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SAMOS UND DIE PERSER


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Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 21.09.2022

Die in der östlichen Ägäis keine 2 km vom kleinasiatischen Festland gelegene Insel Samos hatte unter Polykrates (538–522 v. Chr.) den Höhepunkt ihrer Macht erreicht (Abb. 1). Mehrere umliegende Inseln gehörten ebenso zum Herrschaftsbereich des Tyrannen wie angeblich ein Teil der Westküste der heutigen Türkei. Aufgrund der Nähe zum Perserreich konnte es nicht ausbleiben, dass Samos des Öfteren mit diesem in Berührung kam. So half Polykrates Kambyses II. bei dessen Eroberung Ägyptens, indem er ihm ein Flottenkontingent zur Verfügung stellte.

Der Tod des Polykrates und der Kampf um die Nachfolge

Am Tod des Tyrannen hatten die Perser einen entscheidenden Anteil. Der Satrap Oroites hatte ihm ein Schreiben zukommen lassen, in welchem er Polykrates um Hilfe bat, da Kambyses nach seinem Leben trachten würde. Als Belohnung stellte er dem Herrscher von Samos einen Teil seiner Schätze in Aussicht, mit denen ...

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Bildquelle: Antike Welt, Ausgabe 5/2022

Abb. 1 Überreste des Heraions auf Samos. Der letzte Neubau des großen Tempels für die Göttin Hera erfolgte wohl während der Herrschaft des Polykrates, wurde jedoch nicht mehr vollendet, was nicht zuletzt auf den Niedergang der Insel seit dem Tod des mächtigen Tyrannen zurückgeführt wird.
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... dieser seine großen Ambitionen finanzieren könne. Der Schreiber Maiandrios wurde von Samos entsandt, um sich die Schätze des Oroites zeigen zu lassen, wurde von diesem jedoch getäuscht, indem der Satrap Truhen vorwiegend mit Steinen befüllen ließ, welche nur oberflächlich mit Gold aufgefüllt wurden. Als Polykrates die Nachricht von den angeblichen Schätzen erhielt, begab er sich selbst zu Oroites und fand im Jahr 522 v. Chr. den Tod (Abb. 2). Warum Oroites den Herrscher von Samos in eine Falle lockte, ist nicht eindeutig geklärt.

Maiandrios versuchte nun die Macht auf Samos zu ergreifen, allerdings schwächte er mit seinem Vorgehen die Insel wohl nachhaltig. Widersacher ließ er verhaften und ins Gefängnis werfen. Innere Unruhen konnten nicht ausbleiben. Es sollte sich jedoch zeigen, dass sein gefährlichster Gegner gar nicht vor Ort war. Syloson, ein jüngerer Bruder des Polykrates, war zu Lebzeiten des Tyrannen von diesem vertrieben worden. Er kam nach Ägypten, wo er auf dem Markt von Memphis dem späteren persischen Großkönig Dareios begegnete, der, wie Herodot (3, 139, 2–140, 5) berichtet, Gefallen am Mantel des Syloson gefunden hatte und ihm diesen abkaufen wollte. Syloson aber schenkte ihm das Kleidungsstück und sollte davon profitieren, als der Beschenkte die Herrschaft übernahm. Dann nämlich begab er sich zu Dareios nach Susa und bat ihn darum, ihn zum Herrscher auf Samos zu machen. Ob man diese Episode nun glauben mag oder nicht, das Geschenk allein wird den Großkönig wohl nicht zum Eingreifen auf der Insel bewogen haben. Dass er sich hiervon einen Ausbau seines Einflussbereichs erhofft hatte, darf angenommen werden. Einen Mann namens Otanes jedenfalls beauftragte er mit der Rückführung des Syloson. Auf nennenswerten Widerstand stieß man offenbar nicht. Die Schwächung der Insel unter Maiandrios scheint sich hier deutlich zu zeigen. Dieser musste die Insel nun nach der Vereinbarung eines Waffenstillstandes verlassen, sein Bruder Charilaos aber führte den Kampf gegen die Perser mit der Hilfe von Söldnern fort und sah sich bald einer Belagerung durch den Feind gegenüber, während Maiandrios sich nach Sparta begab, von wo er allerdings ebenfalls bald wieder vertrieben werden sollte. Syloson wurde unterdessen von den Persern als Herrscher von Samos eingesetzt. Als von den Persern un- abhängig kann die Insel von nun an nicht mehr angesehen werden. Dass ab diesem Zeitpunkt Abgaben an Dareios gezahlt werden mussten, gilt als wahrscheinlich. Die Loyalität den Persern gegenüber hielt Syloson jedenfalls aufrecht, ebenso wie später sein Sohn und Nachfolger Aiakes II.

unterstützung gegen die Skythen

So überrascht es nicht, dass die Samier für militärische Unternehmungen der Perser Hilfe leisteten. Ein Mann aus Samos namens Mandrokles ließ für einen Feldzug des Dareios gegen die Skythen 513 v. Chr. eine Schiffsbrücke über den Bosporus errichten. Als Belohnung hierfür überhäufte der Großkönig den Erbauer mit Geschenken, von denen dieser Herodot (4, 88) zufolge ein Bild anfertigen ließ, welches seinen Aufstellungsort im Heraion von Samos fand und auf dem die Brücke, der thronende Dareios sowie dessen Heer abgebildet waren. Der aus Halikarnassos, dem heutigen Bodrum in der Türkei, stammende Historiker Herodot kannte die Insel Samos aus eigener Erfahrung, da er vor dem Herrscher seiner Heimatstadt fliehen musste und kurzeitig nach Samos ins Exil gegangen war. Ob der um 490/480 v. Chr. geborene Herodot das von Mandrokles gestiftete Bild selbst gesehen hat, ist nicht sicher. Sofern es zu seiner Zeit auf der Insel dort noch zu sehen war, ist das jedoch nicht unwahrscheinlich. Das Heraion jedenfalls dürfte er gekannt haben, denn er erwähnt (3, 60), dass sich auf Samos die drei größten Bauwerke der Griechen befänden. Neben dem Tempel für Hera nennt er hier den Tunnel des Eupalinos, eine Wasserleitung zur Versorgung der Stadt Samos (das heutige Pythagorion im Südosten der Insel) sowie die um den Hafen der Stadt führende Mole (Abb. 3). Die einstige Macht von Samos war also noch gut zu erkennen.

Die skythische Expedition der von den ionischen Griechen unterstützten Perser verlief nicht allzu erfolgreich, so dass man sich zurückziehen musste. Die Skythen machten den die Brücke bewachenden Ioniern nun das Angebot, selbige abzureißen und sich somit von den Persern zu befreien. Dass sich unter den Ioniern auch Soldaten aus Samos befanden, zeigt sich daran, dass Aiakes an den folgenden Beratungen der Griechen beteiligt war. Die griechischen Anführer waren nicht bereit, die Perser zu verraten. Nicht nur auf Samos, sondern auch in anderen ionischen Städten verdank- ten die Herrscher ihre Führungspositionen den Persern oder waren zumindest von deren Duldung abhängig. So ermöglichten sie durch Ausschlagung des Angebots dem persischen Heer den Rückzug über die Brücke.

Der Verrat von Lade

Es mag deswegen überraschen, dass die Treue der ionischen Griechen ein jähes Ende fand, als 500/499 v. Chr. in Milet eine Erhebung gegen die Perser ihren Anfang nahm. Ausgelöst wurde der sog. Ionische Aufstand vom dortigen Tyrannen Aristagoras, der nach einem gemeinsam mit den Persern unternommenen, jedoch erfolglosen Angriff auf die Insel Naxos befürchtete abgesetzt zu werden. Er legte die Tyrannis nieder und gab sich in der Folge als großer Verfechter der Demokratie. Andere Städte folgten dem Beispiel und riefen ebenfalls die Demokratie aus. Die bisherigen Tyrannen wurden vertrieben. Es waren also nicht diese, die sich gegen das Perserreich wendeten.

So kam es auch erstmals zum Abfall von Samos von den Persern als Aiakes im Jahr 499 v. Chr. durch Aristagoras von der Insel vertrieben wurde. Aiakes gedachte allerdings nicht, sich ohne Weiteres geschlagen zu geben und bemühte sich darum, die Samier dazu zu bewegen, ihr Bündnis mit den übrigen Ioniern zu brechen, was ihm im Vorfeld der Seeschlacht bei Lade (494 v. Chr.) letztlich auch gelang. Überzeugen ließen sich die Samier dadurch, dass die Zustände im ionischen Lager scheinbar sehr verworren waren und der Glaube an einen Sieg über die Perser, von denen man befürchten musste, dass sie im Fall einer Niederlage ihre Flotte immer wieder problemlos durch neue Schiffe ergänzen konnten, nicht mehr allzu groß war.

Kurz bevor es bei der Insel Lade, heute durch Versandung ein Teil des türkischen Festlandes, zur Schlacht kam, scherte angeblich ein Großteil der 60 am Westflügel der griechischen Flotte postierten Schiffe der Samier aus der Formation aus und trat die Heimreise an (Abb. 4). Die Perser gewannen die Auseinandersetzung und konnten nun auch das nahegelegene Milet einnehmen, was das Ende des Aufstandes bedeutete. Die Samier waren in den Augen der Griechen zu Verrätern an ihrer Sache geworden.

Herodot (6, 14) zufolge hatten jedoch nicht alle Schiffe aus Samos das Kampfgebiet verlassen, sondern elf von ihnen hatten sich widersetzt und an der Seite der anderen Griechen ausgehalten, auch wenn dies nichts mehr am Ausgang der Schlacht änderte. Herodot räumt sogar ein, dass er nicht eindeutig sagen könne, wer sich unter den Ioniern in der Auseinanderset-

zung wie verhalten hat, da man sich gegenseitig eines unrühmlichen Verhaltens beschuldigte. Dies ließe theoretisch auch die Möglichkeit zu, dass der Verrat von Lade in dieser Form gar nicht stattgefunden hat. Pausanias (7, 10, 1) hingegen spricht klar von einem Verrat der Samier. Zweifel, wie diejenigen Herodots, hegt er keine. Aiakes jedenfalls wurde von den Persern in seine Heimat zurückgeführt, da er sich als nützlich erwiesen hatte, was die Ereignisse von Lade ebenso wahrscheinlich erscheinen lässt, wie die Verschonung der Stadt und der Tempel von Samos – ein Glück, welches anderen aufständischen Ioniern nicht beschieden war. Herodot (6, 25, 1) selbst spricht hiervon wiederum klar im Zusammenhang mit dem Rückzug der samischen Schiffe.

Eine Expedition nach Sizilien

Nicht alle Samier waren, wie gesehen, mit dem Verhalten ihrer Befehlshaber einverstanden. Dies veranlasste einige von ihnen dazu, eine Einladung aus Zankle, dem heutigen Messina, auf Sizilien anzunehmen (Abb. 5). Zankle wollte auf Sizilien eine Kolonie gründen, wofür neue Siedler gesucht wurden. Nach der Niederschlagung des Aufstandes erging deshalb ein Angebot an alle Ionier, sich dort niederzulassen. Allerdings wurde dieses nur von den Samiern angenommen. Als jene auf der Insel ankamen, wurden sie von Anaxilaos, dem Tyrannen von Rhegion, dazu überredet, sich stattdessen Zankles selbst zu bemächtigen, da dieses gerade wegen des Angriffs auf eine Stadt der Sikeler schutzlos war. Ein Hilferuf an Hippokrates von Gela nutzte nichts. Auch von diesem wurde Zankle verraten und ging in der Folge kampflos in den Besitz der Samier über. Skythes, der König der eroberten Stadt, konnte fliehen und begab sich zu Dareios ins Perserreich.

Die Invasionen Griechenlands durch Dareios und Xerxes

Mit dem Ende des ionischen Aufstandes stand Samos wieder auf der Seite der Perser. So auch während des 490 v. Chr. erfolgten Angriffs auf Griechenland durch Dareios (Abb. 6). Besonders viel über die Rolle der Samier während des von Atarphernes und Datis angeführten Feldzugs wissen wir bedauerlicherweise nicht. Das persische Heer, welches zunächst in Kilikien versammelt worden war, reiste auf seinem Weg, der letztlich mit einer Niederlage in der Schlacht von Marathon endete, jedoch über Samos. Dies erfahren wir erneut durch Herodot (6, 95), unsere wichtigste Quelle für die Zeit der Perserkriege.

Wesentlich mehr Informationen über Samos haben wir zu den Jahren 480 und 479 v. Chr., in denen sich die Invasion des Xerxes, des Sohnes und Nachfolgers des Dareios, ereignete. Die Insel stand zu Beginn weiterhin auf der Seite der Perser und so kämpften auch Schiffe aus Samos bei der Schlacht von Salamis gemeinsam mit diesen. Auch wenn die Niederlage in jener Auseinandersetzung nicht die vollständige Vernichtung der persischen Flotte nach sich zog, so bedeutete sie doch einen Wendepunkt im Verlauf des Angriffs auf Griechenland, in welchem den Angreifern nun mehr und mehr die Initiative verloren ging. Dass man sich in dieser Schlacht auch auszeichnen konnte, wenn man auf Seiten der Verlierer stand, zeigt das Beispiel zweier Männer aus Samos, die für ihre Taten von den Persern belohnt wurden. Als Dank dafür, dass er bei Salamis griechische Schiffe bezwingen konnte, wurde Theomestor mit der Herrschaft über die Insel belohnt. Wer sein direkter Vorgänger in der Position des Tyrannen der Insel war, ist nicht gesichert. Möglicherweise folgte er direkt auf Aiakes, auch wenn dies schwerlich zu beweisen sein wird. Ein anderer Samier, der für die Vernichtung griechischer Schiffe belohnt wurde, war ein Mann namens Phylakos, der als «Wohltäter des Königs» eingetragen und außerdem mit Großbesitz bedacht wurde.

Im Jahr 480 v. Chr. hat neben der Seeschlacht bei Salamis auch bei den Thermopylen eine für die Perser folgenreiche Auseinandersetzung zu Land stattgefunden. Zwar konnte das persische Heer hier, im Gegensatz zur Flotte bei Salamis, einen Sieg davontragen, allerdings musste dieser teuer erkauft werden, so dass auch das Heer nicht ungeschwächt war und im Folgejahr bei Plataiai endgültig geschlagen wurde.

Zusätzlich erlitt die persische Flotte 479 v. Chr. ebenfalls eine schwere Niederlage. Nach der Schlacht bei Salamis hatte sie sich nach Samos zurückgezogen, während die griechischen Schiffe bei Delos lagerten (Abb. 7). Hierhin begab sich eine samische Gesandtschaft mit der Bitte an den Hellenenbund, nach Samos zu kommen und den perserfreundlichen Theomestor abzusetzen. Erneut ist es Herodot (9, 90, 1), dem wir es verdanken, dass uns die Namen der Gesandten bekannt sind: Lampon, Athenagoras und Hegesistratos, wobei es sich bei letzterem offenbar um den Wortführer handelte. Leotychidas, der spartanische Befehlshaber der griechischen Flotte, war bereit, der Bitte nachzukommen, wohl auch, da ihn die Aussicht auf die Vernichtung der persischen Schiffe lockte. Die Samier aber mussten zunächst einen Eid schwören und somit ihre Aufrichtigkeit beweisen, möglicherweise aufgrund der Ereignisse bei Lade während des Ionischen Aufstandes.

Als die griechische Flotte nach Samos fuhr, zogen sich die Perser an das Mykale-Vorgebirge auf dem kleinasiatischen Festland zurück, brachten die Schiffe an Land und befestigten ihre Stellung. Die Griechen hatten eigentlich eine Seeschlacht erwartet, mussten nun jedoch umdisponieren und fuhren nach kurzem Zögern und wohl einer eiligen Beratung auf Samos ebenfalls Richtung Festland, wo es ihnen noch vor der Schlacht gelang, mehrere Ionier zum Abfall vom Feind zu bewegen. Auf diese Abwerbungsversuche reagierten die Perser, indem sie zahlreiche Ionier, die für den Moment noch auf ihrer Seite waren, denen sie aber nicht trauten, entwaffneten. Zuallererst traf dies diejenigen Samier, die noch auf persischer Seite standen. Verdächtig gemacht hatten sich diese dadurch, dass sie noch im Vorfeld der aktuellen Ereignissen 500 gefangene Athener freigelassen hatten.

Vor der Schlacht hatten die Griechen ihre Truppen aufgeteilt, so dass der Sieg über die Perser letztlich durch das Auftauchen des Leotychidas mit seinen Spartanern im Rücken der Feinde besiegelt werden konnte. Auch die im Lager der Perser verbliebenen, entwaffneten Samier taten nun, was immer sie konnten und wandten sich gegen ihre alten Herren, worauf andere Ionier ihrem Beispiel folgten. Die siegreichen Griechen verbrannten die Schiffe der Perser. Die Gefahr für Griechenland durch eine persische Invasion war gebannt und Samos von seiner perserfreundlichen Führung befreit.

Die Konferenz von Samos

Nach der Schlacht von Mykale trafen sich die Griechen auf Samos um zu beraten, wie nun am besten mit den ionischen Griechen zu verfahren sei. Die Konferenz fand unter dem Vorsitz der Spartaner statt, die es, ebenso wie andere Griechen, als unmöglich einschätzten, den Schutz der Ionier vor den Persern dauerhaft zu gewährleisten und deswegen eine Umsiedlung ins Mutterland in Betracht zogen. Um dies zu ermöglichen, sollten von dort Griechen, welche die Perser unterstützt hatten, vertrieben werden und Ionier in deren Gebieten angesiedelt werden. Letztlich setzten sich allerdings die Athener durch, die den Vorschlag zunächst wohl noch unterstützt hatten, dann aber ihre Meinung änderten, wie Diodor (11, 37, 3) zu berichten weiß. Stattdessen wurden die Ionier in den 481 v. Chr. gegründeten Bund der Griechen zur Bekämpfung der Perser aufgenommen, auch wenn dies das Problem nur bedingt löste. Athen jedenfalls sagte seine Unterstützung im Falle von persischen Angriffen zu.

Als 478/477 v. Chr. der Attische Seebund gegründet wurde, war Ionien und somit auch Samos ein Teil von diesem. Am Sieg Kimons über die Perser in der Schlacht am Eurymedon (um 470 v. Chr.) waren auch Schiffe aus Samos beteiligt, unter der Führung eines weiteren Maiandrios. Während Samos sich zu Beginn des Seebundes eine gewisse Unabhängigkeit bewahren konnte, hatte es sich später, wie andere Bündnispartner auch, mehr und mehr dem Führungsanspruch Athens zu beugen. Der Aufbau einer Machtstellung wie zu Zeiten des Polykrates war der Insel auch nach der Entledigung des persischen Einflusses nicht mehr vergönnt.

Adresse des Autors

Martin Dietrich M.A. Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg Dienststelle rastatt Lützowerstraße 10 D-76437 rastatt

Bildnachweis

Abb. 1: akg-images / Bildarchiv Steffens; 2: akg-images; 3: Hervé Champollion / akg-images; 4: / Frank ramspott, bearbeitet durch M. Dietrich; 5: akgimages / Michael Foedrowitz; 6: akg / Bible Land Pictures; 7: akg-images / De Agostini Picture Library.

Literatur

H. BENGTSoN, Griechische Staatsmänner des 5. und 4. Jhs v. Chr. (1983).

A. CArTY, Polycrates, Tyrant of Samos. New Light on Archaic Greece (2015).

J. FISCHEr, Die Perserkriege (2013).

E. HErrMANN-oTTo, Die Konferenz von Samos, in: Studi Classici e orientali 48 (2002) 69–97.

T. HoLLAND, Persisches Feuer. Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen (4 2009).

H. J. KIENAST, Die Wasserleitung des Eupalinos auf Samos (2004).

J. KuCIAK, Die erste unter den hellenischen und barbarischen Städten. Ein Blick auf Samos unter Polykrates, in: ANTIKE WELT 2021, Heft 1, 49–54.

H. KYrIELEIS, Führer durch das Heraion von Samos (1981).

K. MEYEr, Samos, die wasserreiche. Die Insel in der antiken Literatur (2 2018).

S. SCHMIDT-HoFNEr, Das klassische Griechenland. Der Krieg und die Freiheit (2016).

G. SHIPLEY, A History of Samos 800–188 BC (1987).

H. SoNNABEND, Samos [3], in: Der Neue Pauly 11 (2001) Sp. 17–23.