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RUHIGE AU SSICHTEN


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National Geographic Traveler - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 16.12.2022
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Bildquelle: National Geographic Traveler, Ausgabe 1/2023

Die Region Horsens Fjord in Ostjütland ist bekannt für ihr ausladendes Meerespanorama.

Jørgen Petersen ist der Hafenmeister. Er repariert auch die Straßen und kennt sich mit Strohdächern aus. Als ich ihn zum ersten Mal treffe, sitzt er auf seinem Traktor und tuckert über den Hof zu den Ställen seiner Farm, um die Pferde zu satteln. Zusammen mit seiner Frau Nette bietet er Wanderritte an. „Ich bin außerdem der Feuerwehrmann und Polizist der Insel“, erzählt Jørgen, als würde er sich Sorgen machen, dass ich ihn für einen dieser Müßiggänger halte, die zu viel Zeit haben.

Auf Endelave ist kein Platz für Müßiggänger. Auf der kleinen Insel vor Dänemarks Halbinsel Jütland lebt eine alternde Bevölkerung von nur 150 Menschen. Das bedeutet, dass die fitten und fähigen Bewohner alles tun, was nötig ist, um die Gemeinde am Leben zu halten. Es wird jedoch schnell klar, dass das Leben hier sich um mehr dreht als die Instandhaltung des Hafens und die Reparatur von Straßen. Was diese Gemeinde ...

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... ausmacht, ist die farbenfrohe Geschichte der Insel selbst, der Identitätssinn, der in den Feuern ihrer Legenden, Gerüchte, Anekdoten und Begebenheiten geschmiedet wurde.

„ Es gibt so viele Geschichten“, stellt Jørgen mit Genugtuung fest, während wir eine kreisförmige Strecke durch den Südosten der Insel reiten. „Siehst du das Haus? In den 1940ern wohnte dort ein Löwenzähmer mit vier Löwen. An einem Tag war ein Nachbar gerade dabei, seine Kuh zu melken, als er aufblickte und sah, dass ihn ein Löwe verfolgte! Die Tiere waren ausgebrochen. Drei von ihnen wurden erschossen, aber den vierten haben sie nie erwischt. Man sagt, dass er noch immer durch die Wälder streift.“

Es sind diese märchenhaften Dinge im Land von Hans Christian Andersen, die mit einer unerwarteten Wendung die Kinder entzücken und zugleich erschrecken. Die Landschaft ist für solche Ausschmückungen ein nahrhafter Boden. Krähen fliegen aufgeregt über Felder hinweg, auf denen Weizen und gemischte Wildblumen wachsen. Am Waldrand steht eine alte Hütte, draußen blüht eine Hortensie in Lila und Pink, und – wer weiß – vielleicht lauert drinnen ein Wolf.

Ein Hase mit dunklen Ohren erstarrt, als wir uns nähern, bevor er über ein Feld davonrast. Die Insel ist allerdings besser bekannt für ihre Kaninchen, die etwas entspannter vor uns vom Weg hoppeln. Sie sind seit 1925 hier. „Ein Insulaner hatte Hühner vom Festland bestellt, aber es wurden aus Versehen Kaninchen geliefert“, erzählt Jørgen. „Er hat sie angewidert ausgesetzt und, na ja, da wären wir.“ Lange wurden sie als Landplage betrachtet, aber dann entdeckte jemand das Marketingpotenzial dahinter und entwickelte einen 20 Kilometer langen Wanderweg, der den Kaninchen gewidmet ist. „Die Menschen begreifen zunehmend, dass wir neben der Landwirtschaft auch auf den Tourismus angewiesen sind, und Touristen finden die Kaninchen niedlich“, sagt Nette. „Und ich esse sie gerne“, fügt Jørgen hinzu – ein Detail, das in Reiseführern nicht erwähnt wird.

Der Weg wird schmaler, und das Ackerland geht in einen Wald à la „Hänsel und Gretel“ über, voller Eichen, Weißbirken und dunkelgrüner Kiefern. Wir reiten an zwei Ameisenhügeln vorbei, an denen es nur so wimmelt, und ich werde von einem tief hängenden Ast angegriffen, dessen Zweige über meinen Reithelm peitschen. „Diese Eichen auf der linken Seite wurden während der Englandkriege gepflanzt“, sagt Nette und meint damit eine Zeit des Konflikts zwischen Großbritannien und Dänemark in den frühen 1800ern. „Die Briten haben den Großteil unserer Flotte in der Seeschlacht von Kopenhagen geschlagen, also befahl der König den Dorfbewohnern, Eichen für neue Schiffe zu pflanzen.“ Jørgen greift die Geschichte lachend auf. „1975 hat das Umweltschutzministerium eine Nachricht an das Kriegsministerium geschickt, um mitzuteilen, dass die Bäume fertig seien. Nur 150 Jahre zu spät!“

Wir erreichen die Küste und folgen einem gebogenen Strand, der mit chic gestrichenen Sommerhütten gesäumt ist. Hinter ihnen sind die Eichen verkümmert und knorrig – der Seewind hat sie derart drangsaliert, dass sie sich landeinwärts beugen wie eine Reihe schrumpeliger Hexen. „Ich erzähle dir noch eine Geschichte“, beginnt Jørgen. „Es lag einmal während der Englandkriege ein britisches Kampfschiff nahe der Küste hier vor Anker. Ein paar einheimische Landwirte entschlossen sich voller Mut – und vermutlich Bier –, einen Nahschuss mit ihren Gewehren abzufeuern. Der Schiffskapitän reagierte mit einer verärgerten Kanonensalve, bevor die angsterfüllten Insulaner einen Priester vorbeischickten, der sich entschuldigte.“ Jørgen fährt fort: „Ich habe vor Kurzem ein Haus im Dorf repariert“, (es stellt sich heraus, dass er auch Schreiner ist) „und die Dame zeigte mir eine Kanonenkugel, die ihr ihre Großmutter vererbt hatte. Anscheinend haben fünf oder sechs davon überlebt. Die Bauern nutzten sie, um Weizen zu mahlen.“

DIE SCHÄTZE DER NATUR

Ja, die Menschen auf Endelave sind ein erfinderisches Volk – das müssen sie, da Einrichtungen rar sind. Es gibt keinen Supermarkt, kein Krankenhaus und keine Schule (die Kinder müssen zum Unterricht mit der Fähre um 6.30 Uhr in die Stadt Horsens auf dem Festland fahren). Das einzige Geschäft der Insel wird von einer Hütte aus betrieben, unter deren Dachrinne Hausschwalben hin- und herflattern. Während meines Erkundungszuges am späteren Nachmittag gelange ich zu einem Strand, wo ein Paar gerade im Flachwasser herumwatet, um Muscheln fürs Abendessen zu sammeln. Die beiden durchsuchen Algenklumpen, die sie in große Siebe schaufeln, und verstauen ihre Funde in Einkaufsnetzen. In einem Waldstück treffe ich auf vier ältere Einheimische, die den Wegesrand nach Essbarem absuchen. Dann quetschen sie sich in ihr kleines Auto und fahren langsam davon, während sie mir zum Abschiedsgruß mit Weingläsern zuprosten. Ich winke ihnen hektisch hinterher, da sie die offene Flasche auf dem Autodach vergessen haben.

„Es gibt so viele wild wachsende Nahrungsmittel – vermutlich, da wir so abgeschieden leben“, erklärt mir Birgit Martinsen, als ich sie am Endelave Heilkräutergarten treffe. Er wurde 1995 geschaffen, um Pflanzen für die Herstellung von Heilkräutern zu züchten. Diese sollten in ganz Dänemark verkauft werden. Das Geschäftskonzept ging nicht auf, aber die Insulaner wollten den Garten um seiner selbst willen erhalten. Und er ist wunderschön, aufgeteilt in ordentliche viereckige Beete, in denen es vor Pflanzen wimmelt, deren Nutzung in verschiedenen regenerativen Mixturen Jahrhunderte zurückgeht und die auch heute noch zum Einsatz kommen.

„Auf Dänisch haben wir das Wort forening, das ‚freiwillige Arbeit‘ bedeutet – Menschen, die in einer Vereinigung zusammenkommen, um Dinge zu ermöglichen“, erklärt Birgit. Es ist ein Wort, das perfekt zum Leben auf Endelave passt. Birgits Aufgaben auf der Insel reichen vom Toilettenreinigen bis zum Abhalten von Kursen für kreatives Schreiben, und in diesem Jahr betreut sie auch den Kräutergarten. „Ich bin keine Gärtnerin“, sagt sie achselzuckend, als wir die Schotterwege des Gartens entlanggehen. „Ich lerne dazu.“ Wir bleiben an einem Beet mit typischen Arten auf Endelave stehen, zum Beispiel Meerkohl, den ich an der Küste bereits gesehen habe. „Er ist köstlich, wenn man ihn brät – die Blätter werden schön knusprig.“

Am nächsten Tag begleite ich Bjarne und Kristian Ottesen, Vater und Sohn, um ein weiteres wild wachsendes Nahrungsmittel kennenzulernen. Sie bringen mich nach Øvre an der Nordspitze der Insel, ein Naturschutzgebiet, bestehend aus Salzwiesen, Kiefernwald und Heidelandschaft. In Wathosen, die uns bis zur Brust gehen, stapfen wir los, überqueren eine Düne, steigen zum Strand hinunter und gehen direkt ins Meer. Dicke Muscheln liegen zwischen den Steinen und den vereinzelten gallertartigen Quallen unter der Wasseroberfläche, aber meine Führer haben nur Augen für eines: Seetang. Ihre Leidenschaft für das Zeug kennt keine Grenzen. Sie sind völlig verrückt danach.

„Ah, das hier ist Blasentang“, sagt Bjarne und legt ihn vorsichtig über seine Handfläche, als wäre es eine Perlenkette statt einer schleimigen braunen Strähne, die mit etwas bedeckt ist, das wie kleine Hoden aussieht. „Die Luftsäcke halten ihn an der Wasseroberfläche, sodass er viel Sonnenlicht abbekommt.“ „Hier ist etwas Sägetang“, wirft Kristian aus der Nähe ein und bringt uns Seetang mit zackigen Kanten, der die Farbe von Weihnachtsbäumen hat. „Das ist der Klassiker.“ „Zuckerkelp!“, ruft Bjarne und hebt ein Stück in die Höhe wie eine Trophäe. „Irisch Moos!“, hält Kristian dagegen und winkt mit einem stacheligen Exemplar. Und so geht das Seetang-Ping-Pong weiter.

Als Bjarne verkündet, dass es in Dänemark etwa 400 verschiedene Arten gibt, wird mir klar, dass das Spiel einige Zeit andauern kann. Aber es ist unmöglich, sich von der Begeisterung nicht anstecken zu lassen. Seetang enthält 3500 bioaktive Zutaten, die es ihm ermöglichen, Wetterextreme und Umweltverschmutzung zu überleben, erklärt Kristian, und die auf alle möglichen Arten genutzt werden können. Es ist ein exzellentes Düngemittel, da es Viren und Pilze bekämpft, und kann, in Sonnencreme eingesetzt, vor UV-Strahlen schützen. Bjarne und Kristian testen gerade ein Tierfutter aus Seetang und stellen Zutaten für die Nahrungsmittelindustrie her, um künstliche Konservierungsstoffe zu ersetzen. In nur einer Stunde lerne ich, dass Seetang praktisch alles verbessern kann, von Dachmaterialien bis zur Zahnpasta. Ich weiß, dass das Kultivieren der Pflanze den Planeten retten kann, da Seetang bis zu 15-mal mehr Kohlendioxid speichert als Landpflanzen. Das Potenzial scheint endlos. „Jemand hat gestern angerufen und wollte wissen, ob wir Sonnenbrillen aus Seetang herstellen können“, verkündet Bjarne begeistert. „Ich sagte: ‚Natürlich können wir!‘“

Die Seetangsafari endet in Bjarnes renoviertem Bauernhaus. Aus dem ehemaligen Stalltrakt wurde Nordisk Tang, ein Laden für Seetangprodukte. Die Regale sind voll mit Seetangsenf, Seetangsalz und diversen Seetanggewürzen. Es gibt ein Seetangpeeling fürs Gesicht, Seetangfeuchtigkeitscremes und flaschenweise Rum und Brandy, der aus Blasentang gewonnen wird.

Im Esszimmer nebenan trinke ich Algenbier und probiere ein Festmahl, das Kristian zubereitet hat. „Manchmal sind die Leute etwas skeptisch, wenn es darum geht, Algen zu essen. Daher ist es wichtig, dass ihre erste Erfahrung richtig gut ist.“ Ich habe es probiert und für gut befunden. Vom Vollkornbrot mit löffelweise Pesto bis zum Berg an zerkleinertem und gebratenem „Speck des Meeres“ sind alle Speisen unglaublich abwechslungsreich – man bekommt nicht genug. Ich bin nicht überrascht, als Kristian zugibt, dass er keine offizielle Ausbildung zum Koch hat („Ich liebe einfach Geschmacksrichtungen“), oder als Bjarne sagt, dass er keine Erfahrung in Seetang-Wissenschaft hat („Ich war Direktor an einem Gymnasium“). Diese Insel besteht aus Menschen, die sich viele zusätzliche Fähigkeiten selbst aneignen. Das Paar hat vor, ein Restaurant, Touristenunterkünfte und eine Akademie für zukünftige Umweltschützer zu eröffnen. „Die Leute hielten uns früher für verrückt, aber das hat sich gelegt. Einige der ältesten Insulaner haben sogar zugegeben, dass sie Seetang gegessen haben, als sie jung waren und das Geld knapp. Jetzt, wo ich darüber nachdenke … vielleicht sind sie deshalb so alt geworden?“

DIREKT AUF DEN TISCH

In den folgenden Tagen unternehme ich Ausflüge zu anderen Zielen in Horsens Fjord. Auf Hjarnø – zehn Minuten mit der Fähre vom Hafen Snaptun in Horsens entfernt – treffe ich Louisa Sørensen vor ihrem Haus an der Küste. Sie und ihr Mann Brian haben damit begonnen, Fahrräder und Golfbuggys an Touristen zu vermieten, aber sie besitzen auch einen Landstreifen, auf dem sie Gänse halten. Und Tiere, die Louisa als „ungarische Wollschweine“ bezeichnet. Ich radle hin, um sie in ihrem schlammfarbenen Zuhause auf einer Waldlichtung zu besuchen. Ein Dutzend Mangalica-Schweine – von schwarz-weiß bis karamellfarben sind alle Schattierungen zu sehen – kommen angelaufen, um mich zu be-grüßen, bevor sie mit ihrem Geschnüffel und Herumjagen fortfahren. „Sie sind 14 Jahre alt und machen uns viel Freude“, sagt Louisa lächelnd. Zwei Weibchen watscheln schwerfällig um sie herum, und ein größerer Eber beobachtet sie von seinem Platz hinter einem Drahtzaun. Alle drei haben dickes, lockiges Fell, als ob sie mitten in einer Verwandlung von Schweinen zu Schafen wären.

„Der Begriff ‚lokal hergestellt‘ wird wirklich übermäßig gebraucht“, erklärt mir Bodil Møller, als wir uns am nächsten Tag in ihrem Laden und Restaurant, Fru Møllers Mølleri, treffen. „In Norwegen sagt man kortreist mat, was so viel wie ‚wenig gereistes Essen‘ bedeutet. Ich finde das viel anschaulicher.“ Wir befinden uns in der Region Odder auf dem Festland, aber trotzdem nur einen Katzensprung vom Meer entfernt. Vom Seetang und den Mangalica-Schweinen und Bisonweiden inspiriert, habe ich den Nachmittag damit verbracht, nach anderen Plätzen zu suchen, die den Ansatz „Vom Erzeuger zum Verbraucher“ verfolgen. Es war nicht schwierig. In der Obstplantage Karensminde kann man Pflaumen und Kirschen pflücken, in Brandbygegaard, einem Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert mit Apfelbäumen und einem ummauerten Gemüsegarten, gibt es Bio-Cider zu kaufen. Im Milchbetrieb Vejlskovgaard Maelkeri habe ich ein paar Münzen in einen Schlitz geschoben und zugesehen, wie sich mein Behälter mit Milch von den Kühen in der Scheune nebenan füllt. Wer sagt, dass Slow Food nicht auch schnell zu haben ist?

„Bauern haben den Ruf, dass sie das Land missbrauchen und die Erde verschmutzen. Ich versuche zu zeigen, dass wir auch brav sein können“, sagt Bodil in ihrer nüchternen Art. Ihre etwa 200 Hektar große Farm scheint auf jeden Fall glückliche Tiere zu beheimaten: Die Schweine haben ihre eigene Dusche, damit die Suhlstelle schön schlammig bleibt, und die Hühner faulenzen in staubigen Gruben auf ihrem Feld. Abgesehen von der Leitung der Farm backt Bodil Brot, das sie in ihrer Bäckerei verkauft, und stellt Eis her, das sie in einer anderen Scheune im Hof anbietet. Eine Bäuerin, Bäckerin und Eismacherin – Jørgen fände das sicher gut. „Wusstest du, dass Essen im Durchschnitt etwa 1500 Kilometer vom Erzeuger zum Verbraucher unterwegs ist?“, fragt Bodil. „Es ist verrückt.“ Das lässt sich nur schwer bestreiten.

Zum Glück tragen Bodil, Bjarne, Birgit und zahlreiche Gleichgesinnte ihren Teil dazu bei, diesen Durchschnitt zu senken. Das Leben in der Küstenregion Dänemarks ist einfach und hart, eine ganz besondere Art von Multitaskern muss ständig alles unter einen Hut bringen. Aber es ist auch eine wundervolle Gegend, um zu leben – ein Ort, an dem Menschen Gutes bewirken. Aus dem Englischen von Isabel Hagedorn

REISE-INFOS

Anreise & unterwegs vor Ort

Von Hamburg oder Flensburg ist Horsens bequem mit dem Zug erreichbar. Der nächstgelegene internationale Flughafen ist Aarhus. Die Inseln Endelave und Hjarnø kann man leicht mit dem Fahrrad erkunden, aber ein Auto ist nützlich, um die Region auf dem Festland weitläufiger kennenzulernen.

Reisezeit

Mit milden Temperaturen bis zu 21 Grad sind Frühling, Sommer und Frühherbst die beste Zeit für einen Besuch. Im Herbst und Winter gibt es Tiefstwerte bis minus ein Grad.

Erwähnte Orte

Wanderreiten Endelave: Nordisk Tang: nordisktang.dk Endelave Kräuterheilgarten: endelave-laegeurtehave.dk Fru Møllers Mølleri: frumollersmolleri.dk Obstplantage Karensminde: karensminde-frugt.dk Brandbygegaard: brandbygegaard.dk

Übernachten

Scandic Bygholm Park: Gemütliche Zimmer in einem alten Gutshof in Horsens. DZ mit Frühstück ab ca. 123 Euro, bygholmpark Hotel Opus: Modernes, urbanes Flair, ebenfalls in Horsens. DZ ab ca. 142 Euro, hotelopushorsens.dk Endelave Kro: Familiengeführtes, sympathisches Hotel mit elf Zimmern auf der Insel Endelave. DZ ab 75 Euro, endelavekro.dk

Weitere Infos

Küstenregion (Odder, Horsens und Juelsminde auf der Ostküste Jütlands): Visit Denmark: visitdenmark.com