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Kleine Reisen ins wilde Westfalen


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Westfalium - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 19.05.2022
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Bildquelle: Westfalium, Ausgabe 2/2022

Natur in Westfalen: Die Menschen in Sauerland, Siegerland, Münsterland und entlang der Hohenzüge des Teutoburger Walds sehen ihre Heimat gerne als ländliche Idylle mit viel unberührter Natur. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Die vom Regionalmarketing gerne gepriesene münsterländische Parklandschaft und die Bergromantik des Sauerlands werden mehr und mehr von Wohn- und Gewerbegebieten verdrängt.

Der Ausbau der Windenergie hat die Landschaftszerstörung rapide beschleunigt: Überall zwischen Bocholt und Brakel, Höxter und Hilchenbach wachsen bis zu 150 Meter hohe Windräder in den Himmel.

Noch gibt es aber auch in Westfalen Gebiete, in denen Besucher am Busen von Mutter Natur Erholung finden können: unter den grünen Dächern alter Bäume im Teutoburger Wald mit Wiehen- und Eggegebirge, im Arnsberger Wald, an der Grenze von Sauer- und Siegerland und in der Hardt an der Grenze zu Hessen. ...

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... Heidelandschaften in der Senne zwischen Bielefeld und Paderborn, der Davert südwestlich von Münster und in der Hohen Mark zwischen Borken und Oer-Erkenschwick haben Ähnlichkeit mit den offenen Naturlandschaften in Afrika und Amerika – statt Büffeln, Zebras und Antilopen weiden hierzulande aber Heck- und Hochlandrinder oder die bekannten Merfelder Wildpferde in sorgfältig abgezäunten Gebieten.

Das Zwillbrocker Venn, die Fürstenkuhle und das Kuhlenvenn im Westmünsterland sowie das Große Torfmoor zwischen Lübbecke und Hille erinnern daran, dass es in großen Teilen Westfalens früher schaurig war, übers Moor zu gehen. Flussauen wurden in den vergangenen Jahren aufwendig renaturiert und geben wenigstens eine Ahnung davon, wie Lippe, Aa und Ems früher durch die Landschaft mäanderten.

Westfalium hat einige kleine Reisen ins wilde Westfalen ausgearbeitet – einfach die angegebene Adresse ins Navigationssystem eingeben und es kann losgehen.

ck

KRANICHE IM TORFMOOR: Zwischen Lübbecke und Hille liegt das Große Torfmoor, das größte, noch erhaltene Hochmoor Westfalens. Im Rahmen eines „Natura 2000“-Projektes wurden hier seit dem Jahr 2003 mehr als 420 Hektar ehemals abgetorfter Flächen wieder vernässt. Seitdem entwickelt sich eine typische Hochmoorflora und -fauna mit Torfmoosen, Glockenheide, Amphibien und vielen Wasservogelarten. Es ist der bislang einzige Ort in Westfalen, wo Kraniche als Brutvögel vorkommen. Von den Beobachtungsplattformen am Moor können Wanderer regelmäßig Weißstörche beobachten, die in großen Nestern rund ums Moor brüten und auf den feuchten Wiesen auf Nahrungssuche gehen.

Ausflugstipp: Eine Wanderung beginnt man am besten am NABU-Besucherzentrum „Moorhus“. Dort startet ein ausgeschilderter Rundweg, der über sichere Bohlenwege führt. Adresse: Frotheimer Str. 57a, 32312 Lübbecke, www.moorhus.eu

HEIDELANDSCHAFT UND HERBIVORE IN DER SENNE: In der Wistinghauser Senne bei Oerlinghausen soll ein Beweidungsprojekt mit robusten Hochlandrindern und Wildpferden zeigen, wie sich Wälder unter dem Einfluss von Großpflanzenfressern entwickeln.

Denn diese durchstreiften als Wisente, Auerochsen, Tarpane und Elche einstmals die westfälischen Wälder und hinterließen in der Vegetation ihre Spuren. Nach der Ausrottung dieser Tiere sorgte die Waldweide vermutlich für sehr ähnliche Effekte: Die Bauern trieben ihr Vieh in den Wald. In der Wistinghauser Senne dürfen die Großgatter mit den Tieren von Besuchern betreten werden. So kann man die eindrucksvollen Rinder und Pferde, die hier größtenteils schon in Freiheit geboren wurden, hautnah erleben. Auch Hunde dürfen angeleint mit auf das Gelände.

Ausflugstipp: Mehrere Rundwanderwege sind vor Ort ausgeschildert. Adresse: Wanderparkplatz Welschenweg, 33813 Oerlinghausen, www.naturpark-teutoburgerwald.de

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AN DER AA UND AUF DER HEIDE: Selbst am Rand von großen Städten gibt es erfolgreiche Maßnahmen, um einen naturnahen Zustand zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen: In Münster hat man die Aa in den 70er Jahren für viel Geld begradigt und in eine Betonwanne gezwängt. In den letzten Jahrzehnten wurde für noch mehr Geld alles wieder zurückgebaut. Seit neuestem verringern Totholz, Steindämme und Sandbänke die Fließgeschwindigkeit. Grau- und Silberreiher sind begeistert! Zehn Kilometer weiter werden im Naturschutzgebiet Bockholter Berge bei Gittrup die letzten Hektar der dort noch verbliebenen Münsterländer Wacholderheide durch Einzäunung geschützt und wie schon zu Zeiten des „Heidedichters“ Hermann Löns durch Weideschafe vor Verbuschung bewahrt.

AUSFLUGSTIPP: Vom Parkplatz Landhaus Oeding führen ausgeschilderte Wege durch die Heide. Infotafeln erläutern die Landschaft.

Adresse: Guntruper Berge 38, 48268 Greven, www.muensterland.de

ck

TAURUSRINDER UND KONIK-PFERDE IN DER LIPPEAUE: Westlich von Lippstadt umfasst die Hellinghauser Mersch weite Bereiche der Lippeaue, die seit 1999 unter Naturschutz stehen. Fast alle Flächen befinden sich mittlerweile im Eigentum der NRW-Stiftung und des Landes NRW, so dass gute Voraussetzungen bestanden, die Lippe zu renaturieren. Heute kann der Fluss seine Hochwasserdynamik wieder entfalten und auf artenreichen Wiesen Lebensräume schaffen. In Anlehnung an die in den Auen früher lebenden Auerochsen werden die Wiesen mit Heckrindern und Taurusrindern beweidet. Dazu gesellen sich in der Lippe-Aue Konik-Pferde, die dem ausgestorbenen Tarpan-Wildpferd nahekommen. Nicht nur Naturfotografen schätzen die teils überdachten Aussichtsplattformen, von denen sich die Tierwelt der Aue gut beobachten lässt. Auch Weißstörche, Graugänse, Reiher, seltene Entenarten und heimisches Wild fühlen sich in der renaturierten Flusslandschaft wohl.

Ausflugstipp: Direkt vom Rathausplatz Lippstadt startet der Lippeaue-Rundwanderweg L1. Adresse: Rathausplatz, 59555 Lippstadt, www.naturerlebnis-auenland.de

ck

SAGENHAFTE DAVERT: Die Davert und das angrenzende Venner Moor sind Schauplatz etlicher schauriger Legenden. Kein Wunder:

Die fast 2.500 Hektar Eichenwälder, Erlenbrüche und Moor im Süden Münsters sind das ideale Ambiente für Spukgeschichten.

Das Gebiet steht zu weiten Teilen unter Naturschutz und ist Teil eines EU-Vogelreservates. An vielen Stellen ist die Bewaldung ursprünglich und naturnah. Wanderwege und Naturlehrpfade durchziehen dieses Juwel der Münsterländer Parklandschaft, das auch unter Wildschweinen beliebt ist. In Vollmondnächsten sollte man sich vor der schwarzen Geisterkutsche hüten, die dort umherfahren soll …

Ausflugstipp: Vom Wanderparkplatz am Burgturm von Davensberg sind mehrere Routen für Wanderer und Radfahrer ausgeschildert. Adresse: Mühlendamm, 59387

Ascheberg, www.ascheberg-touristinfo.de

WILDE FLAMINGOS IM WESTMÜNSTER-LAND: Schon unsere Steinzeit-Vorfahren besiedelten die Gegend um das Zwillbrocker Venn bei Vreden, nahe der holländischen Grenze. Nachdem hier der Torfabbau nach dem Krieg aufgegeben wurde, verblieb ein flacher See mit vielfältiger Pflanzenwelt.

Lachmöwen waren die ersten Pioniere, die hier siedelten. Zahlreiche weitere Wasservögel gesellten sich hinzu. Die Hauptattraktion sind jedoch die Flamingos, die das Venn zu ihrer Heimat erkoren haben. Heute ist es die nördlichste Brutkolonie der Welt. Bis zu 60 Tiere können im Frühsommer hier beobachtet werden. Woher die Flamingos stammen, ist nicht genau bekannt. Vermutlich sind es Nachfahren von Zooflüchtlingen.

AUSFLUGSTIPP: Von der biologischen Station Zwillbrock führen verschiedene Wander- und Fahrradwege in die Region. Adresse: Zwillbrock 10, 48691 Vreden, www.bszwillbrock.de

DIE HEIDE BLÜHT AM FLIEGERBERG: Im westlichen Münsterland, am Südrand des Naturparks Hohe Mark, liegt der „Fliegerberg“. Die sandige Anhöhe östlich von Borken hat ihren Namen aus den Kindertagen der Segelfliegerei zur Kaiserzeit. Das Offenland mit Dünen und Trockenrasen ist ein Biotop für seltene Pflanzen und Tiere. Auf den rund 200 Hektar gedeihen Besenheide, Heidebeeren, Sandsegge, Zwergfilzkraut, Silbergras, Stendelwurz und Sandglöckchen. Hier fühlen sich Zauneidechsen, Schwarzspechte, Feuerfalter, Teichmolch und Sandlaufkäfer wohl. Das Areal gehört der Naturerbe GmbH, einer Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die vor Ort einen sanften Tourismus organisiert.

Zur Landschaftspflege werden schottische Hochlandrinder eingesetzt – die dafür gezogenen Zäune beeinträchtigen das Landschaftsbild leider.

Ausflugstipp: Der Rundwanderweg vom Fliegerberg zum Tannenbültenberg (ca. 12 km) beginnt am Parkplatz Dülmener Weg/

Landwehr in Borken. Adresse: Dülmener Weg 278, 46325 Borken, www.naturparkhohe-mark.de

ck

BERGBACHRAUSCHEN IM ARNSBERGER WALD: Im Naturschutzgebiet „Hamorsbruch“ am Kamm des Arnsberger Waldes sorgt der Lebensraum aus Birken-Moorwäldern und Erlen-Auenwäldern entlang des Bilsteinbaches für den Wuchs wilder Blau- und Preiselbeeren. Dazwischen findet man Siebenstern, Pfeifengras und das Goldene Frauenhaar.

Dieser einmalige Wald wurde bereits 1942 unter Naturschutz gestellt, wird aber irgendwann verschwinden, weil die Natur ihn unaufhaltsam in ein Moor verwandelt.

Ausflugstipp: Das alte Zollhaus Stimmstamm bei Meschede lädt nicht nur zum Start einer Wandertour ein, sondern anschließend auch zur gemütlichen Einkehr. Ein Erlebnis ist auch die Aussicht vom Lörmecke-Turm auf der Plackweghöhe bei Warstein. Adresse: Warsteiner Str. 99, 59872 Meschede (Stimmstamm), www.sauerland.com

ck

ZERSTÖRUNG ALS CHANCE: DER KYRILL-WALD BEI SUNDERN: An der Sorpe-Talsperre im Sauerland haben Ruhrverband und die Stadt Sundern eine Windwurffläche des Orkans Kyrill seit 2007 bewusst nicht wieder aufgeforstet, sondern sich selbst überlassen. „Wie zu erwarten, haben sich vor allem Birken als Pioniere niedergelassen,“ erzählt Försterin Berit Hanf über den „Kyrill-Wald“. In ihrem Gefolge besiedelten auch Holunder und Haselnuss die Fläche. „Vor allem aber Tannen, weil das 15.000 Quadratmeter große Areal neben einer Tannenschonung liegt. So gesehen ist der Standort leider nicht ganz optimal.“

Spaziergänger meiden die Fläche, weil das Totholz der von Kyrill entwurzelten Fichten die Wege versperrt. Dafür wurde eine Aussichtsplattform installiert. Viele Leute, so die Försterin, reagieren allerdings mit Unverständnis auf das Experiment. Zu den gerade im Sauerland oft kritisierten Fichten-Monokulturen sagt sie: „Durch Naturverjüngung im Wald erhöht sich der Laubholzanteil automatisch. In der Ökologie ist die Fichte leicht ersetzbar – aber für die Bauholz-Industrie eben nicht.“

Ausflugstipp: Vom Parkplatz des Kurparks führt der Rundweg mit dem weißen S im Kreis auf schwarzem Grund rund um den Sorpesee. Adresse: Zum Sorpedamm 21, 59846 Sundern, www.sauerland.com

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DER KYRILL-PFAD IN DER HARDT: Die Hardt im Hochsauerland wurde 2007 in einer Nacht radikal umgestaltet, als der Orkan Kyrill mehrere Millionen Festmeter Fichten in wenigen Stunden abrasierte.

Davon erzählt plastisch eine bis heute nicht geräumte Sturmholzfläche im Staatswald, in der Wanderer auf schmalen, sicheren Stiegen selbst sehen können, wie sich die Pioniere der Botanik das verwüstete Terrain zurückerobern. Der „Kyrill-Pfad“ führt über und unter umgestürzten Bäumen zum „Schiffsbug“ auf einem zersplitterten Stamm.

AUSFLUGSTIPP: Kyrill-Pfad ab der Ranger-Station in Schmallenberg-Schanze.

Geführte Gruppenwanderungen mit einem Förster sind möglich – Anmeldung beim Forstamt Oberes Sauerland (Tel. 02972/97020).

Adresse: Schanze 8, 57392 Schmallenberg, www.rothaarsteig.de

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WISENT-WILDNIS IM ROTHAARGEBIRGE: Freilebende Wisente gibt es in Westeuropa nur hier. Seit 2013 stapfen die majestätischen Riesen mit dem Gewicht eines Kleinwagens durch die Umgebung von Bad Berleburg.

Das Artenschutzprojekt ist in der Region hochumstritten – aber auch faszinierend. Die „Wisent-Welt“ bietet attraktive Freizeitangebote von Umweltpädagogik bis Gastronomie.

Hauptattraktion ist die Ur-Rinder-Herde. Eine kleine Wisent-Gruppe kann man aus nächster Nähe in einem Gatter bestaunen.

AUSFLUGSTIPP: Der Eingang zur Wisent-Wildnis befindet sich am Weidiger Weg in Bad Berleburg. Eine Anmeldung auf der Website der Wisent-Welt ist erwünscht. Adresse:

Weidiger Weg 100, 57319 Bad Berleburg, www.wisent-welt.de

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