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Neue Waffen gegen Krebs


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Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 10.06.2022
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Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 2/2022

Lichtblicke In den letzten Jahren hat die Medizin große Fortschritte im Kampf gegen Krebs gemacht

Kaum eine Krankheit ist so gefürchtet wie Krebs. Wer von Fällen im Bekanntenkreis oder in der Familie hört, ist tief betroffen. Bekommt man selbst die Diagnose, sorgt dies erst recht für einen Schock. Und es ist ja auch so: Eine Tumorerkrankung kann noch immer für viele Menschen lebensbedrohlich sein. Jeder vierte Todesfall in Deutschland geht laut Daten des Statistischen Bundesamtes darauf zurück. Rund 630 Bundesbürger sterben pro Tag daran. Das sind etwa 230.000 Menschen pro Jahr.

Trotzdem ist eine Krebsdiagnose keinesfalls mit einem Todesurteil gleichzusetzen: Mehr als die Hälfte aller Patienten überleben langfristig. Auch, wenn die Prognose nicht bei jeder Tumorform ähnlich günstig ist. Zu verdanken ist dieser positive Trend vor allem den rasanten Fortschritten bei den Behandlungsmethoden.

Unterstützung für alte Bekannte

Immer mehr potenzielle Krebstherapien werden entwickelt. Die Zahl der ...

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... Einführung neuer Medikamente in der Onkologie steigt immer weiter an. Allein im Jahr 2021 entfielen 33 Prozent der gesamten Neuzulassungen von molekularen Wirkstoffen auf Kampfstoffe gegen Krebs. Trotz aller vielversprechenden Innovationen haben konventionelle Therapien wie Operation, Strahlen- und Chemotherapie noch lange nicht ausgedient. Sie kommen bei fast jeder Tumorerkrankung zum Einsatz. „Bei der Behandlung von Krebs geht es ja nicht nur darum, eine Standardtherapie – etwa die klassische Chemotherapie – durch ein modernes Verfahren zu ersetzen“, erklärt Prof. Dirk Arnold vom Asklepios Tumorzentrum in Hamburg. „Die Frage ist vielmehr: Lassen sich innovative Methoden eventuell erfolgreich zusätzlich oder frühzeitig einsetzen?“ Denn bei einer komplexen Erkrankung wie Krebs gibt es nicht die eine richtige Therapie, selbst bei gleichen Krebsarten. Das Zusammenspiel vieler verschiedener Behandlungsansätze ist der Weg zum Erfolg. Welche Therapie zu welchem Zeitpunkt zum Zuge kommt und mit welcher man beginnt, ist insbesondere von der Krebsart abhängig und davon, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

Klassische Behandlungsformen

Noch immer ist die Operation die häufigste und erfolgreichste Behandlungsart bei Krebs. Heute jedoch können viele der chirurgischen Eingriffe wesentlich schonender durchgeführt werden als noch vor wenigen Jahrzehnten. Minimalinvasive Operationstechniken zum Teil mithilfe von Roboter-Systemen zerstören weniger vom umgebenden gesunden Gewebe, wodurch die Funktionalität der Organe oft besser erhalten bleibt. Ist die komplette Entfernung des Tumors nicht möglich, werden die Krebszellen meist mit energiereicher ionisierender Strahlung zerstört. Moderne, zielgenaue Bestrahlungsmethoden erlauben dabei eine große Präzision. Gesunde Zellen erleiden so weniger Schäden. Auch die bei einer Chemotherapie verabreichten Zellgifte – die Zytostatika – greifen nicht nur den Tumor an und hemmen sein Wachstum – sie wirken halt teilweise auch auf intakte Zellen, insbesondere auf jene, die sich rasch vermehren, etwa in den Haarfollikeln. Übelkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Schleimhautentzündungen und Haarausfall sind häufige Nebenwirkungen. Jedoch gelingt es auch hier immer besser, diese zu reduzieren.

Prof. Dr. Dirk Arnold

Medizinischer Vorstand des Asklepios Tumorzentrums Hamburg und Chefarzt der Abteilung Onkologie, Hämatologie, Innere Medizin und Palliativmedizin an der Asklepios Klinik Altona in Hamburg

Zielgerichtet & individuell

HEUTE WISSEN ONKOLOGEN MEHR ÜBER ENTSTEHUNG UND MECHANISMEN VON KREBS -UND DEN BAUPLAN DER BÖSARTIGE N ZELLEN.

Tumorzellen werden markiert

Viele Nebenwirkungen der konventionellen Therapien sind darauf zurückzuführen, dass sie eben nicht nur exakt auf die kranken Zellen wirken. Das Ziel ist daher, die Behandlung noch genauer und effektiver auf den Tumor auszurichten. Das ist heute machbar. Denn inzwischen wissen Onkologen deutlich mehr über Entstehung und Mechanismen von Krebs – vor allem auf molekularbiologischer Ebene. „Nun ist es möglich, jene biologischen Veränderungen – zumeist im Erbgut – der Tumorzelle zu identifizieren, die sie von einer gesunden Zelle unterscheiden“, so Onkologe Prof. Dirk Arnold. Ein verändertes Eiweiß oder Gen zum Beispiel, das in den gesunden Zellen nicht oder kaum vorhanden ist. An diesen Merkmalen setzen die sogenannten zielgerichteten Therapien an.

Dazu gehören etwa die monoklonalen Antikörper: große Eiweißmoleküle, die im Labor maßgeschneidert auf die Krebszellen hergestellt werden und ähnlich wie die körpereigenen Antikörper des Immunsystems agieren. Sie greifen gezielt die Zellen des Tumors an, indem sie an speziellen Strukturen an der Oberf läche der Tumorzelle, den Rezeptoren, andocken. Die Krebszelle ist nun markiert und kann von Abwehrzellen des Immunsystems besser erkannt und zerstört werden. Der Antikörper kann aber auch als Blockade dienen und eine Signalübertragung unterbrechen, etwa die für eine schnelle Zellteilung. Der Tumor kann nun nicht weiterwachsen, schrumpft sogar. Monoklonale Antikörper werden inzwischen in der Krebstherapie breit eingesetzt – etwa bei Hautkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs. Da Magensäure diese biologischen Substanzen deaktiviert, werden sie per Infusion verabreicht.

Als Tablette einnehmen lässt sich eine Medikamentengruppe, die als „Small Molecules“ bezeichnet wird – etwa die Kinase-Hemmer. Diese Substanzen funktionieren ähnlich wie die monoklonalen Antikörper. Sie sind aber so klein, dass sie in die Tumorzelle eindringen und dort die Signalübertragung stören. Zwar gelangen sie auch in gesunde Zellen, finden dort aber keinen Angriffspunkt und bleiben wirkungslos. Weil sie sich eigentlich nur auf die kranken Zellen stürzen, ist bei zielgerichteten Therapien deutlich seltener mit schweren Nebenwirkungen zu rechnen. Gesundheitliche Einschränkungen können trotzdem auftreten – etwa wenn ein Signalweg gehemmt wird, der auch in gesunden Geweben eine Rolle spielt. Das kann etwa in Haut oder Schilddrüse der Fall sein.

Einen Schritt voraus

Auch bei Vorsorge und Früherkennung von Krebs gibt es Fortschritte

Flüssigbiopsie Mit dem neuen Verfahren ist es möglich, Krebs mithilfe einer Blutprobe frühzeitig sichtbar zu machen – noch bevor sich Symptome zeigen. Tumorzellen geben Zellmaterial wie DNA in den Blutkreislauf ab, das sich per Bluttest nachweisen lässt. Vorstudien haben gezeigt, dass so ein Flüssigbiopsie-Test zum Beispiel in 90 Prozent der Fälle Darmkrebs in Blutproben aufspüren kann.

DNA-Stuhltest Die Darmspiegelung gilt als die wichtigste Untersuchung, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Als weniger zuverlässige Alternative gelten Stuhltests. Dank der PCR-Technologie kann der neue ColoAlert-Stuhltest nun aber Tumor-DNA nachweisen und so sogar 85 Prozent der Darmkrebsfälle erkennen – oft in sehr frühen Stadien, wenn der Tumor noch gar nicht blutet. Ein großer Vorteil gegenüber den üblichen Blut-im-Stuhl-Tests.

Impfung gegen Krebs Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Bestimmte Stämme des HP-Virus können Krebs hervorrufen – etwa am Gebärmutterhals oder im Rachen. Seit ein paar Jahren bietet eine Impfung Schutz – allerdings nur, wenn diese vor der Infektion erfolgt, also im Kindes- und Jugendalter.

Neue Waffen fürs Immunsystem

Seit einigen Jahren steht auch die Immuntherapie zur Verfügung. Sie nutzt die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers: das Immunsystem. „Eigentlich ist unsere körpereigene Abwehr in der Lage, das Entstehen und Wachsen von Tumoren zu kontrollieren oder zu verhindern“, sagt Dirk Arnold (siehe Kasten Seite 58). Das gelingt aber nicht immer: „Denn Krebszellen können Mechanismen entwickeln, um der Kontrolle durch das Immunsystem zu entgehen“, so der Hamburger Onkologe. Sie können sich zum Beispiel tarnen und werden von den Abwehrzellen nicht mehr als bösartig erkannt.

Der Trick ist nun, das Immunsystem wieder in die Lage zu versetzen, gegen entartete Körperzellen vorzugehen. Dafür stehen verschiedene Wege zur Verfügung: etwa sogenannte Checkpoint-Hemmer. Das sind spezielle Antikörper, die die Tumorzellen für das Immunsystem wieder sichtbar machen, es stimulieren und so die Vernichtung der Krebszellen einleiten. Zum ersten Mal gelang es Ärzten damit, metastasierten schwarzen Hautkrebs, das Melanom, erfolgreich zu behandeln. Weitere Erfolge konnten bei Lungen-, Nieren- und Blasenkrebs sowie vielen weiteren Krebsarten erzielt werden. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Wirkung ähnlich wie bei einer Chemotherapie mit der Zeit nachlässt, da sich die Tumorzellen den Medikamenten anpassen.

Auch Nebenwirkungen können auftreten. Oft sind diese typisch für ein stark angeregtes Immunsystem – ähnlich einer Autoimmunerkrankung: also etwa Entzündungen der Lunge, des Darms, der Leber, der Schilddrüse oder auch der Haut.

KREBSZELLEN KÖNNEN SICH VOR DER KONTROLLE DURCHS IMMUN-SYSTEM SCHON MAL VERSTECKEN.

Altbewährt oder frisch erprobt: Immer mehr Krebstherapien können die Krankheit behandeln

Konventionelle Therapien wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie haben sich je nach Krebserkrankung als Standardmethoden bewährt. Sie gelten noch immer als die erste Wahl bei der Behandlung von Krebs.

Zielgerichtete Therapien wirken auf Krebszellen mit charakteristischen Veränderungen. Bei Zellen ohne solche Biomarker wirkt die Behandlung nicht.

Immuntherapien nutzen das körpereigene Abwehrsystem. Durch Stimulierung soll es Tumorzellen erkennen und vernichten.

Virotherapien verwenden sogenannte onkolytische Viren, die sich in Krebszellen vermehren und diese zerstören sollen.

Molekularbiologische Methoden

MIT EINER TUMOR-IMPFUNG WILL MAN DAS IMMUNSYSTEM AUF TUMOR-EIGENSCHAFTEN AUFMERKSAM MACHEN.

Die mRNA-Impfung gegen Krebs

Eine andere Möglichkeit ist die CAR-T-Zell-Therapie. „CAR“ steht für „chimärer Antigenrezeptor“. Chimär – gemischt – deshalb, weil das Eiweißmolekül des Antigenrezeptors aus Teilen zusammengefügt wird, die eigentlich nicht zusammengehören. Bei diesem aufwendigen Verfahren werden zunächst aus dem Blut des Patienten die für die Immunabwehr wichtigen T-Zellen isoliert. Die Immunzellen werden im Labor vermehrt und mithilfe von inaktiven Viren gentechnisch so verändert, dass sie den CAR selbst produzieren und auf ihrer Zelloberf läche einbauen können. Aufgrund dieser CAR-Struktur ist die T-Zelle nun in der Lage, die Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Per Infusion werden dem Patienten die auffrisierten, individuell auf ihn zugeschnittenen CAR-T-Zellen zurückgegeben. Aktuell wird die CAR-T-Zell-Therapie vor allem bei Blut- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen eingesetzt.

Nun hat sogar die Corona-Pandemie dazu beigetragen, einer weiteren immuntherapeutischen Methode zu einem hohen Bekanntheitsgrad zu verhelfen: die mRNA-Impfung. Zur Behandlung von Tumoren wird diese Technologie schon seit mehreren Jahren getestet. Dass sie nun auch erfolgreich zur Produktion eines Virus-Vakzins verwendet wird, zeigt das Potenzial der Methode. Ob Virus oder Krebs – die Funktionsweise ist prinzipiell gleich. Anders als bei der Corona-Impfung wird jedoch im Falle einer Krebserkrankung nicht der mRNA-Bauplan eines Virus-Proteins gespritzt, sondern derjenige, der für ein Protein des Tumors spezifisch ist. Die Körperzellen lesen den Plan ab, produzieren das Protein, transportieren es an die Oberf läche, wo es vom Immunsystem erkannt wird. Das kann dann Antikörper gegen das Tumorgewebe bilden. „Mit so einer Tumor-Impfung möchte man das Immunsystem gezielt auf bestimmte Tumoreigenschaften aufmerksam machen“, sagt Prof. Dirk Arnold. Der Name Krebs-Impfung ist allerdings etwas irreführend. Denn die Spritze kommt zum Einsatz, wenn die Krebsdiagnose bereits gestellt ist, und dient nicht der Krebsprävention, so wie man es von klassischen Impfstoffen etwa gegen Tetanus her kennt. „In etwa zehn Jahren könnte es aber tatsächlich sein, dass so eine Art Vorsorge-Impfung gegen die Entstehung von Krebs entwickelt werden kann“, vermutet der Onkologe. Eine Zukunftsvision, natürlich. Aber eine, die nicht völlig aus der Luft gegriffen ist und berechtigte Hoffnung macht.

Das Immunsystem in Aktion

Die körpereigene Abwehr hat dem Krebs einiges entgegenzusetzen

Erfolgreich Krebs kann entstehen, wenn Zellen sich unkontrolliert vermehren. Grund dafür sind Mutationen am Erbgut. Täglich entstehen auf diese Weise entartete Zellen im Körper. Unser Immunsystem ist aber in der Regel sehr tüchtig darin, diese zu entfernen, bevor sie zur Gefahr werden.

Raffiniert Selbst gegen wachsende Krebsgeschwüre ist das Abwehrsystem nicht machtlos. Tumorzellen setzen nämlich bestimmte Eiweißstoffe frei, sogenannte Krebs-Antigene, die die T-Zellen des Immunsystems als fremd erkennen können (siehe Grafik). Doch Krebszellen sind geschickt. Sie können lernen, sich der Aufspürung zu entziehen.

Das Immunsystem auf Trab bringen

IM FORT-GESCHRITTENEN KREBS-STADIUM KANN ES EIN THERAPIEZIEL SEIN, DEN TUMOR EINFACH UNTER KONTROLLE ZU HALTEN.

Mit Killerviren gegen Tumorzellen

Die Virotherapie stellt ebenfalls eine neue Form der Immuntherapie dar. Hier werden speziell programmierte Viren eingesetzt, die in die Tumorzellen eindringen und diese infizieren. Normalen Zellen können sie nichts anhaben. In den Krebszellen vermehren sie sich aber massenhaft und bringen sie zum Platzen. Unzählige weitere Viren werden dadurch freigesetzt, die weitere Tumorzellen befallen. Zusätzlich wird durch die Anwesenheit der Viren das Immunsystem stark aktiviert, wodurch die Krebszellen auch auf diese Weise massiv attackiert werden. Ein vielversprechender Ansatz, der auch zum Erfolg führen kann, wenn herkömmliche Behandlungsarten wie Chemotherapie, Bestrahlung oder Antikörper schon nicht mehr ansprechen.

All diese innovativen Therapiemöglichkeiten haben dazu geführt, dass Patienten heute besser und schonender behandelt werden können als noch vor wenigen Jahren. Zur Wahrheit gehört aber auch: Trotz moderner Verfahren ist eine Heilung oft nicht zu erreichen. Warum? „Die Krebszellen können zwar am Wachstum gehindert werden, aber häufig ist es nicht möglich, den Tumor vollständig zu zerstören“, gibt Krebsmediziner Dirk Arnold zu bedenken. „Gerade in fortgeschrittenen Krebsstadien kann es daher ein wichtiges Therapieziel sein, den Tumor lediglich unter Kontrolle zu halten und in eine chronische Krankheit überzuführen – ähnlich wie Diabetes oder Herzinsuffizienz“, so der Onkologe.

Die Krebserkrankung wird quasi in eine Art Winterschlaf geschickt, ohne dass sie komplett verschwindet. Dadurch besteht für viele Patienten die Aussicht auf deutlich längere Überlebenszeiten, während sie ohne größere Einschränkungen ihren Alltag bewältigen können. Irgendwann stirbt der Patient womöglich im hohen Alter an natürlicher Schwäche oder einer völlig anderen Krankheit.

Zwar ist in Zukunft damit zu rechnen, dass auch die Heilungsraten noch weiter steigen werden, die besten Überlebenschancen bietet aber noch immer die Früherkennung des Tumors. Zum Glück gibt es heute schon eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen, die bösartige Zellen im Frühstadium aufspüren können (siehe auch Kasten Seite 57). Dazu gehören die Mammografie oder der Ultraschall der Brust, die Darmspiegelung, das Abtasten der Prostata oder ein Gebärmutterhals-Abstrich. Leider empfinden manche diese Untersuchungen als umständlich oder unangenehm und nutzen diese Angebote noch zu selten. Doch auch hier dürfen Patienten auf neue, effektivere und sanftere Methoden hoffen.

ALEXANDER WEIS

@ onmeda.de/krebs-psyche Hier finden Sie wertvolle Hinweise zu psychologischer Hilfe bei Krebs