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REZENSIONEN


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Legacy - epaper ⋅ Ausgabe 140/2022 vom 16.09.2022
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Bildquelle: Legacy, Ausgabe 140/2022

AMBULANCE

AMBULANCE

Regie: Michael Bay

Label: Universal

Land/Herstellungsjahr: USA 2022

Laufzeit: ca. 136 Min.

FSK: ab 16

Extras: Bays kreatives Chaos, Vollgas, Luftangriff, Krankenwagen-Ambiente, Welthauptstadt der Verfolgungsjagden, Eine Hommage an Rettungshelfer

Ein Krankenwagen, zwei Bankräuber, eine Sanitäterin, ein angeschossener Polizist und die Stadt Los Angeles: Damit zaubert Michael Bay einen mitreißenden sowie verblüffend klassischen und humanistischen Verfolgungsjagd-Actionfilm. Es ist immer noch schwer, einem gewissen Teil des Publikums zu erklären, dass Bay ein begnadeter Regisseur, ein entfesselter Bilder-Ekstatiker, ein expressionistischer visueller Erzähler ist – und ein Filmemacher, der über die dunklen Seiten des Lebens im zeitgenössischen Amerika recht viel zu sagen hat. In „Ambulance“ trifft sein exzessiver und doch sehr kontrollierter Regiestil auf einen reduzierten, ultraklassischen ...

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... Genre-Stoff. Trotz der hohen Schnittfrequenz und der spektakulären Drohnen-Kamerafahrten, die Tempo, Tempo und noch mehr Tempo machen, erinnert „Ambulance“ eher an das Beste des urbanen US-Thrillers der 1970er und 1980er Jahre als an seelenloses Blockbuster-Kino des 21. Jahrhunderts. In der Figurenzeichnung der zwei kriminellen Brüder und der Sanitäterin als harte, und doch moralisch zweifelnde Professionals, die in einer Extremsituation agieren, reagieren und schwere Entscheidungen treffen, weht fast ein Hauch Hawks’scher Klassizismus durch diesen visuell durch und durch Bay’schen Film. (DL)

Film: ★★★★★

Blu-ray: ★★★★★

DAS TURBOGEILE GUMMIBOOT

Regie: Robert Butler

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1984

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: ab 12

Extras: Trailer, Musikvideo

Schon der Titel „Das turbogeile Gummiboot“ lässt nicht viel Tiefgang aber oberflächliches Niveau erahnen. College-Boys und -Girls nehmen an einem Schlauchbootrennen teil, bei dem kuriose Dinge geschehen und einige Teams mit unfairen Mitteln spielen. Es werden viele Klischees und Stereotypen bedient. Ein Team besteht aus reichen, überheblichen Schönlingen, eins aus aufgetakelten Damen, eins aus den Protagonisten, die laut College-Direktor das unterste Ende der Studenten widerspiegeln. Und dann gibt es noch die verbissene Army-Mannschaft, die eher Schiffe-Versenken spielt. Das DVD-Cover stellt exakt all das dar, was man erwarten kann – bis hin zu nackten Brüsten und Gummipuppe. Es handelt sich um einen Film, der mit allen Mitteln lustig und übertrieben sein möchte, und das wurde geschafft. Dabei ist er allerdings auch sehr vorhersehbar und zieht manches zu sehr in die Länge – Stichwort: der Wunderhund, der pantomimisch erklärt, wo sich ein Team-Mitglied befindet. Ton- und Bildqualität sind aber recht gut. Wenn man als Zuschauer nicht allzu viel und tief über das Gezeigte nachdenkt, kann es recht unterhaltsam sein. Kopfschütteln und Facepalms kann man allerdings nicht komplett verhindern. (ABK)

Film: ★★★★★

Blu-ray: ★★★★★

DIE KONSEQUENZ

Regie: Wolfgang Petersen

Label: EuroVideo

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 1977

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: ab 12

Extras: 16-seitiges Booklet

Bis heute wird der Fernsehfilm des damals weitgehend unbekannten Wolfgang Petersen dadurch überschattet, dass man in Bayern die TV-Ausstrahlung der ARD blockierte. Doch „Die Konsequenz“ ist nicht nur ein Skandalfilm, sondern auch ein erstklassiges Drama. Die Geschichte dreht sich um den 16-jährigen Thomas (Ernst Hannawald), einen sensiblen Jungen, der sich fürs Lernen begeistert und gern weiter zur Schule gehen möchte. Doch sein strenger Vater verlangt von ihm, mit der Schule aufzuhören und eine Lehre als Einzelhandelskaufmann zu beginnen. Durch einen Zufall lernt er den inhaftierten Schauspieler Martin (Jürgen Prochnow) kennen. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Da Martin kurz darauf entlassen wird, beschließen sie, zusammen zu ziehen und sich ein gemeinsames Leben aufzubauen, in dem Thomas seine verhasste Ausbildung abbricht. Sein Vater ist davon alles andere als begeistert und lässt ihn in eine Erziehungsanstalt einweisen. Dort zerbricht der sensible Junge schließlich. Während Petersen in späteren Filmen oft zu Überdramatisierungen neigt, nimmt er sich hier vollkommen zurück und konzentriert sich völlig auf das erstklassige Spiel seiner beiden Hauptdarsteller. Ein Film, der berührt und einen so schnell nicht loslässt. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

DRIVE MY CAR

Regie: Ryūsuke Hamaguchi

Label: Rapid Eye Movies

Land/Herstellungsjahr: Japan 2021

Laufzeit: ca. 179 Min.

FSK: ab 12

Extras: Trailer, japanische Audiospur

Der in sich gekehrte Theaterregisseur Yusuke Kafuku (Hidetoshi Nishijima) erhält die Diagnose, dass er an einer unheilbaren Augenkrankheit leide. Zu seinem körperlichen Leiden gesellt sich ein seelisches: Seine (untreue) Ehefrau und Drehbuchautorin Oto (Reika Kirishima) stirbt nach einer Hirnblutung plötzlich. Zusammen arbeiteten sie an einer Umsetzung von Anton Tschechows „Onkel Wanja“, die nun auf einem Theaterfestival in Hiroshima aufgeführt werden soll. Kafuku bekommt für die Fahrten vom Hotel zum Theater – so will es ein Reglement – eine Fahrerin für seinen Saab 900 zugeteilt. Nach anfänglicher Skepsis an seiner Chauffeurin, der jungen Tôko Miura (Misaki Watari), erkennen die beiden, dass sie mit ähnlichen seelischen Wunden zu kämpfen haben ... Die Oscar-prämierte Verfilmung einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami taucht tief ein in den Alltag der beiden Protagonisten, zeigt Leseproben – in denen Kafukus einstiger, in der Titelrolle besetzter Nebenbuhler Kōji Takatsuki sich extrovertiert deutlich hervortut – ebenso detailreich wie die gemeinsamen Autofahrten der beiden in sich gekehrten, gebrochenen Menschen, die sich einander nur langsam öffnen. Lange Einstellungen gehen einher mit (beinahe) komplettem Verzicht auf Musik. Regisseur Ryūsuke Hamaguchi setzt in seinem enorm ruhig erzählten Drama mit unprätentiösem Realismuskonzept buchstäblich auf zwischenmenschliche Töne, die in ihrer Subtilität eine umso stärkere Wirkung entfalten – wenn man sich denn darauf einlassen kann. (LG)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

JA UFF ERSTMAL ... WINNETOU UNTER COMEDY-GEIERN

Regie: Klaus-Dieter Fröhlich

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2000

Laufzeit: ca. 355 Min.

FSK: ab 6

Extras: Making-Of

Bei Namen wie Herbert Knebel, Jürgen von der Lippe und Rüdiger Hoffmann denkt man an vieles, aber sicherlich nicht an Winnetou und Old Shatterhand. Außer beim WDR. Hier beschloss man im Jahr 2000 das Who‘s who der deutschen Comedy-Szene für seine große Winnetou-Nacht zusammenzubringen. In der parallel im Fernsehen und im Radio ausgestrahlten Lesung schlüpfen die Comedians in die Rollen der berühmten Figuren von Karl May. Anhand der Besetzung und des Titels „Ja uff erstmal ... Winnetou unter Comedy-Geiern“ dürften viele nun eine alberne Parodie erwarten. Doch tatsächlich ist die Lesung eine werkgetreue Neuvertonung des legendären Winnetou-Hörspiels von 1956. Die Komik entsteht eher daraus, dass man die Comedians beobachtet, wie sie mit viel Spaß bei der Sache sind, herumalbern und trashige Verkleidungen tragen. Neben den zahlreichen Komikern ist Mel Kutbay natürlich das große Highlight. Der Wahlmünchner gilt als bester Geräuschemacher Europas, und das zeigt er hier eindringlich, indem er live mit einfachen Mitteln alle möglichen Geräusche imitiert. Fans von Karl Mays Romanen sollten hier unbedingt zugreifen. Und nicht nur die. Wer schon immer einmal sehen wollte, wie Hörspiele gemacht werden, erhält hier einen wunderbaren Einblick. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

ES IST NUR EINE PHASE, HASE

Label: Majestic

Regie: Florian Gallenberger

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2021

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: ab 12

Extras: Interviews, Hinter den Kulissen, 90er-Quiz

Drei Kinder, eine schöne Wohnung und ein ereignisreiches Leben – auf den ersten Blick scheinen Emilia und Paul ein glückliches Paar zu sein. Doch hinter der Fassade kriselt es gewaltig. Pauls letzter großer Erfolg als Schriftsteller liegt 20 Jahre zurück, Emilia hat nie den großen Durchbruch als Schauspielerin geschafft, und die Beziehung besteht aus Routine. Davon gelangweilt, beschließt Emilia, aus dem Gleichklang auszubrechen, und schläft mit dem deutlich jüngeren Ruben. Paul ist zwar bereit, seiner Frau zu verzeihen, doch die will mehr und verlangt, dass er aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Bald merkt sie jedoch, dass sie sich nach etwas anderem sehnt ... Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller schufen Regisseur Florian Gallenberger und sein Co-Autor Malte Welding eine typische deutsche Komödie. Statt dem tragisch-komischen Buch gerecht zu werden, pressen die beiden die intelligente Geschichte leider in das stereotype, am Reißbrett geplante Schema F samt der üblichen klischeehaften Figuren und typischen Albernheiten. Und auch vor der Kamera ging man kein Wagnis ein. Hier finden sich die üblichen Verdächtigen um Christiane Paul, Christoph Maria Herbst und Jürgen Vogel, die ihre angestammten Rollen spielen. Muss man nicht gesehen haben. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

FIRESTARTER

Regie: Keith Thomas

Label: Universal

Land/Herstellungsjahr: USA 2022

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: ab 16

Extras: alternatives Ende, erweiterte Szenen, Audiokommentar

Andy (Zac Efron) und seine Frau Vicky (Sydney Lemmon) haben in ihrer Jugend an wissenschaftlichen Experimenten teilgenommen, wodurch ihre Tochter Charlie (Ryan Kiera Armstrong) übernatürliche Kräfte entwickelt hat. Als sie langsam ins Teenageralter kommt, hat sie ihre pyrokinetische Begabung immer weniger unter Kontrolle, sodass es in der Schule zu einem Zwischenfall kommt. Die Behörden werden auf sie aufmerksam und setzen den ebenfalls übernatürlich begabten Agenten Rainbird (Michael Greyeyes) darauf an, die flüchtige Familie zu finden ... Zugegeben: Wirklich neue Impulse vermag das Remake von „Der Feuerteufel“ (1984), in dem die neunjährige Drew Barrymore noch eine Schneise der Verwüstung hinterließ, im Vergleich zum Original nicht zu bieten. Doch die Produktionsfirma Blumhouse Productions bleibt ihrem Credo treu, solide Genreware preisgünstig, aber effektvoll auf die Leinwand zu bringen: Gerade einmal zwölf Millionen US-Dollar gingen für „Firestarter“ wortwörtlich in Rauch auf – und ein Großteil davon beim großen Finale, wenn Charlie ihren Vater aus den Katakomben einer dubiosen Organisation befreit. Gerade dabei hört man deutlich die Beteiligung von Grusel-Altmeister John Carpenter („Halloween“) heraus, der den Retro-Score mit druckvollen Synthie- und Bass-Stafetten anreicherte, die stetig Tempo aufnehmen. Apropos Reminiszenzen an die guten alten 80er Jahre: Auch Kurtwood Smith, der etwa in „RoboCop“ den Bösewicht gab, ist in einer kleinen Rolle alt gealterter Mediziner zu sehen. (LG)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

FREE RAINER – DEIN FERNSEHER LÜGT

Regie: Hans Weingartner

Label: Turbine

Land/Herstellungsjahr: Deutschland/Österreich 2007

Laufzeit: ca. 124 Min.

FSK: ab 12

Extras: Audiokommentare, Interviews, entfallene Szenen, Outtakes, Teaser, Trailer, Fotogalerie, Making-Of

Rainer Kedner (Moritz Bleibtreu) ist Fernsehproduzent. Und das nicht etwa im Kulturbereich, sondern für Talkshows, Seifenopern, trashige Spielshows und einseitige Reportagen. Eines Tages wird er Opfer eines Mordversuchs, den er jedoch einigermaßen gut übersteht. Als er den Grund erfährt, warum er sterben sollte, ist er schwer bestürzt: Durch eine seiner polemischen Reportagen trieb er einen Mann in den Selbstmord. Dessen verzweifelte Enkelin Pegah (Elsa Sophie Gambard) wusste sich nicht anders zu helfen. Nun beginnt Rainer, sich und sein Tun zu hinterfragen. Schnell kommt er zur Erkenntnis, dass seine Produktionen für mediale Volksverblödung sorgen. Das will er nun ändern, aber dafür muss er die Macht der Einschaltquote brechen. Gemeinsam mit Pegah entwendet er ein Quoten-Messgerät und entführt einen Mitarbeiter (Milan Peschel) der Quotenmessung. Ihr Ziel: Die Quote zugunsten hochwertiger Inhalte zu manipulieren. Doch dafür brauche sie Hilfe und Geld ... Billiger Trash verkauft sich besser als anspruchsvolle Inhalte, was zunehmend für Desinformation und Verblödung sorgt. Auch wenn die TV-Quoten heute in Zeiten von YouTube, TikTok und Konsorten nicht mehr den Stellenwert haben wie vor 15 Jahren, ist die Botschaft zweifellos immer noch so aktuell wie damals. Leider hat „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ darüber hinaus nicht viel mehr zu bieten als Albernheiten, Stereotype und 08/15-Klischees. Da helfen auch die vielen Extras nichts. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

LICORICE PIZZA

Regie: Paul Thomas Anderson

Label: Universal Pictures

Land/Herstellungsjahr: USA 2021

Laufzeit: ca. 133 Min.

FSK: ab 12

Extras: Kameratests, zusätzliche Szenen, Hinter den Kulissen

Der 15-jährige Gary verliebt sich in die 25-jährige Alana. Den Annäherungsversuchen des Jungen begegnet Alana zunächst abwesend, doch bald entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Zu all dem Gefühlswirrwarr, dem sich mit der Zeit nicht nur Cooper ausgesetzt fühlt, gesellen sich bald auch unterschiedliche Handlungsstränge, die vor allem den ambitionierten Zielen Coopers zu verdanken sind. So ist er nicht nur Jungschauspieler, sondern auch Unternehmer. Bald wird ihm ein vielversprechendes Geschäft angeboten, das den Verkauf von Wasserbetten vorsieht und ihn letztlich auch Zugang zum Filmgeschäft beschert – die Konsequenzen jedoch sind anders als gedacht … Regisseur Paul Thomas Anderson hat mit seinem Film „Licorice Pizza“ – umgangssprachlich für eine Vinylschallplatte – einen erneut überaus eigenartigen Film produziert. Die Geschichte um den 15-jährigen (!) Unternehmer ist tatsächlich sehr speziell und unwahrscheinlich. Obwohl nun also eine skurrile Geschichte erzählt wird, die so gar keinen Sinn ergeben mag, erfährt „Licorice Pizza“ allumfassend positive Kritiken. Was also macht den Film so besonders? Zum einen ist es das Flair der 70er Jahre, sowie die wunderbare und ebenso unwahrscheinliche Liebesbeziehung zwischen den Protagonisten, die in doppelter Hinsicht verloren gehen müssen, sowohl in der verrückten Geschichte als auch in der nicht minder eigenartigen Liebesbeziehung, in der sie einander anziehen und abstoßen. Gerade diese Beziehung wird von diesen jungen Talenten Alana Haim und Cooper Hoffman auf wunderbare Weise verkörpert, sodass der Film am Ende nur überzeugen kann. Eben wieder ein verrücktes Meisterwerk. (IS)

Film: ★★★★★

Blu-ray: ★★★★★

LIEBER THOMAS

Regie: Andreas Kleinert

Label: EuroVideo

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2021

Laufzeit: ca. 150 Min.

FSK: ab 16

Extras: „Wer war Thomas Brasch“, „Die Vision des Films“, „Der Künstler, der Rastlose, der Mann“, „Schuch ist Brasch“, „Das Erbe“, „Die Familie“, „Hinter den Kulissen“, Originaltrailer, Hörfilmfassung

Horst Brasch (Jörg Schüttauf) brennt für die noch junge DDR, doch sein Sohn Thomas (Albrecht Schuch) passt nicht ins System. Er protestiert gegen die Regierung und träumt davon, eines Tages als Autor Erfolg zu haben … In sieben Kapiteln zeichnet Regisseur Andreas Kleinert im Biopic „Lieber Thomas“ mit pittoresken Schwarzweißbildern das Leben des Dichters, Schriftstellers und Filmemachers Thomas Brasch nach, wenngleich das Filmdrama nicht einfach eine nacherzählte Biografie ist, sondern sich in erster Linie auf geradezu poetische Weise mit dem Innenleben eines unangepassten Künstlers befasst, der in einer autoritären Epoche für ein freies Leben kämpft. Mit voller Hingabe verkörpert Hauptdarsteller Albrecht Schuch den Rebellen mit all seinen unterschiedlichen Wesenszügen und wechselnden Verfassungen. Die übrige Besetzung brilliert ebenso, darunter Schauspielerin Jella Haase in der Rolle der jungen Katharina Thalbach oder Jörg Schüttauf als Thomas‘ Vater. EuroVideo hat „Lieber Thomas“ mit ansprechender Bild- und Tonqualität auf DVD im Keep Case herausgebracht; das Bonusmaterial umfasst neben dem Kinotrailer insgesamt sieben Featurettes, deren Gesamtlaufzeit allerdings nur 15 Minuten beträgt. (SWO)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

MEIN VATER, DIE WURST

Regie: Anouk Fortunier

Label: Lighthouse

Land/Herstellungsjahr: Deutschland/Belgien 2021

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: ab 0

Extras: Trailer

Auf den ersten Blick ist Familie Schutijzer eine Bilderbuchfamilie. Mutter Véronique (Hilde De Baerdemaeker) hat einen verantwortungsvollen Posten in der familieneigenen Pralinenfabrik und verhandelt dafür überall auf der Welt, Vater Paul (Johan Heldenbergh) hat einen hohen Posten bei einer Bank, und nun hat die fünfköpfige Familie auch noch ein großes Haus gekauft. Hinter der Fassade bröckelt es allerdings gewaltig, denn Paul ist ziemlich unglücklich in seinem Job und zunehmend auch mit seiner Ehe. Bei der Arbeit hat er plötzlich eine Erkenntnis: Er will raus aus dem Hamsterrad, raus aus dem verhassten Job, – er will Schauspieler werden. Doch allein schafft er das nicht, und so begleitet ihn Nesthäkchen Zoë zu den Vorsprechen. Die leidet in ihrer neuen Schule gerade unter dem Mobbing ihrer Mitschülerinnen, daher kommen ihr ein paar schulfreie Tage gerade recht. Und dann bekommt Paul tatsächlich eine Rolle angeboten, als vegane Wurst in einem TV-Spot. Als Véronique erfährt, dass ihr Mann eine Wurst ist und ihre Tochter drei Wochen nicht in der Schule war, steht die gemeinsame Ehe auf dem Spiel ... Die Botschaft, seinem Traum zu folgen ist natürlich nicht neu. Und so wandelt die Produktion mitsamt ihren Protagisten spürbar auf bekannten Pfaden, bis schließlich das voraussehbare Happyend eintrifft. Schlecht ist Anouk Fortuniers Film dadurch allerdings noch lange nicht, denn „Mein Vater, die Wurst“ bietet liebenswerte Figuren, ein paar durchaus gelungene Lacher und überzeugt durch eine kreative Inszenierung. Kein Meisterwerk, aber ein unterhaltsamer Film für zwischendurch. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

NORTH HOLLYWOOD

Regie: Mikey Alfred Label: EuroVideo

Land/Herstellungsjahr: USA 2021

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: ab 16

Extras: Trailer

Back to the Nineties: Michael (Ryder McLaughlin) lebt gemeinsam mit seinem Vater Oliver (Vince Vaughn) in bescheidenen Verhältnissen am Standrand von Los Angeles. Die meiste Zeit hängt Michael in Skatepark im Norden Hollywoods mit seinen Kumpels Jay (Nico Hiraga) und Adolf (Aramis Hudson) ab. Oliver wünscht sich, dass es sein Sohn einmal besser hat, und will daher unbedingt, dass er aufs College geht, doch Michael interessiert sich nicht dafür: Er will Profi-Skater werden. Als er eine Gruppe Profi-Skater kennenlernt, die ihn in ihre Clique aufnehmen, scheint sein Wunsch wahr zu werden, doch dafür bricht er zunehmend den Kontakt zu seinem Vater und zu seinen Freunden ab ... Am Anfang nimmt sich der Film von Mikey Alfred viel Zeit, das Fundament seiner Geschichte zu legen. Dabei gelingt es ihm ausgezeichnet, das Erwachsenwerden mit all seiner Zerstreutheit und den vielen Baustellen perfekt abzubilden, ohne dabei langatmig oder oberflächlich zu sein. Abgerundet wird „North Hollywood“ durch sein wunderbares Nineties-Flair und die erstklassig in Szene gesetzten Skate-Stunts, die Hauptdarsteller Ryder McLaughlin alle selbst ausführte. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

PARALLELE MÜTTER

Regie: Pedro Almdóvar

Label: Studiocanal

Land/Herstellungsjahr: Spanien 2021

Laufzeit: ca. 123 Min.

FSK: ab 6

Extras: Featurettes zu Make-up und Kostümen, der Ausstattung, Kamera und Ton, Produktion und Regie, Kinotrailer

Durchkomponierte Interieurs in kräftigen Farben, starke Frauenfiguren und ein idealisierter Blick auf Mutterschaft sind so etwas wie die Markenzeichen von Pedro Almodóvar. In „Parallele Mütter“ ist Penélope Cruz die gefragte Fotografin Janis, die bei einem Shooting Arturo (Israel Elejalde) kennenlernt. Nach einem Schäferstündchen wird Janis schwanger. Kurz vor der Geburt lernt sie im Krankenhaus die werdende Teenager-Mutter Ana (Milena Smit) kennen. Die beiden Frauen wollen in Kontakt bleiben. Doch da wissen sie noch nicht, wie eng ihre Leben durch ihre Kinder miteinander verflochten sein werden ... In der ersten Filmhälfte bietet „Parallele Mütter“ zwei bittere, zugleich aber arg konstruierte Wendungen zum Thema Mutterschaft. Doch Almodóvar, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, nimmt sich den daraus entspinnenden Konflikten unerwartet einfühlsam, ernsthaft und mit Mut zur Ruhe stilsicher an und verdichtet diese zu einer Geschichte über Solidarität unter Frauen. „Parallele Mütter“ kann dabei weniger als Beziehungs-, denn als Generationendrama verstanden werden: Immer wieder ist die Rede von der Aufarbeitung der Morde unter dem Franco-Regime, immer wieder spielen Altersunterschiede und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eine große Rolle in den vielen durchaus tiefsinnigen Dialogen. Dieser Spagat zwischen Geschichte und (eigener) Geschichtlichkeit wirkt manchmal bemüht und gelingt nicht immer, verleiht „Parallele Mütter“ aber eine zusätzliche Bedeutungsebene – und lenkt den Fokus auf ein dunkles, längst vergessenes Kapitel spanischer Geschichte. (LG)

Film: ★★★★★

Blu-ray: ★★★★★

THE BATMAN

Regie: Matt Reeves

Label: Warner

Land/Herstellungsjahr: USA 2022

Laufzeit: ca. 176 Min.

FSK: ab 12

Extras: zehn Featurettes, Deleted Scenes (mit Regie-Kommentar)

Nachdem bereits Spider-Man verkörpert von drei verschiedenen Darstellern in drei grundverschieden ausgelegten Reihen über die Leinwand flimmerte, zog nun auch der Milliardär im Fledermauskostüm nach. Die schlicht „The Batman“ betitelte Neu-Interpretation von Regisseur Matt Reeves („Planet der Affen: Revolution“) zeigt wahrlich einen „dunklen Ritter“, der zu Nirvanas ‚Something In The Way‘ durch die nächtlichen Häuserkaskaden Gotham Citys jagt. Depressiven Menschen ist diese zum Teil von einem düsteren Voice Over unterlegten Hatz im nächtlichen Grau, dem nur durch Straßenlaternen orangene Farbtupfer vergönnt sind, wahrlich nicht zu empfehlen. Und mehr als der stets nach Vergeltung gierende Emo Bruce Wayne (wortwörtlich blass: Robert Pattinson) liegen die Sympathien eher beim Riddler (wie immer durchgeknallt: Paul Dano), der mit eigentümlich-vertrackten Mitteln seit Jahren kursierende Korruption offen legt, an der auch Bruces Vater nicht ganz unbeteiligt ist ... Wie schon „Joker“ ist auch an „The Batman“ erstaunlich wenig, was an eine Comicvorlage erinnern würde – inklusive des Farbenspektrums und der eigentlichen Bildqualität. Deutliche Nachzieheffekte, Krieseln bei Dunkelgrau und starke Unschärfen an den Bildrändern vermiesen bei der Blu-ray teilweise arg das Filmvergnügen – die Bitrate ist bei fettem 7.1-Sound und einer Filmlaufzeit von knapp drei Stunden scheinbar arg im Keller. Und diese Länge bekommt dem visuell zumindest erst einmal originellen „The Batman“ auch nur bedingt: Abgesehen von einer wahrlich hitzigen Verfolgungsjagd mit dem Pinguin (dem neben sehr vielen anderen Extras auf einer Bonus-Disc auch ein Stunt-Making-Of gewidmet ist) und der letzten halben Stunde regiert leises, kombinierendes Gesäusel – was den an sich recht überschaubaren Plot auch nicht komplexer geraten lässt. Wahrlich ein Batman, der mit gemischten Gefühlen zurücklasst. (LG)

Film: ★★★★★

Blu-ray: ★★★★★

POKEMON – DER FILM: GEHEIMNISSE DES DSCHUNGELS

Regie: Tetsuo Yajima

Label: Polyband Anime

Land/Herstellungsjahr: Japan 2020

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: ab 6

Extras: keine

Der Name „Pokemon“ ist so ziemlich jedem ein Begriff, ob in Spielen oder Animes. „Geheimnisse des Dschungels“ zeigt nun eine Art Interpretation des „Dschungelbuch“ oder „Tarzan“: Der Menschenjunge Koko wird im Dschungel von Tieren, hier Pokemon, speziell ein Zarude, gefunden und aufgezogen. In diesem Film spielt ein Forscherteam eine große Rolle, das nach einer heilenden Quelle sucht und Koko zu kennen scheint. Schnell wird aber klar, dass nicht alle Personen, die sich sympathisch darstellen, ebenso nette Pläne haben. Koko ist dabei Bindemittel zwischen Pokemon und Menschen, die den Konflikt nur gemeinsam lösen können. Der Film zeigt vieles speziell aus Kokos Perspektive. So sind nur die Zarudes, bei denen Koko aufgewachsen ist, und die Menschen verständlich und normal synchronisiert. Alle anderen Pokemon, von Mirapla aus der ersten Generation bis zu Urgl aus der achten Generation, sprechen weiterhin nur ihren Namen. Insgesamt ist die Synchronisation gut, trotz Ashs neuerer Stimme. Konstante in den Verfilmungen sind über die Jahre und auch hier Ash und Pikachu sowie Team Rocket mit Mauzi und Woingenau. Der Film ist aber auch für Neueinsteiger gut verständlich und spannend. Er bleibt dabei im typischen bunten Pokemon-Stil. (ABK)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

TAGUNDNACHTGLEICHE

Regie: Lena Knauss

Label: Farbfilm Verleih/Lighthouse

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2020

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: ab 12

Extras: Kurzfilm „M wie Martha“, Outtakes, diverse Trailer

Der Eigenbrötler Alexander (Thomas Niehaus) lebt ein freudloses Leben als Fahrradmechaniker und hat ab und an Sex mit seiner Vermieterin, welche die Bar nebenan betreibt. Eine gemeinsame Liebesnacht mit der ihm gegenüber wohnenden Varietékünstler Paula (Aenne Schwarz) ändert sein Leben, allerdings anders als geglaubt: Sie nimmt sich bei einem Autounfall das Leben – und Alexander teilt die Trauer um das kurze Glück mit Paulas Schwester Marlene (Sarah Hostettler). Beide kommen sich näher, doch Marlene merkt bald, dass Alexander Paula nicht so nahe war, wie er behauptet ... Regisseurin und Drehbuchautorin Lena Knauss findet in dem Beziehungsdrama „Tagundnachtgleiche“ irgendwo zwischen schwermütiger Melancholie und reigenhafter Leichtigkeit einen ganz eigenen, ungeahnt düsteren und dabei sehr körperlichen Stil. Dabei prallt die kraftvolle Klassik einer von Marlene im Radio moderierten Sendung auf die zunehmend surrealen Tagträume von Alexander – auch wenn durch dieses Schweben zwischen Gemütszuständen die Geschichte immer wieder abzudriften und ihren roten Faden zu verlieren droht. Faszinierend ist „Tagundnachtgleiche“ durch seine beiden starken Hauptdarsteller dennoch. Dass Lena Knauss ebenso unkonventionelle wie unverbraucht erzählte Liebesgeschichten liegen, beweist sie im Bonusfilm „M wie Martha“, in dem sie von einer abrupt endenden lesbischen Beziehung erzählt. (LG)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

THE NORTHMAN

Regie: Robert Eggers

Label: Universal

Land/Herstellungsjahr: GB/USA 2022

Laufzeit: ca. 131 Min.

FSK: ab 16,

Extras: Featurettes, erweiterte und unveröffentlichte Szenen Audiokommentar

Robert Eggers ist nicht gerade bekannt dafür, seine Filme auf den Mainstream auszurichten. „The Witch“ und „Der Leuchtturm“ scherten sich in ihrer Eigenwilligkeit wenig um erzählerische Konventionen. Das Wikinger-Epos „The Northman“ bildet keine Ausnahme. Auch wenn es mit einem Budget von circa 60 Millionen US-Dollar ungleich bombastischer daherkommt, ist Eggers nach wie vor sein Stilwille anzusehen. Der anfängliche Überfall auf ein Dorf ist durch die bewegliche Kamera und hervorragende Choreografie meisterhaft; die Naturaufnahmen von Island sowie Bilder im Schein lodernder Flammen und fahlen Mondlicht atmen ebenso eine unbändige archaische Kraft wie die druckvolle, nur selten verstummende Folklore-Musikkulisse. Das passt zur Story: Nachdem Aurvandils Vater (Ethan Hawke) von seinem Halbbruder Fjölnir (Claes Bang) ermordet und seine Mutter (Nicole Kidman) von ihm geraubt wurde, schwört er Rache. Nach Jahren im Krieg erfährt er Fjölnirs Aufenthaltsort und gelangt – inzwischen erwachsen – als Sklave zu ihm. Da Rache aber bekanntlich süß ist, heckt er zusammen mit der widerspenstigen Sklavin Olga (Anya Taylor-Joy) einen teuflischen Plan aus ... Robert Eggers verfällt dabei nie in Kitsch oder falsche Weichzeichnerei: Seine Figuren sind Unsympathen, Männer und Frauen von niederen Instinkten getrieben, schroff, vom Leben gezeichnet. Dabei schreckt Eggers in THE NORTHMAN auch vor der Darstellung nordischer Mythologien nicht zurück und nimmt Hexerei und Schamanentum ernst – so wie sie auch für seine Charaktere wahr und wirklich sind. Leider ist die Bildqualität der DVD eine große Enttäuschung: Artefakte zieren großflächig nahezu jede dunkle Einstellung (und davon gibt es viele). Dafür ist das Bonusmaterial solide. (LG)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

WALPURGISNACHT: DAS MÄDCHEN UND DER TOD

Regie: Hans Steinbichler

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: Deutschland 2019

Laufzeit: ca. 178 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine

Der zweiteilige Film vom ZDF erzählt vom Mord eines Mädchens aus der BRD bei Schierke in der DDR. Kommissare aus beiden Teilen Deutschlands müssen zusammenarbeiten, um den Fall aufzuklären. Klingt nach einem normalen Krimi. Allerdings kommen schon im ersten Teil immer mehr psychische Elemente hinzu. Weitere tote Mädchen werden gefunden, und bei jeder Leiche taucht ein kleiner Hexenbesen auf. Ein junger Fotograf, der recht aufreizende Bilder von Frauen macht, scheint mit allen in Verbindung zu stehen. Je weiter die Story voranschreitet, desto mehr Mysterien kommen aber dazu. Die deutsch-deutsche Geschichte und deren Politik spielen mit hinein. Außerdem wird die BRD-Kommissarin immer mehr in den Fall verstrickt. Die Schauspielerin leistet dabei tolle Arbeit, Empathie und Angst zu vermitteln. Die Mitarbeit der Regisseure von „Dark“ wird zudem in der atmosphärischen Darstellung sehr deutlich. Auch die Wahl von beklemmendem 80er-Jahre-Electro-Pop verstärkt das angespannte Gefühl beim Schauen. Das Ende hat dann noch einmal einen hervorragenden Plottwist als Auflösung, der weder lang im Voraus vorhersehbar noch zu weit hergeholt ist. So wird der Spannungsbogen noch einmal hochgezogen. Anschauen lohnt sich auf jeden Fall. (ABK)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

SERIEN

AGATHA RAISIN – Staffel 4

Regie: Matt Carter

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: GB 2021

Laufzeit: ca. 400 Min.

FSK: ab 16

Extras: keine Angabe

Agatha Raisin (Ashley Jensen) war von ihrer Arbeit als PR-Agentin und ganz allgemein von ihrem Leben im hektischen London gestresst. Daher beschloss sie, in ein beschauliches Dörfchen im Südwesten Englands zu ziehen. Doch so richtig entspannend war es in Carsely nicht, denn kurz nach ihrer Ankunft ereignete sich ein skurriler Mord. Doch anstatt sich rauszuhalten und Inspector Wilkes (Jason Barnett) seine Arbeit machen zu lassen, ermittelte Agatha einfach selbst. Dabei stellte sie fest, dass sie ein gewisses Händchen fürs Aufklären von Verbrechen besitzt. Und so mischt sich die quirlige ehemalige PR-Agentin seit nunmehr vier Staffeln in die Polizeiarbeit ein und klärt die Fälle auf ihre ganz eigene, chaotische Art auf. „Agatha Raisin – Staffel 1“ war sicherlich kein Meisterwerk. Als unterhaltsame Krimi-Comedy mit wunderbar verschrobenem Dorf-Flair und durchaus klug aufgebauten Mordfällen konnte die Serie jedoch auf jeden Fall überzeugen. Ab Staffel zwei gab es leider einen zunehmenden Qualitätsabfall, der in der hier vorliegenden vierten Staffel seinen (vorläufigen?) Tiefpunkt erreicht. Die Fälle und Auflösungen sind sehr weit hergeholt, und die überhandnehmende Slapstick lässt wenig vom ursprünglichen Charme übrig. Schade. (FT)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

DEZERNAT M – Volume 3

Regie: Francis D. Lyon, Don Taylor

Label: Pidax

Land/Herstellungsjahr: USA 1960

Laufzeit: ca. 218 Min.

FSK: ab 12

Extras: keine Gleiches Setting, neues Programm: Die dritte DVD-Collection zu „Dezernat M“ enthält gleichzeitig auch die letzten Episoden um den nach wie vor unantastbaren Frank Ballinger, der die Rolle des Detektivs mit ebenso viel Leidenschaft verkörpert wie den Part des grobschlächtigen Polizeileutnants. Das letzte Set enthält diesmal jedoch nur neun Folgen, mit denen sich Lee Marvin dann zugunsten weiterer Spielfilm-Produktionen aus der Serienwelt verabschiedet – dies jedoch ein weiteres Mal mit viel Charisma und coolen Wortmeldungen. Die Synchronisation mag zwar letzten Endes nicht so wirklich zur Originalausgabe passen, weil der europäische Markt hier stark ins Visier genommen wurde, jedoch bleibt auch hier der Charme bestehen, weil die Interpretation des losen Mundwerks vorzüglich gelungen ist. Bedauerlich ist lediglich, dass bei keinem Teil der Sammlung Bonusmaterial enthalten ist, auch wenn der Umstand der langen Zeitspanne zwischen Originalveröffentlichung und DVD-Release hier nicht zu vernachlässigen ist. Dies soll dem Gesamtvergnügen jedoch keinen Abbruch tun. „Dezernat M“ ist kultige Krimi-Kost und gehört als solche in jede gut sortierte Sammlung! (BB)

Film: ★★★★★

DVD: ★★★★★

SMALL AXE

Regie: Steve McQueen

Label: Polyband

Land/Herstellungsjahr: UK 2020

Laufzeit: ca. 407 Min.

FSK: ab 16

Extras: Pappschuber, Making-Of Ein Meilenstein der Fernsehgeschichte! Das ist keine Behauptung, sondern eine Feststellung. Das sahen auch diverse Preisverleiher so und sogleich fand die Filmserie zur afrokaribischen Community in London den Weg ins Streaming. Nach mehr als zwei Jahren darf sich der Heimkinosammler nun endlich eine schmucklose Doppel-DVD ins Regal stellen. Fehlerhaft obendrein, man kann eine deutsche UT-Spur auswählen, nur hat sie keinen Inhalt. Der wunderschöne Slang ist für Schulenglisch-Beherrscher sicherlich nur schwer zu verstehen. Dabei ist die ganze Originaltonspur dermaßen bunt und lebendig, da stinkt die deutsche Synchronisation nur ab. Schade. Chance vertan … Doch genug gemosert. Das Herzstück sind die fünf Filme. Golden-Globe-Gewinner Steve McQueen feiert die schwarze Community mit fünf höchst unterschiedlichen (authentischen!) Geschichten der 1960er bis 1980er. Mut, Kampf, Standhaftigkeit, Probleme, Widerstand und Durchsetzungsvermögen. Stolz und Vorurteile. Rassismus. Kultur und Identität. Mein Favorit ist die Episode „Lovers Rock“. Ein 100-minütiger Groove durch eine Blues-Party mit Gefahren und voller Romantik. Man muss es noch mal sagen: Die DVD-Veröffentlichung ist schlecht und wird den Filmen überhaupt nicht gerecht. (MC)

Serie: ★★★★★

DVD: ★★★★★