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PERSÖNLICHE BERATUNG VOM AMT


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#H4F - homes4future - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 04.06.2022

#interview

Artikelbild für den Artikel "PERSÖNLICHE BERATUNG VOM AMT" aus der Ausgabe 3/2022 von #H4F - homes4future. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: #H4F - homes4future, Ausgabe 3/2022

Michael Christ ist Ingenieur der Energietechnik und Energie- und Klimaschutzmanager der Gemeinde Dettingen unter der Teck. Er berichtet über seine Erfahrungen auch auf Twitter unter @MichaChrist

1 Herr Christ, einfache Frage an den Experten für Klimaschutz und Energiewende: Wie schaffen wir es, dass unsere Gebäude möglichst schnell möglichst klimaneutral werden?

Diese Frage betrifft mich als Energie- und Klimaschutzmanager einer Gemeinde im urbanen Speckgürtel tatsächlich ganz direkt – übrigens der kleinsten Gemeinde im Landkreis Esslingen, die ein eigenes Klimaschutz-Management hat. Doch natürlich kann ich darauf keine ganz einfache Antwort geben.

Meine Stelle wurde als Teil des Klimaschutzkonzepts im Landkreis Esslingen geschaffen, das sich mit diesen Fragen auseinandersetzt. Die Gemeinde Dettingen kam im Rahmen des Konzepts zu dem Schluss, dass neben Aktivitäten im Landkreis wie einer zentralen Klimaschutz-Agentur auch jemand mit Sachverstand vor Ort tätig sein sollte.

So ist meine Stelle entstanden. Ich sitze nun bei allen Entscheidungen in der Kommune mit am Tisch und bewerte ...

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... die energetischen und klimarelevanten Aspekte aller Projekte. Und da kann ich nur sagen: Jedes Bauwerk ist anders, jedes Gebäude muss individuell betrachtet und bewertet werden. Klimaneutral werden wir nicht sofort. Wir brauchen einen Plan, den wir Schritt für Schritt umsetzen.

2 Betrifft Ihre Arbeit vor allem öffentliche Projekte oder sind Sie auch für private Bauvorhaben und Bauinteressenten zuständig?

Natürlich ist es meine Aufgabe, die kommunalen Liegenschaften in Dettingen energetisch und in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit zu beurteilen und zu optimieren. Aber die kommunale Planung in Sachen Klimaschutz betrifft auch alle privaten Aktivitäten. Ein ganz aktuelles Beispiel: Nachdem wir hinsichtlich Innenentwicklung die meisten Flächen ausgereizt haben, ergänzen wir ein bestehendes Wohngebiet nach außen. Aufgrund der Abwasserleitung konnte dieses Baugebiet bisher nicht erschlossen werden. Das ändert sich gerade, weil ein neuer Abwassersammler gebaut wird.

Dies nehmen wir zum Anlass, um zu prüfen, inwiefern wir die Ein- und Mehrfamilienhäuser mit Nahwärme aus dem neuen Abwassersammler versorgen können. Bei diesem Energiekonzept geht es dann auch darum, ob wir im Neubaugebiet überhaupt noch Gasleitungen verlegen und welche Einzelheizungen wir ermöglichen.

In Baden-Württemberg sind größere Städte verpflichtet, einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen, der eine klimaneutrale Wärmeversorgung in der ganzen Stadt zum Ziel hat. Wir machen das freiwillig. Weil zum Beispiel der Abwassersammler auch durch andere Kommunen führt, machen wir die Wärmeplanung gemeinsam mit zwei umliegenden Gemeinden.

Welche Möglichkeiten haben Baufamilien, die in so einem Baugebiet ein eigenes Haus bauen?

Im Prinzip können auch Einfamilienhäuser an ein solches Wärmenetz angeschlossen werden, dabei gestaltet sich nur die Nutzung des Stroms von deren Dächern schwieriger – nicht technisch, sondern wegen der Vorgaben des Strommarktes. Die machen es durch die anfallenden Umlagen und Netzentgelte praktisch unmöglich, dezentral erzeugten Strom von einzelnen Häusern direkt im Quartier für eine gemeinsame Wärmeversorgung zu nutzen. Neue, gut gedämmte Einfamilienhäuser lassen sich deshalb bislang über eigene Wärmepumpen zusammen mit einer PV-Anlage auf dem Dach gut beheizen. Aber auch das kann sich absehbar ändern, sodass dann solche Quartierlösungen auch für Einfamilienhäuser und andere kleinere Einheiten attraktiver werden. Der kommunale Wärmeplan schafft hier Planungssicherheit.

Als Kommune kann man aber auch bei den Bauvorhaben etwas für den Klimaschutz tun. Dettingen macht beispielsweise bereits im Bebauungsplan Vorgaben für ökologisches Bauen, etwa mit einer Ausrichtung der Gebäude zur Sonne, um Solaranlagen effektiver nutzen zu können, oder unterstützt mit einer Spezialförderung.

„Die allermeisten Menschen wollen klimafreundlich bauen.“

4 Und wie gut machen Baufamilien nach Ihrer Erfahrung beim klimafreundlichen Bauen mit – auch etwa bei Sanierungen?

Meine Erfahrung ist, dass das Verständnis bei den allermeisten Menschen da ist und ein großes Interesse am klimafreundlichen Bauen herrscht. Allerdings ist die Umsetzung vielen Menschen zu komplex. Eine Anekdote dazu aus der Zeit, bevor es meine Stelle gab: Die Gemeinde Dettingen hatte vor einiger Zeit eine Prämie für besonders klimafreundliches Bauen ausgelobt. Niemand hat sich dafür beworben. Das bedeutet für mich umgekehrt: Egal ob bei Neubau oder Sanierung, Dämmung, Heizung oder Photovoltaik, wichtig ist eine möglichst frühe, persönliche und individuelle Beratung vor Ort.

5 Was können Sie dabei bieten, was etwa Heizungs- oder Elektrofachbetriebe nicht können?

Es geht zunächst einmal um eine neutrale, unabhängige und natürlich auf die Energiewende bezogene Erstberatung. Wichtig ist mir, dass ich auf die Sorgen und Wünsche eingehe. Mein Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, aus den vielen Alternativen das Beste für sich selbst und für das Klima auswählen zu können.

Dafür habe ich neben meinen kommunalen Aufgaben feste Beratungstermine für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet. An einem Beratungstag pro Monat biete ich jeweils fünf bis sechs Zeitfenster an, in denen ich für Bügerinnen und Bürger zur Verfügung stehe, die bauen oder sanieren wollen. Außerdem reserviere ich jede Woche Zeit für eine Heizungs- und Klimaschutzberatung bei Interessenten vor Ort. Alle Termine sind für mehrere Monate im Voraus ausgebucht.

6 Sie sind allerdings kein zertifizierter Energieberater und können auch selbst keine Lösungen anbieten. Wie tief können Sie dabei gehen und wie geht es dann weiter?

Meine Beratungen gehen zunächst einmal darauf ein, was hier am Ort möglich ist, was gefördert wird und welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt. Ich leite die Leute dann je nach Bedarf zu Energieberatern und Fachbetrieben in der Gegend weiter. Für die Förderung bei der Sanierung, ist ja ohnehin ein Energieberater notwendig, der bei der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) zugelassen ist.

Bei mir geht es eher darum, Berührungsängste abzubauen und auch mal zu zeigen, was in vergleichbaren Bauvorhaben bereits umgesetzt wurde.

7 Gerade auf dem Land kann man ja bisweilen Orte mit sehr vielen PV-Dächern beobachten und direkt daneben Orte, in denen kaum ein Dach die Kraft der Sonne nutzt. Wie ist das bei Ihnen im Ort?

Da ist wirklich was dran, denn auch Nachbarschaftshilfe und Mund-zu-Mund-Propaganda sind sehr wichtig. Ich beobachte bei uns schon fast so etwas wie einen Kipppunkt – im positiven Sinne. Denn rings um Häuser, in denen ich die Besitzer von der Umstellung von Gas auf Photovoltaik und Wärmepumpe überzeugen konnte, werden teils auch ohne eine individuelle Beratung nach und nach weitere Solardächer installiert.

Und im Prinzip kann ja auch jeder leicht nachrechnen, dass sich eine PV-Anlage auf praktisch jedem unverschatteten Dach lohnt.

8 In Dettingen scheint das ganz gut zu klappen. Aber Sie können natürlich nicht überall sein. Was raten Sie Hausbesitzern in anderen Orten und was empfehlen Sie Städten und Gemeinden, um ihre Gebäudebestände möglichst rasch und gut klimaneutral zu machen?

Die Basis für jede Kommune sollte eine Bestandsanalyse sein: Wie gut ist es um unsere Gebäude bestellt? Danach prüft man mögliche Maßnahmen und erstellt einen Sanierungsfahrplan, den man schrittweise abarbeitet.

Das gleiche Vorgehen rate ich auch den Häuslebesitzern. Diese nehmen am besten eine Energieberatung in Anspruch, die unabhängig ist und die das Gebäude ganzheitlich betrachtet. Die Klimaschutzagenturen vermitteln gerne kompetente Energieberatungen. Hören Sie sich grundsätzlich immer mindestens zwei Meinungen an.

Das kann dann ein Architekt oder auch ein Heizungsbauer sein, der Systemlösungen anbietet.

Holen Sie immer mindestens zwei Angebote ein und fragen Sie Ihre Nachbarn, welche Erfahrungen sie mit der Technik und mit Handwerkern gemacht haben.

Kundige und kompetente Fachbetriebe gelten häufig als Flaschenhals für die Umsetzung klimafreundlicher Heizungen. Gibt es in Ihrer Gegend genügend Handwerker, die beispielsweise PV-Anlagen und Wärmepumpen planen und installieren?

Eigentlich ja. Die Nachfrage ist in den letzten Monaten aber erheblich gestiegen. Die Betriebe arbeiten gerade an ihrem Limit. Wenn wir mit der kommunalen Wärmeplanung zeigen, dass sich zum Beispiel auch Erdwärmesonden lohnen, werden sich die Firmen darauf einstellen können. Generell fehlt es gerade an Handwerkern. Ohne die gelingt uns kein Klimaschutz. Die Politik muss hier schnell Anreize schaffen, damit mehr junge Menschen ein Klimahandwerk beginnen.

Vielen Dank für das Gespräch!