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Lausanne


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Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 17.05.2022

STADTPORTRÄT

KATHEDRALE NOTRE-DAME

Artikelbild für den Artikel "Lausanne" aus der Ausgabe 3/2022 von Atrium. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Aussichtsreich: Der Blick von der Kathedrale Notre-Dame, einem der schönsten gotischen Bauwerke Europas, über die Stadt und den See ist phänomenal.

BEL-AIR-TURM

PONT BESSIÈRES

QUARTIER DU FLON

HISTORISCH Erste Nachtwächterin Kathedrale Notre-Dame

ESCALIERS DU MARCHÉ

Lausanne ist eine Stadt, die ich, seit meiner Jugend nicht mehr besucht habe – heute sage ich: undenkbar. Damals bin ich mit meinen Eltern gefühlt jede freie Minute quer durch die Schweiz gereist. Mein Vater, der als Stationsvorstand bei der SBB gearbeitet hat, wusste von jedem Ort und so auch von der Stadt am Genfersee faszinierend viele Geschichten zu erzählen. Für die Bewohner*innen um das Gewässer, vielleicht mit Ausnahme der Genfer selber, ist übrigens «Lac Léman» der einzig wahre Name. Léman stammt aus dem Keltischen und heisst so viel wie «grosses Wasser».

Heute sitze ich, wie damals mit meinen Eltern, in der Bahn von Zürich über Bern und Freiburg Richtung Lausanne. Ich spüre, dass in mir Nervosität aufkeimt. In wenigen Minuten sollte dieser ...

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... geheimnisvolle Tunnel vor meinen Augen auftauchen, der mich wie von Zauberhand vom hügeligen Voralpenland an die Ufer des «grossen» Wassers führt. Einst hauste ein Nachtwächter im Turm der gotischen Kathedrale, um über die Stadt Lausanne zu wachen und vor Feuer zu warnen. Auch heute wird diese wundervolle, über 600 Jahre alte Tradition gehegt und gepflegt. Seit Ende des letzten Jahres bekleidet zum ersten Mal in der Geschichte eine Frau dieses Amt und ruft zwischen 22 und 2 Uhr vom Belfried-Turm die Stunden aus. www.lausanne-tourisme.ch

Lausanne ist eine der fünf «intelligentesten» Städte dieses Erdballs.

Und auch an diesem strahlenden Frühlingstag ist es ein besonderer Moment. Kaum ist der Intercity 1 aus dem Tunnel geschossen, scheint für mich die Zeit stillzustehen. Der Blick über die Weinterrassen des Lavaux, den See und die zum Greifen nahen Alpengipfel um den Mont Blanc ist der Wahnsinn.

Für mich ist es sonnenklar, warum die Region mit ihren 14 Weinbauerndörfern zwischen dem Schloss Chillon, dem Ort, den Lord Byron 1816 zu seinem berühmten Buch «Der Gefangene von Chillon» inspiriert hat und heute das meistbesuchte Bauwerk der Schweiz ist, und dem Olympischen Museum in Ouchy zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Irgendwie entrückt bemerke ich fast zu spät, dass der IC1 in den Bahnhof von Lausanne einfährt. Schnell packe ich meine Siebensachen zusammen und sammle mich in der altehrwürdigen Ankunfts-und Abfahrtshalle. Ich schlage nicht den Weg zur Altstadt ein, sondern schlendere hinunter ins Café de Grancy. Kaum trete ich über die Schwelle des Bistros hat mich das Ambiente, eine Mischung aus lieb gewonnener Tradition und moderner Urbanität, bereits gefangen. Hier wartet Franziska Werren auf mich. Sie lebt seit vielen Jahren in Lausanne und arbeitet einerseits als diplomierte Touristenführerin und andererseits als Fotografin. Für mich die perfekte Person, die mich in das Leben der kleinsten Grossstadt der Schweiz einführt und mit ihren Bildern meine Entdeckungsreise sichtbar macht.

EPFL PAVILIONS

ROLEX LEARNING CENTER

PLATEFORME 10

OLYMPISCHES MUSEUM

THE OLYMPIC HOUSE

Als ich ihr von meiner Anreise und von dem «Tunnel» erzähle, muss sie schmunzeln: «Alle Zugreisenden seien nach der Tunnelfahrt vom Anblick des Lavaux so fasziniert, dass sie ihre Bahnkarten umgehend wegwerfen, weil sie nie mehr nach Hause reisen möchten – und so sprechen die Einheimischen nur vom Retour-Billett-Tunnel.» Bei einem herrlich duftenden Espresso mit Croissant beginnt sie von ihrer Stadt, der einzigartigen Lage am See und den Menschen zu erzählen: «Es ist wohl kein Zufall, dass Berühmtheiten wie Charlie Chaplin, Coco Chanel, Audrey Hepburn mit ihrem Mann Hubert de Givenchy, und Gustave Eiffel hier ihren Lebensabend verbringen wollten und auch friedlich begraben sind. Auch Georges Simenon, der belgische Autor der Maigret-Romane, lebte in Lausanne.» Natürlich hatte er sein ach so geliebtes Tabakgeschäft direkt vor seiner Haustür. Heute heisst das kleine Geschäft Tabac Besson.

Sport gehört zum Alltag der Stadt – Lausanne ist «olympisch».

Lange bleiben wir nicht im Café sitzen. Es zieht uns hinaus in die Sonne. In aller Gemütsruhe fahren wir mit der Metro hoch zur Altstadt. Die U-Bahn, von den Einheimischen liebevoll «Ficelle» genannt, was so viel heisst wie Faden, zieht sich von Ouchy am See bis hinauf nach Epalinges-Croisettes. Der Höhenunterschied von 336 Metern macht sie weltweit einzigartig, und bislang ist sie auch die einzige Metro in der Schweiz. Als Erstes führt mich Franziska zur Kathedrale Notre-Dame, die als eines der schönsten gotischen Bauwerke Europas gilt. Weiter klettern wir die vielen Treppen hoch zum mächtigen Glockenturm – und was mich hier erwartet, ist einmal mehr einzigartig. Der Blick reicht von den Hügeln von Lausanne mit dem Sauvabelin-Turm und dem gleichnamigen Park über die Altstadt, das Quartier du Flon, das sich mit seiner industriellen Vergangenheit zu einer beliebten Shopping-und Ausgehmeile gemausert hat, und natürlich über den See bis hinüber nach Frankreich. Nach diesem Höhen-und Weitenrausch geht es die Escaliers du Marché, die in alten Tagen die beiden Märkte miteinander verbunden haben, hinunter durch enge pittoreske Gassen zum ersten Wolkenkratzer der Schweiz, dem Bel-Air-Turm. 1932 wurde das 55 Meter hohe Gebäude vom Architekten Alphonse Nur gerade 64 Quadratmeter misst das kleine Haus, das Le Corbusier 1923 für seine pensionierten Eltern direkt am See unweit von Vevey gebaut hat. Und doch zeigt die Villa «Le Lac» in Corseaux auf kleinstem Raum äusserst anschaulich und überzeugend das Gedankengut, das der berühmte Baumeister auf seiner lebenslangen Suche nach einer minimalen Wohnform entwickelt hat. Im Juli 2016 wurde die Villa als wichtiger Beitrag der Moderne ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen. www.villalelac.ch

JETÉE DE LA COMPAGNIE

QUAIS D’OUCHY

CORSEAUX

VILLA «LE LAC» Labor der Moderne Le Corbusier

CULLY JAZZ

CHAPLIN’S WORLD

LAVAUX

Ob Wälder, versteckte Oasen oder das Seeufer – Lausanne ist eine grüne Stadt.

Laverrière nach amerikanischem Vorbild gebaut. Auf der vorgelagerten Terrasse blicke ich über das lebendige Quartier du Flon sowie die Altstadt, und mir wird schnell klar, was Lausanne so besonders macht: Es ist diese Vielfalt, die Gegensätze zwischen Tradition und Moderne, zwischen klassischer und moderner Architektur, die stillen und lebendigen Orte, die versteckten Oasen und die zusammenhängenden Grünräume – und an jeder Ecke ruht und brodelt das Leben.

Meine Entdeckungsreise führt mich weiter den Hang hinunter bis zu den Quais d’Ouchy, die ein ansteckend lebendiges und mediterranes Flair verströmen. Orte zum Verweilen gibt es unzählige um den Hafen der Schifffahrtsgesellschaft Genfersee, die mit ihren acht von Schaufelrädern betriebenen Schiffen die grösste Belle-Époque-Flotte Europas besitzt. Entspannung pur findet man hinter der CNG-Werft in der Bar La Jetée de la Compagnie und am längsten Sandstrand von Genf, dem Vidy-Beach, kommen gar karibische Gefühle auf. Ebenfalls in Ouchy hat die olympische Bewegung des französischen Gründungsvater Baron Pierre de Coubertin seit 1914 einen sicheren Hafen gefunden. Heute gilt Lausanne mit dem Sitz des IOC als «olympische» Hauptstadt. Im üppig blühenden Park des Olympischen Museums kann man sich gar mit Usain Bolt messen und auf einer eigens gebauten 100-Meter-Bahn dem jamaikanischen Supersprinter nacheifern. Ich bin natürlich kläglich gescheitert. Nicht nur Lausanne, sondern auch der Kanton Waadt sind ein wahres Sportmekka. In diesem Jahr macht gar die Tour de France in der Region einen Zwischenstopp. Meine sportliche Leistung habe ich beim Erkunden des Seeufers geleistet: Auf einer Wanderung durch die Weinreben Der Kanton Waadt weiss architektonisch und kulturell zu überraschen. und später hinauf zum Rochers de Naye habe ich mich endgültig in die Landschaft verliebt. Hoch über dem Lac Léman blicke ich auf den See und fühle mich endgültig wie in einem Traum. Egal wo Sie Ihre ganz persönliche Entdeckungsreise beginnen, am «grossen» Wasser oder tief im Vallée de Joux, landschaftlich, kulturell, musikalisch, architektonisch und natürlich auch kulinarisch ist Lausanne, der Lac Léman und der Kanton Waadt mit seinen überraschend vielschichtigen Landschaften schlicht einzigartig!»

MONTREUX-BERNER-OBERLAND-BAHN

Die Region am Lac Léman ist ein dynamisch bunter Schmelztiegel verschiedenster Kulturen.

ROCHERS DE NAYE

BELLE-ÉPOQUE-FLOTTE

MUSEUM & ATELIER Architekturperle von BIG Audemars Piguet

Das Uhrenhandwerk hat die Geschichte des Vallée de Joux seit dem 17. Jahrhundert geprägt. Noch heute werden in kleinen Familienwerkstätten Uhren hergestellt, die den Ruf der grossen Schweizer Uhrenmarken begründet haben. Seit mehr als 200 Jahren ist Le Brassus das Innovationszentrum von Audemars Piguet. Um Tradition und Zukunft zu feiern, hat der dänische Stararchitekt Bjarke Ingels das aussergewöhnliche Musée Atelier gebaut. Im spiralförmigen Neubau können Besucher*innen den Uhrmachern über die Schultern schauen. www.museeatelier-audemarspiguet.com

VALLÉE DE JOUX

www.lausanne-tourisme.ch www.montreuxriviera.com www.myvaud.ch

PLATEFORME 10

INTERVIEW Der schönste Ort der Welt Florence Renggli

«Vaud Promotion» steht für eine einheitliche Vision, um den Kanton Waadt wirtschaftlich wie touristisch gezielt zu fördern und um überraschende Geschichten aus der Region zu erzählen. Die neu gewählte Direktorin und erfahrene Marketing-und Kommunikationsmanagerin Florence Renggli erzählt, warum der Kanton so besonders ist, und verrät uns ihren ganz persönlichen Lieblingsort.

Was macht den Kanton Waadt so besonders?

FLORENCE RENGGLI: Ich bin in meinem Leben viel gereist, und jedes Mal, wenn ich nach Hause zurückkehre, denke ich, dass ich am schönsten Fleckchen der Erde lebe. Waadt ist ein Kanton, der nicht nur schön, sondern auch unglaublich dynamisch, innovativ und lebendig ist. Während allen vier Jahreszeiten zieht er in seinen Bann. Es ist ein Privileg, hier zu leben und als Mensch zu wachsen.

... und im Speziellen die Region am Lac Léman zwischen Lausanne und Montreux?

FR: Die Weinterrassen des Lavaux – Unesco-Welterbe – sind ein ganz besonderes Schauspiel. Doch auch die Wälder um Le Chalet-à-Gobet, die Altstadt von Lausanne oder das neue Museumsquartier mit Plateforme 10 üben auf mich eine eigene Faszination aus. Und natürlich liebe ich die kulturellen Höhepunkte wie das Montreux Jazz Festival oder die Chaplin’s World in Vevey.

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?

FR: Mit einem Frühstück im L’Esquisse im wunderschönen Parc de l’Hermitage starte ich in den Tag, anschliessend schlendere ich in aller Ruhe durch die Altstadt von Lausanne hinunter zum See. Gegen Mittag gönne ich mir im Weinbauerndorf Vinzel die berühmten «Malakoffs» und geniesse die einzigartige Atmosphäre an der La CÔte. Und am Abend wartet ein Sonnenuntergang über Montreux und dem Lac Léman auf mich – dazu gehört ein gutes Essen, serviert in der Auberge de la Cergniaulaz von Christian und Claudia Mathey.

GLACIER 3000

Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort?

FR: Der Glacier 3000 in Les Diablerets – der mit 3210 Meter ü. M. höchste Waadtländer Gipfel – ist für mich ein magischer Ort. Von der Hängebrücke «Peak Walk by Tissot», die zwei Gipfel miteinander verbindet, ist der Blick in die Bergwelt schlicht einzigartig und atemberaubend. www.myvaud.ch