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Perle an der Ostsee


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daheim - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 15.10.2022

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Artikelbild für den Artikel "Perle an der Ostsee" aus der Ausgabe 6/2022 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 6/2022

Auf Hel ist der Strand nie weit. Die schmale Halbinsel liegt am nordwestlichen Rand der Danziger Bucht

Aus der Vogelperspektive ragt sie wie ein gekrümmter Finger ins Meer: die polnische Halbinsel Hel mit ihren malerischen, feinsandigen Stränden und Seebädern. An manchen Stellen ist sie so schmal, dass nur 200 Meter die meerwärts gerichtete Küste von den Stränden trennen, die dem Festland zugewandt sind.

Hel markiert den nordwestlichen Rand der gut 100 Kilometer langen Danziger Bucht – Teil von Polens Ostseeküste. Sie verläuft im Halbkreis bis zur Frischen Nehrung nahe der russischen Grenze bei Kaliningrad. Die Polen nennen Hel, das eine lange Hansetradition hat, liebevoll ihre Ostseeperle. Aber auch für die Natur ist die 34 Kilometer lange Landzunge ein Juwel: Meeresenten und zahlreiche weitere Zugvögel nutzen Dünen, Tümpel und Salzmoore dort als Überwinterungsgebiete.

Daran dürfen sich die Menschen gern ein Beispiel nehmen, denn an der Danziger Bucht lässt es sich selbst in der kühlen ...

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... Jahreshälfte richtig gut aushalten. Am Strand, der dem offenen Meer trotzt, schlagen die Wellen hoch. Windzerzauste Kiefern säumen die Dünen, von denen sich eine fast 13 Meter in die Höhe bäumt. Sie heißt Libek, nach dem Schiff „Lübeck“, das im 17. Jahrhundert vor Hel versank.

„Die Blechtrommel“ von Günter Grass spielt in Danzig

Bucht: idealer Naturhafen für Seehandel und Strandtage

Hinter dem Dünenwäldchen liegen die Orte der Halbinsel. Jastarnia zum Beispiel mit dem rot-weißen Leuchtturm, urgemütlichen Fischerkaten und der kleinen Dorfkirche, deren Kanzel die Form eines Fischerboots hat. Am Strand ruhen alte Holzkähne, von denen die Farbe blättert. Daneben haben Surfschulen eröffnet. Das Fischerdorf wandelt sich zum Ferienort. „Im Sommer haben wir viele Urlauber hier“, berichtet die Verkäuferin der Bäckerei am Bahnhof, wo es leckeren Karamellringkuchen gibt. „Um diese Jahreszeit sind wir aber wieder unter uns.“

Im Herbst fegt der Wind den Sand durch die leeren Straßen. Die Jachten am Hafen sind aufgebockt. Nur die robusten Fischkutter und ihre nicht weniger zähen Besatzungen fahren weiter raus. Auch hartgesottene Sportler wagen sich aufs Wasser: Am Strandabschnitt Augustyna springen zwei Kitesurfer über die Wellen.

In den Sommermonaten bevölkern Hunderte dieser Lenkdrachen den Himmel über Hel, „aber jetzt macht das genauso Spaß“, erzählt einer der beiden, er heißt Rafał. Gegen das eisige Wasser schützt sein Neoprenanzug, dessen dessen 6-Millimeter-Stoff dicker als Delfinhaut ist. Die Bucht sei für ihren Sport ideal, sagt Rafał. „Wegen der langen Strände und weil das Wasser so niedrig ist.“

Während der Kaltzeiten hatten Gletschereismassen Täler in die Ostseeküste geschnitten. Die wurden später vom steigenden Meer überspült. So entstanden die Buchten. Die geringe Wassertiefe von sechs bis 100 Meter und der Schutz vor hohen Wellen durch die Hel-Landzunge machen die Danziger Bucht zum idealen Naturhafen. Schon vor mehr als 1000 Jahren bauten die Menschen dort Schiffe und trieben Seehandel.

Wer von Hel aufs Festland übersetzt und gegen den Uhrzeigersinn die Bucht entlangreist, passiert ruhige Straßen, alte Lindenalleen, einen Küstenlandschaftspark und die Fischersiedlung Puck. Die hieß einst Putzig, denn die Region gehörte in ihrer wechselvollen Vergangenheit auch einmal zu Preußen und dem Deutschen Reich, ehe sie nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen fiel.

Danzig: größte gotische Backsteinkirche der Welt

Weiter südlich ist die Bucht dichter besiedelt. Dort befindet sich die Hafenstadt Gdynia mit ihren gewaltigen Containerschiffen, den Bauhausbauten rund um den Bahnhof und den Stadtstränden, zwischen denen eine beeindruckende Steilküste aufragt – Kulisse vieler polnischer Liebesfilme. Ein Spaziergang am Strand führt bis Sopot. In Polens größtem Seebad mit Casino, Pferderennbahn und Bäderarchitektur zeigt die Bucht ihre mondäne Seite.

Gdynia und Sopot bilden mit dem benachbarten Danzig (polnisch Gdańsk) die sogenannte Dreistadt. Eine halbe Million Menschen leben in der Hansestadt, die der Bucht ihren Namen gab. Die Danziger Lebensader ist die Langgasse im Rechtstadt-Viertel mit den prachtvollen Renaissance- und Barockhäusern. Diese Residenzen mit den farbenfrohen Anstrichen, steinernen Löwen und verspielten Giebeln ließen Danzigs Patrizier im 16. und 17. Jahrhundert von Baumeistern aus Flandern und Italien errichten.

1. Stadt.Bernsteingoldene Schokoladenseite von Danzig mit dem Frauentor an den Ufern der Mottlau.

2.Natur.Insel Sobieszewska an der Danziger Bucht: Dort gibt es ruhige Strände und Naturschutzgebiete, in denen man Zugvögel und Seehunde beobachten kann.

3.Geschichte.Das Westerplatte-Denkmal erinnert an die Verteidigung der Küste durch polnische Soldaten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs

Doch Danzig ist mehr als Fassade. Die Stadt wurde mehrfach zum Schauplatz europäischer Stern- und Schicksalsstunden und erzählt anschaulich davon. Im alten Stadthafen am Ufer der Mottlau können Besucher ins Innere des Krantors steigen. Mit dem Holzbauwerk wurden im Mittelalter die Schiffe entladen. Mitte des 15. Jahrhunderts stieg Danzig zum Handelszentrum der Ostsee auf. Aus jener Blütezeit stammt auch die Marienkirche, die größte gotische Backsteinkirche der Welt.

Von einem dunklen Kapitel kündet eine unscheinbare Halbinsel gegenüber dem Hafen von Danzig. Ihr Name: Westerplatte. Dort betrieb die polnische Armee ein Munitionsdepot, auf das ein deutsches Schiff am 1. September 1939 feuerte und damit den Zweiten Weltkrieg in Europa auslöste. Die Gefechte um die damals noch Freie Stadt Danzig hat Günter Grass, Sohn der Stadt, in seinem Meisterwerk „Die Blechtrommel“ literarisch verarbeitet.

Werftgelände: Arbeiter, Ateliers und hippe Cafés

Nach dem Krieg teilte der eiserne Vorhang Europa in zwei Hälften. Dass dieser eines Tages fiel, auch daran hat Danzig seinen Anteil. Das lässt sich auf dem Werftgelände erfahren, wo Arbeiter auch heute zu ihrer Schicht strömen und nebenan, in ausgedienten Werftbauten und Frachtcontainern, hippe Cafés und Ateliers eingezogen sind. Vor den Werftkränen steht ein rostroter Bau in Gestalt eines Schiffsrumpfs: das Europäische Zentrum der Solidarität. Die Ausstellung führt zunächst an Stempeluhren, Spinden und Schutzhelmen aus den 1970er-Jahren vorbei, als hier alle zwei Wochen ein Schiff vom Stapel lief. „Damals arbeiteten 17 000 Menschen auf der Werft“, sagt eine Museumsmitarbeiterin, „das war eine eigene Stadt.“

Im Sommer 1980, nach der Entlassung einer Kranführerin, die sich für Arbeitsrechte eingesetzt hatte, kam es in der Werft zum Streik, der rasch zur Revolution anschwoll. In ganz Polen demonstrierten die Menschen für bessere Arbeitsbedingungen und Freiheit. Im November 1980 war die freie Gewerkschaft Solidarność (Solidarität) auf zehn Millionen Mitglieder angewachsen. Dem Vorbild folgten weitere Ostblockstaaten – der Anfang vom Ende des Kalten Kriegs. Im Museum zeigen Bildschirme die jubelnden Massen.

Wer sich nach so viel Geschichte wieder nach frischer Meeresluft sehnt, sollte von Danzig weiter Richtung Osten reisen, wo unter anderem die wildromantischen Wanderreservate um das Weichseldelta warten. An sandigen Ufern kann man Muscheln, Federn seltener Vogelarten und – mit etwas Glück – sogar Bernstein finden. Einzigartige Andenken an eine einzigartige Bucht.

TIPPS FÜR DIE REGION

DIE REGION

Die Danziger Bucht verläuft als halbkreisförmiger, 105 Kilometer langer Küstenabschnitt von der Halbinsel Hel bis zur Frischen Nehrung. An der polnischen Ostseebucht leben 1,1 Millionen Menschen, die meisten in Danzig, Sopot und Gdynia. Die Mündung der Weichsel ist ein wichtiges Habitat für seltene Vogelarten.

ANREISE

Direktflüge nach Danzig gibt es unter anderem ab München, Köln-Bonn und Hamburg. Die Bahnfahrt von Berlin nach Danzig dauert gut 5,5 Stunden. Auch Flixbus führt Danzig- Fahrten durch.

ÜBERNACHTEN

Das DanzigerHotelHanzabesticht mit einmaliger Altstadtlage: Vor dem Gebäude fließt die malerische Mottlau, sein direkter Nachbar ist das berühmte Krantor. Zum Frühstück gibt es unter anderem polnischen Räucherfisch (DZ ab 60 €). Das WellnesshotelBryzaauf Hel hat Zimmer mit Meerblick und den Strand vor der Tür (DZ ab 150 €).

bryza.pl/en

ESSEN & TRINKEN

Danzigs Jugend liebt die Piroggen- ManufakturPierogarniaMandu,die Polens Nationalgericht modern und kreativ interpretiert. Es füllt die Teigtaschen zum Beispiel mit Tofu, Lachscreme oder Erdnussbutter. Nach einem Strandspaziergang auf Hel lädt das Lokal Kutterim Örtchen Hel zur Einkehr. Ein Tipp ist die Fischplatte für zwei Personen mit Hering, Dorsch und Flunder.

kutter.pl

KASCHUBISCHE SCHWEIZ

Die hügelige Landschaft voller Seen, Kanäle und Wälder liegt 40 Kilometer südwestlich von Danzig und ist ein schönes Wander- und Erholungsgebiet. Die Region pflegt ihre kaschubischen Traditionen mit Trachten und eigener Sprache. Das Freilichtmuseum Wdzydze erzählt vom Leben in den Dörfern und der Volkskunst der Kaschuben.

SEEBAD

Wer an Sopots Strand und dann weiter durch die Stadt spaziert, kommt an Bäderarchitektur-Villen, einer 500 Meter langen Seebrücke, einer Pferderennbahn direkt am Meer, einer Opernbühne im Wald, einer slawischen Holzburg und weiteren Sehenswürdigkeiten mit Seltenheitswert vorbei.

ORŁOWO-PIER

Ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur unter Hobbyfotografen ist der 180 Meter lange, weiß lackierte Holzpier, der am Kliff in Orłowo über die Ostseewellen führt. Er liegt auf halbem Weg zwischen Gdynia und Sopot und lässt sich von diesen Orten aus zu Fuß, aber auch mit der Regionalbahn Polregio, die entlang der Bucht fährt, erreichen. Die Haltestelle heißt Gdynia-Orłowo.

AUSWANDERERMUSEUM

Rund 20 Millionen Menschen mit polnischer Herkunft sollen in aller Welt leben. Viele ihrer Vorfahren bestiegen einst einen der Ozeandampfer im Hafen von Gdynia. Das dort neu errichtete Museum der Emigration zeichnet diese Aufbrüche in interaktiver und faszinierender Weise nach.

KONTAKT:Danzig Tourist Info ul. Długi Targ 28/29; Tel. 00 48/58/ 3 01 43 55;visitgdansk.com/de