Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

POWER TO THE PEOPLE


Logo von Lebensart
Lebensart - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 20.06.2022

BEATE STEINER

Artikelbild für den Artikel "POWER TO THE PEOPLE" aus der Ausgabe 3/2022 von Lebensart. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Der Strom kommt aus der Steckdose – klar. Aber wer ihn erzeugt, das möchten immer mehr Menschen selbst bestimmen. Weil sie zur Energiewende beitragen oder unabhängiger von Energieversorgern und hohen Kosten sein wollen. Auch ein gewisses Gefühl der Sicherheit und Autonomie (Stichwort Blackout) spielt eine Rolle. Die alternative, eigene, auch staatlich geförderte Stromerzeugung macht für viele Verbraucher*innen Sinn.

Grundsätzlich gibt es zwei gängige Varianten, um fürs Einfamilienhaus oder die Wohnung selbst Strom zu erzeugen: Photovoltaik (PV) und Windräder.

DIE KRAFT DER SONNE NUTZEN: PHOTOVOLTAIK

Solarzellen verwandeln die Energie aus den Sonnenstrahlen in Strom: Positive Teilchen in den Siliziumkristallen der Solarzellen werden von den negativen getrennt. Dadurch entsteht Strom. Je mehr Sonne strahlt und je größer die Fläche der Paneele, desto mehr Strom kann erzeugt werden. Dieser ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lebensart. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Der Strom des Lebens. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Der Strom des Lebens
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von IM GESPRÄCH. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
IM GESPRÄCH
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von LESER*INNENFRAGE: VOM HEFT 2/2022. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESER*INNENFRAGE: VOM HEFT 2/2022
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
LESER*INNENFRAGE: VOM HEFT 2/2022
Vorheriger Artikel
LESER*INNENFRAGE: VOM HEFT 2/2022
GRÖSSTER DESIGN-RELAUNCH IN DER GESCHICHTE DER MARKE FROSCH
Nächster Artikel
GRÖSSTER DESIGN-RELAUNCH IN DER GESCHICHTE DER MARKE FROSCH
Mehr Lesetipps

... Strom wird entweder sofort im Haushalt verbraucht, in einer Batterie gespeichert oder ins Stromnetz eingespeist.

Kleine Photovoltaik-Anlagen bis zu einer Leistung von 800 Watt unterscheiden sich technisch gesehen nicht wesentlich von großen PV-Anlagen. Sie müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden, auch wenn kein Strom ins Netz fließt.

Im Jahr 2020 waren in Österreich Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 2.043 Megawatt installiert. Die Photovoltaik-Leistung im Land steigt seit Jahren stetig, auch weil Sonnenstrom stark gefördert und die Anschaffung einer PV-Anlage immer günstiger wird. Eine Solaranlage für ein Einfamilienhaus kostet zwischen 5.000 und 15.000 Euro und amortisiert sich nach rund zehn Jahren bei einer Lebensdauer von etwa 30 Jahren.

10.000KWH STROM KANN EINE ZEHN-KILOWATT WINDKRAFTANLAGE PRO JAHR AN GUTEN STANDORTEN ERZEUGEN

DIE KRAFT DES WINDES NUTZEN: WINDRÄDER

Wenn von Windenergie die Rede ist, sind meist Großanlagen ab einer Leistung von 100 Kilowatt (kW) gemeint. Von Kleinwindkraft spricht man bis zu einer Leistungsklasse von 20 kW und einer Turmhöhe von bis zu 30 Metern. Private Kleinwindkraftanlagen haben meist fünf Kilowatt, sind bis 15 Meter hoch und dienen der dezentralen Stromversorgung von privaten Haushalten, landwirtschaftlichen Betrieben und Kleinbetrieben. Sie können am Dach von Gebäuden oder auf kleineren Freiflächen errichtet werden, brauchen allerdings schon etwas Platz: „Ein Windrad muss ungefähr eineinhalbmal so hoch hinaus wie das höchste Bauwerk oder der höchste Baum in der Umgebung“, erklärt Martin Jaksch-Fliegenschnee von der IG Windkraft.

Kleine Windräder funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die großen: Der Wind treibt das Rad an und dieses einen Generator, der Strom erzeugt. Wie viel Strom erzeugt wird, ist abhängig vom jeweiligen Standort. An sehr guten Standorten kann zum Beispiel eine Zehn-Kilowatt-Anlage pro Jahr rund 10.000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen – mehr als doppelt so viel wie eine vierköpfigen Familie in Österreich durchschnittlich pro Jahr verbraucht (4.000 kWh).

UND WAS IST MIT DER HEIZUNG?

Strom selbst zu erzeugen, ist eine Sache – im Wohnraum braucht es aber auch Wärme. „Raus aus Gas“ ist für viele Wohnungsbesitzer*innen dabei genauso Thema wie die Versorgungssicherheit. Auf was Sie achten müssen, wenn Sie in Ihrer Wohnung eine Holzheizung einbauen wollen, lesen Sie unter www.lebensart.at/holz-statt-gas

„Wichtig vor der Errichtung einer Windkraftanlage ist eine Windmessung“, betont Jaksch-Fliegenschnee. Auch, wenn man das Gefühl hat, dass rund ums Haus dauernd der Wind weht. „Die persönliche Wahrnehmung des Windes ist rein subjektiv“, so Jaksch-Fliegenschnee. „Besser, man investiert im Vorfeld mehr Zeit, als sich später über einen ‚falschen‘ Standort zu ärgern.“

Derzeit gibt es rund 350 kleine Windräder in Österreich. „Die Nachfrage ist wegen der hohen Energiepreise sehr groß“, weiß Jaksch-Fliegenschnee. Die Kosten für eine private Windkraftanlage sind allerdings relativ hoch: Für eine Fünf-Kilowatt-Anlage muss man mit etwa 5.000 Euro pro Kilowattstunde Nennleistung rechnen – die Anlage kostet also rund 25.000 Euro. „Photovoltaik ist günstiger, das Windrad ist dafür eine gute Ergänzung im Winter, wo der Stromverbrauch auch deutlich höher ist“, erklärt Jaksch-Fliegenschnee. Als Ergänzung zu Solarstrom-Anlagen gibt es kleine Windräder und Turbinen um rund 3.000 Euro, die auf dem Dach montiert werden und auch in der Nacht und bei Schlechtwetter Strom erzeugen – die modernsten schon lautlos und ohne Vögel zu gefährden. Informationen und eine Checkliste für die Errichtung eines eigenen Windrades finden Sie auf www.kleinewindkraft.at.

Volkswirtschaftlich ist es natürlich sinnvoller, in größeren Einheiten zu denken, als sich selbst sein Windrad aufzustellen, sagt Martin Jaksch-Fliegenschnee: „Ein großes Windrad erzeugt tausendmal mehr Strom als ein kleines – wir sollten in Regionen denken.“

LOKALE GEMEINSAME LÖSUNGEN SPAREN AUCH KOSTEN

Welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, den selbst erzeugten Strom dem Nachbarn zukommen zu lassen? Schon im Vorjahr wurden die rechtlichen Grundlagen für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften geschaffen.

Im Jahr 2020 waren in Österreich Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 2.043 Megawatt installiert – das entspricht etwa zwei Kernkraftwerken. Foto: unsplash/Marcus Ganahl

Ein großes Windrad erzeugt tausendmal mehr Strom als ein kleines – wir sollten in Regionen denken.

Durch diese ist es erstmals möglich, selbst erzeugten, aber ungenutzten Strom innerhalb der Gemeinschaft zu verteilen. Diese Energie wird dann ins allgemeine Netz geleitet und kann von den Mitgliedern der Energiegemeinschaft günstig genutzt werden. Denn die regionalen Stromerzeuger und -abnehmer können den Strompreis individuell vereinbaren.

Als Stromabnehmer*in spart man auf jeden Fall: Bis zu 60 Prozent der Netzkosten entfallen, weil weite Teile des Stromnetzes nicht benötigt und belastet werden. Je näher die Energiegemeinschaft zusammenliegt, desto niedriger sind die Netzkosten.

Außerdem streicht der Gesetzgeber die Energieabgabe für diesen Gemeinschaftsstrom. Da Netzkosten und Abgaben einen beträchtlichen Teil der Stromkosten ausmachen, kann so Strom aus der Nachbarschaft günstiger eingekauft werden.

SPEICHERN VON SELBST ERZEUGTER ENERGIE

Als Speicher in privaten Haushalten sind Lithium-Ionen-Batterien beliebt – klassische Tag-Nacht-Speicher, Sommer-Sonnenstrom für den Winter speichern ist damit nicht möglich. „Darüber hinaus kann die Speicherung auch in Form von Warmwasser oder durch Laden eines E-Autos erfolgen“, weiß Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu). Speicher sind im Regelfall notstromfähig ausgeführt, können das Haus bei Stromausfall also weiterhin mit Strom versorgen. Sie sind allerdings kostenintensiv und rechnen sich finanziell meist nicht, erklären die Expert*innen der eNu. Bei den bisherigen Stromkosten zahlte man dem Stromanbieter pro Kilowattstunde 15 Cent und bekam für die Überschusseinspeisung 5 Cent. Daher erspart ein Stromspeicher 10 Cent pro Kilowattstunde. Wenn ein Speicher 5.000 Vollladezyklen hält, sind das 500 Euro Ersparnis über die Lebensdauer pro Kilowattstunde Speichergröße. Ein Speicher kostet allerdings 1.000 Euro und mehr.

ORIGINELLE IDEEN FÜR ALTERNATIVE STROMERZEUGUNG

In der Photovoltaik-Technologie gibt es eine Vielzahl von teils originellen Innovationen, wie Parkplatz-PV, schwimmende PV, Dachziegel, PV-Asphalt oder Abschattungssysteme. „Diese sind in aller Regel aufgrund der Stromerzeugung noch nicht konkurrenzfähig mit Standardprodukten“, sagt Greisberger. Sie können jedoch durch einen Mehrfachnutzen wie zum Beispiel durch die Verwendung versiegelter Flächen sehr sinnvoll sein. ←

LINKS

Neueste Erkenntnisse über Kleinwindräder, wie Stromertrag, Leistungsdaten, Betriebseigenschaften und Windgeschwindigkeit, finden Sie im Energieforschungspark Lichtenegg-Pesendorf: www.energieforschungspark.at

BEISPIELE:

DER SOLARZAUN

Beim Solarzaun wird eine hocheffiziente Solarzelle in einen Zaun integriert. Sie kann von beiden Seiten Strom erzeugen – der Wirkungsgrad liegt auf der Vorderseite bei 90 Prozent, auf der Rückseite bei 85 Prozent. Die Stromproduktion läuft auch auf der nicht beschienenen Seite. Fünf Laufmeter Zaun entsprechen etwa einem Kilowatt-Peak (kWp) und liefern rund 1.000 Kilowattstunden im Jahr. Kosten pro kWp inklusive Installation: 1.100 bis 1.800 Euro.

www.next2sun.com

DER SUNCURTAIN

Der Lamellenvorhang besteht aus flexiblen, organischen Photovoltaikelementen (OPV), die pro Quadratmeter zwischen 30 und 40 Watt Strom erzeugen. Die semitransparenten Elemente reduzieren die Sonneneinstrahlung um 40 Prozent, lassen aber genügend „kaltes“ Licht durch, um den Raum ausreichend zu erhellen. www.suncurtain.solar

DAS STECKER-SOLARGERÄT

Mini-Solaranlagen sind kleine Photovoltaiksysteme, die zum Beispiel an der Balkonbrüstung angebracht werden. Sie haben eine Leistung von bis zu 600 Watt und können einfach an die Steckdose angeschlossen werden – der Strom wird direkt verbraucht. Weil Strom aus Kleinsterzeugungsanlagen für die Abdeckung des Eigenbedarfs vorgesehen ist, braucht es keinen Stromabnahmevertrag. Überschuss kann zwar ins öffentliche Netz eingespeist werden, eine Abgeltung ist aber nicht vorgesehen. Ein Standardsolarmodul mit 300 Watt Leistung, das verschattungsfrei an einem Südbalkon montiert wird, liefert etwa 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine in einem Haushalt mit zwei Personen. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 28 Cent bringt das eine jährliche Ersparnis von rund 56 Euro. Ein Stecker-Solargerät mit Standard-Modul kostet rund 350 bis 500 Euro. Es dauert also sechs bis neun Jahre, bis sich die Anschaffung bezahlt macht. Dabei können Solarmodule 20 Jahre und länger Strom produzieren und pro Jahr den CO2-Ausstoß um 154 Kilogramm verringern, verglichen mit Stromerzeugung mittels Erdgas. →

DIE DROHNE

Kleine, mobile Windkraftwerke bestehen aus einer Basisstation mit Generator, der über eine Leine mit einer Drohne verbunden ist. Trägt der Wind die Drohne in die Luft, wickelt sich die Leine von einer Spule im Generator ab, der die Bewegung in Strom umwandelt. Das Schweizer Unternehmen www.twingtec.ch entwickelt diese spezielle Technologie.

DIE MINITURBINE

Grünen Strom für unterwegs erzeugt die Miniturbine WaterLily. Sie muss nur in einen Fluss oder Bach gehalten werden. Mit einem zusätzlichen Element kann sie auch Windenergie nutzen. Bei einer Fließgeschwindigkeit von einem Stundenkilometer oder einer Windgeschwindigkeit von 36 km/h kann zum Beispiel ein Smartphone aufgeladen werden. Auch Fahrtwind vom Radeln kann mit der Miniturbine in Strom umgewandelt werden. Die WaterLily kostet rund 200 Euro, das WindLily-Upgrade rund 100 Euro. www.waterlilyturbine.com

DIE FITNESS-FAHRRÄDER

Tritt man beim „Hans Free Electric Bike“ in die Pedale, treibt dies einen Generator an, der einen Zwölf-Volt-Akku auflädt. Die so gespeicherte Energie lässt sich flexibel nutzen. Die Räder kosten zwischen 200 und 250 Euro. Erfinder ist der indischstämmige Milliardär Manoj Barghava, der damit Menschen in Entwicklungsländern unterstützen will. www.billionsinchange.in/en/solutions/free-electric-2

Wer hingegen schon ein Fahrrad hat, kann dieses auch in den Ökotrainer spannen – ein durchtrainierter Mensch kann damit dauerhaft 80 Watt, kurzfristig bis 1.000 Watt erzeugen und so angebotene Zubehörteile wie Wasserkocher, LED-Lampen, eine Music-Box oder mit Spannungswandler und Wechselrichter auch eigene Geräte betreiben. Gemeinsam ist er aber besonders stark: Zehn zusammengeschaltete Geräte lassen im Fahrradkino einen Film über die Leinwand laufen und kleine Jahrmarkt-Spiele vermitteln den Wert von Energie. Der Ökotrainer ohne Zubehör kostet 390 Euro und kann auch gemietet werden. www.oekotrainer.de

DIE BODENPLATTEN

Dreieckige Module werden zu einer beliebigen Fläche zusammengesteckt und ausgelegt. Bei jedem Schritt geben die Bodenfliesen etwa fünf Millimeter nach. Dadurch beginnt eine elektromagnetische Spule zu rotieren und erzeugt Strom – pro Interaktion rund fünf Watt. Die Energie kann gespeichert oder sofort genutzt werden, um interaktive Beleuchtung, Bildschirme oder Handy-Ladestationen zu versorgen – pro Schritt leuchtet eine LED-Lampe etwa 30 Sekunden. Die Platten wurden schon in zahlreichen Städten auf öffentlichen Plätzen verlegt. Die Kosten: ab 1.700 Euro pro Quadratmeter. www.pavegen.com