Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Test Babynestchen: Bindungsangst


ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 1/2013 vom 03.05.2013

In vielen Babynestchen stecken keine oder nur wenig Schadstoffe. Doch unproblematisch sind die Polsterungen trotzdem nicht: Die Befestigungssysteme bergen ein Verletzungsrisiko.


Artikelbild für den Artikel "Test Babynestchen: Bindungsangst" aus der Ausgabe 1/2013 von ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Smileus/Fotolia.com

So bequem wie in Mamas Bauch wird es für Babys nach der Geburt nicht mehr. Vorher gibt es Fruchtwasser gegen Erschütterungen wie Papas Dauertätscheln, gegen Lärm und die lästige Schwerkraft. Licht verliert auf dem Weg durch Hautschichten das Grelle. Vielleicht ist es der gut gemeinte Versuch, Neugeborenen wenigstens ein bisschen vergangene Behaglichkeit zu erhalten, der Eltern veranlasst, das erste ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 7,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2013 von Test Trinkflaschen: Wasser marsch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Test Trinkflaschen: Wasser marsch
Titelbild der Ausgabe 1/2013 von Test Babyflaschen: Endlich ohne Bisphenol A. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Test Babyflaschen: Endlich ohne Bisphenol A
Titelbild der Ausgabe 1/2013 von TEST Babysäfte: Was für Flaschen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Babysäfte: Was für Flaschen
Titelbild der Ausgabe 1/2013 von Test Kinderkekse: Cookies erlauben?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Test Kinderkekse: Cookies erlauben?
Titelbild der Ausgabe 1/2013 von Test Zucker in Kleinkindernahrung: Wir sind sauer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Test Zucker in Kleinkindernahrung: Wir sind sauer
Titelbild der Ausgabe 1/2013 von Test Smoothies: Gesunde Obstler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Test Smoothies: Gesunde Obstler
Vorheriger Artikel
Test Babyfeuchttücher: Schnell weg
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Test Beißringe: Kein Durchbruch
aus dieser Ausgabe

So bequem wie in Mamas Bauch wird es für Babys nach der Geburt nicht mehr. Vorher gibt es Fruchtwasser gegen Erschütterungen wie Papas Dauertätscheln, gegen Lärm und die lästige Schwerkraft. Licht verliert auf dem Weg durch Hautschichten das Grelle. Vielleicht ist es der gut gemeinte Versuch, Neugeborenen wenigstens ein bisschen vergangene Behaglichkeit zu erhalten, der Eltern veranlasst, das erste Kinderbett mit einem Babynestchen auszustatten. Denn die nackten Gitterstäbe wirken wenig einladend. „Es gibt Kinder, die eine Begrenzung suchen wie zum Ende der Schwangerschaft, zum Beispiel Kopfkontakt auch im Bettchen während des Schlafens. So robben sie sich gegen das Kopfteil des Bettes oder auch gegen die Stäbe. Das ist ein Relikt aus der Zeit im Mutterleib“, weiß Hildegard Jorch. Sie hat 1985 die Elterninitiative zum Plötzlichen Säuglingstod in Nordrhein-Westfalen, 1990 den Bundesverband der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) mitgegründet und ist derzeit Vorsitzende in NRW und Präsidentin der GEPS-Deutschland. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Mutter von sechs Kindern mit der Schlafumgebung für Kleinkinder und Kinderunfällen. Sie ist eine anerkannte Expert i n für sichere Schlafumgebung. Was sie vehement ablehnt: Bettumrandungen mit Füllung. Für Jorch bergen wattierte oder geschäumte Babynestchen prinzipiell die Gefahr, dass ein Baby sein Gesicht oder sein Köpfchen darin vergräbt und durch die damit verbundene Rückatmung und Überwärmung das Risiko für den Plötzlichen Säuglingstod nachweislich deutlich steigt.

Bänder haben für Jorch ebenfalls nichts an Babynestchen verloren, da sich Babys in kurzen Bändern mit den Fingerchen verheddern können. Von längeren Bändern gehe eine akute Strangulationsgefahr aus. Und an den Stäben fixierte gepolsterte oder geschäumte Bettnestchen sind noch aus einem anderen Grund gefährlich: „Wenn Babys anfangen zu stehen, sich hochzuziehen, können derartige Bettumrandungen gefährliche Steighilfen werden, die einen Sturz aus dem Kinderbett ermöglichen können.“ Wer nun unbedingt eine Bettumrandung haben möchte, dem rät Hildegard Jorch: „Wenn Eltern ein Babynest im Kinderbett anbringen wollen, dann nur eines aus sehr dünnem Stoff, das sich von außen mit Klettverschlüssen befestigen lässt und welches ein Baby niemals ins Bett hineinziehen oder in dem es sich verheddern kann. Der Stoff soll auch nur 20 bis 30 Zentimeter hoch sein, da auch eine solche Bettumrandung nur in den ersten Lebenswochen sinnvoll ist.“

Wir wollten wissen, wie gut Babynestchen sind, die Eltern in den Geschäften kaufen können, und haben 13 Produkte in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

■ … ist durchwachsen: Drei Babynestchen schneiden mit „sehr gut“ ab, die Note „gut“ haben wir ebenfalls drei Mal vergeben. Bei vier Modellen reicht es für ein „befriedigend“. Es gibt ein „ausreichend“ und zwei Mal mussten wir mit „mangelhaft“ benoten.
■ Weichmacher im Babyartikel: Das Modell Candide Bett-Nestchen Häschen, weiß-rot enthält einen erhöhten Gehalt des in Spielzeug und Babyartikeln verbotenen Weichmachers DINP – allerdings ohne den gesetzlichen Grenzwert zu überschreiten. Nach neuesten Untersuchungen steht die Substanz im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.
■ Schlecht für das Immunsystem: Einen stark erhöhten Gehalt an Dibutylzinn entdeckte ein Labor in der Bettumrandung Easy Baby Frotteekollektion Nestchen, pistazie. Zinnorganische Verbindungen wie Dibutylzinn (DBT) sind sehr giftig und in der Umwelt meist nur schwer abbaubar. Bereits sehr kleine Mengen dieser Substanz genügen, um das Immun-und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen.
■ Antimon steckt im Polyester: In etlichen Babynestchen, in denen Polyester verarbeitet ist, haben die Labore auch das giftige Halbmetall Antimon gemessen. ÖKO-TEST wertet Antimon ab, weil diese Substanz die Haut reizen kann.
■ Gefährliche Bänderlänge: Fünf der 13 Babynestchen haben Befestigungsbänder angenäht oder zum Anbinden dem Produkt beigefügt, die länger als 22 Zentimeter sind. In solchen langen Bändern können sich Babys mit den Fingern oder Ärmchen verheddern. So kann die Blutzufuhr unterbrochen werden. Und das kann zu Verletzungen führen. Dass Babys die zu Schleifen gebundenen Bänder von den Gitterstäben lösen können, ist belegt. Die Spielzeugnorm EN 71 verbietet an Spielzeug Bänder, die länger als 22 Zentimeter sind, wenn sich daraus eine Schlinge bilden lässt, in der sich ein Kind verletzen, schlimmstenfalls strangulieren kann. Strangulierungsgefahr ist nach Einschätzung eines Experten einer Aufsichtsbehörde bei den Bändern der Babynestchen nicht gegeben, weil sie alle offene Enden haben. Knoten oder andere Griffhilfen am Ende eines Bandes ermöglichten dagegen die sehr gefährliche Schlingen-und Schlaufenbildung. Weil lange Bänder zu Verletzungen führen können, gehören sie für ÖKO-TEST nicht an Babynestchen.

Abkürzungen : DINP = Diisononylphthalat.kbA: kontrolliert biologischer Anbau.
Anmerkungen : 1) Laut Anbieter wird mit der neuen Produktion die Bänderlänge beachtet. Der Übergang zu den neuen Produkten sei fließend. 2) Laut Anbieter wurde der Stofflieferant gewechselt. Die neuen Produkte seien erkennbar an der Seriennummer (MAX 2812). Eventuell seien noch alte Produkte im Handel. 3) Laut Anbieter ist das Produkt ausgelaufen. Der Hersteller habe weitere Nestchen mit anderen Motiven im Programm. Nach ÖKO-TEST-Recherchen wurde das Sterntaler Nestchen Esel Emmi, gelb-hellblau allerdings im Dezember 2012 noch in Internet-Shops angeboten. 4) Dibutylzinn in Mischprobe zu gleichen Teilen aus Oberstoff und Schaumstofffüllung. 5) Weiterer Mangel: Fixierbänder länger als 22 cm. 6) Mangel Inhaltsstoffe: optische Aufheller. 7) Weiterer Mangel: chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 8) Mangel Inhaltsstoffe: Antimon. 9) Mangel Inhaltsstoffe: Phthalate. 10) Mangel Inhaltsstoffe: Dibutylzinn.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein Gehalt von mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug ab 1.000 mg/kg verbotenen Phthalate Diethylhexylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Butylbenzylphthalat (BBP), Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Di-n-octylphthalat (DNOP). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 mg/kg Antimon; b) optische Aufheller mit Hautkontakt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Fixierbänder, die länger als 22 cm sind. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden : siehewww.oekotest.de → Suchen → „J1301“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 02/2012. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Wenn Sie ein Babynestchen mit langen Bändern gekauft haben: Einfach kürzen. Für eine Schleife oder einen Knoten reicht oft schon die Hälfte der Länge.
■ Wer dem Baby mehr bieten will als einen Blick auf Gitterstäbe, kann auch einfach ein luftdurchlässiges Tuch um das Gitter spannen.
■ Nestchen weglassen: Auch wenn Anbieter ihre Babynester als „Kopfschutz“ bewerben: Blanke Gitterstäbe gefährden Babys Kopf nicht.