischtes Doppel auf dem Tennisplatz stehen, ist es, denke ich, eine andere Situation als bei uns. Hendrik ist Berufssportler. Ich studiere in der Hauptsache und verdiene mit dem Laufen kein Geld. Daher kann man unser Training nicht vergleichen. Hinzu kommt noch, dass Hendriks Fokus auf den langen Strecken liegt, während ich mich auf die Mittelstrecke über 1.500 Meter konzentriere. Da ist es einleuchtend, dass man sich nicht miteinander messen kann.

Esther Jacobitz: Ich studiere Psychologie. Meinen Bachelor habe ich in der Tasche und jetzt fange ich mit dem Master an. Danach möchte ich eine Ausbildung zur Psychotherapeutin machen. Allerdings versuche ich, das Studium noch ein wenig zu strecken, um so lange wie möglich intensiv laufen zu können. Denn alles auf den Sport zu setzen, ist für mich keine Option. Wenn du als Bahnläuferin nicht richtig spitze bist, verdienst du kein Geld. Und ich laufe nicht vorne an der Spitze mit. Zwar kann ich mir auch vorstellen, längere Distanzen bei Straßenrennen zu laufen. Aber dafür muss ich erst mal auf den Unterdistanzen besser werden. Und das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und ist harte Arbeit.

Wie viele Einheiten trainierst du in der Woche und wie bekommst du das Training mit deinem Studium unter einen Hut?

Esther Jacobitz: Ich trainiere aktuell etwa zehnmal pro Woche. Allerdings ist das für mich nicht immer möglich. Als ich zum Beispiel Anfang des Jahres mein Praktikum in einer Suchtklinik absolviert und 40 Stunden in der Woche gearbeitet habe, musste

ich mein Training natürlich einschränken. Da waren es eben nur sieben oder acht Einheiten pro Woche. Am Wochenende habe ich dann oft zweimal täglich trainiert. Studieren und laufen ist entspannter. Während der Corona-Pandemie musste ich ohnehin nicht mehr in die Uni, da alle Vorlesungen online waren. Im Frühjahr habe ich meine Bachelorarbeit geschrieben und das war auch ortsunabhängig. Deshalb konnte ich auch mit Hendrik zusammen nach Kenia fahren.

Wie kann man sich den Aufenthalt in Kenia vorstellen? Hast du dort ähnlich wie Hendrik, deinen Tag komplett um das Training organisiert oder war die Zeit in Kenia für dich eher entspannt?

Esther Jacobitz: Für mich war es eher entspannt, weil ich mich auf keinen wichtigen Wettkampf vorbereitet habe. Ich möchte zwar auch schneller werden, aber habe natürlich nicht den Druck wie Hendrik. Bei ihm sah es anders aus. Er trainierte in Kenia mit dem Ziel, sich bestmöglich auf den Hannover-Marathon vorzubereiten. Das hat auch geklappt, denn dort konnte er sich letztendlich den deutschen Meistertitel sichern. Deshalb war das Trainingslager für ihn sehr wichtig. Aber hart war es für uns beide. Mich hat das Trainingslager an meine körperliche Grenze gebracht und ich habe viel abgenommen. Wir haben beide sehr hart trainiert, meistens im profilierten Gelände. Ich bin in Kenia oft mit Tom Gröschel und Hendrik gelaufen. Wenn sie beispielsweise auf der Bahn 5 Kilometer Tempodauerlauf gemacht haben und danach 20 x 200 Meter oder 25 x 200 Meter Intervalle, bin ich mitgelaufen. Da ich langsamer laufe, habe ich dann nur jedes zweite 200-Meter-Intervall mitgemacht. Allerdings lernte ich in unserer Unterkunft nach und nach auch andere Läuferinnen kennen, mit denen ich gelegentlich gemeinsam trainieren konnte. Zum hohen Trainingsumfang kam hinzu, dass das Training in der Höhe sehr anstrengend ist. Wir waren ständig müde und schliefen viel, wenn wir nicht trainierten. Ansonsten hörten wir häufig Hörspiele. Aber wir gönnten uns auch mal den einen oder anderen Tag Pause und machten eine spannende Safari.

Hendrik Pfeiffer schaltet sich ein: Für mich persönlich ist es immer hart, mich über so eine lange Zeit in Kenia auf einen Wettkampf vorzubereiten. Dass Esther mitgekommen ist, hat mir die Zeit erleichtert. Sonst wäre der Aufenthalt dort für mich kaum zu bewältigen gewesen. Die Verhältnisse, in denen wir in Kenia gelebt haben, waren schon sehr einfach. Es war definitiv kein Luxusurlaub.

Esther Jacobitz: Das stimmt. Ich wollte ganz oft einfach nur nach Hause, aber wir haben uns gegenseitig gestärkt und es letztendlich durchgehalten.

„DASS ESTHER MITGEKOMMEN IST, HAT MIR DIE ZEIT ERLEICHTERT.“

HENDRIK PFEIFFER

Wart ihr auch mal gemeinsam ohne Trainingslager unterwegs?

Esther Jacobitz: Wenn wir so richtig Urlaub machen, geschieht das in der Regel in der Saisonpause. Dann können wir abschalten und haben nicht im Hinterkopf, dass wir noch zweimal täglich trainieren müssen. Während der Corona-Pandemie war es etwas schwierig zu verreisen. Da waren wir mit einem Camper unterwegs und sind durch Österreich und Italien gefahren. In den Bergen wandern und das Flair am Gardasee genießen, war sehr schön. Letztes Jahr waren wir auf der Blumeninsel Madeira. Da sind wir ganz entspannt nach Lust und Laune gelaufen. Auf Madeira ist es sehr steinig. Da hätten wir ohnehin nicht so viel laufen können. Wenn wir unsere Saisonpause nutzen und in den Urlaub fahren, freuen wir uns immer auf die Pause. Dann laufen wir nicht so viel und nur nach Lust und Laune, damit wir uns körperlich und auch mental erholen können.

Gibt es bei euch auch einen gemeinsamen Alltag?

Esther Jacobitz: Auf jeden Fall. Zwar wohnen Hendrik und ich nicht zusammen, aber wir sehen uns fast täglich. Ich lebe in Köln und er in Essen. Meistens bin ich einen oder zwei Tage bei ihm in Essen. Und wenn wir keine Wettkämpfe haben, sehen wir uns auch am Wochenende. Dann sind wir lieber bei mir in Köln. Dort können wir mehr unternehmen. Je nachdem, welches Training auf dem Plan steht, kommt Hendrik dann auch mal mit zu meiner Trainingsgruppe beim ASV Köln.

„ZWAR WOHNEN HENDRIK UND ICH NICHT ZUSAMMEN, ABER WIR SEHEN UNS FAST TÄGLICH.“

ESTHER JACOBITZ

Und wenn ich bei ihm in Essen bin, bin ich in Wattenscheid auch immer willkommen.

Unser Morgen beginnt in der Regel mit einem gemeinsamen Frühstück. Gegen elf Uhr brechen wir gemeinsam zu einem Dauerlauf auf, wobei jeder sein eigenes Training umsetzt. Wenn ich einen Tempodauerlauf mache und Hendrik einen normalen Dauerlauf, macht er mir auch manchmal das Tempo. Nach dem Training essen wir Mittag und ruhen uns etwas aus oder erledigen verschiedene Dinge. Ich haeb oft nachmittags für die Uni gelernt oder an meiner Bachelorarbeit geschrieben. Je nachdem, wann wir morgens aufstehen, können wir am Vormittag vor dem Laufen auch schon einiges erledigen. Ansonsten steht bei mir abends die harte Trainingseinheit an und bei Hendrik morgens. Der Grund dafür ist, dass viele aus meiner Trainingsgruppe tagsüber arbeiten und erst abends laufen können. Nach dem Training gibt es Abendessen und dann ist der Tag schon vorbei. Wobei wir am Wochenende alles ein bisschen entspannter angehen. Da sind wir oft bei mir und gehen abends nach dem Training etwas essen. Oder gönnen uns nachmittags eine Leckerei in einem der vielen Cafés, die bei mir in der Nachbarschaft sind. Allerdings liegt der Fokus immer auf unserem Sport. Wie ihr seht, steht bei uns so ziemlich jeder Tag im Zeichen des Laufens und alle anderen Aktivitäten müssen sich unterordnen.

„JE NACHDEM, WANN WIR MOR-GENS AUFSTEHEN, KÖNNEN WIR AM VORMITTAG VOR DEM LAUFEN AUCH SCHON EINIGES ERLEDIGEN.“

ESTHER JACOBITZ

Und was ist, wenn ihr am Wochenende Wettkämpfe habt?

Esther Jacobitz: Wenn Hendrik am Wochenende einen Wettkampf hat, fahre ich manchmal mit. In Hannover habe ich ihn auch zum Marathon begleitet. Er fährt bei mir auch manchmal mit. Aber es ist schon anstrengend, wenn der andere vernünftig trainieren muss. Ich lege mein Training dann so, dass ich freitags, bevor wir losfahren, noch laufe. So absolviere ich die intensive Einheit zu Hause im Stadion oder dort, wo ich mich auskenne. Die lockeren Dauerläufe mache ich dann dort im Wald, wo wir eben zum Wettkampf waren. Dauerhaft fahren wir aber nicht gemeinsam zu allen Wettkämpfen. Das ist zu stressig. Dann sehen wir uns am Wochenende mal nicht.

Das Laufen nimmt in eurer Beziehung einen großen Teil ein. Thematisiert ihr das Laufen auch beispielsweise beim gemeinsamen Kochen oder wenn ihr unterwegs seid?

Esther Jacobitz: Ja, das Laufen ist auf jeden Fall ein Thema. Wir haben einen großen Freundeskreis, wo fast alle Läufer sind oder zumindest einen Bezug zum Laufsport haben. Ich bin gerne mit anderen Läufern zusammen. Sie sind locker und lustig und wollen ihren Sport treiben. Da reden wir viel über das Training und anstehende Wettkämpfe. Hendrik hat selbst viel Erfahrung und ich frage ihn häufig um Rat. Besonders in der Zeit, wo mein Trainer Henning von Papen gestorben ist. Er hat eine große Lücke hinterlassen. Hendrik sagte mir während dieser Zeit oft, wie ich manches machen soll. Im Höhentrainingslager in Kenia war es das Gleiche. Dort war ich zum ersten Mal und er war bereits öfter dort. Im Trainingsbereich kann ich sehr von Hendrik profitieren. Ich helfe ihm dafür bei seinen Social-Media-Aktivitäten. Mir macht das total viel Spaß und ich freue mich, wenn sein Account wächst.

Wie stellt ihr euch die gemeinsame Zukunft vor?

Esther Jacobitz: Wir haben jetzt erst mal ein großes Projekt, was ansteht. Und zwar wollen wir zusammenziehen. Wir sind zurzeit auf der Suche nach einer Wohnung in Köln. Ich wohne zwar in Köln, aber mit einer Mitbewohnerin zusammen. Außerdem möchten wir eine Terrasse oder einen Balkon haben, weil wir beide total gerne draußen sind und darüber verfügt meine Wohnung nicht. Deshalb muss eine andere Wohnung her, die uns beiden gut gefällt.