Lesezeit ca. 35 Min.
arrow_back

Martin, der Schreckliche


Logo von Legacy
Legacy - epaper ⋅ Ausgabe 139/2022 vom 30.06.2022

WILD MEN

Artikelbild für den Artikel "Martin, der Schreckliche" aus der Ausgabe 139/2022 von Legacy. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Legacy, Ausgabe 139/2022

Seit seinem 2015 veröffentlichten Spielfilmdebüt „Eliten“ zählt Thomas Daneskov in seiner Heimat Dänemark zu den großen Hoffnungen des skandinavischen Kinos – und das mit gerade mal 33 Jahren. Für sein neuestes Projekt WILD MEN hat er sich im doppelten Sinne in unwegsames Terrain begeben – physisch in die dichten, unwegsamen Wälder Norwegens und filmisch ins Genre der Aussteigerkomödien. Doch genau wie seine Figuren nicht auf den ausgetretenen Wanderpfaden unterwegs sind, schlägt auch seine Geschichte immer wieder völlig neue Wege ein.

Musa (Zaki Youssef, „Sons Of Denmark – Bruderschaft des Terrors“) ist eigentlich ein guter Kerl, aber leider hat er einige schlechte Entscheidungen getroffen, und nun will die Frau seines Lebens nichts mehr von ihm wissen, und sein Kind darf er auch nicht sehen. Mittlerweile schlägt er sich als Drogenkurier durch. Sein nächster Auftrag führt ihn nach ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 7,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Legacy. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 139/2022 von MUTIG IN DIE SOMMERZEIT!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MUTIG IN DIE SOMMERZEIT!
Titelbild der Ausgabe 139/2022 von ERSCHÜTTERUNG, ANGST UND EXTREMER ZYNISMUS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ERSCHÜTTERUNG, ANGST UND EXTREMER ZYNISMUS
Titelbild der Ausgabe 139/2022 von MITTELFINGER IN RICHTUNG STANDARDS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MITTELFINGER IN RICHTUNG STANDARDS
Titelbild der Ausgabe 139/2022 von TARTU UNDER THE HORNS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TARTU UNDER THE HORNS
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
INTELLIGENTERE MUSIK
Vorheriger Artikel
INTELLIGENTERE MUSIK
Der Weltenbauer
Nächster Artikel
Der Weltenbauer
Mehr Lesetipps

... Norwegen, dort soll er gemeinsam mit zwei skrupellosen Gangstern eine große Menge Geld und Haschisch nach Dänemark schmuggeln. Dabei geht jedoch einiges schief, denn auf dem Weg zur Fähre hat das Trio einen schlimmen Autounfall. Musa hält seine beiden Kumpanen für tot und sieht die Chance, mit dem Geld abzuhauen. Doch auch er hat den Unfall nicht so gut weggesteckt und sackt einige Meter weiter bewusstlos zusammen.

Als er wieder zu sich kommt, steht plötzlich ein Wikinger (Rasmus Bjerg, „398 Tage – Gefangener des IS“) vor ihm. Musa ist jedoch nicht etwa durch die Zeit gereist. Der Wikinger heißt Martin und ist eigentlich ein Büroangestellter. Die Midlife-Crisis ist dem Mittvierziger allerdings nicht gut bekommen. In den letzten Jahren begann er zunehmend, an seinem Leben zu zweifeln und sich nach der Zeit zu sehnen, als Männer noch Männer waren. Und eines Tages fasste er einen verzweifelten Entschluss: Er verließ seine Frau Anne (Sofie Gråbøl, „The Undoing“) und seine Töchter, um sich fortan in die norwegischen Wälder zurückzuziehen und so zu leben wie seine Vorfahren. Dieser Entschluss ist nun zehn Tage her, und langsam muss Martin erfahren, dass die neue Freiheit auch gewisse Nachteile mit sich bringt, wie Hunger oder den Mangel an Zigaretten. Um den Appetit und die Nikotinsucht zu stillen, raubt er kurzerhand eine nahe gelegene Tankstelle aus, was in Wikingerbekleidung nicht unbedingt unauffällig ist. Musas Autounfall und Martins Tankstellenüberfall rufen natürlich die Polizei auf den Plan, und so beschließt das ungleiche Duo zu flüchten. Doch nicht nur die Polizei ist ihnen auf den Fersen, denn Musas Komplizen haben den Unfall ebenfalls überlebt ...

Der Film von Thomas Daneskov beeindruckt von Anfang an durch seine wunderbare Optik. Von den Kostümen über den Farblook bis zu der wunderbar in Szene gesetzten norwegischen Berglandschaft ist WILD MEN ein visueller Hochgenuss. Doch die wesentliche Stärke von Daneskovs Werk liegt nicht in den Bildern, sondern im erstklassigen Drehbuch. Hierbei muss insbesondere erwähnt werden, dass Daneskov das Kunststück gelingt, seinen Film trotz der absurden Ausgangslage glaubwürdig zu inszenieren und nie den Fehler zu machen, sein Werk in Albernheiten oder übertriebener Emotionalität zu ersticken.

Stattdessen liefert er eine schwarzhumorige Komödie über Männlichkeitsideale ab, vordringlich natürlich über den titelgebenden wilden Mann Martin. In seinem Aussehen und seinen Aussagen propagiert dieser sein Verständnis von Männlichkeit, doch in seinen Taten zeigt sich zunehmend, dass er sich nur selbst etwas vormacht und sein Auftreten nichts als bloße Kostümierung ist. Martin ist allerdings nicht der Einzige, der vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist. Daneskov und sein Drehbuchautor Morten Pape präsentieren hier neben Martin noch zahlreiche andere, auf den ersten Blick weniger deutlich erkennbare Kostümierungen von Männlichkeit, die sie nach und nach demaskieren – von Musa, der anfangs vorgibt, ein knallharter Gangster zu sein, bis zum Dorfpolizisten, der sich nicht in Gefahr begeben will, weil er noch seine Kinder von Kindergarten abholen muss, wird hier tatsächlich nahezu jedes Bild von der knallharten Männlichkeit entzaubert.

Dass das so gut funktioniert, liegt selbstverständlich auch an den hervorragenden Schauspielern. Hauptdarsteller Rasmus Bjerg, spielt den Jedermann im lächerlichen Tierfellkostüm, der sich nicht von seinem iPhone trennen kann, schlicht superb und sorgt für brillant funktionierende Momente, ohne die Daneskovs Film wesentlich an Klasse verlieren würde. Doch nicht nur Bjerg ist großartig besetzt, auch der restliche Cast macht seine Sache wirklich wunderbar. Neben Zaki Youssef glänzt hier besonders Bjørn Sundquist als Polizeichef im Rentenalter, der einen Wikingerüberfall in der Tankstelle mit der gleichen stoischen Ruhe erträgt wie die soziale sowie berufliche Inkompetenz seiner Untergebenen.

Alles in allem gelingt Regisseur Thomas Daneskov mit WILD MEN ein mehr als sehenswerter Film, der nicht nur zum Lachen anregt, sondern auch dazu, über (eigene?) Männlichkeitsideale nachzudenken. Freunde intelligenter Komödien sollten hier definitiv einen Blick riskieren.

FLORIAN TRITSCH

À LA CARTE! FREIHEIT GEHT DURCH DEN MAGEN

Regie: Éric Besnard

Label: Good!Movies

Land/Herstellungsjahr: Frankreich/Belgien 2021

Laufzeit: ca. 108 Min. FSK: ab 0

Extras: Interview mit Regisseur Éric Besnard

„À la Carte!“ erzählt die Geschichte eines Kochs in Frankreich im Jahre 1789, der von seiner Arbeit an einem angesehenen Hof vertrieben wird, weil er Gemüse für niederes Volk, Kartoffeln, verwendete. Er zieht zurück aufs Land, wo er einer Frau begegnet. Sie will bei ihm in die Lehre gehen. Mit vielen Schwierigkeiten, Charme und Witz wird der Aufbau des ersten ländlichen Restaurants in Frankreich erzählt, in dem jeder bedient wird, ob arm, reich, Soldat oder Bauer. Die beiden Protagonisten müssen dabei zwischenmenschliche, emotionale und gesellschaftliche Hürden sowie Rachegedanken überwinden. Auch sexualisierte und vorurteilsbehaftete Szenen kommen vor, und es wird unter anderem mit einem Messer gedroht. Das nimmt allerdings nicht überhand. Die Aufnahmen sind hauptsächlich in gemütlichen, warmen Farben, und das Essen wird äußerst detailliert und sinnlich dargestellt. Das Interview mit dem Regisseur bietet tiefere Einblicke in die Idee zum Feelgood-Film. Éric Besnard verdeutlicht seine Sicht auf Essen im Restaurant als Erlebnis sowie Ausdehnen und Genießen der Zeit dort. Er schafft es, alle Facetten des damaligen französischen Lebens darzustellen und die schönen Seiten in den Vordergrund seines Films zu stellen.

(ABK)

Film:★★★★☆

DVD:★★★★★

AMERICAN GOTHIC

Regie: John Hough

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1987

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: ab 18

Extras: Wendecover, Interview und Trailer

Mit „Halloween“ wurde in den 1980ern der Prototyp des Slashers geschaffen, der sich gut verkaufte. Dann kamen viele kleine und große Produktionen, die jede Ecke des engen Genrekorsetts beleuchteten. Eine ist „American Gothic“, aber von dem vielsagenden Titel haben vermutlich die wenigsten Fans gehört. Das hat vermutlich auch seine Gründe. Kurz gesagt: Der Streifen ist ziemlich durchschnittlich, sogar lahm. Das Cover der DVD preist den Film als Satire aufs amerikanische Wertesystem an. Blödsinn. Entweder ist das dermaßen geschickt versteckt, sodass ich es nicht erkannt habe oder ich bin zu früh eingeschlafen. Die Story hat zunächst ganz gute Ansätze. Fünf Teenager (die Schauspieler sehen natürlich aus wie Ende 30) wollen Urlaub machen und fliegen mit einem Wasserflugzeug irgendwo hin. Ans unbekannte Ziel werden sie nie gelangen, weil irgendeine Tussi aus der Gruppe schon am Steg ihr Missfallen über den Zustand des Metallvogels ausdrückt. Natürlich ist der vorhergesagte Absturz dann eingetreten, und unsere austauschbaren Freunde landen auf einer Insel Not. Dann wird erst mal Happy-Camping mit reichlich Alkohol gemacht. Weil den Thirty-Somethings langweilig wird, erkunden sie die Insel. Sie finden eine Bruchbude. Weil dort niemand anzutreffen ist, wird erst mal Party gemacht und die Butze weiter runtergerockt. Dann trifft das schrullige Besitzer-Ehepaar ein. Die haben auch noch eine seltsame Inzestbrut gezeugt, und dann beginnt der Todestanz. Leider ziemlich belanglos ...

(MC)

Film:★★☆☆☆

DVD:★★☆☆☆

ANNETTE

Regie: Leos Carax

Label: Alamode

Land/Herstellungsjahr: Frankreich 2021

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: ab 12

Extras: Interview mit Marion Cottilard, Exclusives Making-Of, Trailer, Wendecover

Leos Carax, ein Regisseur, berüchtigt wie kein anderer. Kaum ein Film von ihm, bei dem man sich als Zuschauer nicht denkt: „Was zur Hölle hat er denn bitte bei den Dreharbeiten geraucht?“ Mit seinem neuesten Streich „Annette“ versucht er sich nun zum ersten Mal an einem Musical, für das er mit Adam Driver („House Of Gucci“) sogar einen großen Hollywoodstar in der Hauptrolle verpflichten konnte. Nach einem noch recht typischen Genrebeginn mit dem wunderbaren Song ‚May We Start?‘ entfernt sich der Film von Minute zu Minute immer mehr vom Mainstream und entwickelt sich zu einem experimentellen, deprimierenden Musical, das sich mit den verschiedenen Stationen eines Künstlerlebens befasst. Dabei bietet „Annette“ fantastische Songs, ein starkes Ensemble und eine für Carax übliche, kreative, surreale Inszenierung voller schräger Ideen, für die er sicherlich nicht zu Unrecht den großen Regiepreis beim Filmfestival von Cannes abräumen konnte. Für viele mag das vielleicht etwas sperrig sein. Lässt man sich jedoch darauf ein, wird man mit einem der innovativsten Musicals der letzten Jahre belohnt.

(DLI)

Film:★★★★★

DVD:★★☆☆☆

CANNONBALL

Regie: Paul Bartel

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1976

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: ab 12

Extras: Super-8-Version, Trailer,

Featurette: Kicks and Crashes

Illegale Autorennen sind und waren fraglos das cineastische Metier von Paul Bartel, der mit Streifen wie „Frankensteins Todes-Rennen“ und später mit „Death Race 2000“ eine Nische bediente, die in der großen bunten Filmwelt nie so viel Raum bekommen hat, wie man ihr eigentlich hätte zusprechen sollen. Der eigentliche Klassiker ist jedoch der bereits 1976 veröffentlichte Dauerbrenner „Cannonball“, der sich zwar zeitweise auf zu viele Klischees stürzt, gleichzeitig aber den cleveren Handgriff hinbekommt, Trash, Action und eine aufregende Story so quirlig zu vermischen, dass am Ende richtig starke Unterhaltung herauskommt. Mit David Carradine an der Front, der beim unerlaubten Rennen als Favorit an den Start geht, hat sich Bartel seinerzeit genau den passenden Charakter für seine Action-Performance ausgesucht, da es am Ende nicht um flotte Sprüche oder viel Gerede, sondern rein um die Action auf der Straße geht – und hier ist Carradine mit seiner meist trockenen Art und seinen schlagfertigen Argumenten die absolute Optimalbesetzung. Karambolagen, Explosionen, richtig viel Krawall und einige aufregende Verfolgungsjagden sind das Material, aus dem Mitte der 70er die klassische Kino-Action geschnitzt sein musste. Und in diesem Zusammenhang darf man den in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgelegten, aber immer wieder ausverkauften Klassiker nie vergessen. Pidax bringt nun die nächste Chance, dieses Kleinod zu entführen – und genau das sei an dieser Stelle absolut empfohlen!

(BB)

Film:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

CITY UNDER FIRE -DIE BOMBE TICKT

Label: Koch Films

Regie: Herman Yau

Land/Herstellungsjahr: China 2020

Laufzeit: ca. 120 Min.

FSK: ab 16

Extras: Musikvideo, Trailer, Making-Of

Mit „Shock Wave“ schuf Herman Yau einen durchaus gelungenen gradlinigen Actioner. Für die jetzt erschienene Fortsetzung schlüpft Hauptdarsteller Andy Lau nun erneut in die Rolle eines Bombenentschärfers. Doch außer dem gleichen Beruf hat „City Under Fire – Die Bombe tickt“ nichts mit dem ersten Teil gemein, weshalb es nicht allzu sehr verwundert, dass man hierzulande titelmäßig keinen Bezug zum Vorgänger nimmt. Im Mittelpunkt steht diesmal Poon Shing Fung, der als einer der besten Sprengstoffexperten der Hongkonger Polizei gilt und seinen Beruf über alles liebt. Dann verliert er jedoch bei einem Einsatz sein linkes Bein. Fünf Jahre später erwacht Poon nach einer Explosion im Krankenhaus. Er hat seine Erinnerungen verloren und wird beschuldigt, ein Terrorist zu sein. Aber stimmt das wirklich, oder war er auf einer geheimen Mission? Verfolgt von der Polizei, versucht er Antworten zu finden ... „City Under Fire – Die Bombe tickt“ ist weniger gradlinig als sein Vorgänger. Der Film lebt vielmehr von seinen Twists, die ihm immer wieder eine überraschende Wendung geben. Bis am Ende ist es nie wirklich klar, auf welcher Seite Poon steht. Fans spannender Actionfilme sollten hier durchaus einen Blick riskieren.

(FT)

Film:★★★★☆

Blu-ray:★★★☆☆

DAS MILLIONENDING

Regie: Eric Till

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: GB/USA 1968

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: ab 12

Extras: Originaltrailer

Marcus Pendleton (Peter Ustinov) ist frisch raus aus dem Knast und plant schon seinen nächsten Coup: Er „verwandelt“ sich in den Computerexperten Caesar Smith, der eigentlich eine längere Urlaubsreise angetreten hat. Mit der neuen Identität und einigen angeeigneten IT-Kenntnissen heuert er bei der Londoner Niederlassung eines US-Konzerns als Chefprogrammierer an. Durch Computermanipulationen werden monatlich hohe Geldbeträge an drei nicht existierende Firmen überwiesen, die Pendleton unbemerkt abschöpft. Doch irgendwann fliegt der Betrug auf, und er muss zusammen mit seiner Sekretärin Patty Terwilliger Smith (Maggie Smith), mit der er eine Beziehung eingegangen ist, nach Rio fliehen ... Man muss es sich einmal vergegenwärtigen: Die Gaunerkomödie „Das Millionending“ datiert aus dem Jahr 1968, als so etwas wie elektronische Datenverarbeitung noch in den Kinderschuhen steckte. Peter Ustinov (Nebendarsteller-Oscar für „Spartacus“, 1961), der auch am oscarnominierten Drehbuch mitschrieb, bastelte daraus eine turbulente Räuberpistole, die mit Seitenhieben auf die Technokratie und Verlockungen moderner Errungenschaften nicht geizt. Temporeich, aber auch mit einer gehörigen Portion trockenen Humors und Coolness bietet „Das Millionending“ harmlose, aber kurzweilige Unterhaltung. Ein kleiner, vergessener Klassiker, der jetzt durch Pidax noch einmal ins Bewusstsein rückt. Als Bonus ist leider nur der Originaltrailer vorhanden, mehr wieder einmal nicht.

(LG)

Film:★★★★☆

DVD:☆☆☆☆☆

DIE TÄUSCHER – DAS GEHEIMNIS DER RITUALMORDE

Regie: Nicholas Meyer

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: UK 1988

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: ab 16

Extras: Trailershow

Im Abenteuer-Thriller „Die Täuscher – Das Geheimnis der Ritualmorde“ will der britische Offizier William Savage in Indien einer Gruppe angstverbreitender Mörder, den Thugges, das Handwerk legen. Dafür muss er sich Undercover einschleichen. Eigentlich wurde er jedoch vom Dienst abgezogen, und die Briten sollten sich nicht weiter in die Angelegenheit einmischen. Pierce Brosnan spielt die Anspannung des Charakters als Mitglied der Thugges authentisch. Die Schweißperlen und glänzende Haut, die wegen der Hitze in Indien sowieso hervortreten, unterstreichen den Stress. Im Laufe des Films scheint Savage sich selbst zu verlieren und lässt sich zu brutalen Dingen verleiten. Auch seine Frau, die ebenfalls in Indien ist und auf ihn wartet, scheint an Wichtigkeit zu verlieren. Die Undercover-Rolle wird immer mehr zu Savages wahrem Ich und ein Entkommen immer schwieriger. Der innere Zwist wird ebenso tadellos von Brosnan dargestellt. Mitten im Film verschwimmen zudem Traum und Realität bei einem Drogentrip. Auch als Zuschauer ist nicht klar, ob die Szene wirklich passiert ist und wohin sich Savage letztendlich entwickelt. Der Film zeigt somit, welchen Einfluss der Glauben haben kann und wie willensstark Menschen dennoch sein können.

(ABK)

Film:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

DRACULA – TOT ABER GLÜCKLICH

Regie: Mel Brooks

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1995

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: ab 12

Extras: Audiokommentare (u.a. Mel Brooks), Interviews, Am Set, Teaser und Trailer

Graf Dracula (Leslie Nielsen) fristet sein unsterbliches Leben auf seinem Schloss in Transsylvanien. Eines Tages jedoch begibt sich der britische Anwalt Thomas Renfield (Peter MacNicol) zum Schloss des Vampirs, um diesem ein Haus in England aufzuschwatzen. Trotz mehrerer eindringlicher Warnungen der hiesigen Bevölkerung, demnach es sich bei dem alten Grafen um einen unsterblichen, blutsaugenden Vampir handeln würde, lässt Renfield von seinem Plan nicht ab und wird im Schloss des Grafen schließlich durch Hypnose zu seinem willenlosen Untertanen. Der Graf selbst beschließt nun, den Weg in ferne England auf sich zu nehmen, um hier eine Braut für sich zu finden. Bald schon fällt die Wahl des Grafen auf die Verlobe Jonathan Harkers (Steven Weber). Gelingt es Jonathan, seine Geliebte Mina (Amy Yasbeck) vor den zügellosen Fängen des Vampirs zu schützen? Sehr lose interpretierte Mel Books die originale Romanvorlage von Bram Stoker aus dem Jahr 1897 und fand niemand Geringeren als Leslie Nielsen, der den alternden Grafen mimen sollte. Der Film steckt voller Slapstick-Einlagen, die für Mel Brooks Humor (beispielsweise „Spaceballs“ von 1987) beinahe schon als programmatisch gelten können. Selbst knapp 30 Jahre nach dem Erscheinen des Films hat „Dracula – Tot aber glücklich“ nichts von seinem Witz eingebüßt, was nicht zuletzt auch der Darstellung des großen Leslie Nielsen zu verdanken ist.

(IS)

Film:★★★★★

Blu-ray:★★★★★

FREAKS – MISSGESTALTETE

Regie: Tod Browning

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1932

Laufzeit: ca. 60 Min.

FSK: ab 16

Extras: Audiokommentar von David Skal, „Hildes wilde Horrorshow“-Version, „Freaks – The Sideshow Cinema“, alternative Endszenen, Prolog, Originaltrailer

Der kleinwüchsige Hans (Harry Earles) tritt wie Trapezkünstlerin Cleopatra (Olga Baclanova) in einem Zirkus auf. Seine Liebe zu ihr nutzt die hinterlistige Frau gewissenlos aus, um an sein Erbe zu kommen. Gemeinsam mit Hercules (Henry Victor) schmiedet sie einen tödlichen Plan … Für „Freaks“ arbeitete „Dracula“-Regisseur Tod Browning mit echten in Sideshows auftretenden Personen zusammen, die zum Teil schon vor der Premiere aufgrund ihrer körperlichen Fehlbildungen zu einer gewissen Berühmtheit gelangt waren. Trotz aller Merkmale eines klassischen Horrorfilms ist der Spielfilm auch ein menschliches Drama, das die sogenannten „Freaks“ mit Respekt behandelt und die „normalen“ Menschen als Monster darstellt. In den 30er Jahren jedoch war das Publikum noch nicht bereit für derart viel Toleranz, weswegen der in manchen Ländern verbotene Film erst in den folgenden Jahrzehnten vollkommen zu Recht zum Klassiker avancierte. Es ist ein Jammer, dass „Freaks“ nur noch in gekürzter Form ohne das ursprüngliche Ende enthalten ist, aber auch in dieser Fassung erreicht der Kultfilm seine Wirkung. Die DVD-Veröffentlichung von Pidax überzeugt vor allem aufgrund ihrer Sonderausstattung, die u.a. aus einer einstündigen Dokumentation besteht.

(SWO)

Film:★★★★★

DVD:★★★★☆

HERCULE POIROT COLLECTION

Regie: Lou Antonio, Clive Donner, Gary Nelson

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Großbritannien 1985-1986

Laufzeit: ca. 269 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine Peter Ustinov ist fraglos der bekannteste und wichtigste Poirot-Darsteller, auch wenn er nicht direkt mit den namhaftesten Verfilmungen um den smarten Privatdetektiv in Verbindung steht. Die Kinofilme gehören zu den Klassikern der britischen Filmgeschichte, allerdings hat Ustinov auch bei drei TV-Produktionen die Rolle des Hercule Poirot gespielt - und diese drei Streifen haben in der chronologischen Aufarbeitung der Reihe bis dato nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Die Gründe hierfür liefert die nun nachgereichte DVD-Box, die mit „Mord à la La Carte“, „Tödliche Partys“ und „Mord mit verteilten Rollen“ alle drei TV-Produktionen enthält, aber eben auch zeigt, dass die letzten Poirot-Filme eher ein wenig lieblos gestaltet sind. Hauptdarsteller Ustinov macht seinen Job zwar sicherlich mehr als passabel, jedoch verfliegt der Charme seines Charakters allein deswegen, weil die jeweiligen Handlungen relativ unaufgeregt sind und mit teils arg vorhersehbaren Wendungen auch die Spannung reduzieren. Nimmt man zum Vergleich „Tod am Nil“ oder „Das Böse unter der Sonne“ zum Vergleich, sind die qualitativen Unterschiede nicht wegzudiskutieren und letztlich auch Argument genug, den Kinostreifen den Vorzug zu geben. Poirot-Freunde und Komplettsammler sollten sich davon nicht abschrecken lassen, doch das große Kino lauert in dieser Box sicherlich nicht – dafür ist vieles einfach zu angestaubt und zu träge.

(BB)

Film:★★★☆☆

DVD:★★★☆☆

KAMPF GEGEN DIE MAFIA – Spielfilm Collection

Regie: Rod Holcomb, James Whitmore jr.

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1988/1996

Laufzeit: ca. 182 Min.

FSK: ab 16

Extras: Interviews

„Kampf gegen die Mafia“ gehört zu den interessantesten Kriminalserien der späten 80er, gleichzeitig aber auch zu jenen Formaten, die sich hierzulande aus unerfindlichen Gründen nicht wirklich durchsetzen konnten. Nachdem die Serie zuletzt ebenfalls schon im Rahmen der Pidax Klassiker neun veröffentlicht wurde, kommt nun auch der Pilotfilm noch mal in die Regale und zeigt die Anfänge des Undercover-Agenten Vinnie Terranova, der sich in der gleichnamigen Serie später in vielen kürzeren Einzelfällen als charismatischer und gleichzeitig sympathischer Actionheld durchsetzen konnte. „Der graue Wolf“, so der Titel der Premierenepisode, gehört gleichzeitig zu den spannendsten Fällen aus der Biografie Terranovas, macht aber auch noch mal deutlich, dass Kriminalgeschichten im Spielfilmformat grundsätzlich besser funktionieren, weil die Storyline nicht auf die wesentlichen Merkmale komprimiert werden muss. Ebenfalls in der „Spielfilm Collection“ enthalten ist der Reunion-Streifen „The Undercover Man“, der jedoch inhaltlich ein wenig abfällt, weil einfach zu spüren ist, dass die Luft raus ist und sich „Kampf gegen die Mafia“ in vielerlei Hinsicht zu sehr kopiert. Dennoch: Als Ergänzung zur Serienbox ist dieses Doppelpack unverzichtbar und rundet eine lohnenswerte Produktion ab. Wer die Serie mochte, kommt folglich auch nicht um die Investition in diese beiden Spielfilme herum!

(BB)

Film:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

KING RICHARD

Label: EuroVideo

Regie: Reinaldo Marcus Green

Land/Herstellungsjahr: USA 2021

Laufzeit: ca. 139/145 Min.

FSK: ab 12

Extras: Featurettes, Deleted Scenes, Making-Of

Brandy (Aunjanue Ellis) hat bereits drei Kinder, als sie Richard Williams (überragend: Will Smith) heiratet. Mit ihm bekommt sie nochmals zwei Töchter – Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton). Damit es der Familie in Zukunft finanziell besser geht, schmiedet Richard einen ehrgeizigen Plan: Die beiden sollen einmal die besten Tennisspielerinnen der Welt werden. Damit sie die Karrierepläne ihres Vaters auch erfüllen, lässt er die Schwestern schon im Kindesalter hart trainieren. Und dieses harte Training trägt Früchte, denn Richards Plan geht tatsächlich auf ... Im letzten Jahr machte Regisseur Reinaldo Marcus Green mit dem Biopic „Good Joe Bell“ auf sich aufmerksam. Nur ein Jahr später widmet er sich erneut einer wahren Geschichte. Diesmal befasst er sich mit dem Aufstieg des wohl erfolgreichsten Schwesternpaars der Tennisgeschichte, Venus und Serena Williams. Während die meisten Sportfilme gewöhnlich den Aufstieg des Sportstars in den Mittelpunkt stellen, legt „King Richard“ den Fokus auf deren Vater Richard, der hier alles andere als positiv gezeichnet wird. Doch die ungewöhnliche Herangehensweise funktioniert und ist erfrischend glaubwürdig und unglaublich fesselnd. Ein erstklassiges Drama, nicht nur für Sportfans.

( FT)

Film:★★★★★

Blu-ray:★★★☆☆

LIFE IN SPACE

Regie: Wyatt Rockefeller

Label: Koch Film

Land/Herstellungsjahr: UK/Südafrika 2021

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: ab 16

Extras: Bildergalerie, Featurette, Trailer, Trailershow

Irgendwann in der Zukunft: Die Erde ist lange nicht mehr richtig bewohnbar, weshalb viele ihr Glück auf dem Mars gesucht haben. Doch statt in großen Gemeinschaften leben die Menschen auf abgeschotteten Farmen. Das Leben ist hart. Es gilt das Recht des Stärkeren, und ein Menschenleben bedeutet nicht sonderlich viel. Das muss auch Remmy (Brooklynn Prince) erfahren. Sie lebt mit ihren Eltern Reza (Jonny Lee Miller) und Ilsa (Sofia Boutella) auf einer dieser Farmen. Dann tauchen Fremde jedoch auf, die sie vertreiben wollen. Die meisten von ihnen können sie töten, einer von ihnen (Ismael Cruz Cordova) überlebt allerdings. Nach kurzem Kampf gelingt es ihm, Reza zu töten. Der attraktiven Ilsa macht er jedoch ein Angebot: Sie darf mit ihrer Tochter hier bleiben, wenn sie sich „benimmt“ ... Ein wirklicher Science-Fiction-Film ist der Film von Wyatt Rockefeller definitiv nicht. Es gibt zwar ein paar wenige Sci-Fi-Elemente, ansonsten könnte das Werk allerdings auch in jeder anderen Zeit irgendwo im Niemandsland spielen. Das macht aber nichts, denn die Geschichte ist ein durchaus interessantes Essay über Menschen und was sie tun, um zu überleben. Doch nicht nur inhaltlich kann der Film überzeugen, auch optisch ist „Life In Space“ erstklassig gelungen.

(FT)

Film:★★★★☆

DVD:★★☆☆☆

MARRY ME – VERHEIRATET AUF DEN ERSTEN BLICK

Regie: Kat Coiro

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: USA 2022

Laufzeit: ca. 112 Min.

FSK: ab 0

Extras: unveröffentlichte Szenen, Making-Of, Bonusclips u.a.

Kat Valdez hat eine unglaubliche Erfolgsstory hinter sich: Als Latin-Pop-Künstlerin ist sie auf den großen Bühnen unterwegs und erwartet in Kürze auch das private Glück. Die Sängerin hat sich entschieden, ihrem langjährigen Partner auf der Bühne das Ja-Wort zu geben. Doch kurz vor dem ersehnten Happening erfährt sie, dass dieser sie seit geraumer Zeit betrügt. Kurzerhand entscheidet sie sich, einen wildfremden Menschen aus dem Publikum zu heiraten – und obschon sie sich anfangs nicht viel von dieser irrwitzigen Idee verspricht, muss sie schnell eingestehen, dass der Auserwählte, der Mathematiklehrer Charlie, kaum besser zu ihr passen könnte. Jennifer Lopez erlebt derzeit ihren wiederholten Leinwand-Frühling und hat in „Marry Me“ endlich mal wieder einen jenen ersehnten Glanzauftritt, der ihr in den vergangenen Jahren verwehrt geblieben ist. Ihr neuer Streifen erinnert bisweilen an ihren eigenen Klassiker „Manhattan Love Story“ und funktioniert als Mix aus romantischem Drama und sympathischer Komödie vor allem deshalb so gut, weil die Geschichte nicht auf zahlreichen Klischees beruht, sondern in der weiteren Inszenierung stets an Authentizität zunimmt. Mit Owen Wilson hat sie zudem einen erfahrenen Partner an ihrer Seite, dem die Rolle auf den Leib geschneidert ist und dessen Charme einmal mehr zu den großen Pluspunkten einer vielleicht vorhersehbaren, inhaltlich aber auch sehr unterhaltsamen Produktion gehört.

(BB)

Blu-ray:★★★★☆

Film:★★★★☆

OSS 117 – COLLECTION

Regie: André Hunebelle

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: FR. 1963-1968

Laufzeit: ca. 502 Min.

FSK: ab 16

Extras: Booklet, Originaltrailer und Bildergalerie

Die vorliegende Collection umfasst die von Regisseur André Hunebelle realisierten fünf Teile der französischen Agentenreihe „OSS 117“. Hierzu zählen „OSS 117 greift ein“, „Heiße Hölle Bangkok“, „Pulverfass Bahia“, „Teufelstanz in Tokio“ und „Keine Rosen für OSS 117“. Spannend der Geschichte ist, dass es sich bei den Abenteuern des charmanten französischen Agenten um eine Reihe handelt, die noch vor dem mittlerweile viel bekannteren James Bond das Licht der Welt erblickte. Ursprünglich eine Romanfigur aus der Feder Jean Bruces, entwickelte sich „OSS 117“, der eigentlich Hubert Bonisseur de La Bath heißt, zu einem französischen Helden par excellence. Beliebt bei den Frauen und gefürchtet bei seinen Widersachern. Anders als die komische Neuinterpretation, in der sich Jean Dujardin die Ehre gibt, mimte in den vorliegenden Teilen – ähnlich wie in der „James Bond“-Reihe – stets ein anderer Gentleman den Geheimagenten. So etwa Kerwin Mathews in „OSS 117 greift ein“ oder Frederick Stafford in „Pulverfass Bahia“. Die Reihe ist durch und durch klassisch und hat daher nur noch sehr wenig mit den mittlerweile vorherrschenden Sehgewohnheiten zu tun. Dennoch hat die Reihe Stil und kann gerade hierdurch für Fans beispielsweise der ebenfalls klassischen „James Bond“-Reihe punkten. Durchaus sehenswert.

(IS)

Filme:★★★★☆

DVD:★★★★☆

STOPPT DIE TODESFAHRT DER U-BAHN 123

Regie: Joseph Sargent

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1974

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: ab 16

Extras: Wendecover, Interview und Trailer

Für die heißen Tage empfiehlt sich coole Unterhaltung. Da ist man leider hier an der falschen Adresse, denn in dem kongenialen Streifen aus den tiefsten 1970er Jahren wird’s klaustrophobisch und rasant. Da kommt man als Zuschauer schon arg ins Schwitzen, denn hier regiert Tempo! Und dass nicht nur, will die U-Bahn in den Untergang rast, sondern weil Sprüche abgefeuert werden, die Uhr tickt und das Drehbuch sowie Schnitt einfach nur das Gaspedal gnadenlos durchtreten. Früher hätte man gesagt, da wird dem Affen mächtig Zucker gegeben! Der Plot ist schnell erzählt: Eine Bande Krimineller erpresst New York um eine Million Dollar (inflationsbereinigt: fast sechs Millionen Dollar). Eine Stunde ist dafür Zeit, sonst stirbt jede Minute drüber eine Geisel. In dem grausamen Spiel bleibt aber Walter Matthau (pardon Lt. Garber) von der U-Bahn-Polizei cool (also doch ein wenig Kühle im Sommer). Und der weiß, wie mit kriminellen Subjekten umzugehen ist! Dieser Streifen war Kult (zwei Remakes zog er nach) und bleibt Kult. Pidax veröffentlicht eine saubere Blu-ray in Zusammenarbeit mit Alive. Auf der Scheibe findet sich noch ein Interview. Sonst nix, reicht auch, denn der Film ist über jede Kritik erhaben!

(MC)

Film:★★★★★

Blu-ray:★★☆☆☆

THE PAINTED BIRD

Regie: Václav Mahoul

Label: Bildstörung

Land/Herstellungsjahr: CZ 2019

Laufzeit: ca. 169 Min.

FSK: ab 18

Extras: Bonus-DVD mit zwei spielfilmlangen Dokus, Essay

Der Krieg kennt nur Opfer: Der Anti-Kriegsfilm ist im Mainstream kaum mehr als ein Zelebrieren von Heroismen. Wenig Grauen, dafür viel soldatisches Pathos und Unterhaltung. „The Painted Bird“ ist so anders. Ein erdrückendes Stück Zelluloid mit ungeheurer Strahlkraft. Eine Perle. Ein Inferno. Ein wahrer Anti-Kriegsfilm. Ein auf echtem 35mm-Filmmaterial gedrehter, inhaltlicher Schlag in die Magengrube, Gewalt meets Kunst. Das dreistündige Epos ist mit Stars wie Harvey Keitel, Udo Kier, Julian Sands und Stellan Skarsgard gespickt. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jerzy Kosiński, feierte das Drama auf den Filmfestspielen in Venedig 2019 seine Premiere. Weltweit wurde der Film mit Auszeichnungen überhäuft. Irgendwo in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs: Ein kleiner Junge jüdischer Herkunft, der anders zu sein scheint als alle anderen, rennt mit seinem Hund durch einen Wald. Eine Bande Kinder verfolgt ihn, schlägt ihn zusammen und verbrennt seinen Hund. Die weiteren Episoden stehen dem in nichts nach: Pädophilie. Sex. Sadismen. Gewalt. Ausgrenzung. Tierquälereien. Mord. Selbstmord. Dazwischen: ein Hauch von Optimismus. Nun liegt er in einer gewohnt famosen (limitierten) Edition fürs Heimkino vor. Wie man es nicht anders von Bildstörung gewohnt ist, sind ein ausführliches Booklet und ein Pappschuber dabei. Als besonders Schmankerl ist eine Bonus-DVD mit zwei spielfilmlangen Dokumentationen enthalten, um sich noch intensiver mit diesem Opus Magnum beschäftigen zu können.

(MC)

Film:★★★★★

DVD: ★★★★★

UNSER MANN IN MARRAKESCH

Label: Pidax

Regie: Don Sharp

Land/Herstellungsjahr: GB 1966

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: ab 12

Extras: Trailer, Bildergalerie

Marokko, in den späten 1960ern: Am Flughafen in Casablanca treffen sich vier europäische Reisende, die alle im selben Bus nach Marrakesch fahren: die bildhübsche Kyra Stanovy (Senta Berger), der Ingenieur Andrew Jessel (Tony Randall), der Porzellanhändler Arthur Fairbrother (Wilfrid Hyde-White) und George Lillywhite (John Le Mesurier), dem ein Reiseunternehmen gehört. Durch eine Verwechslung bekommt Andrew das Hotelzimmer von Kyra zugewiesen. Dort stößt er alsbald auf die Leiche eines Mannes. Als er die Polizei alarmieren will, hält Kyra ihn davon ab. Und so wird der Ingenieur immer weiter in einen verzwickten, internationalen Kriminalfall hineingezogen, in dem keiner das ist, was er vorzugeben scheint. Nur eines ist klar: Es hat etwas mit dem schmierigen Geschäftsmann Mr. Casimir (Herbert Lom) zu tun, dessen Schergen (u. a. Klaus Kinski) nicht vor Mord zurückschrecken ... Der Film von Don Sharp fühlt sich an wie ein typischer Hitchcock-Film. Nur leider ist Sharp nun einmal nicht Alfred Hitchcock, und das merkt man vor allem beim Spannungsaufbau allzu deutlich. Doch der gut aufgelegte Cast, die wunderbaren Schauplätze und einige gelungene Screwball-Momente sorgen dafür, dass „Unser Mann in Marrakesch“ dennoch ganz gut unterhält.

(FT)

Film:★★★☆☆

DVD:★★☆☆☆

WILDGÄNSE 2 – SIE FLIEGEN WIEDER

Regie: Peter Hunt

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Vereinigtes Königreich 1985

Laufzeit: ca. 125 Min.

FSK: ab 16

Extras: Interview mit Produzent Euan Lloyd und Ingrid Pitt, Kinotrailer, Trailershow

Ein Fernsehsender beauftragt in „Wildgänse 2“ eine Söldnertruppe, Rudolf Heß aus dem Spandauer Gefängnis zu holen. Bis die tatsächliche Befreiung von Rudolf Heß allerdings beginnt, muss man als Zuschauer viel Geduld mitbringen. Das eigentliche Ziel des Films scheint beinahe verloren zu gehen. Stattdessen geht es über die Hälfte der Laufzeit um das Ermorden von Verfolgern und das Hinarbeiten auf eine unnötige Sexszene von Protagonist John mit der Komplizin Kathy, mit der eigentlich nur dienstlich zu tun haben wollte. Besonders die Synchronisation von John ist sehr emotionslos und monoton. Generell wirkt die deutsche Synchronisation abgehakt, beinah wie abgelesen. Kühl und neutral ist zwar für Söldner passend, trägt aber nicht gerade zum Mitfiebern bei. Das holen Actionszenen wieder ein bisschen raus, und auch die gewählte dramatische Musik, die viel auf Blechbläser setzt. Einige Szenen und angefügte Sätze fallen deutlich als der ungekürzten Fassung zugehörig auf. Diese Parts sind in englischer Originalvertonung, leiser als die deutsche Synchro und mit Untertiteln unterlegt. Der Film zeigt zwar insgesamt viel Action, hat aber eine merkwürdige Haupthandlung und tut sich schwer, interessant zu bleiben.

(ABK)

Film:★★☆☆☆

Blu-ray:★★★★☆

SERIEN

ACAPULCO H.E.A.T. – Komplettbox

Regie: Sidney Hayers, Harry Ambrose u.a.

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: USA 1993-1999

Laufzeit: ca. 2.160 Min.

FSK: ab 12 Extras: TV-Trailer, Teaser, Slideshow, Behind The Scenes, Interviews

Das Hemisphere Emergency Action Team setzt sich aus einer Truppe ehemaliger Agenten zusammen, die im Auftrag der Vereinten Nationen das Verbrechen in Nordamerika und der Karibik bekämpfen. Gemeinsam mit der einstigen Kriminellen Catherina Avery Pascal ermittelt die Truppe in der Welt der Schönen und Reichen undercover, schleust sich in Verbrecherorganisationen ein und wartet hierbei mit zahlreichen Spezialeigenschaften auf, die bei der Bekämpfung der kriminellen Elemente Erfolg versprechen – zusätzlich zu den optischen Vorzügen, die bereits zur Entstehung des Projekts als Garant für den Erfolg im TV stehen sollte. „Acapulco H.E.A.T.“ gehört zweifelsohne zu den Klassikern des dezent Trash-angehauchten Serienalltags der 90er, wenngleich die Reihe hierzulande immer nur auf die Spartensender verschoben wurde. Die Kombination der Klischees aus „Drei Engel für Charlie“, „James Bond“ und „Mission Impossible“ wurde hier auf eine Reihe anziehender Charaktere verteilt, die mit ihren Muskeln und übrigen Reizen auch diejenigen ansprechen sollten, bei denen komplexe Inhalte nicht ausschlaggebend für einen ausufernden Serienmarathon waren. Das Konzept ging auf, und die Serie erhielt vor allem in den Staaten großen Zuspruch. Nun sind die beiden ausgestrahlten Seasons erstmals als Komplettbox auf DVD erhältlich und werfen einen Blick zurück auf jene Zeit, in der schöne Frauen und starke Männer noch an das TV-Gerät lockten. Und zugegeben: Trotz aller Klischees ist „Acapulco H.E.A.T.“ als sehenswerte Produktion in Erinnerung geblieben, die man sich in der Komplettfassung gern wieder einmal anschaut.

(BB)

DVD:★★★★☆

Film:★★★★☆

BAPTISTE – Staffel 2

Regie: Jack Williams, Harry Williams

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: Großbritannien 2021

Laufzeit: ca. 339 Min.

FSK: ab 16

Extras: keine

Die inneren Dämonen machen vor Julien Baptiste keinen Halt; seine familiäre Tragödie treibt den Ermittler zum Alkohol und lässt sein Leben aus den Fugen geraten – bis er vom Drama der britischen Botschafterin Emma Chambers erfährt, deren Familie während eines Urlaubs in den ungarischen Bergen spurlos verschwindet. Baptiste bietet der Landsfrau seine Dienste an und reist zu ihr nach Ungarn, um ein mögliches Verbrechen aufzudecken. Doch schnell wird ihm klar, dass hinter der vermeintlichen Entführung viel mehr steckt als ein verbrecherisches Komplott. Der Druck wächst von Tag zu Tag, aber auch sein persönliches Schicksal bringt Baptiste mehrfach an den Rand des Zusammenbruchs. Das Spin-Off zum Erfolgsmodell „The Missing“ geht in eine bemerkenswerte zweite Runde, die an Dramaturgie, finsteren Emotionen, brutalen Wendungen und Thriller-Feinkost kaum zu überbieten ist. Der leidgeprüfte Protagonist ist gezwungen, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben und taucht in ein Mysterium aus unterschiedlichen Verschwörungen ein, das ihn für eine Dauer von 14 Monaten nicht mehr loslassen soll. Geschickt springt die Handlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, bringt unglaubliche Tatsachen ans Tageslicht und strebt einem Finale zu, in dem alles und nichts möglich ist. Baptistes zweiter Serienauftrag unter eigenem Namen ist ein echtes Spektakel – düster, dramatisch, brutal und absolut sehenswert!

(BB)

DVD:★★★☆☆

Serie:★★★★★

DEZERNAT M – Volume 1

Regie: Bernard Girard, John Brahm, u.a.

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1957-1958

Laufzeit: ca. 290 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

Das „Dezernat M“ ist eine Spezialeinheit der amerikanischen Polizei, die sich mit dem kriminellen Treiben in der Unterwelt Chicagos beschäftigt und dort nicht nur Kleinkriminelle, sondern auch Anhänger von Clans und anderen Vereinigungen zur Strecke bringt. An der Spitze der Einheit steht Polizeileutnant Frank Ballinger, der im Umgang mit seinem Revolver nicht zimperlich ist, aber auch die psychologischen Kniffe seiner Arbeit versteht. Sein lockeres Mundwerk und seine Affinität zu eher unkonventionellen Ermittlungsmethoden zeichnen Ballinger aus – doch nicht selten bringt er sich dabei auch unnötig in Gefahr. Die erste Staffel der legendären Krimiserie aus den späten 50ern gilt auch hierzulande als Kultveranstaltung, allen voran wegen der erstklassigen Besetzung der Schwarz-Weiß-Produktion. Niemand Geringeres als Lee Marvin schlüpft in die Rolle des manchmal raubeinigen Leutnants Ballinger und füllt diese mit allen Methoden, die man auch heutzutage noch mit den teils recht sympathischen Klischees des frühen TV-Krimis verknüpft. In insgesamt zwölf Episoden legen Ballinger und sein Team es immer wieder auf Verfolgungsjagden, Schießereien und Prügeleien an und bringen die Gangster Chicagos hinter Gitter. Lediglich die relativ kurze Spielzeit der einzelnen Folgen ist manchmal ein Hindernis, da die Handlung stellenweise zu schnell auf den Punkt kommt. Allerdings ist auch dies für das TV-Programm der damaligen Zeit nicht unüblich und bestärkt letztlich das Action-Empfinden einer nach wie vor sehenswerten Reihe, die hier einen richtig guten Auftakt findet.

(BB)

Serie:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

DEZERNAT M – Volume 2

Regie: Bernard L. Kowalski, Don Medford, u.a.

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1958-1959

Laufzeit: ca. 290 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

In der zweiten Staffel zu „Dezernat M“ ist Hauptermittler Frank Ballinger unter anderem auch mit Ermittlungen in den eigenen Reihen beschäftigt; der Verdacht von Korruption und zwielichtigen Handlungen innerhalb der Polizeibehörde wird aber schnell entkräftet – und dennoch lernt Ballinger, dass er sein Vertrauen vornehmlich auf sich selbst richten muss. Auch die nächsten zwölf Episoden, die relativ kurz an die erste Staffel angehängt wurden, überzeugen mit reichlich Action, flotten Sprüchen und einem Lee Marvin in Topform. Bemerkenswert ist, dass die Ermittlungsarbeiten konträr zu vielen Produktionen der damaligen Zeit nicht schematisch verlaufen und die Serie immer wieder neue Wege findet, den Kampf gegen die Unterwelt zu gestalten. Es wird auch immer offensichtlicher, dass spätere Klamaukgeschichten wie „Die nackte Pistole“ bzw. deren Spielfilm-Pendant sich bei der Gestaltung des Settings arg an den Vorgaben von „Dezernat M“ orientiert haben, was wiederum die Stellung der einstigen Erfolgsreihe noch einmal bekräftigt. Am Ende bleibt trotz der Kürze der Zeit innerhalb der einzelnen Folgen absolut starke Kriminalunterhaltung, die ihren Charme in den vergangenen sechs Jahrzehnten nicht eingebüßt hat. Daher auch hier: klare Empfehlung!

(BB)

Serie:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

CALL THE MIDWIFE – RUF DES LEBENS – Staffel 7

Regie: ‎Sheree Folkson

Label: Universal

Land/Herstellungsjahr: Großbritannien 2020

Laufzeit: ca. 540 Min.

FSK: ab 12

Extras: Hinter-den-Kulissen-Featurettes

Die BBC-Erfolgsserie führt uns erneut ins England der Nachkriegszeit, wo die Schwestern des großen Nonnenkonvents Nonnatus House als Hebammen im ärmlichen Londoner East End arbeiten. Seit 2012 strahlt der britische Sender die Serie aus, die seitdem unter anderem bei den National Television Awards und TV Choice Awards in Großbritannien mit Preisen bedacht wurde. Basierend auf dem englischen Bestseller „Call The Midwife“ der Krankenschwester und Musikerin Jennifer Worth, wurden inzwischen 113 Folgen in elf Staffeln produziert. Die neun Folgen der siebten Staffel, die nun erstmals auf Scheibe erschienen, waren in Deutschland ab Mai 2021 im TV zu sehen. Episodentitel wie „Alles verändert sich“ oder „Wohin der Weg uns führt“ stehen sinnbildlich für das Grundthema: Die Nonnen und Krankenschwestern stehen in dieser Staffel vor zahlreichen persönlichen und beruflichen Herausforderungen. Sie müssen dabei mit ansehen, wie das „alte“ East End der britischen Hauptstadt vor ihren Augen verschwindet und Platz macht für neue Hochhäuser, die die wachsende Bevölkerung der Themse-Metropole aufnehmen. Tatsächlich wurde London in dieser Zeit zur Heimat vieler Einwanderer – hauptsächlich aus kürzlich unabhängig gewordenen Commonwealth-Staaten – wie etwa die neue, indischstämmige Hebamme Lucille Anderson. Rassistische Vorurteile sind hier also ebenso Thema wie Schönheitswettbewerbe und natürlich immer wieder schwierige Geburten. Fans werden gut unterhalten, wobei die Ausstattung der DVD-Box aber ziemlich kümmerlich bleibt.

(FK)

Serie:★★★☆☆

DVD:★★☆☆☆

CONAN – DER ABENTEURER – Komplettbox

Regie: Gérard Hameline, Rob Stewart, u.a.

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 1997-98

Laufzeit: ca. 945 Min.

FSK: ab 12

Extras: Making-Of

Slapstick oder doch ernst gemeintes Serienprojekt? Als die deutsche Fassung der „Conan“-Reihe seinerzeit das Licht der Welt erblickte, staunten sicherlich viele über den Bizeps von Hauptakteur und Schwarzenegger-Buddy Ralf Moeller, hatten jedoch die gleichen Befürchtungen, die seinerzeit auch bei den beiden mittlerweile legendären Filmprojekten um den einstigen Gouverneur Kaliforniens geäußert wurden. Leider sollten sich genau diese Erwartungen bei der Begutachtung der beiden Staffeln bewahrheiten: Plumpe Dialoge, drittklassige Schauspieler, eine Hintergrundszenerie, deren atmosphärischer Wert eigentlich gar nicht existent war, und schließlich ein Plot, der in vielen Momenten so stark an den Haaren herbeigezogen war, dass man oftmals unfreiwillig schmunzeln musste, brachten „Conan – Der Abenteurer“ nicht nur bei Insidern schnell den Ruf eines weiteren gescheiterten Fantasy-Anlaufs ein. Immerhin hat es den Episoden bis zuletzt nicht an Action gemangelt, jedoch ist dies vor dem Hintergrund der eher faden Unterhaltung ohnehin als zweitrangig zu bewerten. Im Rahmen der Pidax Klassiker wird die Serie nun zum ersten Mal in einer Komplettbox angeboten – abgesehen von unverbesserlichen Nostalgikern sollte aber auch diesmal die Zielgruppe mangels inhaltlicher Qualität überschaubar bleiben.

(BB)

Serie:★★☆☆☆

DVD:★★★☆☆

DRACULA

Regie: Jonny Campbell, Damon Thomas, Paul McGugigan

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: USA 2019

Laufzeit: ca. 270 Min.

FSK: ab 16

Extras: Audiokommentar, Behind the Scenes, Trailer

Die BBC-Serie lief auf Netflix und war da ein ziemlicher Hit. Das verwundert nicht, denn die drei Filme sind ganz großes, vor allem aber sehr intelligentes Kino. Nun liegt eine 2 Blu-rays umfassende Heimmedienveröffentlichung im Pappschuber vor. Der klassische Vampir-Stoff wird mühelos in moderne Bilder verpflanzt und wirkt deshalb umso frischer. In drei spielfilmlangen Teilen verfolgt der Zuschauer den Verfall von Jonathan Harker, dem Anwalt aus London, der dem Vampirfürst Dracula ungewollt helfen soll, das mittelalterliche Transsylvanien zu verlassen. Denn das industrialisierte Großbritannien verheißt neues frisches Blut. Doch zunächst taucht der Zuschauer in ein klösterliches Verlies ein. Anwalt Harker ist nur noch ein Schatten seiner selbst, mehr tot als lebendig, gezeichnet vom unsagbaren Grauen. Eine ziemlich weltlich gebildete Nonne interviewt ihn. Sie will die niedergeschriebenen Erlebnisse ergründen, zwischen den Zeilen lesen. Das geht freilich nur im direkten Gespräch. Eine angedeutete Vergewaltigung Draculas ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn es gibt viele Geheimnisse zu ergründen. Da wäre das Schloss mit seinen endlosen Gängen, die Gruft, tote Seelen, die zombieartig nach den Lebenden greifen und doch nur Erlösung suchen. Von den schneebedeckten Karpaten geht es per Totenschiff ins pulsierende Herz Londons. Kann der übermenschliche, verführerische und hochintelligente Untote aufgehalten werden? Der Höllentanz zwischen archaischer und moderner Kultur wird bluttriefend! Meisterlich.

(MC)

Serie:★★★★★

Blu-ray:★★★☆☆

GOMORRHA – Staffel 5

Regie: Marco D‘Amore, Claudio Cupellini

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: Italien 2022

Laufzeit: ca. 485 Min.

FSK: ab 16

Extras: keine

Nach der letzten Staffel schien die italienische Premiumserie mächtig angezählt; der Plot nahm unrealistische Züge an, das ständige Hin und Her wirkte konstruiert, und nicht wenige Stimmen forderten, die Serie vielleicht zu beenden, bevor sie weitere Irrwege läuft und ihre grundsätzlich gute Reputation endgültig verliert. Mit Beginn der fünften Season können diese Eindrücke glücklicherweise wieder reguliert werden. Zwar ist die Vereinigung von Ciro Di Marzio und Genny Savastano auch ein Schritt, der viele Fragezeichen ob der Ernsthaftigkeit und Authentizität weiterer seltsamer Entwicklungen in der Produktion aufwirft, am Ende scheint es jedoch genau dieser Weg zu sein, der „Gomorrha“ wieder in die Spur und damit auch wieder zu seinen Ursprüngen zurückbringt. Die Action gerät diesmal zugunsten der Dramaturgie ein wenig ins Hintertreffen, jedoch bleibt eine brutale Blutspur zurück, die das Leben in und um die Mafia wieder glaubwürdiger gestaltet – und letztendlich auch die Spannung, die zuletzt ein wenig gelitten hatte, wieder zurückbringt. Es bleibt zwar eine klare Erkenntnis zurück, die darauf hindeutet, dass man das Serienfinale besser früher als später einläuten sollte. Doch angesichts der jüngsten, eher weniger erfreulichen Entwicklungen ist „Gomorrha“ in der fünften Staffel wieder fast komplett in der Spur und bringt jenen Unterhaltungswert zurück, den man in den ersten beiden Seasons zu schätzen gelernt hat. Und das ist am Ende auch die wichtigste Beobachtung: Es ist noch nicht vorbei, und vor allem geht es wieder aufwärts!

(BB)

Serie:★★★★☆

Blu-ray:★★★★☆

HOW A REALIST HERO REBUILT THE KINGDOM – Vol. 2

Regie: Takashi Watanabe

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: Japan 2021

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: ab 12

Extras: Lentikularkarte in 3D-Optik

Nach dem Tod seines Großvaters überschlagen sich für den jungen Kazuya Souma die Ereignisse. Er wird in das Königreich Elfrieden teleportiert und dort zum König gekrönt, weil die Prophezeiung ihm vorgibt, derjenige Held zu sein, der das wirtschaftlich abgeschlagene Königreich wieder auf den richtigen Weg bringen soll. Inzwischen hat sich Souma mit seiner Rolle angefreundet, kämpft aber vergeblich um die Gunst der drei Herzöge Castor Vargas, Excel Walter und Georg Carmine, die ebenfalls ihre Ansprüche geltend machen wollen. Souma hat alle Hände voll zu tun, die Stimmung in der Bevölkerung zu

stabilisieren und der Bedrohung durch seine mächtigen Gegner Herr zu werden. Doch reichen Diplomatie und das Verständnis der modernen Welt, um die bevorstehende Rebellion zu verhindern? „How A Realist Hero Rebuilt The Kingdom“ gehört zu den anspruchsvolleren Animes der Moderne und spannt den Bogen zwischen Fantasy, Action, Drama und einzelnen Sci-Fi-Elementen auf eine manchmal recht unkonventionelle Weise. Das Setting ist jedoch auch in den Episoden sechs bis neun herausragend inszeniert, die Figuren sind nicht nur toll gezeichnet, sondern auch authentisch in ihre Rollen gebracht worden, und die Story nimmt mittlerweile enorm viel Fahrt auf und lässt den Kennenlernprozess der vorangegangenen fünf Folgen hinter sich. Die gleichnamige Manga-Serie gilt bereits als kleiner Underground-Erfolg – im Anime zu „How A Realist Hero Rebuilt The Kingdom“ werden die damit verbundenen Erwartungen jetzt klar bestätigt.

(BB)

Serie:★★★★☆

Blu-ray:★★★★☆

MÖRDERISCHE SPIELE – DIE 70ER – Collection 1

Regie: Eric Woreth

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: Frankreich 2020

Laufzeit: ca. 270 Min.

FSK: ab 16

Extras: Blick hinter die Kulissen, Outtakes

2006 schuf Edwin Baily mit „Agatha Christie: Einladung zum Mord“ eine wunderbare Miniserie, in der die beiden Kommissare Lampion und Larosière in den 1930er Jahren auf Mördersuche gehen. Die elfteilige Serie war derart erfolgreich, dass man dem Ermittlerduo eine weitere Serie namens „Agatha Christie: Kleine Morde“ spendierte. Auch diesmal war es ein riesiger Erfolg, und deshalb machte man abermals weiter. Allerdings ging man hier einen ungewöhnlichen Weg: Statt des etablierten Settings und Ermittlerteams machte man einen Zeitsprung von rund 30 Jahren und schickte ein neues Team auf Mördersuche. Und diesem Prinzip blieb man in der vorliegenden dritten Staffel „Agatha Christie: Mörderische Spiele – Die 70er“ ebenfalls treu, wenngleich der Zeitsprung hier deutlich geringer ausfällt. Diesmal entführt uns die Serie ins Frankreich der 1970er Jahre: Das französische Innenministerium erwägt, Frauen als Ermittlerinnen zuzulassen, und so wird Annie Gréco (Emilie Gavois-Kahn) die erste Kommissarin der Grand Nation. Das gefällt natürlich nicht allen, besonders nicht dem hitzköpfigen Macho Max Beretta (Arthur Dupont), doch ausgerechnet ihm wird sie als Partnerin zugeteilt ... Auch im neuen Setting besticht die Serie wieder durch ihre großen Stärken: interessante Charaktere, gelungener Humor und vor allem intelligente Kriminalfälle. Krimifans sollten sich diese wunderbare Serie nicht entgehen lassen.

(FT)

Serie:★★★★★

DVD:★☆☆☆☆

MORDSLUST – 12 KURZKRIMIS

Regie: Vera Loebner

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 1995

Laufzeit: ca. 181 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

Dem Film-Label Pidax bleiben kaum deutsche Fernsehklassiker verborgen, seien sie auch noch so unbedeutend. So flimmerten etwa im Jahr 1995 gerade einmal vier Episoden der kurzlebigen Krimiserie „Mordslust“ im ZDF über den Fernseher, die zwar rein inszenatorisch keine Überraschungen boten, doch ein interessantes Konzept aufwiesen. Denn jede Episode umfasste drei Kurzkrimis, die in gerade einmal 15 Minuten immerhin leidlich spannende Fälle aufbauten und auflösten. Diese handelten etwa von Killer (Dietrich Mattausch), der sich in sein weibliches Opfer (Claudine Wilde) verliebt, oder einem Polizisten (Klausjürgen Wussow), der sich neben seiner bevorstehenden Rente auch eine Millionenbeute aus einem Raubüberfall nicht entgehen lassen will. Mord und Totschlag sind in den mal heiteren und kurzweiligen, mal vorhersehbaren Fällen von „Mordslust“ an der Tagesordnung, doch es fehlt auch nicht an einer gehörigen Portion schwarzen Humors: Verantwortlich für die einzelnen Episoden zeichnete Ben Wohle, der hinterher mehrere Folgen der Krankenhausserie „Für alle Fälle Stefanie“ schrieb. Die Bildqualität fällt eher grobkörnig aus, was jedoch dem leider schlecht gealterten Ausgangsmaterial zuzuschreiben ist. Wie üblich hat es Pidax aber einmal mehr versäumt, auch nur irgendwelche Extras auf die Scheibe zu packen.

(LG)

Serie:★★★☆☆

DVD:★☆☆☆☆

NORD BEI NORDWEST – Volume 2

Regie: Dagmar Seume, Till Franzen

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2017

Laufzeit: ca. 178 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

Hauke Jacobs ist endlich in Schwanitz angekommen und kann sich mehr und mehr seiner Tierarztpraxis widmen. Als er während eines Pausengangs jedoch Schüsse in einer nahegelegenen Seniorenresidenz hört, ist der ehemalige Großstadtpolizist wieder gefragt. Auch ein bevorstehendes Motorradrennen bringt den zum Hobby-Ermittler umgeschwenkten Ruheständler wieder auf den Plan. Ein skandinavischer Gauner-Clan plant einen Überfall auf einen Geldtransporter und will den Lärm um die Veranstaltung für den Zugriff nutzen. Doch das Quartett wird sich im Vorfeld des Verbrechens nicht einig und hinterlässt einen ersten Toten und viele Fragezeichen, die von Jacobs und seiner Gefährtin Lona Vogt aufgedeckt werden wollen. Die dritte und vierte Episode von „Nord bei Nordwest“ unterscheiden sich insofern schon von den Anfängen der Serie, dass die beiden Hauptcharaktere als Team bereits etabliert sind und das zunächst unstete Leben von Hauke Jacobs mittlerweile zur Erdung gekommen ist. Den Spagat zwischen dem Privatleben des einstigen Polizisten und seiner eigentlichen Passion für den Arztberuf verschwimmen fließend miteinander und erstellen ein routiniertes Setting, das sofort auf Akzeptanz stößt. Insbesondere bei „Der Transport“ wird dabei auch ein angenehmes Spannungslevel erreicht, das den wachsenden Erfolg der Serie absolut rechtfertigt. Folglich zählen auch diese beiden neuen Episoden zu den Blaupausen des modernen deutschen Krimis und erhalten verdientermaßen den gereckten Daumen.

(BB)

Serie:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

NORD BEI NORDWEST – Volume 3

Regie: Max Zähe, Feleix Herzogenrath

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2018

Laufzeit: ca. 178 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

Gleich zwei Ereignisse halten Hauke Jacobs und Lona Vogt in ihrem neuen Fall auf Trab: Zum einen sorgen zwei als Polizisten getarnte Betrüger für mächtig viel Unruhe in Schwanitz, und zum anderen trifft Jacobs zufällig auf seine einstige große Liebe Sandy, die mit ihm verreisen und die alte Liebe wieder neu entflammen will. Als Sandy jedoch plötzlich verschwindet, steckt Hauke in völlig unverhofften Ermittlungen, die ihm nachhaltig an die Substanz gehen. In einer weiteren Episode wird Haukes Hund beinahe Opfer eines Attentats, doch der Attentäter selbst wird von einem Schuss lebensgefährlich verletzt. Die Ereignisse ergeben zunächst keinen Sinn, bis die beiden Beamten einer Familienfehde auf die Schliche kommen, die offenbar ein blutiges Ende nehmen sollte. „Sandy“ und „Waidmannsheil“ entpuppen sich erneut als zwei starke Kriminalfolgen in Spielfilmlänge und zeigen das Bild einer Serie, die von Mal zu Mal professionellere Züge annimmt und sich in Phasen auch den Klassikern des hiesigen Thriller-TVs anpasst. Zwar bleibt bei „Nord bei Nordwest“ auch diesmal jedweder Hang zur übermäßigen Brutalität aus, jedoch werden die Geschichten zunehmend härter und in der Folge noch mal spannender. Galten die beiden Vorgänger-DVDs schon als absolut empfehlenswert, ist Volume 3 der bisherige Höhepunkt der nun auch endlich physisch aufgelegten Serie.

(BB)

Serie:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

RENTNERCOPS – Staffel 5

Regie: Janis Rebecca Rattenni, Dennis Satin

Label: WDR mediagroup/Release Company

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2021

Laufzeit: ca. 400 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

Die beiden eigentlich schon pensionierten Ermittler sind zurück: In den acht Folgen der fünften Staffel von „Rentnercops“ prallen wieder zwei unterschiedliche Gemüter aufeinander. Während Reinhard Bielefelder (Bill Mockridge) den lockeren Draufgänger gibt, der auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt, ist Familienmensch Klaus Schmitz (Hartmut Volle) eher verstockt. Mit aller vornehmen Zurückhaltung ist es aber auch bei Schmitz vorbei, als in der Episode „Entführt“ von zwei Gangstern Lösegeld für seine Tochter verlangt wird, die in einer mit Schaufensterpuppen vollgestellten, an „Maniac“ erinnernden Fabrikhalle festgehalten wird. Während „Der alte Fritz“ mit einem drogenschmuggelnden Rentner den Spuren von Clint Eastwoods „The Mule“ folgt und als Highlight mit einer akustisch assistierten Doppelkopf-Partie aufwartet, in der Schmitz (fast) erfolgreich sein Nicht-Können verbirgt, atmet „Doppelt gestorben hält besser“ schon mit einem Song der Toten Hosen zu Beginn anarchistische Züge und spielt auf die Besetzung des Hambacher Forsts an. Kommissarin Vicky Adam (Katja Danowski) gibt wieder die strenge Kollegin der Pensionäre, Hui Ko (Aaron Le) den Technik-Nerd, der mit Köpfchen und Logik punktet und Schmitz‘ nutzloser Schwiegersohn Jens (Nikolai Will) versucht sich mit massig Überwachungsapparatschaften, aber null kriminalistischem Sachverstand tumb als Privatdetektiv. Neben der launigen, humorvollen Inszenierung ist es einmal mehr das Ensemble, das auch die fünfte Staffel von „Rentnercops“ zu ebenso guter wie leicht verdaulicher Unterhaltung macht.

(LG)

Serie:★★★★☆

DVD:★★★☆☆

STINGRAY – Komplettbox

Regie: David Hemmings, Rob Bowman, u.a.

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1978

Laufzeit: ca. 1.160 Min.

FSK: ab 16

Extras: TV-Fassung des Pilotfilms, Teaser, Bildergalerie Ray ist ein Gerechtigkeitsfanatiker, der nicht ertragen kann, dass schier hilflose Personen Opfer von Diskriminierung, Gewalt und Erpressung werden. Mit seiner Corvette reist er durch Kalifornien und unterstützt Menschen, die vom Gesetz keine Hilfe erwarten können. Einzige Bedingung: Er erwartet für seine Dienste in der Zukunft ebenfalls eine Gefälligkeit, wenn er sie benötigen kann. Als Spezialist für Selbstverteidigung weiß er sich zu helfen – und zudem beherrscht er sein Fahrzeug wie kein zweiter. „Stingray“ gehört zu den Serienklassikern der späten 80er und wird nicht selten in einem Atemzug mit „The A-Team“ genannt. Die Gründe hierfür sind offenkundig, schließlich steckt mit Stephen J. Cannell der gleiche Ideengeber und mit Mike Post auch derselbe Soundtrack-Tüftler hinter den insgesamt 24 veröffentlichten Episoden. Die Reputation ist dennoch nicht im Ansatz so stark, was unter anderem damit zusammenhängt, dass die Storys und schließlich auch die Inszenierung deutlich stärker konstruiert wirken und die dauerhaft verwendeten Klischees hier und dort überhand nehmen. Parallelen zu „Knight Rider“ und dem besagten Quartett um Hannibal Smith sind sicherlich auch positiv zu bewerten, jedoch kann „Stingray“ mit den namhaften Originalen nur bedingt mithalten. Als Relikt des frühen Serienzeitalters ist die nun wiederholt aufgelegte Komplettbox im Rahmen der Pidax Klassiker dennoch nicht zu verachten, schließlich bekommt man hier eine Menge Material geboten. Inhaltlich fällt „Stingray“ dennoch klar ab; zuletzt auch weil Hauptdarsteller Nick Mancuso nicht über das erforderliche Charisma verfügt.

(BB)

DVD:★★★★☆

Serie:★★★☆☆

THE NORTH WATER

Regie: Andrew Haigh

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: Großbritannien 2021

Laufzeit: ca. 286 Min. FSK: ab 16

Extras: exklusive Hintergrundberichte

Patrick Sumner hat von der Zivilisation und den dort lauernden Enttäuschungen genug. Im Jahr 1859 heuert er deshalb als Schiffsarzt auf der ‚Volunteer‘ an, um seine gescheiterte Existenz für einen Moment hinter sich zu bringen und bei einer Arktis-Expedition eine neue Herausforderung zu finden. Doch der Trip ins Nordpolarmeer wird für den Intellektuellen immer mehr zum Alptraum. Die Mannschaftskameraden sind Sumner von Anfang an nicht geheuer, und als die ersten Übergriffe und schließlich auch der erste Tote an Bord die Stimmung an den Nullpunkt bringen, erkennt er, dass es bei dieser Expedition vor allem um das eigene Überleben geht. In der Ödnis des ewigen Eises spitzt sich die Situation immer weiter zu – und jeder Einzelne muss fürchten, je wieder lebendig in die britischen Heimat zurückzukehren. Die Adaption des bis dato eher unbekannten Romans „Nordwasser“ von Ian MacGuire ist ein schonungsloses Serienereignis, das von Verrohung und Brutalität in der gesellschaftlichen Unterschicht des mittleren 19. Jahrhunderts berichtet, gleichzeitig aber auch kriminalistische Elemente und einen Hauch von Abenteuer bietet. Die Story bringt zwar kein sonderlich hohes Tempo mit, doch die beklemmende Atmosphäre ist vom ersten Augenblick an extrem packend, zumal die lange Reise der ungleichen Schiffsbesatzung mit permanenten, eher unverhofften Wendungen daherkommt und schließlich auf ein ereignisreiches, ebenfalls von Überraschungen gesäumtes Finale zusteuert. Das knapp fünfstündige Event ist bereits jetzt als einer der modernen BBC-Klassiker zu bewerten und bringt bei exzellenter Bild- und Tonqualität und reichlich Bonusmaterial alles mit, was eine historische geprägte Miniserie benötigt. Ergo: Dringend empfehlenswert!

(BB)

Serie:★★★★★

Blu-ray:★★★★★